Hartz IV-Bezieher sollen Schaden des „Kölner U-Bahn-Klüngels“ ausbaden

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wolliohne

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Ein-Euro-Jobber sortieren Kölner Archivalien

Stadt Köln sucht weiterhin auch freiwillige Helfer

Für die Sortierung der Fundstücke aus dem eingestürzten Kölner Stadtarchiv werden allmählich die Arbeitskräfte knapp. Jetzt sucht die Stadt insgesamt 50 Ein-Euro-Jobber für diese Arbeit.

"Es ist völlig normal, dass die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ein wenig nachgelassen hat", sagt der Sprecher des Kulturamtes, Peter Schelenz, gegenüber WDR.de. Doch die Arbeit im Lagerzentrum im Kölner Stadtteil Porz wird noch einige Monate dauern - und darum könnten nach und nach die Arbeitskräfte knapp werden. "Wir suchen jetzt Ein-Euro-Jobber, die ein halbes Jahr lang zur Verfügung stehen", so Schelenz. 14 Helfer haben bereits ihre Arbeit aufgenommen, weitere 36 sollen folgen.
Der Vorteil liege in einer größeren Kontinuität und Planbarkeit des Einsatzes. So müsste das Stammpersonal im Lagerzentrum nicht wie bisher alle drei Tage neue Helfer einarbeiten. Geplant ist zudem, auch weiterhin in zwei Schichten zu arbeiten - dazu müssten aber ständig 40 bis 60 Helfer einsetzbar sein.




Ein-Euro-Jobber sortieren Kölner Archivalien - Panorama - WDR.de
 

kohlhaas

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AW: Ein-Euro-Jobber sortieren Kölner Archivalien

Stadt Köln sucht weiterhin auch freiwillige Helfer

Für die Sortierung der Fundstücke aus dem eingestürzten Kölner Stadtarchiv werden allmählich die Arbeitskräfte knapp. Jetzt sucht die Stadt insgesamt 50 Ein-Euro-Jobber für diese Arbeit.

"Es ist völlig normal, dass die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ein wenig nachgelassen hat", sagt der Sprecher des Kulturamtes, Peter Schelenz, gegenüber WDR.de. Doch die Arbeit im Lagerzentrum im Kölner Stadtteil Porz wird noch einige Monate dauern - und darum könnten nach und nach die Arbeitskräfte knapp werden. "Wir suchen jetzt Ein-Euro-Jobber, die ein halbes Jahr lang zur Verfügung stehen", so Schelenz. ...



Ein-Euro-Jobber sortieren Kölner Archivalien - Panorama - WDR.de

Warum stellt die Stadt Köln nicht einfach 50 arbeitslose Menschen als Angestellte ein - befristet und bei vollem Gehalt nach Tarif. Soll es nun heissen, die erwartete Tätigkeit wäre etwa zusätzlich, würde ohne Ein-Euro-Leute nicht gemacht. Genau so gut könnte man bei der Müllabfuhr oder Gartenamt EinEuro-Zwangsarbeiter einstellen ...:icon_evil:
 

Arania

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AW: Ein-Euro-Jobber sortieren Kölner Archivalien

in der Tat ist dieses mal tatsächlich eine gemeinnützige und zusätzliche Arbeit
 
E

ExitUser

Gast
AW: Ein-Euro-Jobber sortieren Kölner Archivalien

in der Tat ist dieses mal tatsächlich eine gemeinnützige und zusätzliche Arbeit
Sehe ich nicht so. Auch hier werden wieder Menschen unter Androhungen von Strafen als Ein-Euro-Jobber ausgebeutet. Auch wenn man das jetzt möglicherweise mit der Notwendigkeit ein Kulturerbe der Stadt Köln zu retten verbrämt.
Ich sehe das eher so wie kohlhaas. Die Stadt Köln weiß, dass sie ca. sechs Monate lang Mitarbeiter benötigt, also sollten diese zu angemessenen Konditionen befristet eingestellt werden.
Andererseits bekommt man so jedoch nicht die Kopfgelder, die für jeden Ein-Euro-Jobber gezahlt werden, und anbetracht leerer Kassen nimmt man dieses Zubrot doch gern mit.

LG :icon_smile:
 

left

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AW: Ein-Euro-Jobber sortieren Kölner Archivalien

Warum stellt die Stadt Köln nicht einfach 50 arbeitslose Menschen als Angestellte ein - befristet und bei vollem Gehalt nach Tarif. Soll es nun heissen, die erwartete Tätigkeit wäre etwa zusätzlich, würde ohne Ein-Euro-Leute nicht gemacht. Genau so gut könnte man bei der Müllabfuhr oder Gartenamt EinEuro-Zwangsarbeiter einstellen ...:icon_evil:

Genau so und nicht anders! :icon_klatsch:

in der Tat ist dieses mal tatsächlich eine gemeinnützige und zusätzliche Arbeit
:eek:
NEIN, muß nicht sein, die HARTZ IV -Emfänger immer wieder für "sogenannte gemeinnützige und zusätzliche Arbeit" heran zu ziehen.
Die 50 Leute die gesucht werden, sollten festeingestellt werden, mit der Option auf Weiterbeschäftigung bei der Stadt Köln.
 

Paolo_Pinkel

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AW: Ein-Euro-Jobber sortieren Kölner Archivalien

Hi,

was ist denn daran bitte zusätzlich? Das sind Aufgaben einer oder eines Stadtarchivarin bzw. Stadtarchivar! Das ist ein Lehrberuf. Siehe hier:
https://www.bwstellen.de/stem/file.php?id=369308&row=stem_upload

Ganz besonders in Anbetracht der Tatsache, dass es sich hier um Kulturgüter mit historischem Hintergrung (Wert) handelt sollte doch schon Anlass genug sein um Fachkräfte an die Sache zu lassen! So wie z.B. Restaurateure usw.

Von dieser Berufsgruppe gibt es bestimmt den oder die ein oder andere/n ohne Job. Und selbst wenn die Tätigkeit auch für "ungelernte" in Frage käme stellt sich eine Tätigkeit dar, welche normal auch sozialversicherungspflichtig Vergütet wird.

Aber wie man schon hier geschrieben hat. Mitnahmeeffekte auf der einen Seite (Stadt Köln) und Existenzangst (HE+Knebel-EGV) auf der anderen Seite machen solche Spielchen erst möglich.

Gruss

Paolo
 

Martin Behrsing

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Kölner Verkehrsbetriebe sollen den Schaden bezahlen und nicht billigste Ein-Euro-Jobber einsetzen

Köln/Bonn – Scharfe Kritik übt das Erwerbslosen Forum Deutschland an der Entscheidung des Kölner Kulturamts, für Archivierung und Restaurierung der Dokumente des eingestützten Stadtarchivs bis zu 50 Ein-Euro-Jobber einsetzen zu wollen. „Dies ist für uns der Gipfel der Geschmacklosigkeit. So wie es aussieht, sind die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) maßgeblich an dem Desaster mitbeteiligt, das zum Einstrutz des Stadtarchivs geführt hat. Dann haben sie auch die Kosten zu tragen und dazu gehört, dass man nicht billigste Arbeitskräfte auf Kosten der Allgemeinheit einsetzen lässt, sondern von sich auch anbietet, dass die Menschen regulär entlohnt werden“, sagte Martin Behrsing in Bonn.

weiterlesen auf: PR-SOZIAL, das Presseportal...
 

elemka

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Na prima, ...es lebe der Dilettantismus- nachgewiesenermaßen verdienen Fachkräfte zwischen 22-25 EURO die Stunde, und dies völlig zurecht- aber die Stadt Köln spart am falschen Ende mit dieser Politik und setzt Hartz-IV-Empfänger ein, ob diese es freiwillig oder nicht tun, bleibt mal dahingestellt.
Als ob durch dieses Unglück, hervorgerufen durch Schlamperei und Ignoranz, nicht schon genug Schaden angerichtet wurde !!!
Mir kann niemand weismachen, daß nach einem Crash-Kurs Archivmaterial sorgsam genug geborgen wird !

LG elemka
 

Volker

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Vor allem ist da nichts zusätzlich.
Schramme sollte da ran...:icon_party:

Volker
 

Martin Behrsing

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ist das nicht der OB, der zur nächsten Wahl nicht mehr antreten will?
Ist aber kein Grund für einen Euro daran zu müssen. :eek:
Aber wie immer.Der Kölner Klüngel hält zusammen, Auch wenn die Leistungen eigentlich durch andere regulär bezahlt werden könnten. Ich frag jetzt nicht, wo diese Gelder dann gewinnbringend fließen.
 

Kaleika

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AW: Ein-Euro-Jobber sortieren Kölner Archivalien

Abgesehen von der absoluten Ausbeutung, dass sich wahrscheinlich neben der eingestrichenen Versicherungsprämie noch eine goödene Nase verdient werden soll, vermisse ich die Zukunftsaussichten für eine Anstellung ganz erheblich!
Was mir da sonst noch zu einfällt, das schreibe ich jetzt erstmal nicht!

Kaleika
 
F

FrankyBoy

Gast
Ich finde, dass wir eine Politik erleben, die immer mehr von unten nach oben umverteilt. Die Köllner Verkehrsbetriebe sind wahrlich keine Kleinstfirma und diese bereichert sich massiv an den armen- und ärmsten Menschen und das in mindestens zweierlei Hinsicht.

In anderen Threads habe ich beschrieben, welchen Unfug ich - ehem. ALG II Bezieher auszustehen habe und wie die mir mein nicht vorhandenes Eigenkapital entziehen möchten - was ist denn das für eine Demokratie und für ein Rechtsstaat? Über die HRE und Flowers verkneife ich mir jetzt einmal meine Meinung aber das bei einer solchen Praxis das Volk immer mehr leidet, sollte jedem einleuchten.

Seit fast 30ig Jahren, wird ein immer größer werdender, volkswirtschaftlicher Schaden durch solch eine egoistische Praxis verursacht und unsere Regierung tut aber auch alles, einen solchen Mißbrauch von Manpower zu unterstützen - ich denke Bundesregierung des Schreckens ohne Hintern in der Hose und Lobbyistenarschkriecher währe die passende Bezeichnung für diese Volksverräter.
 

Paolo_Pinkel

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Experte Nabrings: Bergungsarbeiten am Kölner Stadtarchiv dauern noch Monate

Arie Nabrings im Gespräch mit Susanne Führer

Der Leiter des Archivberatungszentrums beim Landschaftsverband Rheinland, Arie Nabrings, schätzt, dass die Arbeiten zur Bergung der verschütteten Archivalien in Köln noch etwa ein halbes Jahr dauern werden. Zugleich zeigte er sich erfreut über die Solidarität in der Archivwelt.


Susanne Führer: Sechs Wochen ist es her, dass das Kölner Stadtarchiv eingestürzt ist und mit ihm zigtausende kostbarste und einzigartige Archivalien. Täglich werden Dokumente aus dem Bauschutt geborgen, aus Sicherheitsgründen übrigens nur von Feuerwehrleuten, und manche dieser Archivgüter sind dann fast unversehrt, andere aber in desolatem Zustand. Über den Stand der Rettungs- und Restaurierungsarbeiten will ich nun mit Dr. Arie Nabrings sprechen. Er ist der Leiter des Archivberatungszentrums beim Landschaftsverband Rheinland. Guten Morgen, Herr Nabrings!

Arie Nabrings: Schönen guten Morgen!

Führer: Diese kulturelle Katastrophe hat ja nicht nur die Stadt Köln alarmiert, sondern das gesamte deutsche Archivwesen. Erfahren Sie eigentlich viel Hilfe von Kollegen aus anderen Städten?

Nabrings: Ja, in dieser schwierigen und für die Kölner Kollegen auch bedrückenden katastrophalen Situation ist es erfreulich zu sehen, welche breite Solidarität in der Archivwelt, aber auch darüber hinaus bei den Museen oder anderen Kultureinrichtungen erfahren wird. Es kommen aus dem ganzen Bundesgebiet und zum Teil auch aus den benachbarten Ländern - Niederlande, Belgien - Hilfsangebote, die den Kölner Kollegen zur Seite stehen wollen und auch von ihnen genutzt werden.

Führer: Was denn für Hilfsangebote?

Nabrings: Das sieht so aus, dass sich die Kolleginnen und Kollegen melden, bei den Bergungsarbeiten behilflich sind. Das geschieht - das muss man sagen - vielfach in der Freizeit, am Wochenende. Es werden zum Teil auch Urlaubstage dafür eingesetzt, um in Köln helfen zu können.

Führer: Herr Nabrings, wie hilft denn Ihr Archivberatungszentrum?

Nabrings: Wir haben bei uns in der Archivberatung Archivare, Restauratoren, Fachkräfte, die für diese Aufgabe nun zumindest theoretisch vorbereitet waren und auch praktisch helfen können. Das sieht so aus, dass wir gesagt haben, für die nächsten acht bis zehn Monate wird ein Archivar, Archivarin und ein Restaurator oder eine Restauratorin unserer Dienststelle regelmäßig in Köln tätig sein.

Und weiter sind wir dabei, ein Team zusammenzustellen, die die praktischen Arbeiten bei der Bergung des Materials bewerkstelligen. Dieses Team ist nötig, weil es darauf ankommt, untereinander zu kommunizieren, man muss sich kennen, es sind Handgriffe, die ineinanderfließen müssen. Und da ist es schon ganz wichtig, wenn da ein Zusammenhang da ist. Dieses Team werden wir über Arbeitskräfte versuchen zusammenzustellen bzw. wir haben schon welche gefunden, die über die sogenannten Ein-Euro-Jobber, die ARGE-Kräfte. Und da ist hier die Gesellschaft für gemeinnützige Arbeit im Rhein-Erft-Kreis äußerst konstruktiv und hilfreich und hat uns auch Arbeitskräfte vermittelt.

Führer: Herr Nabrings, noch laufen ja die Bergungsarbeiten in der Severinstraße. Ist denn abzusehen, wie lange das noch dauern wird?

Nabrings: Da gibt es unterschiedliche Aussagen, das ist auch nicht verwunderlich. Man muss sagen, dass die Arbeiten zurzeit sehr gut voranschreiten, so gut, dass man optimistisch davon ausgeht - so sind die Zahlen, die mir genannt worden sind -, vielleicht in sechs Monaten fertig zu sein, aber es kann auch noch bis zu einem Jahr dauern. Das hängt eben eigentlich von der Situation ab, die man vorfindet. Man kommt jetzt in immer tiefere Schichten, und je tiefer man kommt, desto schwieriger wird es.

Führer: Wenn jetzt also die Feuerwehrleute sagen wir mal ein Buch oder einen Aktendeckel jetzt aus dem Schutt gezogen haben, was passiert dann damit?

Nabrings: Also es gibt die Bergungsstelle, das ist der Ort des Stadtarchivs an der Severinstraße. Dort wird das Material von Hand verlesen von Mitarbeitern der Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks. Das wird dann etwas getrennt von der Bergungsstelle an einem Ort zusammengeführt, dann in Kartons verpackt, sofern es trocken ist, und es wird, sofern es nass ist, in spezielle Behälter verbracht, um es gefrierzutrocknen bzw. erst einmal schockzugefrieren und dann gefrierzutrocknen. Das tut man, um weitere Schädigungsprozesse, zum Beispiel durch Schimmelpilz, womit man bei diesen Temperaturen rechnen muss, dass er sich bildet, aufzuhalten und zu stoppen.

Führer: Wo werden die Sachen dann hingebracht, die sind doch teilweise sehr kostbar? Dürfen Sie das überhaupt verraten, wo das hingebracht wird?

Nabrings: Das werde ich auch nicht verraten, sie werden aber an einen sicheren Ort verbracht, ein sogenanntes Erstversorgungszentrum, wo eine weitere, ja, sagen wir mal erste Hilfe an den Archivalien erfolgt. Das ist in Köln, und dort sind sehr viele Kolleginnen und Kollegen von morgens bis spätabends im Einsatz, um das, was geborgen wurde, wieder in Kartons einzupacken, um es dann in Archive auszulagern, die Regalflächen frei haben. Archive sind ja so angelegt, dass sie auf Zuwachs geplant sind, aber für eine gewisse Zeit stehen diese Regalflächen dann zur Verfügung. Unter anderem haben wir ja auch hier beim Landschaftsverband Rheinland in unserem Archiv gut ein Kilometer Material zwischengelagert.

Führer: Genau, das kommt an die verschiedensten Orte, überall, wo Platz ist. Dr. Arie Nabrings, Leiter des Archivberatungszentrums beim Landschaftsverband Rheinland im Deutschlandradio Kultur, sechs Wochen nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs sprechen wir über den Stand der Rettung der Archivgüter. Herr Nabrings, gab es eigentlich bei den Bergungs- und, ja, wie soll man sagen, ersten Sicherungsarbeiten der Archivalien eigentlich besonders positive oder negative Überraschungen?

Nabrings: Positiv war erst einmal festzustellen, dass es zum Teil Archivalien gab, die geradezu unversehrt geborgen werden konnten. Also Sie haben Kartons sichern können, wo Sie die Akten herausnahmen, die geradezu unversehrt waren. Es ist also nicht alles völlig vernichtet. Es gab aber auch Erschreckendes, wo man noch nicht weiß, ob es je wiederherzustellen sein wird. Also Papier, was durch den Steinabrieb, dadurch, dass es zwischen die Trümmer geraten ist, geradezu zerschreddert ist, wo Sie nur noch Fetzen haben. Was eigentlich sehr schön ist, es gab einige Punkte, besonders wertvolle Bestände, zum Beispiel Teile der 550 Schreinsbücher, die im 13. Jahrhundert beginnen und bis zum Ende des 18. Jahrhunderts reichen - das sind die ältesten Kataster- und Liegenschaftsaufzeichnungen, die wir in Deutschland haben-, wurden gerettet, Teile davon. Die bekannten Bücher Weinsberg aus dem 16. Jahrhundert sind geborgen worden, obwohl es auch da Schäden gibt. Ja, und so gibt es unterschiedliche Sachen. Was für Aufsehen gesorgt hat, waren zum Beispiel zwei Handschriften des Albertus Magnus. Also es gibt so einige Ringeltauben, wo man sagen kann, das ist schön und das gibt auch Mut und Optimismus, mit den Arbeiten weiter fortzufahren.

Führer: Habe ich das richtig verstanden, dass bisher eigentlich gesichert und gesichtet wird, eigentliche wirkliche Restaurierung findet dann erst später statt?

Nabrings: Völlig richtig, wir sind im Augenblick in der Phase der Bergung, das heißt, das Archivmaterial aus der Unglücksstelle herauszuholen, und dann fangen die Restaurierungsarbeiten erst an.

Führer: Manche munkeln ja jetzt schon, dass die Kosten der Restaurierung den Wert des Materials übersteigen.

Nabrings: Ja, das ist immer so, dass viel spekuliert wird. Ich glaube, wir wissen im Augenblick noch nicht, wie teuer es wird. Es wird Geld kosten, das ist völlig richtig. Wie viel es sein wird, kann seriös im Augenblick niemand sagen.

Führer: Herr Nabrings, Sie haben eingangs gesprochen von Ihren Mitarbeitern, dass die theoretisch auf so eine Situation vorbereitet waren. Was heißt denn das, machen Sie sozusagen Übungen, wie ich sie noch aus der Schule kenne zu Feueralarm, oder in Japan gibt es ja Übungen für Erdbeben?

Nabrings: Ganz genau, so etwas geschieht, und zwar haben wir in unserer Archivberatungsstelle auch ein Fortbildungszentrum, und dieses Fortbildungszentrum bietet schon seit mehreren Jahren sogenannte Notfallvorsorgeseminare und Notfallplanungen an. Bei diesen Seminaren werden nicht diese Situationen, wie Sie sie jetzt erlebt haben, durchgespielt, aber es wird durchgespielt, wie müssen wir uns in Schadensfällen verhalten. Die klassischen Schadensbilder oder Schadensfälle für ein Archiv ist Feuer und Wasser, dass ein Archiv im Boden versinkt, dieses Schadensbild hatten wir noch nicht, das ist klar. Aber auch in dieser Schadenssituation kommt es darauf an, dass man koordiniert vorgeht, dass man einen Schritt nach dem anderen macht, und das kann man in diesen Notfallplanungen sehr gut üben. Und das wird auch, ja, nicht gerade trainiert, aber es wird doch durchgespielt. Und das kommt jetzt natürlich auch allen zugute …

Führer: Also die haben sich bewährt, sagen Sie?

Nabrings: Ich denke, das hat sich bewährt, ja. Allerdings ist das etwas, was nicht nur für Archive gilt, sondern in jeder Kommune ist es wichtig, dass die Kultureinrichtungen kooperieren und sich gegenseitig helfen. Und das Bundesamt für Katastrophenschutz leistet hier ja auch wertvolle Arbeit und bietet Seminare für diesen Bereich an.

Führer: Dr. Arie Nabrings, der Leiter des Archivberatungszentrums beim Landschaftsverband Rheinland. Ich danke Ihnen herzlich für das Gespräch, Herr Nabrings!

Nabrings: Ja, bitte, auf Wiederhören!

Deutschlandradio Kultur - Thema - Experte Nabrings: Bergungsarbeiten am Kölner Stadtarchiv dauern noch Monate

Gruss

Paolo
 
E

ExitUser

Gast
Und weiter sind wir dabei, ein Team zusammenzustellen, die die praktischen Arbeiten bei der Bergung des Materials bewerkstelligen. Dieses Team ist nötig, weil es darauf ankommt, untereinander zu kommunizieren, man muss sich kennen, es sind Handgriffe, die ineinanderfließen müssen. Und da ist es schon ganz wichtig, wenn da ein Zusammenhang da ist. Dieses Team werden wir über Arbeitskräfte versuchen zusammenzustellen bzw. wir haben schon welche gefunden, die über die sogenannten Ein-Euro-Jobber, die ARGE-Kräfte. Und da ist hier die Gesellschaft für gemeinnützige Arbeit im Rhein-Erft-Kreis äußerst konstruktiv und hilfreich und hat uns auch Arbeitskräfte vermittelt.
Es gibt keine Ein-Euro-Jobber und schon gar nicht "Arge-Kräfte"
Es gibt ausschließlich Zwangsarbeiter, deren Notlage ausgenutzt wird, und deren Arbeitskraft und Einsatz den Nutznießern noch zusätzliches Geld bringen.

LG :icon_smile:
 

Paolo_Pinkel

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Hartz-IV-Empfänger sollen Köln-Dokumente retten

Nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs läuft die Bergung und Sortierung der Dokumente auf Hochtouren. Für die aufwändige Aufgabe, die vielen wertvollen Archivstücke zu registrieren und zu verpacken, greift das Kölner Kulturamt nicht nur auf Ehrenamtler zurück – sondern auch auf Ein-Euro-Jobber...

Eingestürztes Stadtarchiv: Hartz-IV-Empfänger sollen Köln-Dokumente retten - Nachrichten Vermischtes - WELT ONLINE

(Man beachte die Kommentare)

Gruss

Paolo
 
S

sogehtsnich

Gast
Ach ja, jetzt suchen sie ein paar dumme Arbeitslose, die den Gaggel aus dem Dreck buddeln und als Dank kürzen sie dann nächstes Jahr die KdU!

Wenn der KiK Lohn sittenwidrig ist, sind es 1 Euro Jobs schon lange!

Bei einer vernünftigen Bezahlung würden sich mit Sicherheit genügend Leute melden aber Geiz ist nun mal geil!
 

Linchen0307

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Mit mir hätte dieses Stadtarchiv seine helle Freude, nix würde sich finden, was auch nur annähernd brauchbar wäre.
Wenn ich meine Arbeitskraft einsetze, dann auch für einen annehmbaren Lohn, auch wenn diese Einstellung befristet ist.
Ich glaube, wenn man die Hartzer zu vernüftigen Bedingungen einstellte, würden die Alles geben, um eventuell im Anschluss vielleicht übernommen zu werden.
 
E

ExitUser

Gast
AW: Ein-Euro-Jobber sortieren Kölner Archivalien

in der Tat ist dieses mal tatsächlich eine gemeinnützige und zusätzliche Arbeit

Nein, eine zusätzliche Arbeit ist es nicht, da das Sortieren, bevor das Archiv eingestürzt ist, durch Angestellte des Archivs vorgenommen wurde.

Sog. "gemeinnützige und zusätzliche Arbeiten" öffnen Tür und Tor für Lohndumping und Stellenabbau, was selbstverständlich gewollt ist, hilft es doch Kosten zu sparen. Zu sparen auf den Rücken bereits Erwerbsloser und jenen, die gerade durch diese Regelung erwerbslos werden.
 
E

ExitUser

Gast
Ich möchte noch hinzufügen, dass es auffällig ist, dass, wenn es um gemeinnützige Arbeit geht, plötzlich Arbeit im Überfluss vorhanden ist. Die 1 €-Jobber erhalten übrigens keinen Euro, sondern nur 70 Cent/Stunde bzw. 5.60 Euro am Tag.

Das hier Kosten auf dem Rücken erwerbsloser Bürger, aber auch des Steuerzahlers gespart werden, ist ziemlich offensichtlich. Zudem ist die Gemeinnützigkeit eben noch nicht geklärt, aber die 1-Euro-Jobber schon am arbeiten.

Ich kämpfe dafür, dass die 1 €-Jobber für die Dauer ihrer dortigen Tätigkeit einen entsprechenden Lohn für die Knochenarbeit, die sie täglich leisten, erhalten. Diese Lohnzahlung kann von den Versicherungen der Verursacher des Unglücks übernommen werden. Zudem habe ich eine entsprechende Online-Petition beim Bundestag eingereicht, damit das Negativ-Beispiel Köln bundesweit keine Schule macht. Diese Petition ist noch nicht veröffentlicht, weil dies i.d.R. bis zu drei Wochen dauert.

1 Euro-Jobs gehören in sozialversicherungspflichtige Jobs umgewandelt. Ansonsten sorgen sie nur für Stellenabbau, Lohndumping und Ausbeutung ihrer ihnen unterlegenen, modernen Sklaven.
 
R

Rounddancer

Gast
Ist ja nicht die Schuld der Erwerbslosen, daß sich die Kölner Verkehrsbetriebe nicht gegen durch ihre Baumaßnahmen eintretende Schäden versichert haben.

Nein, wenn die Leute brauchen zum Sammeln und Sortieren, dann sollen sie die einstellen, ganz normal und für mindestens 1500 EUR/Mnat brutto, natürlich mit Gratis-Monatsfahrkarte, wie sich das für Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe gehört.
 
E

ExitUser

Gast
Nein, wenn die Leute brauchen zum Sammeln und Sortieren, dann sollen sie die einstellen, ganz normal und für mindestens 1500 EUR/Mnat brutto, natürlich mit Gratis-Monatsfahrkarte, wie sich das für Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe gehört.

Auf eine Höhe des Lohnes will ich mich nicht festlegen. Sie muss aber mindestens tariflich sein. Und bei der Arbeit die dort geleistet wird, gehe ich davon aus, dass die tarifliche Entlohnung höher als 1500 EUR/Monat Brutto sein wird.

Bereits geleistete Arbeit muss dementsprechend nachgezahlt werden.
 
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