Gleitzonenjob verloren, ALG 1 seit 1.1.19, und jetzt 30 Stunden Bewerbungen pro Woche?

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Jannimann

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Halli hallo,
ich bitte um Entschuldigung, dass ich gleich als ersten Post eine Frage stelle.

Meine Frau hat 12 Jahre lang bei einen örtlichen Maschinenbauer als Reinigungskraft gearbeitet. Für monatlich 460 Euro. Gearbeitet hat sie freiwillig an den Wochenenden, was sowohl für sie als auch für den Arbeitgeber sehr praktisch war. Nun wird der Standort des Unternehmens verlagert, weshalb man ihr zum 1.1.2019 gekündigt hatte.

Sie hat sich dann online fristgerecht arbeitssuchend gemeldet und sie bekam eine Einladung zum Termin bei der Arbeutsagentur am 14.2.2019. Den hat sie auch wahrgenommen. In diesem Termin wurde ihr unter anderem eine Liste mit 40 Arbeitgebern in der Region ausgehändigt, mit dem Hinweis, dass sie zum nächsten Termin am 27.3. alle Arbeitgeber persönlIch zu besuchen habe. Ansonsten werde ihr ALG1 gesperrt.

Sie hat bis jetzt gerade einmal 12 dieser Arbeitgeber besucht, wird es also niemals schaffen alle zu besuchen. Dafür hat sie deutlich mehr Zeit aufgewendet, als sie vorher gearbeitet hat und ich zweifele irgendwie an der Rechtmäßigkeit und der Verhältnismäßigkeit dieser Geschichte. Eine Kostenerstattung wurde ihr auch verweigert mit den Worten, dass der Nahverkehr in der Region nicht erstattungsfähig sei. Nun hat meine Frau keinen Führerschein und und auch keine Monatskarte für den Nahverkehr. Die Fahrten mit Bus oder Zug nach Bielefeld kosten hin- und zurück aber pro Fahrt mal eben 8,40 Euro, was bei grob 300 Euro AlG eine Menge ist.

Ich selber kann nicht helfen. Ich bin nach SlG dauerhaft berufsunfähig ( nach schwererr OP wegen Bauchspeicheldrüsenkrebs ) und beziehe eine private Berufsunfähigkeitsrente. Ich bin quasi ein Pflegefall, obwohl ich vom Staat nie irgendwelche Leistungen in Anspruch genommen habe und mich mit dem ganzen AlG Kram auch überhupt nicht auskenne. Meine Frau noch viel weniger. Das war auch der Grund, wieso meine Frau am Wochenende gearbeitet hat. Unter der Woche muss sie sich um die Dinge kümmern, die ich nicht mehr machen kann.

Daher frage ich mich, ob man von meiner Frau wirklich erwarten kann, im Schnitt jeden Tag ein Unternehmen persönlich zu besuchen und dabei Fahrtkosten in Höhe des ALG 1 zu verbraten und zudem dreimal mehr Zeit aufzuwenden, als sie vorher Wochenarbeitszeit hatte. Kann sie sich nicht trotzdem bei den Arbeitgebern auf der Liste per eMail bewerben, obwohl die Sachbearbeiterin das explizit untersagt hat und den persönlichen Besuch vorschreibt?

Ich frage mich auch, ob ein 460 Euro-Job mit zwei Stunden Fahrzeit und im günstigsten Fall mit einer 120 Euro Monatskarte berhaupt sinnvoll ist. Dann arbeitet meine Frau ja nur noch für die Verkehrsbetriebe. Ich denke aber mal, dass das wohl unser Problem ist. Denn keiner der von der AG benannten Arbeitgeber ist in unserer Nähe.

Vielen Dank für eventuelle Antworten und viele Grüße
Jan
 

Kerstin_K

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Hat sie das schriftlich, dass sie die Arbeitgeber persönlich aufsuchen muss? Hat sie die Fahrtkosten schriftlich beantragt?

Hast du einen Pflegegrad?
 

Jannimann

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Hallo Kerstin,

Nein, sie hat es nicht schriftlich. Aber die Sachbearbeiterin hat es mir gegenüber am Telefon bestätigt. Ich habe nun um schriftliche Einlassung gebeten, aus der hervor geht, dass Bewerbungen persönlich vorzunehmen und dass Erstattung der Fahrtkosten unmöglich sind.

Ich habe auch keinen Pflegegrad. Ich bin aber laut amtzärtzlichem Gutachten dauerhaft berufsunfähig nach SGB. Da ich selbständig war, beziehe ich eine private Berufsunfähigkeitsrente und keinerlei staatliche Leistungen.

Ich erkenne die Notwendigkeit der Mitarbeit meiner Frau ja grundsätzlich an. Ich frage mich nur, ob hier nicht eine gewisse Verhältnismäßigkeit gelten sollte. In der jetzigen Form ist das blanker Terror. Vielleicht dient er dem Zweck, dass meine Frau freiwillig aufs ALG verzichtet.

Viele Grüße
Jan
 

apfelkuchen

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Auf jeden Fall auf einen schriftlichen Bescheid bestehen, damit klar ist, dass die Agentur die Vorstellungsgespräche gefordert hat. Und dann nach jedem Gespräch Erstattung der Fahrtkosten beantragen. Mal schauen wie die SB dann reagiert. Eigentlich müssen die Kosten zu Vorstellungs-/Bewerbungsgesprächen übernommen werden. Hat sie denn die ganzen alten Fahrscheine noch? Dann auf jeden Fall alle bisherigen Ausgaben zur Erstattung beantragen. Schreibt ruhig in den Antrag rein "wie von Frau XYZ mündlich mehrfach mir und meinem Mann gegenüber aufgefordert", damit dokumentiert ist, was genau der Sachverhalt ist.


Als weiteren Tipp empfehle ich euch, die Telefonnummer und Emailadresse beim Amt aus Datenschutzgründen löschen zu lassen und sämtliche Kommunikation nur noch schriftlich zu machen. Wenn dann solche Forderungen kommen, kannst du die Schreiben u.a. auch hier im Forum einstellen. Es ist viel leichter, sich eine Umgangsstrategie damit zu erarbeiten, wenn man das ganze sacken lassen kann und in Ruhe darüber nachdenken kann. Das Verhalten der SB sieht echt nach Schikane (oder ggf. Ahnungslosigkeit) aus.
 
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Lachsforelle

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Hast du die Einlassung mündlich - also im Gespräch - angefordert? Dann kannst du das vergessen, die SB wird sich dann beim nächsten Termin darauf herausreden, das du/ihr etwas falsch verstanden habt. Also schriftlich (evtl. per Fax) nachweislich anfordern, darauf wird die SB garantiert keine ähnliche Forderung stellen.

Wo und wie deine Frau sich bewirbt, bleibt zunächst einmal ihr selbst überlassen, ein evtl. AG kann die Form der Bewerbung vorschreiben (z.B. online, schriftlich oder sonstwie).

Den nächsten Termin sollte deine Frau mit einem Beistand wahrnehmen, dann werden solche Aussagen und Forderungen garantiert nicht mehr gemacht!
 
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