Gleichstellungsantrag bei Arbeitslosigkeit, mangelnde Konkurrenzfähigkeit d. Behinderten, Begründung?

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Sommer

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Guten Abend,

ich beziehe seit bereits 10 Monaten Arbeitslosengeld 1 bei der Agentur für Arbeit. Ich habe mich nur bei Privatfirmen, keine Zeitarbeitsfirmen! (sehr schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit) jeden Monat beworben, bisher ohne Erfolg, keine Einladungen zu Vorstellungsgesprächen. Ich habe eine kaufmännische Ausbildung und Berufserfahrung im Büro (Buchhaltung)

Da ich einen Grad der Behinderung von 30 (GdB) vom Versorgungsamt habe, möchte ich einen Antrag auf Gleichstellung mit einem Schwerbehinderten gemäß § 2 Abs. 3 (SGB IX) bei der Agentur für Arbeit stellen.

Kennt sich jemand hier im Forum mit einem Gleichstellungsantrag aus, wenn man arbeitslos ist? Kann man mir Tipps geben, wie man eine Begründung formulieren könnte? Ich habe etwas von mangelnder Konkurrenzfähigkeit bei Behinderten im Rahmen des Gleichstellungsantrags gelesen. Ich verstehe aber nicht genau, was mangelnde Konkurrenzfähigkeit bei Behinderten bedeutet auch auf meinen Fall bezogen.

Wenn meinem Gleichstellungsantrag in der Afa positiv entsprochen wird, ich dann mit Schwerbhinderten gleichgestellt werden würde, dann hätte ich den besonderen Kündigungsschutz.

Der besondere Kündigungsschutz ist hauptsächlich der Grund, warum ich diesen Gleichstellungsantrag stellen möchte.

Kurz zu meiner Krankengeschichte: Meine Psychotherapeutin bescheinigte mir, dass ich eine rezidivierende Depression habe. Ich hatte seit dem Jahr 2010 bereits einige depressive Episoden mit Einnahme von Antidepressiva. Meine erste Ausbildung musste ich wegen einer schweren Depression abbrechen müssen, Arbeitgeber hatte mich gekündigt. Danach habe ich erfolgreich eine vom Job-Center finanzierte REHA-Ausbildung/Umschulung in einem Berufsförderungswerk absolviert. Vor ein paar Jahren hatte ich einen befristeten Arbeitsplatz (noch in der Probezeit), da bekam ich eine sehr schwere Depression mit sehr schweren Schlafstörungen, nur 1 Stunde am Tag geschlafen über mehr als zwei Monate, trotzdem 8 Stunden zur Arbeit täglich hingegangen,danach konnte ich einfach nicht mehr und war für etwas mehr als einen Monat am Stück krankgeschrieben und ruck zuck kam die ordentliche Kündigung und habe den Arbeitsplatz verloren, wegen meiner Krankschreibung, die etwas mit meiner psychischen Behinderung zu tun hatte.

Wie ich bereits erwähnt habe, bin ich zur Zeit arbeitslos im ALG 1-Bezug. Wenn ich irgendwann einen neuen Arbeitsplatz in der Zukunft haben sollte, könnte ich (wieder) einen Rückfall (Depression) erleiden, was wiederrum dazu führen würde, dass ich wieder krankgeschrieben bin und mein Arbeitsplatz gefährdet ist und gekündigt werden könnte und keinen besonderen Kündigungsschutz hätte, sondern nur den normalen Kündigungsschutz, die alle gesunden Menschen haben

Im Gesetz zur Gleichstellung steht irgendwas von: Man braucht die Gleichstellung um einen Arbeitsplatz zu erlangen oder zu behalten
Bei mir geht es um: Ich brauche die Gleichstellung um einen Arbeitsplatz zu erlangen. Nun habe ich mit der REHA-Abteilung meiner AFA telefoniert, damit sie mir den Antrag auf Gleichstellung zuschickt. Die Mitarbeiter dieser REHA-Abteilung meinten, sie sind überhaupt keine Ärzte, werden aber über meinen Gleichstellungsantrag entscheiden?! Mitarbeiter der Afa sagte, die REHA-Abteilung wird eine Stellungsnahme von meiner Sachbearbeiterin anfordern und auch auf dieser Grundlage meiner Vermittlerin des Arbeitsamtes wird über meinen Gleichstellungsantrag entschieden.

Da frage ich mich doch: Wie kann meine Sachbearbeiterin, die in einer Agentur für Arbeit arbeitet und keine Ahnung, von Krankheiten, egal welcher Art, hat eine Stellungsnahme an die Reha-Abteilung schreiben und beurteilen ob es notwendig ist, das ich mit Schwerbehinderten gleichgestellt werde oder nicht und dadurch einen besonderen Kündigungsschutz bekomme?
Die Reha-Abteilung riet mir, evtl. einen Termin bei meiner Sachberabeiterin zu vereinbaren, um mit ihr über meinen Gleichstellungsantrag zu reden. ich bin jedoch hilflos und sehr unsicher, vor allem weil ich weiss, dass sie mich nicht verstehen wird und vielleicht kein Verständnis zeigt, wenn von meiner psyhischen Behinderung rede.

ich werde einen Bericht meiner Therapeutin und alle meine Krankmeldungen aus der Vergangenheit mit der Diagnose Depression u. Angstörung dem Antrag beilegen, vielleicht hilft es, damit der Gleichstellungsantrag erfolgreich ist. Nur frage ich mich: Die MA der Reha-Abteilung wissen mit diesen Krankmeldungen nichts anzufangen, weil sie ja keine Ärzte sind!!!


Sorry, es ist sehr lang geworden...:sorry:
ich bedanke mich vorab:) für eure Hilfe
 
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BerndB

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Ich geh mal davon aus, dass die Gleichstellung mit der jeweiligen Behinderung zu tun hat, genauso aber auch mit der Lage auf dem für dich maßgeblichen Arbeitsmarkt. Blödes Beispiel: Ein IT-Fachmann mit amputiertem Bein benötigt vermutlich keine Gleichstellung. Insofern dürfte deine Sachbearbeiterin zumindest einen Teil (!) der Geschichte beurteilen können. Das muss nicht immer bedeuten, dass die richtige Entscheidung getroffen wird. Die Gleichstellung ist aber für die AfA nicht mit Kosten verbunden, insofern dürfte zumindest dieser Faktor nicht negativ mitspielen. Es könnte immer darum gehen, wie/warum/in welchem Umfang bist du den Belastungen am Arbeitsplatz nicht im gleichen Maße wie Mitbewerber ohne Behinderung gewachsen und wie groß ist die Zahl der Mitbewerber.
Es stellt sich dann noch die Frage, wird die Gleichstellung die Chance auf einen Arbeitsplatz erhöhen oder soll sie nur der späteren Sicherung des erhaltenen Arbeitsplatzes dienen.

Ich gehe davon aus, dass genau diese Fragen im Antragsformular gestellt werden.
 

Kerstin_K

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Blödes Beispiel: Ein IT-Fachmann mit amputiertem Bein benötigt vermutlich keine Gleichstellung.
Sehe ich anders. Oft versucht man Behinderte als vermeintliche Minderleister loszuwerden, obwohl sie am richtigen Arbeitsplatz genausi leistungsfähig sind wie Nichtbehinderte. Genau davor soll der erweiterte Kündigungsschutz schützen.

Im Übrigen kannst Du niemals wissen, ob die Beianamputation nicht noch psychische Auswirkungen hat, ob Phantomschmerzen auftreten oder langfristig die Wirbelsäule unter der ungleichmäßigen Gewichtsverteilung leidet oder es gehen die Schultern vom Laufen mit Unterarmstützen kaputt oder sonstwas.

Soweit ich weiss, ist die AfA zurückhaltens mit der Gleichstellung, so lange man arbitslos ist, weil das eben ein Vermittlungshemmnis sein kann. Viele Arbeitgeber denken ja immer noch, jemand mit Behinderung sei unkündbar.
 

BerndB

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Im Übrigen kannst Du niemals wissen, ob die Beianamputation nicht noch psychische Auswirkungen hat ...
O.k., deshalb blödes Beispiel. Besseres Beispiel: Ein Beamter auf Lebenszeit wird keine Gleichstellung erhalten, denn er hat ja schon Kündigungsschutz. Die Gleichstellung könnte nur seinem Arbeitgeber bei der SB-Quote etwas bringen.
 

Franz Pfaff

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Hallo,

also bei mir (auch GdB30) war die Gleichstellung als ALG2-Empfänger absolut null Problem:
einfach Antrag ohne Begründung gestellt, GdB-Bescheid beigefügt und genehmigt bekommen.
Hab zwar bis jetzt nichts davon, da die Stellen für Behinderte auch nicht in Massen vorhanden sind, aber schaden kann's auch nicht den Status zu haben.

VG Franz
 

Karinik

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Bei der Gleichstellung spielen medizinische Gründe keine Rolle. Es spielt keine Rolle warum jemand einen GdB von 30 hat. Entscheidend sind eher die Gründe warum ein Arbeitsverhältnis nicht auf Dauer war. Oder wenn z.B. jemand eine besondere Ausstattung am Arbeitsplatz benötigt. (Spezial Stuhl, anderer Schreibtisch) Da gibt es Zuschüsse, aber eben nur für Behinderte oder Gleichgestellte.
Wenn es eher um den Kündigungsschutz geht, würde ich jetzt keinen Antrag stellen. Einmal muss dazu erst ein Arbeitsverhältnis vorhanden sein und der Kündigungsschutz ist sicher ein Grund warum Behinderter es auf dem Arbeitsmarkt schwer haben. Zudem während der 6 monatigen Probezeit besteht auch bei Gleichstellung/Behinderung noch kein Kündigungsschutz
 

Doppeloma

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Hallo Sommer,

Wenn meinem Gleichstellungsantrag in der Afa positiv entsprochen wird, ich dann mit Schwerbhinderten gleichgestellt werden würde, dann hätte ich den besonderen Kündigungsschutz.
Der besondere Kündigungsschutz ist hauptsächlich der Grund, warum ich diesen Gleichstellungsantrag stellen möchte.

Wie du selbst schon festgestellt hast, soll die Gleichstellung (vorrangig) den erhöhten Kündigungsschutz bringen wenn man bereits einen Arbeitsplatz hat ... bei Arbeitslosen ist ja noch gar nicht klar welche konkreten Arbeitsbedingungen es mal geben könnte, wo du diesen Schutz (wegen gewisser Minderleistungen = "nicht schnell genug was arbeiten können" oder eben erhöhte Krankheitszeiten) dann auch benötigen wirst.

Aktuell (für die Arbeitsvermittlung) ist das eher kein Vorteil, wer schon damit kommt wird (in der Regel) noch weniger "gerne" eingestellt, als ein nicht Behinderter ... die konkreten gesundheitlichen Gründe spielen da bei den AG eigentlich überhaupt keine besondere Rolle. :icon_evil:

Auf eine Stelle die man schon grundsätzlich nicht bewältigen KANN sollte man sich besser gar nicht erst bewerben, das darf auch die AfA gar nicht verlangen (§ 140 SGB III) und deine Gesundheit (und ob du öfter mal AU sein könntest) geht einen AG normalerweise dann auch gar nichts an.

und war für etwas mehr als einen Monat am Stück krankgeschrieben und ruck zuck kam die ordentliche Kündigung und habe den Arbeitsplatz verloren, wegen meiner Krankschreibung, die etwas mit meiner psychischen Behinderung zu tun hatte.

In der Probezeit (also die ersten 6 Monate) nützt dir auch eine Gleichstellung (oder ein Schwerbehinderten-Ausweis) GAR NICHTS, da gilt der besondere Kündigungsschutz noch nicht ... dass die Entlassung wegen deiner psychischen Behinderung erfolgte wirst du auch mit Gleichstellung keinem AG beweisen können, auf dem AU-Teil für den AG stehen ja (mit Absicht) keine Diagnosen drauf und erzählen musst du auch nicht weswegen konkret du gerade AU geschrieben bist.

Wie ich bereits erwähnt habe, bin ich zur Zeit arbeitslos im ALG 1-Bezug. Wenn ich irgendwann einen neuen Arbeitsplatz in der Zukunft haben sollte, könnte ich (wieder) einen Rückfall (Depression) erleiden, was wiederrum dazu führen würde, dass ich wieder krankgeschrieben bin und mein Arbeitsplatz gefährdet ist und gekündigt werden könnte und keinen besonderen Kündigungsschutz hätte, sondern nur den normalen Kündigungsschutz, die alle gesunden Menschen haben

Auch (ansonsten) gesunde Menschen werden gerne bei der ersten AU schon wieder entlassen, das ist (leider) in der heutigen Arbeitswelt so üblich, auch Nichtbehinderte werden ja mal krank und wenn das schon in der Probezeit passiert geht das meist genau so schnell ... es ist eine Illusion anzunehmen, dass du das mit der Gleichstellung wirksam verhindern könntest.

Im Gesetz zur Gleichstellung steht irgendwas von: Man braucht die Gleichstellung um einen Arbeitsplatz zu erlangen oder zu behalten
Bei mir geht es um: Ich brauche die Gleichstellung um einen Arbeitsplatz zu erlangen.

Es wird dir kaum gelingen mit dieser Begründung die Gleichstellung zu erlangen, wenn du keine (relativ sichere) Einstellungszusage vorweisen kannst, was diese Bedingung fordert ( Behörden z.B. die Schwerbehinderte und Gleichgestellte "bevorzugt" einstellen wollen) um überhaupt in nähere "Verhandlungen" dazu mit dir treten zu wollen.

Nun habe ich mit der REHA-Abteilung meiner AFA telefoniert, damit sie mir den Antrag auf Gleichstellung zuschickt. Die Mitarbeiter dieser REHA-Abteilung meinten, sie sind überhaupt keine Ärzte, werden aber über meinen Gleichstellungsantrag entscheiden?!

Es gibt eine Extra-Abteilung dafür bei der AfA und ganz sicher haben NICHT die Arbeitsberater (auch nicht die Reha-Berater) darüber zu entscheiden, ob du die Gleichstellung bekommen wirst oder nicht ...
Du solltest dir zunächst schon mal abgewöhnen wegen wichtiger Angelegenheiten zu telefonieren ...

Den Antrag findet man sehr schnell im Internet ...


Hier zum Beispiel (bitte das PDF öffnen) und den kannst du auch direkt online bei der AfA anfordern ...


Da musst du dich gar nicht mit deinen Beratern zu auseinandersetzen ... wenn es Anfragen geben sollte (ob das deiner Vermittlung dienlich sein kann) wird sich die zuständige Stelle natürlich auch an deine Arbeitsberater wenden ... medizinische Unterlagen werden in der Regel NICHT benötigt.

Die medizinisch relevanten Angaben stehen ja bereits in deinem GdB-Bescheid, dafür muss man nicht unbedingt Medizin studiert haben und von der KK möchte man einen AUD-Beleg für die letzten 3 - 4 Jahre haben, um einen Überblick über deine Krankheitszeiten zu bekommen.

Mitarbeiter der Afa sagte, die REHA-Abteilung wird eine Stellungsnahme von meiner Sachbearbeiterin anfordern und auch auf dieser Grundlage meiner Vermittlerin des Arbeitsamtes wird über meinen Gleichstellungsantrag entschieden.

Das stimmt also nicht so ganz, ergänzende Fragen zu deinen allgemeinen Vermittlungschancen sind möglich aber die Entscheidung wird von anderen Mitarbeitern getroffen, ich wurde selbst mal gleichgestellt, daher kenne ich den Ablauf ganz gut.

Schon an den Fragen (im Antrag) wirst du schnell erkennen, dass es schwierig ist die zu beantworten wenn man arbeitslos ist ... ich war damals noch im festen Arbeitsverhältnis, da hat mir die Schwerbehindertenvertretung geholfen, damit der Antrag nicht abgelehnt wird.
Es gibt schon ein paar "Klippen" bei den Fragen und wer die nicht kennt gibt da schnell die falschen Antworten ... bei Arbeitslosen wird auch mal eine Art "Option" bewilligt, dass die Gleichstellung problemlos und schnell erteilt wird wenn es einen einstellungsbereiten AG gibt und es nur daran scheitern könnte.

Da frage ich mich doch: Wie kann meine Sachbearbeiterin, die in einer Agentur für Arbeit arbeitet und keine Ahnung, von Krankheiten, egal welcher Art, hat eine Stellungsnahme an die Reha-Abteilung schreiben und beurteilen ob es notwendig ist, das ich mit Schwerbehinderten gleichgestellt werde oder nicht und dadurch einen besonderen Kündigungsschutz bekomme?

Die soll ja auch eine Stellungnahme zu Arbeitsmarkt-Bedingungen abgeben und nicht zu deinen Krankheiten, gerade die Reha-Berater sollen ja angeblich so gute Kenntnisse vom umliegenden Arbeitsmarkt haben und die Nachfrage der ansässigen Unternehmen / Behörden / Verwaltungen kennen für bestimmte Tätigkeiten, die dir von deiner Ausbildung her möglich wären.

Die Schwere deine behindernden Einschränkungen liegt ja weiterhin erst bei GdB 30, das ist noch nicht so erheblich, das muss man einem AG noch nicht mal mitteilen wenn man das nicht möchte ... versteh mich da bitte nicht falsch aber es klingt ein wenig danach also ob du dich überhaupt nur sehr eingeschränkt "Erwerbsfähig" siehst ... :icon_kinn:
Wer schnell oder häufiger mal AU-krank wird hat es allgemein nicht sehr "leicht" im heutigen Arbeitsleben lange einen Arbeitsplatz zu behalten ... und in der Regel machen es Schwerbehinderten-Ausweis oder Gleichstellung nicht unbedingt einfacher überhaupt einen Arbeitsplatz zu finden.

MfG Doppeloma
 

Sommer

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Hallo Doppeloma,

was meinst du damit dass ich es mir abgewöhnen soll wegen wichtiger Angelegenheiten zu telefonieren? Rätst du mir eher ein persönliches Gespräch bei der REHA-Abteilung zu vereinbaren bezüglich des Gleichstellungsantrags?

Ich habe mir bereits den Gleichstellungsantrag von der Afa zuschicken lassen und bat die Krankenkasse mir in den letzten 3-4 Jahren AU-Krankmeldungen mit Datum und genauer Diagnose zuzuschicken. Meine Ärzte stellen mir auch eine Übersicht ausschließlich mit Datum und Diagnose zur Verfügung, woraus ersichtlich ist, dass ich auch während meines Arbeitslebens mit dieser speziellen Behinderung krankgeschrieben war.

Als Alternative zum Gleichstellungsantrag könnte ich einen Verschlimmerungsantrag/Erhöhungsantrag beim Versorgungsamt stellen um einen GdB von 50 zu erhalten. Jedoch bei rezidivierenden Depressionen ist es heutzutage sehr sehr schwer einen 50 GdB vom Versorgungsamt zu bekommen.

Die Schwere deine behindernden Einschränkungen liegt ja weiterhin erst bei GdB 30, das ist noch nicht so erheblich, das muss man einem AG noch nicht mal mitteilen wenn man das nicht möchte ... versteh mich da bitte nicht falsch aber es klingt ein wenig danach also ob du dich überhaupt nur sehr eingeschränkt "Erwerbsfähig" siehst .

Die Schwere meiner behinderten Einschränkungen (30 GdB) ist langfristig für mein zukünftiges gesamtes Arbeitsleben doch sehr erheblich, weil immer die Gefahr besteht, das die Depressionen wiederkommen wenn ich im Arbeitsleben stehe. Der Teufelskreislauf fängt von vorne an, behinderungsbedingte Fehlzeiten/verminderte Arbeitsleistung wegen Konzentrationsschwierigkeiten etc., als Resultat droht wieder Kündigung, auch wenn ich z.B. einen unbefristeten Vertrag hätte und die Probezeit überstanden wäre.
Ich weiß nicht, ob du dich mit dieser Krankheit Depression und ihren Auswirkungen/Konzequenzen auskennst, aber laut Studien hat jemand der nur einmal eine Depression hatte, in 70-80 % von einen Rückfall/Rückfälle in der Zukunft bedroht.
Was die sehr eingeschränkte Erwerbsfähigkeit bei mir angeht: Ich kann Phasen/ oder auch Jahre haben, in denen ich stabil/"gesund" bin, und arbeiten kann. Jedoch kann eine Depression einfach über Nacht kommen und Betroffene können von Wochen über mehrere Monate bis Jahre krankgeschrieben sein.
Welcher deutsche Arbeitgeber macht da mit, und toleriert monatelange Krankschreibungen bei depressiven Mitarbeitern die einen unbefristeten Vertrag haben und den "normalen Kündigungsschutz". Da heißt es wieder Kündigung!!! Wenn ich gleichgestellt bin, dann kann man mich nicht mehr wegen Fehlzeiten die etwas mit meiner Behinderung zu tun haben, kündigen.

und in der Regel machen es Schwerbehinderten-Ausweis oder Gleichstellung nicht unbedingt einfacher überhaupt einen Arbeitsplatz zu finden.

Aber wenn man diesen Arbeitsplatz erstmal hat, einen SB-Ausweis/oder Gleichstellung hat, und die Probezeit vorbei ist/ evtl. unbefristeter Vertrag hat, dann ist man mit einem besonderen Kündigungsschutz geschützt vor einer behinderungsbedingten Kündigung.
 

iwis

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Aber wenn man diesen Arbeitsplatz erstmal hat, einen SB-Ausweis/oder Gleichstellung hat, und die Probezeit vorbei ist/ evtl. unbefristeter Vertrag hat, dann ist man mit einem besonderen Kündigungsschutz geschützt vor einer behinderungsbedingten Kündigung.

Hallo Sommer,

wenn man Dich loswerden will, findet man Wege.
Ich selber hatte fast 30 Jahre Betriebszugehörigkeit und einen GdB von 80 ....tja und wurde entlassen, ohne große Gegenwehr seitens des Versorgungsamtes.

So entledigt man sich älterer, teurer UND schwerbehinderter Personen auf legalem Wege. (kotz*)

Betriebsbedingte Umstrukturierung, konjunkturflaute, Insolvenz vorgeschoben ...etc. pp. es gibt viele Wege.
Ein GdB schützt Dich nur bedingt. Vielleicht solltest Du Deine Energie für wichtigere Dinge einsetzen .
Niemand hindert Dich mit Deinem Vorhaben (Gleichstellung u/o Verschlimmerungsantrag) weiterzumachen, wenn Du bereits einen AG gefunden hast.

LG iwi
 

Kerstin_K

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Kann ich nur bestätigen. Die Imtegrationsämter winken fast jeden Antrag durch, da werden nichtmal minimal E,ittlungen angestellt, onb dass, was der Arbeitgeber in den Antrag reinschreibt aich nur ansatzweise stimmt.

Und de Klage vor dem Verwaltungsgericht fagegen kann man auch vergessen, die sind so langsam, dagegen sind die Sozialgerichte der reinste Turbo.
 

Doppeloma

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Hallo Sommer,

was meinst du damit dass ich es mir abgewöhnen soll wegen wichtiger Angelegenheiten zu telefonieren? Rätst du mir eher ein persönliches Gespräch bei der REHA-Abteilung zu vereinbaren bezüglich des Gleichstellungsantrags?

Dazu wurde dir schon geantwortet, warum man mit Behörden nicht telefoniert und die Reha-Abteilung hat nicht über diesen Antrag zu entscheiden, also sind Gespräche dazu völlig überflüssig.
Der Antrag geht direkt an die AfA und wird direkt an die zuständige Abteilung zur Bearbeitung geleitet, darüber brauchst du mit deinen Arbeitsberatern überhaupt nicht zu sprechen, ob denen das Recht ist oder nicht ... :icon_evil:

Ich habe mir bereits den Gleichstellungsantrag von der Afa zuschicken lassen und bat die Krankenkasse mir in den letzten 3-4 Jahren AU-Krankmeldungen mit Datum und genauer Diagnose zuzuschicken.

Wenn du das erforderliche Formular bereits erhalten hast dann ist es ja gut, solche Telefonate (und die Zusagen dabei) werden auch gerne mal "vergessen", die KK brauchst du auch nicht lange "bitten" du hast einen Anspruch die AUD-Liste zu bekommen wenn du das verlangst, das musst du (eigentlich) nicht mal begründen wofür du die brauchst.

Meine Ärzte stellen mir auch eine Übersicht ausschließlich mit Datum und Diagnose zur Verfügung, woraus ersichtlich ist, dass ich auch während meines Arbeitslebens mit dieser speziellen Behinderung krankgeschrieben war.

Dafür will die AfA ja den AUD-Beleg von der KK haben, im besten Falle zusammen mit dem ausgefüllten Antrag und deinem aktuellen Bescheid zum GdB (bitte NUR Kopien dieser ergänzenden Unterlagen schicken), deine Behinderung ist anerkannt wie der GdB-Bescheid das (vom Datum her) aussagt, was davor war interessiert die AfA für den Antrag auf Gleichstellung nicht, eine solche Auflistung deiner Ärzte ist also überflüssig.

Als Alternative zum Gleichstellungsantrag könnte ich einen Verschlimmerungsantrag/Erhöhungsantrag beim Versorgungsamt stellen um einen GdB von 50 zu erhalten. Jedoch bei rezidivierenden Depressionen ist es heutzutage sehr sehr schwer einen 50 GdB vom Versorgungsamt zu bekommen.

Dann ist das ja keine echte Alternative, das ist mir durchaus bekannt, ich war fast 4 Jahre vom Psychiater AU geschrieben wegen schwerer Erschöpfungsdepressionen (die wurden auch meist als rezidivierend eingestuft, zumindest immer von den DRV-Gutachtern) bis ich deswegen berentet werden musste ... mein GdB-"Anteil" dafür beträgt genau 20, es war nicht besonders erheblich für das Versorgungsamt, dass ich genau deswegen gar nicht mehr arbeiten konnte. :icon_evil:

GdB 30 bekam ich wegen einer Herzklappen-OP (danach direkt die Gleichstellung von der AfA), weniger geht da nicht, mit weiteren Problemen bin ich (mit mehreren Anträgen) bis GdB 40 gekommen und war bis zur EM-Rente fest angestellt ... mein AG hätte (vermutlich) kein Problem gehabt, mit einer gesundheitlich bedingten Kündigung und der Zustimmung vom Integrationsamt.

Es gab keine andere "leidensgerechte" Tätigkeit, die ich dort noch hätte ausüben können gesundheitlich und dann MUSS das Integrationsamt zustimmen ...
Bedingung ist also immer, dass es beim aktuellen AG noch eine gesundheitlich machbare / zumutbare Tätigkeit für dich geben könnte ... ansonsten verpufft auch der erhöhte Kündigungsschutz für Schwerbehinderte und Gleichgestellte.

Es muss noch möglich sein, mit "behinderungsbedingten Einschränkungen" überhaupt dort zu arbeiten, ansonsten wird kein AG gezwungen dich zu behalten ... wenn du AU-bedingt mehr Abwesend bist als am Arbeitsplatz, findet sich immer ein Weg das Integrationsamt zu überzeugen, dass die regulären Arbeitsabläufe dadurch massiv gestört werden.
Dazu findest du auch die entsprechenden Fragen im Antragsformular ...
Wenn ein AG "pleite geht" und alle MItarbeiter entlassen muss nützt dir der erhöhte Kündigungsschutz auch nichts mehr.

Man hat trotzdem nie versucht mich zu entlassen, aber ich brauche nun keinen erhöhten Kündigungsschutz mehr, bin inzwischen in Altersrente ... mein letztes Arbeitsverhältnis wurde schon vorher ordentlich beendet, wegen Übergang in eine EM-Rente auf Dauer.

Die Schwere meiner behinderten Einschränkungen (30 GdB) ist langfristig für mein zukünftiges gesamtes Arbeitsleben doch sehr erheblich, weil immer die Gefahr besteht, das die Depressionen wiederkommen wenn ich im Arbeitsleben stehe.

Ich weiß nicht, ob du dich mit dieser Krankheit Depression und ihren Auswirkungen/Konzequenzen auskennst, aber laut Studien hat jemand der nur einmal eine Depression hatte, in 70-80 % von einen Rückfall/Rückfälle in der Zukunft bedroht.

Wie du also oben nachlesen kannst kenne ich mich ziemlich gut mit dieser Krankheit aus (und noch mit Weiteren, die Berufstätigkeit ohne häufige AU-Zeiten, auch nicht gerade einfacher machen) das Versorgungsamt und die AfA und noch weniger die AG interessieren sich aber nicht für diese Studien, du bekommst einen GdB und die Gleichstellung nicht wegen der Statistiken zur Rückfallhäufigkeit bei Depressionen ... :icon_evil:

JEDER Mensch der mal krank wird kann immer wieder (und immer schwerer) erkranken, es liest sich, als ob du annimmst das sei nur bei Depressionen möglich, einen GdB bekommt man für den aktuellen Zustand, die aktuellen Behinderungen und nicht für die "berufliche Zukunft" ... von Krankheiten "bedroht" ist (theoretisch) Jeder, ich kenne jedenfalls keine Garantien auf ewige Gesundheit ...

Was die sehr eingeschränkte Erwerbsfähigkeit bei mir angeht:

Zu eingeschränkter Erwerbsfähigkeit hätte nur die DRV zu entscheiden und die interessieren sich nicht sonderlich dafür, ob du einen GdB, einen Schwerbehinderten-Ausweis oder eine Gleichstellung hast ... die interessieren sich noch nicht mal sonderlich dafür, ob du schon seit Jahren AU geschrieben bist oder immer mal wieder länger oder kürzer und ob das statistisch auch in der Zukunft zu erwarten ist, bei den vorliegenden Krankheitsbildern ...:icon_evil:

Welcher deutsche Arbeitgeber macht da mit, und toleriert monatelange Krankschreibungen bei depressiven Mitarbeitern die einen unbefristeten Vertrag haben und den "normalen Kündigungsschutz". Da heißt es wieder Kündigung!!! Wenn ich gleichgestellt bin, dann kann man mich nicht mehr wegen Fehlzeiten die etwas mit meiner Behinderung zu tun haben, kündigen.

Dazu wurde dir bereits geschrieben, dass deine Erwartungen an die Gleichstellung (oder einen Schwerbehinderten-Ausweis) da viel zu hoch sind ... ein AG möchte, dass du die vertraglich vereinbarte Arbeit erledigst, für die er dich bezahlen wird, wenn das über unzumutbar lange Zeit nicht mehr geht, wird der immer Wege finden dich los zu werden ... das sind doch keine "Wohltäter" und das gilt ganz sicher nicht nur in Deutschland ...

Es ist völlig EGAL aus welchem konkreten Grund häufige oder überlange AU-Zeiten entstehen könnten, dafür gibt es auch noch jede Menge anderer, möglicher Gesundheitsprobleme, dem AG ist es eigentlich egal warum du nicht da bist (das geht den konkret auch gar nichts an, ob du gerade Schnupfen oder Depressionen hast), du fehlst und deine Arbeit bleibt liegen oder muss von deinen Kollegen mit erledigt werden.

Aber wenn man diesen Arbeitsplatz erstmal hat, einen SB-Ausweis/oder Gleichstellung hat, und die Probezeit vorbei ist/ evtl. unbefristeter Vertrag hat, dann ist man mit einem besonderen Kündigungsschutz geschützt vor einer behinderungsbedingten Kündigung.

Ja "wenn", der AG kann aber auch Schwerbehinderte / Gleichgestellte mit befristetem Vertrag (1 Jahr / 2 Jahre) einstellen (nach dem Motto "sicher ist sicher"), dann muss er notfalls nur abwarten bis der Vertrag abgelaufen ist und kann sich immer wieder neu überlegen, ob der verlängert wird oder nicht ... das gibt es auch nicht nur für Gesunde aber dafür reichlich am deutschen Arbeitsmarkt ...

Was hast du denn zu erwarten wenn dein ALGI abgelaufen sein wird, bisher war ja die reguläre Reha-Arbeitsvermittlung bei der AfA offenbar auch noch nicht sonderlich erfolgreich ... :icon_kinn:

MfG Doppeloma
 
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