Handhabung von Businessplänen gegenüber Jobcenter-Mitarbeitern (1 Betrachter)

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Ich bastel seit ca 1.5 Wochen an meinen Businessplan. Obwohl ich keinerlei Gelder und sonstige Förderungen vom Jobcenter benötige, so benötige ich das Dokumen, um mir selbst ein Bild meiner Tätigkeit, Einnahmen, Ausgaben, Lebenshaltungskosten, Best Case, Worst Case usw. vor Augen zu führen.

Diesen Businessplan benötige ich dennoch für das Jobcenter, um meine Tätigkeit als solches (ist etwas komplizierter) als "selbstständige Tätigkeit" zu vermarkten. Ich plane natürlich nicht, dem Jobcenter eine Ausgabe, Kopie, usw. davon dazulassen. Mit "drübersehen lassen" könnte ich mich dennoch wohl anfreunden.

Unabhängig von meinem Vorgehen hier einige Fragen:

Mich würde interessieren, ob es hierzu noch weitere Ratschläge gibt, wie ich am Besten damit umgehe. Es gibt bei Businessplänen eine Vertraulichkeitsklausel, die man unterschreiben lassen kann. Allerdings hätte man da schon Bedenken, wenn mein Businessplan (oder das von irgendjemandem) einfach durch alle Möglichen und Unmöglichen Hände gereicht wird bzw. irgendwann bei einem Unternehmensberater (der für das JC tätig ist) ungefragt auf den Tisch landet usw.

Wie sind denn so eure Erfahrungen dazu ?
 

spider

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Warum solltest Du dich/deine Tätigkeit gegenüber dem JC speziell als selbstständig vermarkten wollen? Das haben die nicht zu beurteilen. Wenn Du einem ordentlich angemeldetem Gewerbe nachgehst haben die das auch so hinzunehmen.

Sofern es nicht unabdingbar für eine zusätzliche, dringend notwendige finanzielle Beihilfe oder die dauerhafte Förderung der Tätigkeit ist, hat ein Businessplan nach meiner Ansicht nichts auf dem Tisch des SB zu suchen!

Ich wurde nach Antragstellung ALG2 wochenlang genötigt den abzugeben, hab das dann solange ignoriert bis man mir mitgeteilt hat das meinem Antrag auf diverse Förderungen für Selbstständige auf Grund fehlender Mitwirkung nicht stattgegeben werden kann. Einen solchen Antrag habe habe ich nie gestellt, von daher konnte ich da gut mit leben.
 

HartzVerdient

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Wenn Du einem ordentlich angemeldetem Gewerbe nachgehst haben die das auch so hinzunehmen.
Ich gehe keinem Gewerbe nach, sondern einer Selbstständigkeit, die weder freiberuflich noch gewerblich ist. Die rechtliche Stellung ist unter §11 SGB2 unbestimmt definiert. Wird jedoch durch die Weisung ALG2-V anders betrachtet. Weiterhin sieht die Handlungsweise der BA diese Sache auch etwas anders. Zudem handelt es sich um eine Tätigkeit, die kein regelmäßiges und gleichbleibendes Einkommen verursacht. Ich habe also mehrere Gesetzestext an meinem Hintern kleben, die ich im Businessplan berücksichtigen will/muss.
 

spider

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Entschuldige die Frage,aber wenn Du deiner Ansicht nach selbstständig arbeitest, aber weder Freiberufler bist, noch ein angemeldetes Gewerbe inne hast. Wie verdienst Du denn grob umrissen Dein Geld?
Mir fällt da nicht viel ein.
 

HartzVerdient

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Entschuldige die Frage,aber wenn Du deiner Ansicht nach selbstständig arbeitest, aber weder Freiberufler bist, noch ein angemeldetes Gewerbe inne hast. Wie verdienst Du denn grob umrissen Dein Geld?
Mir fällt da nicht viel ein.
Das sind die Vorteile, wenn man sich mit der Materie befasst (und dies in einen Businessplan zusammenfasst).

Es gibt zwei Arten der in Listen geführten "Selbstständigkeit":
  • Gewerbe: z.B. Warenverkauf
  • Freiberuf: z.B. Dienstleistung

Es gibt aber noch "sonstige Selbstständigkeit", die weder unter Gewerbe noch Freiberuf fallen. Genaustens ist das unter dem Existenzgründerportal nachzulesen.

Dabei wird die "Selbstständigkeit" wie folgt definiert:
  • Du gehst einer Tätigkeit nach
  • Du trägst das volle unternehmerische Risiko
  • Du gestaltest dir deine Arbeitszeit selbst

Also warum soll ich ein Gewerbe anmelden, wenn ich nix an Kunden verkaufe ? Warum soll ich einen Freiberuf beim Finanzamt anmelden, wenn ich keine Dienstleistungen anbiete ?

Genau das wird in dem o.G. Dokument (das auf den Kommentar von P123 verweist und dieses PDF Dokument bei Thome beinhaltet) verwiesen.

Seite 8.

So, um genau diese Problematik auch dem Jobcenter genau zu verticken. Die wohl vermutlich keinen Plan davon haben, schreibe ich meinen Businessplan. Ich fasse zusammen, wie meine Arbeit aussieht, welche Arbeitszeiten ich habe, welche Gewinne und Verluste ich zu erwarten habe usw. und bevor das Gelaber dann bei denen Anfängt und ich mit "ähhhhh ahhhh, hmmmm" antworte, lese ich mir genau diese Handlungsanweisungen durch, um dann genau darauf antworten zu können. Alles schön sauber in einem Dokument zusammengefasst.

Aber das beantwortet mir immer noch nicht meine Eingangsfrage.
 

franky0815

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eine kopie meines businessplans hat die afa damals behalten, aber ich hab ja auch geld von denen bekommen.

geht es bei dir immer noch um ich nenne ich jetzt mal " vermögensverwaltung "?
 

franky0815

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Japp. Ist übrigens im besagten Dokument oben auf Seite 8 unter "sonstiger selbstständiger Tätigkeit" sogar explizit benannt. :icon_mrgreen:
welche vorteile versprichst du dir wenn du so vorgehst und das jc mit im boot hast, die werden dir doch möglichst grosse brocken in den weg legen?
 

HartzVerdient

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welche vorteile versprichst du dir wenn du so vorgehst und das jc mit im boot hast, die werden dir doch möglichst grosse brocken in den weg legen?
Vorweg! Der Plan dient ja in erster Linie nur für mich. Ich unterscheide zwischen einem Businessplan und einem Tradeplan. Der Businessplan beschreibt erstmal alle Attribute der Unternehmung selbst. Wie oben bereits angedeutet, erfasst dieser auch meine Lebenshaltungskosten, wann ich mich selbst tragen kann usw. Der Tradeplan beinhaltet eher die Handelsstrategien usw.

Ich habe nicht vor, dem Jobcenter den Businessplan zu überlassen. Er dient eher der Argumentationsgrundlage - genau für solche Fälle, falls man mir Brocken vor die Füße wirft. Der Kernpunkt jedoch sind die Vorteile der "Freibeträge", die ich gerne vom Gewinn haben möchte. Sprich: 100€ Freibetrag, 20% Behalt, 30€ Haftpflicht, xx.xx€ Werbung.

Weiterhin die rechtliche Stellung, da es sich hierbei um eine Haupteinnahmequelle handelt. Kann ich Hauptberuf sagen ? Der Wechsel vom ALG2 zum Aufstocker nach Zeit X (ich muss mich da aber noch einlesen, daher kann der letzte Absatz durchaus falsch sein).

Edit: Achja, zusätzlich erwarte ich natürlich das die Einnahmen kumuliert und auf den gesamten Bezugszeitraum aufgeteilt werden. So werden (so habe ich das Dokument verstanden), das mtl. Einkommen auf die 6 Monate aufgeteilt. Auch negative Einnahmen gehen in die Berechnung mit ein. Muss mich aber mit dem Thema EKS noch befassen.
 

franky0815

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klingt nicht uninteressant, lässt du das alles über ein eigens dafür eröffnetes konto laufen oder über das was du auch " privat " nutzt?
 

HartzVerdient

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Dafür wird bei einem Broker ein eigenes privates Handelskonto eröffnet und fungiert demnach als "Firmenkapital". Die Software als auch der Broker protokollieren die geöffneten und geschlossenen Positionen, so dass am Monatsende eine Bilanz erstellt werden kann. Natürlich sind von den Umsätzen die nach SGB2 vorhergesehenen absetzbaren Positionen zu berücksichtigen. Das Handelskonto hat nichts mit Girokonto, Tagesgeldkonto usw. zu tun. Es handelt sich hierbei um eine eigenständige Entität.
 

franky0815

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mit einer sache bei dem "geschäftsmodell" hab ich bauchweh, deine gewinne werden ja nach abzug der ausgaben, bis auf die 100€ freibetrag + 20% vom jc einbehalten, wenn du aber verluste machst werden die ja nicht vom jc ausgelichen.
 

HartzVerdient

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mit einer sache bei dem "geschäftsmodell" hab ich bauchweh [...] wenn du aber verluste machst werden die ja nicht vom jc ausgelichen.
Wie bei jeder anderen selbstständigen Tätigkeit auch. Selbst wenn du als Gemüsehändler deine Waren bis zum Wochenende nicht verticken konntest, machst du einen Verlust. Wenn du als Handyverticker deine Waren nicht innerhalb eines Monats verkaufst, machst du einen Verlust (durch technologischen Fortschritt neuer Modelle). So macht man auch bei dem "Geschäftsmodell" Verlust. Das Einzige was sich bei dieser Tätigkeit vollkommen kontrollieren lässt, ist der Verlust. Hierzu gibt es Strategien, die ich nicht näher beleuchten möchte.

Nur lässt sich die Sache, nach meinem Verständnis anders berechnen. Auch wenn es sich hierbei um "unregelmäßiges Einkommen" handelt (wird wieder gesondert betrachtet):

Theorie 1 (Kapitalerträge):
1 Monat: +200 € (voll auf die Leistungen angerechnet)
2 Monat: -100€ (voll auf die Leistungen angerechnet = 0€)
3 Monat: +50 € (voll auf die Leistungen angerechnet)
4 Monat: +110€ (voll auf die Leistungen angerechnet)
5 Monat: -30 € (voll auf die Leistungen angrechnet = 0€)
6 Monat: -20€ (voll auf die Leistungen angrechnet = 0€)

Tatsächliche Einnahmen (Bezugsdauer) = 360€ (Voll angerechnet = 360€)

Theorie 2 (Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit):
1 Monat: +200 € (ca 50€ auf die Leistungen angerechnet)
2 Monat: -100€ (0€ auf die Leistungen angerechnet)
3 Monat: +50 € (0€ auf die Leistungen angerechnet)
4 Monat: +110€ (0€ auf die Leistungen angerechnet)
5 Monat: -30 € (0€ auf die Leistungen angerechnet)
6 Monat: -20€ (0€ auf die Leistungen angerechnet)

Tatsächliche Einnahmen (Bezugsdauer) = 210€ (nach Abzügen Freibeträge = 160€)

Dies ist eine Milchmädchenrechnung, da die gesamte Palette an absetzbaren Positionen nicht berücksichtigt wurde.
z.B. Arbeitszimmer, Büro, Internet, Kontoführungsgebühren usw. Diese Positionen könnte ich im ersten Fall nicht
berücksichtigen lassen. Im zweiten Fall schon.
 

franky0815

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glaubst du wirklich das die das auf 6 monate verteilen werden?
 

Koelschejong

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Kapitalerträge sind sonstige Einnahmen nach § 4 ALG II-V, hier wird streng nach Zuflussprinzip angerechnet und nicht über 6 Monate gemittelt.
 

HartzVerdient

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Kapitalerträge sind sonstige Einnahmen nach § 4 ALG II-V, hier wird streng nach Zuflussprinzip angerechnet und nicht über 6 Monate gemittelt.
Ja das ist richtig. Aber nicht für diesen konkreten Fall.

[1] Arbeitshilfe der BA zum Umgang mit Selbständigen

Auf Seite 7-8 erklärt die Bundesagentur für Arbeit, was sie unter "selbstsändiger Arbeit" verstehen. Per Definition handelt es sich hierbei um die gleiche Verstehensweise wie sie die BMWI herausgibt.

Ich muss hier konkret darum bitten, Begrifflichkeiten nicht in einen Topf zu werfen. Wortlaut nach §4 ALG II-V

Für die Berechnung des Einkommens aus Einnahmen, die nicht unter die §§ 2 und 3 fallen, ist § 2 entsprechend anzuwenden. Hierzu gehören insbesondere Einnahmen aus.

Jedoch definiert die o.g. Arbeitshilfe den "Vermögensverwalter" als selbstständige Arbeit. Demnach ist §3 ALG II-V anzuwenden. Die sollen keine Arbeitshilfen herausgeben, wenn die keinen Plan von ihrer eigenen Materie haben.

Edit: Ich möchte ergänzend anfügen, dass es einen erheblichen Unterschied gibt, wonach §4 ALG II-V anzuwenden ist. Der §4 beschreibt Kapitalerträge die sich z.B. durch Apple, Microsoft oder IBM Aktien ergeben. Also quasi selbstgenerierende Einnahmen durch Ausschüttung oder Zinsen (oder wie es dort weiter definiert ist). Dafür muss ich in der Regel keine bis kaum Aufwendungen betreiben. Beispielsweise die jährlichen 30€ Dividende, die man durch seinen Vermieter (durch Mitgliedschaft eines Bauvereins und 500€ Einlagen) jährlich erhält. Da ist der o.g. §4 anzuwenden.

Meine "selbstständige Tätigkeit" umfasst einen geregelten Arbeitsablauf, der morgens um 07:30 Uhr beginnen soll und bis 22:00 Uhr dauern kann (abzüglich Pausen). Das heisst, ich muss eine eigenständige Arbeitsleistung (Marktanalyse, Kalkulation, Positionsüberwachung (Controlling), Nachbereitung, Abschluss) erbringen, um diese Einnahmen zu generieren. Das ist "Arbeit". Hier ist die rechtliche Definition auf meiner Seite. Daher §3.

Edit2: Notfalls wäre das sogar eine Sache, die ich vor Gericht bescheiden lassen würde. Davon könnte meine gesamte Existenz abhängen. Erstmal wird das normale Gespräch mit dem FM gesucht, um diese Thematik zu erörtern.
 
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