Habe gerade den Hartz IV Newsletter per Email bekommen und es depremiert mich

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Sowhat

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Gerade habe ich, wie alle vier Wochen den Hartz IV Newsletter per Email bekommen und bin teilweise sehr depremiert.
Da war von einer 56jährigen Frau die Rede (ich bin gleich alt) die obdachlos ist in Göttigen, weil ihre KdU zu hoch waren und sie nichts angemessenes gefunden hat. Das blüht mir möglicherweise auch, allerdings in Bayern und ich noch dazu schwerbehindert. Die Frau hält es in den Obdachlosenunterkünften nicht aus und hängt meist am Bahnhof herum
Ihr Wunsch wäre endlich aus dieser lebensbedrohlichen Situation heraus. Bürger wollten Spenden für sie sammeln.
Doch das bringt nichts- es würde alles auf Hartz IV angerechnet.

In Hannover sitzt ein 52jähriger Mann in einer Maßnahme und muss Vorschul-Kindermalbücher ausmalen und Grundschulrechen-Aufgaben lösen. Es erinnert ihn an die Kindergartenzeit seiner 7jährigen Tochter. Er hat geklagt - aber das Jobcenter sagt, dass das eine ganz normale Maßnahme wäre und so die Feinmotorik gefördert würde. Also mal er weiter Malbücher aus.

Aber etwas Erfreuliches war auch dabei - das JC in Ostholstein hat schon sehr vielen Langzeitarbeitslosen den Führerschein (1900€) und teilweise ein Auto (bis 2000€) finanziert oder ein Moped oder ein Fahrrad. JC-Sie würden die JC-Fördergelder lieber für so etwas Sinnvolles nutzen. Denn bei ihnen sind die Arbeitsplätze teilweise schwer zu erreichen.
Das finde ich gut, aber leider ist das ja nur in Ostholstein.
Ich habe allerdings einen Führerschein, aber für die, die dadurch einen bekommen freut es mich.
80% hätten dadurch bereits eine Arbeit gefunden und ein Großteil,vor allem derer mit Auto hat die Stelle behalten.

Das wollte ich mal loswerden, auch wenn es in kein Thema passt und womöglich off topic ist.
Aber es macht mich krank, dass sich nichts ändert, weder bei dem Wohnungsmangel noch mit diesen fürchterlichen Maßnahmen, noch der Geldverschwendung innerhalb der JC.

Ferner stand zu lesen, dass die JC um Kleinbeträge von H4 Beziehern einzuziehen, Millionen verpulvert würden. Es würde sich nicht rechnen, wegen 1€ einziehen, 3€ zu verpulvern. Letztes Jahr wurden für 18 Mio. € die H4 € Bezieher bezahlen mussten, 60Mio. verpulvert. Wenn man bedenkt, was um jeden € den unsereins beantragt (sei es Erstausstattung, KdU oder sonst etwas) für ein Gedöns gemacht wird.
 
Zuletzt bearbeitet:
H

Helia

Gast
ich habe zwar den Newsletter noch nicht abgerufen oder gelesen aber ich kann mir ungefähr vorstellen, worum es sich dabei handelt und finde die Situation mittlerweile ebenfalls unerträglich.

Ich zB arbeite seit einem dreiviertel Jahr in einem selbstgefundenen Job (zwar "nur" in Teilzeit und befristet aber trotzdem an meiner pers. Grenze), um nicht in die neue "Entmündigungsschiene" zu fallen.

Diese neuen Gesetze erlauben es dem "Amt", Menschen ab einer gewissen Zeit der Erwerbslosigkeit durch entsprechende "Betreuung" (faktisch umgesetzt durch "motivierende Besuche" zu Hause, im Privatumfeld und am Arbeitsplatz) - quasi entmündigt - an sogenannte "Arbeitgeber" zu deren Bedingungen und zusätzlicher "Entschädigung" an diese "Arbeitgeber" auf Staatskosten zu "vermitteln".

Von dieser meiner Meinung nach eindeutigen "Zwangsarbeit/Sklaverei" kaufe ich mich quasi dadurch frei (nicht), dass ich auf einen großen Teil des mir eigentlich zustehenden Existenzminimums verzichte und trotzdem arbeiten gehe. Die aus dieser Situation resultierenden Schulden begleiche ich selbstverständlich zugleich zuzüglich Zinsen beim Inkasso vom Amt.

Dabei wären rein theoretisch die Schulden, die ich beim JC abstottere, eigentlich vom Geld her gesehen durch meinen Verzicht auf die Leistungen seit meinem Job längst beglichen. Und unterm Strich übersteigt mittlerweile dabei meiner Berechnung nach sogar der Verwaltungsaufwand längst die demnach theoretisch beglichenen Kosten. Darum geht es denen aber offenbar nicht. Hätte ich nicht verzichtet, sondern "Aufstockung" beantragt, hätte ich wohl jetzt evtl die Schulden nicht mehr, wäre aber voll unter deren "Betreuung".

Und dieses "Betreuungsszenario" kraft dieser neuen "Gesetze" macht mir so viel Angst, dass ich dafür lieber Sachen machen würde, die ich weder hier noch woanders öffentlich benennen möchte.

Das ist irgendwie ein Perpetuum Mobile für uns nach unten - oder aus anderem Blickwinkel gesehen - ein Goldesel für das Amt. Egal ob und inwieweit die Leute arbeiten gehen (können) oder nicht, das "Amt" gewinnt dabei immer.

Sogar die Leute, die dabei "über die Klinge springen", "bereinigen" währenddessen zusätzlich die Statistik. Dass es mal so finster kommt, hätte ich noch bis vor 1 Jahr nicht mal ansatzweise zu träumen gewagt und kann es eigentlich bis jetzt noch nicht glauben. Das sind so meine Gedanken dazu, sorry dafür dass es so lang geworden ist.
 

lino

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Das wollte ich mal loswerden, auch wenn es in kein Thema passt und womöglich off topic ist.
Aber es macht mich krank, dass sich nichts ändert, weder bei dem Wohnungsmangel noch mit diesen fürchterlichen Maßnahmen, noch der Geldverschwendung innerhalb der JC.
Eine Änderung gäbe es, wenn wir Arbeitslosen jeden Tag vorm Arbeitsamt protestieren würden.
Warum passiert das nicht?
Ferner stand zu lesen, dass die JC um Kleinbeträge von H4 Beziehern einzuziehen, Millionen verpulvert würden. Es würde sich nicht rechnen, wegen 1€ einziehen, 3€ zu verpulvern. Letztes Jahr wurden für 18 Mio. € die H4 € Bezieher bezahlen mussten, 60Mio. verpulvert. Wenn man bedenkt, was um jeden € den unsereins beantragt (sei es Erstausstattung, KdU oder sonst etwas) wird für ein Gedöns gemacht wird.
Leider ein Irrtum.
Die 60Mio sind gut in die Elitenförderung investiert. Hartz4 heisst in Wirklichkeit "Gesetz für neue Dienstleistungen am Arbeitsmarkt". Was soviel bedeutet wie das man Stellen schafft in der Verwaltung von Arbeitslosen, von denen man weiss, das die sowieso so gut wie keinen Job bekommen.
Durch Hartz4 sind in der Arbeitsverwaltung und Zeitarbeitsfirmen aus dem Stand 100.000 Stellen entstanden, die von den Massnahmeträgern kommen noch dazu.
Da Zufriedenheit und Zustimmung zur Demokratie vom Wohlstand abhängen, hat man zwei Fliegen mit einer Klappe gefangen:
Die Wohlstandsgewinner in der Hartz4 Verwaltung sind treue Wählerstimmen, die gleichzeitig die Wohlstandsverlierer unter Kontrolle halten.
Da ist jeder Betrag gut angelegt.
 

lino

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Und dieses "Betreuungsszenario" kraft dieser neuen "Gesetze" macht mir so viel Angst, dass ich dafür lieber Sachen machen würde, die ich weder hier noch woanders öffentlich benennen möchte.
Womit Sinn und Zweck der Aktion erreicht sind.

Und sogar die Leute, die dabei "über die Klinge springen", bereinigen dabei zusätzlich die Statistik. Dass es mal so finster kommt, hätte ich noch bis vor 1 Jahr nicht gedacht und kann es eigentlich bis jetzt noch nicht glauben.

Das sind so meine Gedanken dazu, sorry dafür dass es so lang geworden ist.
Hier hat jemand kürzlich geschrieben, das es Hartz4 länger gibt als das tausendjährige Reich. Das mag zwar sein, die Ideologie vom Herrenmenschen ist aber ganz offensichtlich nach wie vor quicklebendig.
 
H

Helia

Gast
Womit Sinn und Zweck der Aktion erreicht sind.
Volle Zustimmung, wie gesagt, ich bin mittlerweile am Limit und "arbeite dran", auch mit Hilfe des Forums hier.

Im Zuge meines Jobs stelle ich übrigens zusätzlich eine wachsende Unmenschlichkeit innerhalb des Arbeitslebens fest, wodurch die Zwickmühle für uns noch zusätzlich zementiert wird. So hat mein Chef beispielsweise aufgrund eines plötzlich verstorbenen Mitarbeiters (mit Mitte 50, ähnlich so alt wie ich), der dort über 30 Jahre seiner Lebenszeit verbracht hat, bestimmt, dass nur bestimmte Leute zur Beerdigung gehen dürfen, da der Laden weiter laufen muss. Es gab noch nicht einmal eine kleine Ansprache oder irgendeine "Sammlung" innerhalb der Firma angesichts der Nachricht, was ich ziemlich traurig, respektlos und herzlos dem Verstorbenen und uns gegenüber fand.

Ich kannte den Kollegen als sehr sensiblen Menschen und er war eigentlich der Einzige, mit dem ich mich halbwegs "natürlich" unterhalten konnte. Aber aufgrund meiner kurzen Anstellung war klar, dass ich nicht zu den "Auserwählten" gehöre, die zum Begräbnis gehen dürfen.
 

Matt45

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Volle Zustimmung, wie gesagt, ich bin mittlerweile am Limit und "arbeite dran", auch mit Hilfe des Forums hier.

Im Zuge meines Jobs stelle ich übrigens zusätzlich eine wachsende Unmenschlichkeit innerhalb des Arbeitslebens fest, wodurch die Zwickmühle für uns noch zusätzlich zementiert wird. So hat mein Chef beispielsweise aufgrund eines plötzlich verstorbenen Mitarbeiters (mit Mitte 50, ähnlich so alt wie ich), der dort über 30 Jahre seiner Lebenszeit verbracht hat, bestimmt, dass nur bestimmte Leute zur Beerdigung gehen dürfen, da der Laden weiter laufen muss. Es gab noch nicht einmal eine kleine Ansprache oder irgendeine "Sammlung" innerhalb der Firma angesichts der Nachricht, was ich ziemlich traurig, respektlos und herzlos dem Verstorbenen und uns gegenüber fand.

Ich kannte den Kollegen als sehr sensiblen Menschen und er war eigentlich der Einzige, mit dem ich mich halbwegs "natürlich" unterhalten konnte. Aber aufgrund meiner kurzen Anstellung war klar, dass ich nicht zu den "Auserwählten" gehöre, die zum Begräbnis gehen dürfen.


Mit dem verstorbenen Mitarbeiter tut mir leid, obwohl dein Chef es aus der Betriebswirtschaft richtig macht. > Menschlich gesehen hast du aber Recht!

Menschlichkeit findet aber viel zu selten statt im Arbeitsleben und sollte man leider auch nicht mehr oft erwarten, dies hat verschiedene Ursachen.

  1. Konkurrenz und unser "Zauberwort" Wachstum und Globalisierung. Wachstum ist nicht unendlich, dies bedeutet auch viele Verlierer.
  2. Der Preis! Heute zählt günstig produzieren und viel erwirtschaften! > Dazu zählt leider auch der Mensch bzw. die Kosten! Jeder will günstig kaufen bzw. der AG will "wenig" Lohn bezahlen! > Siehe den "Preiskrieg" bei den Discountern oder bei der Bekleidung. In der Paketbranche ebenso.

Es gibt noch mehr Aspekte, die ich nicht alle toll finde. > Aber unsere Wirtschaft nimmt darauf keine Rücksicht! Selbst die Politik knickt derbe ein beim Klima oder hat sich was geändert beim "Gesunden Diesel"? Nein, es kommt das Argument Arbeitsplätze.

Aus menschlicher Sicht halt ich gesunde Luft für besser als eine "Atemmaske". Auto ist wichtiger als unsere Gesundheit.

Ein Videorecorder(kennt kaum noch einer) hat früher einen Tausender(DM) gekostet. Heute bekomme ich TV+USB Aufnahme für 200,- €. Umgekehrt sinkt seit Jahren die Bezahlung in vielen Bereichen. Eine typische Familie(2 EW + 1 Kind) mit einen Verdiener kann kaum noch vom Lohn leben und eine Wohnung haben.

Sehr vieles liegt aber an uns bzw. den Mitarbeitern, die Leute haben "Schwierigkeiten" anders zu agieren als die Mehrheit. Ich habe gestern schon geschrieben"Sonntag bei Anne Will; Paketfahrer; 200 Stunden; 6,-€ die Stunde)". Selbst der Mindestlohn interessiert den Menschen nicht(drastisch ausgedrückt), kaum einer verhandelt einen Arbeitsvertrag(lese ich hier sehr oft).
Ich finde keine Gründe!

Menschlichkeit gibt es innerhalb der Familie, aber nicht (mehr) in unserer Arbeit. Leider.
 
E

ExitUser 55598

Gast
Sehr vieles liegt aber an uns bzw. den Mitarbeitern, die Leute haben "Schwierigkeiten" anders zu agieren als die Mehrheit. Ich habe gestern schon geschrieben"Sonntag bei Anne Will; Paketfahrer; 200 Stunden; 6,-€ die Stunde)". Selbst der Mindestlohn interessiert den Menschen nicht(drastisch ausgedrückt), kaum einer verhandelt einen Arbeitsvertrag(lese ich hier sehr oft).
Die Menschen unterschreiben ja auch Maßnahmeverträge oder EGVs einfach so ohne zu hinterfragen....und ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe früher auch alles immer sofort unterschrieben....obwohl ich mich noch nicht mal als dumm bezeichnen würde...
Ich denke das liegt an unserem Schulsystem wo nur gelehrt wird, wie man am besten auswendig lernt und es nur nach Noten geht.

Das blüht mir möglicherweise auch, allerdings in Bayern und ich noch dazu schwerbehindert.

Wenn du in Bayern nichts passendes findest warum ziehst du dann nicht nach Sachsen oder Thüringen, da gibt es keine großartige Wohnungsnot. Ich werde deswegen auch in naher Zukunft nach Chemnitz ziehen, weil bei mir in NRW der Wohnungsmarkt auch sehr angespannt ist und ich endlich in eine größere Wohnung mit richtiger EBK ziehen will.
Der Wohnungsmarkt in Chemnitz ist z. B. im Gegensatz zu NRW ein Traum.
 
H

Helia

Gast
Sehr vieles liegt aber an uns bzw. den Mitarbeitern, die Leute haben "Schwierigkeiten" anders zu agieren als die Mehrheit.

Ja, das stelle ich auch fest. Die Mitarbeiter in meinem Job zB wirken auf mich allesamt entweder wie tot oder gedämpft oder genau das Gegenteil wie hyperaktiv oder voll auf Krawall gebürstet. Oder künstlich. Ich finde da wenig Zwischentöne in den Verhaltensweisen und frage mich oft, ob mit meiner Wahrnehmung etwas nicht stimmt.

Ich versuche, möglichst sachbezogen und aufmerksam-ausgeglichen und ausgleichend zu sein. Das führt meistens zu erstrecht noch mehr Aggressionen oder Missverständnissen und die weiteren Erklärungs- und Ausgleichsversuche kosten dann nochmal unheimlich viel Kraft und Zeit. Inzwischen ist meine Grenze erreicht, für diesen Job zumindest.

Der Druck dort wird meiner Meinung nach zudem zusätzlich künstlich durch Personalmangel aufgebaut und ich sehe keine ernsthaften Bemühungen seitens der GL, daran etwas zu ändern. Die Leute dort sind reihenweise schwerkrank (zumindest die Langjährigen) und die lieblose Umgangsart mit dem kürzlich verstorbenen Kollegen gibt mir ernsthaft zu denken.

Wenn ich konstruktive Fragen stelle oder Verbesserungsvorschläge anregen will, werde ich jedesmal bass zurückgewiesen und ich habe den Eindruck, dass überhaupt nicht erkannt wird, was ich da täglich überhaupt leiste. Als erste Nachfolgerin meiner Vorgängerin nach über 15 Jahren werden die sich vermutlich (und hoffentlich!) schwer wundern wenn ich weg bin, anders kapieren die nichts.

Beruflich-fachlich sehe dort ausserdem überhaupt keine Perspektive für mich. Ich habe das echt lange ausgehalten und es war auch für den "Übergang" ok aber nun reicht mir das.

Erschreckend, was die anderen Kollegen da alles mit sich machen lassen, über jede Gesundheit und sogar über den Tod hinaus. Wie oben schon gesagt wurde "sehr vieles liegt an uns", und ich betone: und zwar an jedem einzelnen von uns.

Mein Beispiel stelle ich zur Veranschaulichung der Entsolidarisierung dar, die mir auf allen Ebenen inzwischen verstärkt auffällt. Ich habe inzwischen für mich beschlossen, dass ich mir "Auswege" suche, wenn keine Solidarisierung mit jemandem möglich ist, die mich weiterbringt.
 

Sowhat

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Ich wüsste nicht, warum ich in den Osten oder sonst wohin ziehen sollte. Ich habe hier mein soziales Netz, sprich meine alten Eltern, meine erwachsenen Kinder und noch ein paar Verwandte mehr. Und die brauche ich, gerade weil ich nicht ganz gesund bin.
Freunde haben sich da nämlich nicht als sehr zuverlässig erwiesen. Meine Freunde und Bekannte sind nämlich alle aus dem normalen Mittelstand, heisst gesund und mit Job, Wohnung und Parnter. Die können mit jemanden, der so tief gefallen ist wie (durch Schlaganfall und Scheidung übrigens) nicht sehr viel anfangen.
Ist ja auch klar, haben alle noch ein Leben, planen Urlaube und ihr Rentnerdasein. Ich bekomme ja erst mit 66 Jahren meine Armutsrente, trotz GdB50, da zählen nur die Jahre und ich habe nur knapp 15 Jahre einbezahlt und die zwei Kinder zählen auch fast nichts, weil im Alter nur 2 Jahre auseinander.
Mir "Meinesgleichen" zu suchen bringt auch nichts, zieht mich nur noch mehr runter. Bin schon wegen Depressionen und psychischer nicht Belastbarkeit AU. Werde gerade zum Sozialamt abgeschoben.
Ich wünsche mir eigentlich nur noch eine kleine Wohnung, wo man aber noch ein paar Möbel stellen kann und ein Bad in dem man sich drehen kann und ansonsten einfach meine Ruhe. Keine Schikanen mehr, keine sinnlosen Maßnahmen (die haben mich fast in den Wahnsinn getrieben) mehr und auch keine Angst mehr davor. Mehr erwarte ich nicht mehr vom Leben.
 

noillusions

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In Hannover sitzt ein 52jähriger Mann in einer Maßnahme und muss Vorschul-Kindermalbücher ausmalen und Grundschulrechen-Aufgaben lösen. Es erinnert ihn an die Kindergartenzeit seiner 7jährigen Tochter. Er hat geklagt - aber das Jobcenter sagt, dass das eine ganz normale Maßnahme wäre und so die Feinmotorik gefördert würde. Also mal er weiter Malbücher aus.
Mangelt es an Feinmotorik? Wer stellt sowas fest? Da würde ich gerne mal die Urteilsbegründung lesen.
Aber etwas Erfreuliches war auch dabei - das JC in Ostholstein hat schon sehr vielen Langzeitarbeitslosen den Führerschein (1900€) und teilweise ein Auto (bis 2000€) finanziert oder ein Moped oder ein Fahrrad. JC-Sie würden die JC-Fördergelder lieber für so etwas Sinnvolles nutzen. Denn bei ihnen sind die Arbeitsplätze teilweise schwer zu erreichen.
Das finde ich gut, aber leider ist das ja nur in Ostholstein.
Ich habe allerdings einen Führerschein, aber für die, die dadurch einen bekommen freut es mich.
80% hätten dadurch bereits eine Arbeit gefunden und ein Großteil,vor allem derer mit Auto hat die Stelle behalten.
Wenn man den ÖPV kaputtspart muß man Führerschein und Auto bezahlen.
Womit Sinn und Zweck der Aktion erreicht sind.
Yo! Läuft. Bei. BMAS, JC, GroKo.
 

Sowhat

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Was heisst kaputt gespart? Es gibt leider immer noch überall ländliche Gegenden ((auch in Bayern übrigens) da fährt 3x am Tag ein Bus, wenn nicht genügend Leute dort stehen sogar nur 2x. Man schafft es einfach nicht, überall flächendeckend ein ÖPV-Netz aufzubauen. Es lohnt sich nicht unbedingt für 2 oder 3 Elos die mal zu einem Meldetermin aufs JC oder gar zu einem Job müssen. Die meisten Mittelständler auf dem Land haben eben zwei Autos und die Kinder kriegen auch eines, wenn sie 18 sind.
Ich selbst wohne in der Stadt und bei uns gibt es flächendeckend ein sehr gutes ÖPV-Netz, aber das ist nicht überall so.
Ich gönne es jedem ALGII-Empfänger, wenn er einen FS machen darf. Man kann dann ja auch als Kurierfahrer o.ä. arbeiten. Ich finde das gut von diesem Jobcenter.
 

noillusions

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Man schafft es einfach nicht, überall flächendeckend ein ÖPV-Netz aufzubauen.
Warum hat "man" es früher geschafft? Wieso hatten selbst Dörfer wo heute nur 2-3 x am Tag n Bus fährt einen Bahnhof? Wie viel Busverbindungen lassen sich mit 1 mal Führerschein plus Auto finanzieren?
 

lino

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Ich selbst wohne in der Stadt und bei uns gibt es flächendeckend ein sehr gutes ÖPV-Netz, aber das ist nicht überall so.
Kommt darauf an, wo man wohnt. Selbst hier auf dem platten Land sind manche Verbindungen sehr gut, obwohl die Busse auf einer Strecke meist leer fahren. Es gibt aber auch Dörfer, da gibts gar keinen ÖPNV.

Warum war das früher anders? Simple Antwort:
Weil nicht soviele mit dem Auto unterwegs und die Gesellschaftsstrukturen andere waren.
Das ist eben auch die Folge von "mehr Wettbewerb" und ungehemmter Liberalisierung der Wirtschaft.
Heute fahren mit dem Bus Schüler und alte Menschen, Elos und Flüchtlinge. Also Menschen, die sich kein Auto leisten können.

Ich gönne es jedem ALGII-Empfänger, wenn er einen FS machen darf. Man kann dann ja auch als Kurierfahrer o.ä. arbeiten. Ich finde das gut von diesem Jobcenter.
Das ist auch so eine Alibi-Massnahme, um die Kontrolle der Elos über die Bewerbungsmassnahmen aufrecht zuerhalten. In vielen Fällen bringen Bewerbungen nichts, wenn du nicht mobil bist. Mit dem Argument, das sie auch ein Fahrzeug finanzieren, können sie den Bewerbungszwang und und damit mögliche Sanktionen bei Verstössen und damit die Kontrolle über dich rechtfertigen. Damit das glaubwürdig ist, lassen sie hier und da mal ein Auto zukommen, sonst ginge das ja nicht.
Der Betrug bei Hartz4 liegt ja darin, das du als Bürger Null Anspruch auf irgendetwas hast. Einfach gesagt:
Der Staat hat keine Pflichten, der Elo keine Rechte.

Mangelt es an Feinmotorik? Wer stellt sowas fest? Da würde ich gerne mal die Urteilsbegründung lesen.
Wie die aussieht würde ich auch gerne wissen. Die Wahrheit heisst ja: "Bis dann und dann müssen soundundsoviele Arbeitslose in Massnahmen verschwinden".
 

lino

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Ja, das stelle ich auch fest. Die Mitarbeiter in meinem Job zB wirken auf mich allesamt entweder wie tot oder gedämpft oder genau das Gegenteil wie hyperaktiv oder voll auf Krawall gebürstet. Oder künstlich. Ich finde da wenig Zwischentöne in den Verhaltensweisen und frage mich oft, ob mit meiner Wahrnehmung etwas nicht stimmt. [...]
Das ist die Quintessenz der neoliberalen Idiologie von "mehr Wettbewerb" und Minder-und Höchstleistern und das mehr Wettberwerb nur gut ist für die Menschen. Kein Sportler in der Welt bestreitet Tag für Tag einen Wettbewerb, allenfalls bereitet er sich darauf vor. Zwischen den Wettbewrben gibts auch Pausen, im Gegensatz zu Amazon:

Wenn ich konstruktive Fragen stelle oder Verbesserungsvorschläge anregen will, werde ich jedesmal bass zurückgewiesen und ich habe den Eindruck, dass überhaupt nicht erkannt wird, was ich da täglich überhaupt leiste. Als erste Nachfolgerin meiner Vorgängerin nach über 15 Jahren werden die sich vermutlich (und hoffentlich!) schwer wundern wenn ich weg bin, anders kapieren die nichts.
Das kommt darauf an, in einer Firma, die gut läuft wird soviel Geld verdient, das es relativ egal ist, ob einer auf dem Arbeitsplatz gut ist oder nicht.
Verbesserungsvorschläge sind auch nicht unbedingt gefragt, vor allem dann, wenn sie von unten kommen. Das ist nicht im Sinn der Geschäftsführung.
Eine Verbesserung erhöht die Produktivität und damit den Ausstoss oder alternativ müsste die Arbeitszeit sinken, bei gleicher Bezahlung. Sowas geht nicht, das würde die Vorstellungen von oben und unten durcheinander bringen. Die Arbeiter würden de fakto eine Lohnerhöhung bekommen und die Geschäftsleitung müsste Überstunden schieben, damit sie das Zeugs verkauft bekommen.
Das geht gar nicht!
 
H

Helia

Gast
Verbesserungsvorschläge sind auch nicht unbedingt gefragt, vor allem dann, wenn sie von unten kommen. Das ist nicht im Sinn der Geschäftsführung.
Eine Verbesserung erhöht die Produktivität und damit den Ausstoss oder alternativ müsste die Arbeitszeit sinken, bei gleicher Bezahlung. Sowas geht nicht, das würde die Vorstellungen von oben und unten durcheinander bringen. Die Arbeiter würden de fakto eine Lohnerhöhung bekommen und die Geschäftsleitung müsste Überstunden schieben, damit sie das Zeugs verkauft bekommen.
Sehr interessanter Gedanke. Diese Theorie würde zum Beispiel genau zu meiner Firma passen. Denn die Herren, die da was zu sagen haben (ausschließlich Männer), sitzen hauptberuflich ihre Zeit ab, blasen sich ab und zu mal auf, halten "wichtige" Meetings in der Küche ab oder erledigen ihren Privatkram, während die GL faktisch nicht präsent ist.

- Während wir hier unten "rödeln" und uns aufgrund fehlender Strukturen, Entscheidungen, Personal und Personalplanung gegenseitig bekriegen, damit "der Laden läuft".

Es würde die Herrschaften ja völlig aus dem Konzept bringen, wenn plötzlich Ressourcen frei werden würden, mit denen sie evtl. hantieren müssten, das würde ja Arbeit bedeuten!

Hm wirklich interessanter Gedanke. Bisher war ich so naiv zu glauben dass Unternehmen hauptsächlich an "Wachstum" und Profit interessiert sind und daran, dass dafür die Abläufe gut funktionieren. Aber dieser Gedanke macht echt irgendwie Sinn und würde auch erklären, warum auf "unteren Ebenen" so häufig Mobbing stattfindet. So lange die "Herren" es schön warm unterm Po haben ist alles ok, bloß keine Veränderung die das Machtgefüge aus dem Gleichgewicht bringen könnte!

Im Grunde lässt sich dieses Prinzip ja auch gesamtgesellschaftlich auf unser System übertragen, mir stellt sich nur die Frage, wie lange das noch gutgeht.
 

lino

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Bisher war ich so naiv zu glauben dass Unternehmen hauptsächlich an "Wachstum" und Profit interessiert sind und daran, dass dafür die Abläufe gut funktionieren.
Ist nicht naiv, sondern ganz normal:
Vor ein paar Jahren habe ich in einer Firma gearbeitet, wo der Schichtleiter auch sagte, das er "Schneller, besser und zügiger" werden wolle. Dann habe ich ihn danach gefragt, warum Dinge, die nichts bringen, nicht geändert werden. Seine Antwort darauf war im Prinzip "Das geht hier nicht".
Darauf hin habe ich mir überlegt, was passieren würde, wenn das, was sich der Mann vorgestellt hat eintreten würde.
Ein Gedankenexperiment:
Wir verdoppeln einfach die Produktivität von einem Tag auf den anderen. Die Arbeiter könnten dann nach 4 Stunden nach Haus gehen und wir nehmen an, das sie das auch tun bei gleichem Monatslohn.
Der Verkauf kann aber nicht analog dazu mehr verkaufen und müsste demnach weiterhin 8 Stunden arbeiten. Die Arbeiter würden auf einmal das doppelte verdienen, die Verkäufer aber den gleichen Lohn wie vorher bekommen.

Alternativ lassen wir die Arbeiter einfach 8 Stunden produzieren, der Lohn bleibt gleich.
Dann muss die Verkaufsabteilung aber doppelt soviel verkaufen. Dazu muss die Firma Leute einstellen, was wiederum Kosten bedeutet.
Um die Produktion zu erhöhen, muss erstmal der Markt dafür da sein. Ob der Markt aufnahmefähig ist oder nicht, weiss nur die Geschäftsleitung.
Also selbst wenn Wachstum gewünscht ist, Sind Verbesserungsvorschläge das nicht unbedingt, weil die Geschäftsleitung die Kontrolle behalten will.
Abgesehen davon spielen auch andere Faktoren eine Rolle.

Hartz4 ist genau das Gleiche:
Das ist ein Wirtschaftsfaktor, bei dem es darum geht, einen Jobmarkt in der Verwaltung der Arbeitslosen zu schaffen. Deswegen hat die tatsächliche Vermittlung von Arbeitslosen nur eine Alibifunktion, um das System zu rechtfertigen.
 
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