Harald Rein »Dreißig Jahre Erwerbslosenprotest (1 Betrachter)

Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 1)

roterhusar

VIP Nutzer*in
Startbeitrag
Mitglied seit
4 Juli 2006
Beiträge
3.336
Bewertungen
35
Habs schon durch!

Weil es schon ein paar Stellungnahmen gibt (googelsdu), hole ich etwas weiter aus.
Was haben die Erwerbslosen davon, wenn ihre Avantgardeinnen 30 Jahre Erfolge feiern?
Der Autor argumentiert, dass ja andere Linke Bewegungen auch ihr Scheitern als Erfolg gefeiert haben - ein Schlagabtausch. Der Erfolg ist nicht das Kriterium, sondern er wird an der Mobilisierungskraft, sowie der Höhe der ergatterten Finanzhilfen abgeleitet.
Die Forderungen der einzelnen Perioden von 1982 bis 2012 sind beliebig und erhöhen die Seitenzahl des Schriftwerkes. Als Gipfelpunkt taucht wiederholt die Existenzgeld- Forderung auf. Die war aber gedacht als Kontrapunkt zur Arbeitslosenversicherung, denn wir waren überzeugt, dass die Umsetzung unmöglich ist, aber helfen kann, ein anderes System zu denken.
Immerhin weisen einige Aufsätze auf die damaligen Konfliktpunkte hin. So wird unumwunden klar gestellt, dass die Erwerbslosenbewegung nicht viel gemacht hat. Statt dies als Aktionsfeld zu nehmen, wird Belangloses aufgezählt und erhöht. Das soll uns auf Augenhöhe mit Bündnispartnern bringen. Wenn das nicht so lächerlich wäre…. In Wirklichkeit geht es um die Kritikabwehr. Harald Rein und Mag Wompel deuten das an, aber sie bemühen sich auch, nicht die Ururenkel der ersten Eloproteste vor 100 Jahren zu verreißen. Eine Grundstruktur war das Nichtstun, Aufrufe zu ignorieren, Anlässe verstreichen zu lassen, auf jeden Fall ein Zusammenschließen vermeiden, einem Opferstatus frönen. Dabei nicht stehenbleiben, sondern Initiativen runterziehen, bekämpfen und ignorieren. Es wurde Karten gespielt, gefrühstückt und dummes Zeug geredet. Nichts gegen diesen Zeitvertreib und praktizierten Minimalismus aber das als Arbeitslosenberatung zu verkaufen, ist nicht ehrlich. Denn linke Aktivisten wurden beschimpft, ausgeschlossen, schlimmstenfalls die Polizei nach ihnen gerufen.
Das ganze Elend wird zwischen den Zeilen gehandhabt, wohl um Leserinnen nicht zu erschrecken. Der Sache tut es nicht gut. Wie sollen sich Bündnisse formen, wenn man nicht weiß, was man falsch gemacht hat. Die Organisierung der Erwerbslosen ist nicht sinnvoll und möglich. Linke Aktivisten haben sich jahrelang vorgemacht, die Erwerbslosenzeitung würde gelesen. Das war selten der Fall. Sie lag schwer wie Blei in den alternativen Geschäften. Harald Rein könnte erstmal die Gründe dafür finden.
 

Pfirsich

Elo-User*in
Mitglied seit
11 August 2013
Beiträge
247
Bewertungen
75

wolliohne

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
19 August 2005
Beiträge
14.322
Bewertungen
829
AW: Harald Rein »Dreißig Jahre Erwerbslosenprot

22,-Euro für das Buch ist nicht gerade wenig.
 

Roter Drache

Forumnutzer/in
Mitglied seit
12 Juli 2013
Beiträge
105
Bewertungen
2
AW: Harald Rein »Dreißig Jahre Erwerbslosenprot

Es ist richtig, das es eigentlich nichts zu feiern gibt bei der Lage. Aber dafür können Harald und Mac nichts und viele andere die über Jahre versucht haben die Erwerbslosen-Bewegung zu einem politischen Gegengewicht zu etablieren. Ich habe die ersten Jahre (82) in den BAGs mitgearbeitet und hatte ähnliche Vorstellungen wie wir die Gesellschaft beeinflussen oder sogar verändern. Gescheitert ist es eindeutig an der Masse der Erwerbslosen die nie bereit waren um ihre eigenen Probleme zu kämpfen. Ich habe in der Zeit viele tolle Menschen getroffen und finde es toll wie lange sie diesen fruchtlosen Kampf durchgehalten haben. Deswegen gönne ich ihnen auch ein wenig Freude und wenn es dann ein wenig verzerrtes Buch ist. Als die Erwerbslosen-Bewegung sich abhob auf europäische Ebene sich zu bewegen und in Hamburg einen Kongress abhielt, wurde das ganze Elend klar. Es war ein riesen Desaster und es wurde fast allen klar das es so nicht weiter geht. Die Beratungsarbeit ist bis heute aber recht erfolgreich und hat vielen Betroffenen geholfen. Zu einer wirklichen Politisierung ist es leider nicht gekommen und nach cirka 30 Jahren ist dieses auch selbst bei Verschärfung nicht zu erwarten. So haben nur die Bonzen was zu feiern, nach dem Motto das Volk folgt egal wie wir es erpressen und ausbeuten.
 
Oben Unten