Grüne kritisieren Ein-Euro-Jobs auf Kinderspielplätzen

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Ralf Hagelstein

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Grüne kritisieren Ein-Euro-Jobs auf Kinderspielplätzen

Hamburgs Grüne haben den Plan des Senats, Langzeitarbeitslose für die Betreuung von Kinderspielplätzen vorzusehen, als Mißbrauch von arbeitsmarktpolitischen Instrumenten kritisiert. "Arbeitsmarktpolitisch geht es hier um reine Beschäftigungstherapie", sagte die GAL-Abgeordnete Gudrun Köncke am Montag.
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Silvia V

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Guten Morgen Frau Könke..auch schon wach??? :|
 

Kater

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so sieht´s in Berlin-Neukölln aus:

Als Dienstkleidung ein weißes Shirt mit Sonne

In Neukölln kümmern sich Arbeitslose um die Spielplätze - ein Novum für Berlin

Claudia Fuchs

NEUKÖLLN. Anfangs, sagt Michael Hapka, sei es schon merkwürdig gewesen. Wenn er zum Beispiel als Erster auf dem Spielplatz war. Nicht selten wurde er dann von Erwachsenen und ihren Kindern argwöhnisch betrachtet: Ein 25-jähriger Mann, der einfach nur auf einer Bank sitzt und den Spielplatz beobachtet. "Sie wissen schon", sagt Hapka, "dann gilt man schnell als Pädophiler." Doch dieses Vorurteil, sagt der gelernte Schlosser, sei schnell verschwunden. Außer Hapka tauchten nämlich fünf weitere Erwachsene auf dem Spielplatz auf - so genannte Spielplatzkümmerer. 250 von ihnen gibt es zurzeit in Neukölln, 100 sollen noch dazu kommen. Ein Novum für Berlin.

Die Aufgaben der Spielplatzbetreuer sind klar: Sie sollen die 114 öffentlichen Spielplätze in Neukölln kontrollieren; aufpassen, dass sich keine zudringlichen Erwachsenen den Kindern nähern, bei Bedarf mit den Kleinen spielen, Betrunkene und Dealer von den Plätzen fern halten. Im April traten die ersten Betreuer ihre Jobs an. Sie alle sind Bezieher von Arbeitslosengeld II, arbeiten bis zu 30 Stunden pro Woche und verdienen stündlich 1,50 Euro. Spielplatzbetreuer werden bis November täglich zwischen 10 und 18 Uhr eingesetzt. Zu erkennen sind sie an den weißen T-Shirts mit einer Sonne auf dem Rücken.

Die Idee hatte Baustadträtin Stefanie Vogelsang (CDU). "Manchmal werden Kinder einfach auf Spielplätzen abgesetzt und dann sich selbst überlassen", sagt sie. Nicht selten lägen Bierflaschen oder Spritzen im Sandkasten. "Als ich dem Grünflächenamt davon erzählt habe, hieß es nur: Wir können uns nicht um alle Spielplätze kümmern." So sei die Idee entstanden, Arbeitslose einzusetzen. "Das ist gemeinnützig", sagt Vogelsang. Und Arbeitsplätze auf den ersten Arbeitsmarkt gingen dadurch auch nicht verloren. Und: 250 Arbeitslose aus Neukölln gehen einer neuen Beschäftigung nach.

Michaela Albrecht ist seit Juni dabei. "Ich habe mich schon so oft nach Jobs erkundigt", sagt die 32-Jährige. Als sie durch das Job-Center von den Spielplatzbetreuern erfuhr, habe sie sofort den Trägerverein RAG Bildung angerufen, der die Betreuer auswählt. Albrecht sagt, sie könne die Leute nicht verstehen, die sich abfällig über 1,50-Euro-Jobs äußerten. "Ich verdiene jetzt etwas dazu." Außerdem arbeite sie nur 20 Stunden wöchentlich - das sei ideal, um sich auch um ihre Kinder zu kümmern.

Auch bei den Erziehern benachbarter Kitas und Eltern auf Spielplätzen kommt das Engagement der Betreuer gut an. "Manche borgen sich in den Kitas morgens Spielzeug aus, spielen dann mit den Kindern und bringen es abends zurück", sagt Stadträtin Vogelsang.

Große Zufriedenheit herrscht auch beim Trägerverein. "Natürlich gibt es Leute, die meckern über den Job - zumal ihnen bei Ablehnung 30 Prozent des Arbeitslosengeldes gestrichen würden", sagt Projektkoordinator Klaus-Dieter Franz. "Aber die meisten sind sehr zufrieden. Und etliche wollen nächstes Jahr wieder mitmachen."
https://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin/470498.html?2005-08-01
 
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