Grass veröffentlicht neues Gedicht zu Griechenland :)

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Gast
"Dem Chaos nah, weil dem Markt nicht gerecht..."
In einem zornigen Gedicht äußert sich Nobelpreisträger Günter Grass zur Griechenland-Krise.
Europa stelle das Land, in dem die europäische Idee einst geboren wurde, an den Pranger,
beraube es seiner Rechte und verurteile es zu Armut, klagt er. Und der Dichter zeigt Verständnis für die Wut der Griechen.

Dem Chaos nah, weil dem Markt nicht gerecht,
bist fern Du dem Land, das die Wiege Dir lieh.
Was mit der Seele gesucht, gefunden Dir galt,
wird abgetan nun, unter Schrottwert taxiert.

Als Schuldner nackt an den Pranger gestellt, leidet ein Land,
dem Dank zu schulden Dir Redensart war.
Zur Armut verurteiltes Land, dessen Reichtum
gepflegt Museen schmückt: von Dir gehütete Beute.

Die mit der Waffen Gewalt das inselgesegnete Land
heimgesucht, trugen zur Uniform Hölderlin im Tornister.
Kaum noch geduldetes Land, dessen Obristen von Dir
einst als Bündnispartner geduldet wurden.

Rechtloses Land, dem der Rechthaber Macht
den Gürtel enger und enger schnallt.
Dir trotzend trägt Antigone Schwarz und landesweit
kleidet Trauer das Volk, dessen Gast Du gewesen.

Außer Landes jedoch hat dem Krösus verwandtes Gefolge
alles, was gülden glänzt gehortet in Deinen Tresoren.
Sauf endlich, sauf! schreien der Kommissare Claqueure,
doch zornig gibt Sokrates Dir den Becher randvoll zurück.

Verfluchen im Chor, was eigen Dir ist, werden die Götter,
deren Olymp zu enteignen Dein Wille verlangt.
Geistlos verkümmern wirst Du ohne das Land,
dessen Geist Dich, Europa, erdachte.

Gedicht von Günter Grass zur Griechenland-Krise - Europas Schande - Kultur - sueddeutsche.de
 

Piedro

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12 März 2012
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dem alten herrn scheint langweilig zu sein.


irgendwie hab ich das gefühl, dass es für prosa nicht mehr wirklich reicht und er sich nun der lyrik zuwendet, um wahrgenommen zu werden.

nun, lyrik ist so 'ne sache... hier geht es wohl darum das auszudrücken, was schlicht wahrnehmbar ist, und mit schöngeistigen verweisen zu garnieren.

das könnten tausend deutsche dichter besser als der günter.

freuen wir uns auf den nächsten sieben-wochen-erguss.

bis dahin: die zeilensetzung eines lyrischen werkes sollte man respektieren. ich weiss nicht welche fassung die "richtige" ist, aber in der sz schaut das so aus:

Europas Schande Ein Gedicht von Günter Grass

Dem Chaos nah, weil dem Markt nicht gerecht,
bist fern Du dem Land, das die Wiege Dir lieh.



Was mit der Seele gesucht, gefunden Dir galt,
wird abgetan nun, unter Schrottwert taxiert.



Als Schuldner nackt an den Pranger gestellt, leidet ein Land,
dem Dank zu schulden Dir Redensart war.



Zur Armut verurteiltes Land, dessen Reichtum
gepflegt Museen schmückt: von Dir gehütete Beute.



Die mit der Waffen Gewalt das inselgesegnete Land
heimgesucht, trugen zur Uniform Hölderlin im Tornister.



Kaum noch geduldetes Land, dessen Obristen von Dir
einst als Bündnispartner geduldet wurden.



Rechtloses Land, dem der Rechthaber Macht
den Gürtel enger und enger schnallt.



Dir trotzend trägt Antigone Schwarz und landesweit
kleidet Trauer das Volk, dessen Gast Du gewesen.



Außer Landes jedoch hat dem Krösus verwandtes Gefolge
alles, was gülden glänzt gehortet in Deinen Tresoren.



Sauf endlich, sauf! schreien der Kommissare Claqueure,
doch zornig gibt Sokrates Dir den Becher randvoll zurück.



Verfluchen im Chor, was eigen Dir ist, werden die Götter,
deren Olymp zu enteignen Dein Wille verlangt.



Geistlos verkümmern wirst Du ohne das Land,
dessen Geist Dich, Europa, erdachte.


ich täte wetten: politische lyrik einer foristen hier könnte gefinkelter sein als des günters letzte letzte worte.
 
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