Gilt das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG) auch für Minijobs?

RobbiRob

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Ich kann jedoch nachweisen, dass die Stelle nicht besetzt wurde. Zwei Freundinnen von mir haben dort per Mail angefragt, ob die Stelle noch zu besetzen ist. Beide bekamen die Antwort „ja“, sie sollen ihre Unterlagen einreichen. Und das, nachdem man mir geschrieben hat, die Stelle sei besetzt.
Was hat die Einreichung der Bewerbungs-Unterlagen bei den Freundinnen denn ergeben?

Haben die eine Absage bekommen oder ist eine eingestellt worden?
Oder ist das etwa gar nicht ernst gemeint gewesen?

Ich frage ja nur, weil ich sehe hier keinen Nachweis.

Falls die Anfrage der Freundinnen nur dem Zweck diente Dir einen Gefallen zu tun, um wie ein Abmahnanwalt Einkommen zu generieren, dann kannst Du Dir die Mühe sparen.
 

alteschachtel

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Sollte der Schuss dann aber nach hinten losgehen, dann könntest du damit rechnen, dass der Arbeitgeber dich vor Gericht zieht.
Das ist absoluter Quatsch!!!
Denn wenn der TE beim Arbeitsgericht Klage einreicht, die wird vom Richter geprüft, ob er Diskriminierung erkennt, wenn ja lässt er die Klage zu und wenn nicht gibt es eine Klageablehnung vom Gericht. Der Arbeitgeber erfährt erst etwas wenn es zur Klage kommt und das heißt soviel, das das Gericht Diskriminierung in Ansätzen erkannt hat.

Es handelt sich hier nur darum gerichtlich klären zulassen, ob eine Diskriminierung vorliegt und dazu hat jeder ein Recht!
Beim TE riecht es zumindest danach und aus meiner Sicht würde ich den Versuch wagen.

Und zudem auf was will der Arbeitgeber denn seine Klage begründen, das musst du mal erklären?
 
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Fairina

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So etwas ähnliches hat schon mal ein HartzIV-Bezieher als Geschäftsmodell sich erkoren. Ehrlich? Widerlich! Es gibt durchaus Gründe warum man an einem Arbeitsplatz als Arbeitgeber einen Mann oder eine Frau haben will. Nur auf wenige Ausnahmen ist das auch erlaubt. Aber eigentlich verbietet es das Gleichstellungsgesetz. Genau deshalb haben sich solche Typen und Abmahnanwälte auf solche Anzeigen gestürzt die eben nicht geschlechtsneutral waren. Das Gesetz macht auch keinen Unterschied zwischen Voll-, Teil- oder Minijob. Besonders übel weil es meistens die kleinen und unteren mittleren AG betraf die keine ausgebildete Personalsachbearbeiterin hatten und wo oft die Ehefrau oder eine Allrounderin das Büro schmiss. Man muss auch bedenken, was der Gesetzgeber sonst noch so vorschreibt bei männlichen und weiblichen AN. Z. B. 2 getrennte Toiletten, evt. getrennte Duschen, getrennte Umziehräume usw. usf. Und der Gesetzgeber nimmt da auch keine Rücksicht da drauf ob das Firmengebäude das zuläßt oder nicht. Also bitte mal über den Tellerrand schauen.
 

Fairina

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Alteschachtel,
stell dir mal vor, was so ein Bußgeld kostet und evtl. Schadenersatz an den abgewiesenen Bewerber und so weiter. Als AG würde ich den abgewiesenen Bewerber mit Klagen überziehen und mich schadlos halten. Bei einer Insolvenz des abgewiesenen Bewerbers würde ich auch eine vbuH anmelden.
 

alteschachtel

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Alteschachtel,
stell dir mal vor, was so ein Bußgeld kostet und evtl. Schadenersatz an den abgewiesenen Bewerber und so weiter. Als AG würde ich den abgewiesenen Bewerber mit Klagen überziehen und mich schadlos halten.
Erklärung notwendig mit Klagen überziehen?
Bußgeld? Wegen was?
Schadenersatz wegen was ?

Es gibt Grundsätzliches: Rechtsverstöße haben erst Auswirkungen auf Bußgeld etc.
Wo liegt hier der Rechtsverstoß, wenn ich ein Gericht einschalte zur Klärung eines Umstands.
Es entsteht keinem der beteiligten Parteien ein Schaden!
 

Fairina

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Wie wäre es mal mit weiter Denken. Wenn der Bewerber den Stellenanbieter verklagt, wenn ein Abmahnanwalt darauf aufmerksam wird - es gibt hunderte von Gründen. Es geht nicht jetzt um die Ablehnung obwohl die Stelle weiter besteht. Die Absage ist neutral, eine Einstellung kann ich nicht erzwingen.
 

Pixelschieberin

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[...]Mit der Begründung, man habe sich anderweitig entschieden. [...]
Abgesehen davon, daß Privatunternehmer dem Bewerber keine Rechenschaft schuldig sind - wenn DAS der exakte Wortlaut war, würde ich dir auf dem Weg zum Gericht um die Ohren watschen, daß DAS doch lange nicht heißt, daß die Stelle bereits besetzt wurde.
Nichts anderes kannst du mit deiner Undercover-Aktion beweisen.
Na und?
Dann ist sie halt noch frei.

Was bedeutet denn, daß sich der potentielle AG "anderweitig entschieden" hat?
Dazu fällt mir alles Mögliche ein.
Auch, daß er sich entschieden haben könnte, die offene Stelle vorerst nicht zu besetzen.
Freier Mensch im freien Land... und so...

Zitat nach einem meiner Lieblingserbsenzähler - 0zymandias:
Nicht was gemeint sein könnte gilt, sondern DAS was tatsächlich geschrieben steht.
Dein Vorhaben würde ich aus oben genannten Gründen stecken lassen.

Sollte jedoch wortwörtlich geschrieben worden sein, du bekommst den Job nicht weil du kein Mädchen bist - und - es gäbe keinen triftigen Grund, ausschließlich weibliche Kräfte zu casten - sähe ich auch Chancen, den Prozeß zu gewinnen.
 

HartzVerdient

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Es entsteht keinem der beteiligten Parteien ein Schaden!
Wenn der Kleinkrauter (Arbeitgeber), wegen einer Unachtsamkeit bzgl. des AGG zu Schadensersatz verdonnert wird, dann entsteht ein monetärer Schaden, der, wenn es übel kommt, ihn an den Rand der Existenz bringen könnte.

Nicht umsonst schreibt dieser AG eine Stelle aus, auf die er eine Sekretärin sucht. Halt genau die Person, die sich mit solchen Dingen vielleicht besser auskennen sollte als vermutlich er selbst.

Auf der anderen Seite ist auch eine gewisse Weitsicht wünschenswert.

Wir wollen alle eine gut bezahlte Arbeit, Sicherheit usw.. Wenn wir allerdings ein Geschäftsmodell im Sinne von "Abkassieren bei AGG Fehlern" etablieren, wo kämen wir irgendwann hin ? Wie sieht der Arbeitsmarkt irgendwann aus ?

Der AGG wurde ursprünglich dazu geschaffen, eine wirkliche Gleichstellung zu erhalten. Sprich: Das niemand wirklich diskriminiert wird, wegen Religion, Geschlecht, Hautfarbe usw..

Damit meine ich eindeutige Beispiele wie:

"Wir stellen keine Türken ein" oder "Muslime wollen wir nicht" oder "Sie werden doch sicherlich bald 10 Blagen in die Welt setzen" oder "Keine Kopftuchmädchen". Ich merke an, dass ich einen entsprechenden Migrationshintergrund besitze (nicht das da noch jemand auf irgendwelche Ideen kommt). Dann könnte ich mir den Einsatz des AGG durchaus vorstellen, da hier die Sache Glas klar ist.

Ich persönlich ringe gerade mit mir selbst, da ich dieses Hilfegesuch hier im Forum nicht eindeutig einschätzen kann.
 

alteschachtel

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Wie wäre es mal mit weiter Denken. Wenn der Bewerber den Stellenanbieter verklagt, wenn ein Abmahnanwalt darauf aufmerksam wird - es gibt hunderte von Gründen. Es geht nicht jetzt um die Ablehnung obwohl die Stelle weiter besteht. Die Absage ist neutral, eine Einstellung kann ich nicht erzwingen.
Mir fehlen immer noch die konkretisierten Gründe zur Klage
Schadenersatz und Bußgeld!

Dann - ihr kommt hier von Hölzchen auf Stöckchen und bleibt nicht bei der Tatsache- liegt hier eine Diskriminierung vor oder nicht- das allein ist der Klärungsgegenstand!!!
Und allein durch die geschlechtsbestimmende Ausschreibung kann es schon sein!
Und das lässt man dann per Gericht klären, falls der Richter die Klage zulässt!!

Eine Einstellung erzwingt man auch nicht mit der Klage sondern, wie TE geschrieben hat, werden 3 Monatsgehälter als Ausgleich in der Klage aufgenommen.
 

Pixelschieberin

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[...] Ich persönlich ringe gerade mit mir selbst, da ich dieses Hilfegesuch hier im Forum nicht eindeutig einschätzen kann.
Ooooch nööö - ringe nicht. :wink:
Wenn der Wortlaut der AG-Absage vom TE korrekt zitiert wurde, riecht der Beitrag nach eingeschnappter Leberwurst, die meint, dem anderen jetzt mal tüchtig ans Bein ...
Das könnte blöd laufen. Besonders wenn Basics der Kommunikation noch nicht erfaßt worden sind.

Nachtrag:
[...] liegt hier eine Diskriminierung vor oder nicht- das allein ist der Klärungsgegenstand!!!
Und allein durch die geschlechtsbestimmende Ausschreibung kann es schon sein! [....]
Hmmmm...
[...] Die Stellenanzeige war ausdrücklich „weiblich bezogen“.
Da weder Wortlaut noch Rahmenbedingung des Arbeitsgebietes bekannt ist, verließe ich mich nicht auf die Interpretation des TE.
 
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alteschachtel

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Wenn der Kleinkrauter (Arbeitgeber), wegen einer Unachtsamkeit bzgl. des AGG zu Schadensersatz verdonnert wird, dann entsteht ein monetärer Schaden, der, wenn es übel kommt, ihn an den Rand der Existenz bringen könnte.
Der Schadenersatz beläuft sich auf max. 3 Monatsgehälter!!
Wenn das die Existenz gefährdet, sollte er den Laden zu machen!!
Dann sollte man sich als Arbeitgeber auch mit dem AGG beschäftigen und das ist im Rahmen von Stellenausschreibungen recht einfach, die gestaltet man Geschlechtsneutral, wenn man keine berechtigten Gründe hat.
Die berechtigten Gründe sind auch klar und deutlich beschrieben und nachzulesen!

Ihr zäumt hier ein Pferd auf in Sachen Bußgeld und Schadenersatz gegen den Kläger (TE), dann deine Geschichte mit dem JC, das die dann Klagen bei Absagen vom Elo erwarten!

Bleibt einfach bei der Tatsache, das das Arbeitsgericht hier einfach nur eine Feststellung tätigt, ob ein Verstoß AGG vorliegt oder nicht!!!
 

Fairina

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Die kleinen Krauter sind es, die den Motor Wirtschaft und Arbeitsplätze am Leben erhalten.

Soviel Überheblichkeit immer, als wäre jeder Firmeninhaber auf Rosen und Gold gebettet, bzw. hätte einen Dukatensch.. im Keller oder einen Donald-Duck-Schwimmbadtresor.
Manchmal kommt es mir so vor, als hätte keiner von euch je gearbeitet oder sich mit solchen Sachen beschäftigen müssen. Ein Unternehmer muss sich heute mit so vielen Sachen auseinander setzen, das für die eigentliche Arbeit keine Zeit mehr bleibt.
 
E

ExitUser

Gast
Der AG ist in der Beweispflicht. Zumal hier die Stellenausschreibung eindeutig ist und nichts darauf hinweist und ersichtlich ist, dass unbedingt eine Frau erforderlich ist.

Hier ist das gut beschrieben:
https://www.ihk-wiesbaden.de/recht/rechtsberatung/Personal/Auswirkungen_des_Gleichbehandlungsgesetzes_AGG_auf_Stellenaussc/1255690

Beispiel: Denkbar wäre die Bewerbung eines 55-jährigen Mannes auf die folgende Stellenanzeige: „junge dynamische Verkäuferin für Verkauf in Fachgeschäft für Damenoberbekleidung gesucht“.

Bei einer Ablehnung könnte der Bewerber Schadensersatz und eine Entschädigung einklagen, da die Stellenausschreibung vermuten lässt, dass Alter und Geschlecht beim Auswahlprozess eine Rolle gespielt haben.
Jetzt muss der Arbeitgeber detailliert nachweisen, dass der Bewerber nicht allein auf Grund seines Geschlechts oder Alters abgelehnt wurde, sondern etwa weil der Bewerber vorbestraft war, andere Bewerber besser qualifiziert waren oder sich im Vorstellungsgespräch besser präsentiert haben.
Auch wenn dies für den Arbeitgeber mehr „lästigen Papierkram“ bedeutet, ist eine Dokumentation und Archivierung von Bewerbungsverfahren und Entscheidungsgründen daher zwingend erforderlich.
Das machen vermutlich nur große Firmen sehr detailliert.

Infolge des Gleichbehandlungsgesetzes können Unachtsamkeiten bei der Stellenausschreibung ganz erhebliche Konsequenzen haben. Gesucht wird eine „Assistentin der Geschäftsführung, die nicht älter als 30 Jahre sein sollte“.
Wenn sich daraufhin 100 Bewerber melden, darunter 20 Männer sowie 30 Frauen, die älter als 30 Jahre sind, so könnten diese 50 Bewerber im Falle der Ablehnung Entschädigungsansprüche geltend machen. Geht man von einem Bruttogehalt von 3.000 Euro monatlich und einer Entschädigung von drei Monatsgehältern aus, so beliefe sich der potentielle Schaden für das Unternehmen auf 450.000 Euro zuzüglich etwaiger Anwalts- und Gerichtskosten.
Wie ich schon häufig schrieb, darf er die Bewerbungsunterlagen 3 Monate aufbewahren.

Um später nachweisen zu können, dass keine Diskriminierung erfolgt ist, sollte der gesamte Auswahlprozess dokumentiert werden. Dafür ist es erforderlich, dass die Bewerbungsunterlagen kopiert oder eingescannt werden, da der Arbeitgeber nicht berechtigt ist, die Originale nach einer Ablehnung zu behalten, sie aber zu Nachweiszwecken in einem Verfahren benötigen könnte. Für die Anfertigung der Kopien ist die Zustimmung des Bewerbers erforderlich, die zuvor – eventuell durch einen entsprechenden Hinweis in der Ausschreibung - eingeholt werden muss.
Ich gehe davon aus, dass das Einverständnis nicht versagt werden darf, da der AG ein berechtigtes Interesse daran hat.

V. Fristen für gerichtliche Geltendmachung
Ansprüche wegen Benachteiligung müssen innerhalb von zwei Monaten ab Zugang der Absage geltend gemacht werden, § 15 II AGG. Es empfiehlt sich daher, die entsprechenden Unterlagen zumindest für 3 Monate aufzubewahren.
 

Nena

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Wenn Ihr mal bei (z.B.) Ibäh-Kleinanzeigen nach WEIBLICH unter JOBS sucht, findet Ihr reichlich Angebote, bei denen gezielt Frauen gesucht werden.
Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass die alle gegen das Gesetz verstoßen und daraufhin verklagt und verurteilt werden.
 
E

ExitUser

Gast
Wenn Ihr mal bei (z.B.) ibääh-Kleinanzeigen nach WEIBLICH unter JOBS sucht, findet Ihr reichlich Angebote, bei denen gezielt Frauen gesucht werden.
Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass die alle gegen das Gesetz verstoßen und daraufhin verklagt und verurteilt werden.
Sagt ja keiner! Im Gegenteil, es wurde mehrfach herausgestellt, dass es durchaus berechtigte Gründe gibt eine Stelle z. B. nur für Frauen anzubieten. Eine Begründung kannst du in #4 nachlesen ;)
 
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ckl1969

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Vielen Dank für die konstruktiven Beiträge.

Und an den Rest. Was mich doch extrem wundert ist die Tatsache, dass mich hier manche als Schnorrer, jemanden der meint eine (ungerechtfertigte) Einnahmequelle gefunden zu haben, der ne beleidigte Leberwurst ist, als überheblich, etc. ansehen.

Komisch, wenn‘s gegen bestimmte Behörden bzw. eine bestimmte Behörde geht, dann ist jedes Mittel recht und billig. Da geht es im „Notfall“ für 0,25 Euro vor Gericht, wird ne 5 seitige Beschwerde nach Nürnberg geschickt oder sich beim Teamleiter/JC Leiter über die Sachbearbeiter beschwert. Da kommen die Gelüste Strafanzeige wg. Rechtsbeugung zu stellen aber bei einigen ganz schnell hoch. Oder Sachbearbeiter wg. Nötigung anzeigen? Mei, dass ist ein Spass!

Ich stelle fest, es scheint dann doch, je nach eigener Lage, Lebensituation und Rechtsgebiet, „Doppelzüngige“ Rechtsauffassungen zu geben.

Und @Fairina: Du würdest mich mit Klagen überziehen und bei einer Insolvenz, von der glücklicherweise nichtmal annähernd die Rede ist, alles als vbuH anmelden? Beruht dein Wissen bzgl. des Insolvenzrechts auf das regelmässige anschauen von „Raus aus den Schulden“ oder hast du tatsächlich mal die Insolvenzordnung in den Händen gehabt und dann auch tatsächlich noch gelesen?

Und an die Freundin der gepflegten Konversation. Wäre das ein Unternehmen, daß Mitarbeiter gerade mal für den Mindestlohn Schlachthöfe oder andere wirklich üble Industrieanlagen reinigen läßt.... wäre es schon ok, dort die Fenster mit Steinen einzuwerfen, die Hauswand mit Graffiti zu beschmieren und die Autoreifen der Firmenwagen zu zerstechen? In dem Fall mein Begehren nach Schadenersatz ok und mein Einsatz gegen den Kapitalismus wahrscheinlich vorbildlich? „Holger, der Kampf geht weiter!“
 

HartzVerdient

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Dir ist bewusst, dass es hier um unterschiedliche Themengebiete geht ?

Die Spitzfindigkeiten gegen das Jobcenter beginnen dort, wo Ungerechtigkeit beginnt. Wenn Mitarbeiter des Jobcenters, nach einigen Wochen der Schulung, auf Arbeitslose losgelassen werden. Wo diese Mitarbeiter Recht und Ordnung sprechen, obwohl diese Tätigkeit eher der Judikative zugesprochen werden müssten. Wo ehemalige Maurermeister vollkommen überfordert ihren Frust an Arbeitslose auslassen.

Da sehe ich diese Vorgehensweise als durchaus berechtigt an. Zumal die Arbeitslosen bereits in einem Abhängigkeitsverhältnis geraten sind, wo sie nicht einfach so von weg können.

Was prekäre Arbeiten betrifft, so sind die Auffassungen hier im Forum durchaus unterschiedlich. Der Eine sieht da seine Chance. Der Andere verteufelt alles. Sicherlich sollten solche Arbeitgeber nicht unterstützt werden, da hier ethische und moralische Aspekte in Betracht zu ziehen sind.

Allerdings!

Sich im Arbeitsmarkt gezielt auf Stellen zu bewerben, um sich dann durch fehlerhafte Auslegung des AGG zu bereichern, finde ich ethisch verwerflich. Es sind nicht alle Arbeitgeber schlechte Menschen, böse oder Seelenverkäufer. Da gibt es Unternehmer, Handwerker, usw.. die bereits seit 30-40 Jahren jeden Morgen um 06:00 Uhr als erstes ihre Garage aufschließen und Abends, wenn alle bereits wieder bei den Familien sind, die Garage wieder abschließen. Das Tag ein Tag aus um über die Runden zu kommen und um ihre 2-3 Gesellen und Azubis Abends ihre Brötchen auf den Tisch zu legen.

Ich unterstelle jetzt, dass du nicht zu dieser Personengruppe zählst, die sich an solchen Rechtslücken bereichern wollen. Ich gehe eher davon aus, dass du verärgert über die Situation bist, das man dich abgelehnt hat. Allerdings wundert mich schon, das du deine Freundin dort zum Überprüfen abkommandiert hast.

Ich habe in meinem Leben (mit operatiem Abschluss und vielen Jahren Erfahrungen in der IT-Branche (wehrtechnische Rüstungsindustrie)) auch viele Absagen erhalten. Und ja! Ich habe mich gelegentlich richtig schlecht gefühlt und mich geärgert. Besonders, wenn die Absage nach dem dritten Vorstellungsgespräch ins Haus flattert.

Auch ich bin wegen einer anfänglichen Zusage, die dann abgesagt wurde zum IG-Metall gerannt und wollte mein Recht durchboxen. Über die Jahre die ich nun arbeitslos bin habe ich erkannt, dass man lieber weiter nach vorne schauen muss und seine Energie in zielführendere Bewerbungen steckt, statt sich mit Rechtsstreitigkeiten zu begnügen (das handhabe ich auch bei SGB2 ähnlich. Ich klage auch nicht jeden Mist durch, obwohl ich vielleicht könnte).

Ethik sollte wieder Bestandteil im Lehrplan von Schulen werden. Ethik und Aufrichtigkeit ist das, was diese Gesellschaft dringend benötigt. Ansonsten werden wir irgendwan in der Zukunft für alles und jeden den Klageweg beschreiten. Auch für jede noch so kleine Absurdität.

Im Forum gibt es sicherlich einige "Herumflipper", die wegen 0.25€ den von dir genannten Stress beginnen. Dafür sind dann die Leute hier, die jene wieder auf den Boden der Tatsachen herunterholen. Es zählt immer Ausgewogenheit und Augenmaß. Manchmal mehr, manchmal weniger.
 

Pixelschieberin

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@ ckl1969:
Perlen unbelegbare Mutmaßungen bei dir etwa nicht ab? :wink:

Ähnlich den Durchhalte-Filmen im WW2 sind "Liebling Kreuzberg" oder "Ein Fall für zwei" Episoden nur ausgedachte Filmchen, die dem Bürger weis machen sollen, der Staat sei nicht kalt.

Wer noch nichts vor Gericht regeln mußte, ahnt(e) es vielleicht:
Im DEM Dunstkreis wird einzig nach "gegeben" und "gesucht" geforscht, um zu ergründen, ob sich die Parameter in geltende Gesetzesformeln einbinden lassen.

Das geschieht völlig emotionslos.
Nimms nicht persönlich.

Die Juristen, die ich kennen gelernt habe, hatten bereits während des Referendariats (selbst berechtigtes) Mimimi auszublenden gelernt.
Stichworte: Abgrenzung und Rechtsnormen-Einhalten-müssen.
Denen wurde systematisch antrainiert, für Emo-Kram KEIN Ohr offen zu halten.
Das soll Friseuren oder Bartendern abgekaut werden.
 
C

ckl1969

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Allerdings!

Sich im Arbeitsmarkt gezielt auf Stellen zu bewerben, um sich dann durch fehlerhafte Auslegung des AGG zu bereichern, finde ich ethisch verwerflich.
Diese Vorgehen sogenannter „AGG Hobber“ wurde durch die Arbeitsgerichte bzw. wird durch die Arbeitsgerichte in der Regel auch im Keim erstickt. Das quasi als „Lohnersatz“ als Einnahmequelle zum Lebensunterhalt zu generieren, dürfte nahezu aussichtslos sein. Eine Weile lang ging das allerdings durchaus.

Ich unterstelle jetzt, dass du nicht zu dieser Personengruppe zählst, die sich an solchen Rechtslücken bereichern wollen. Ich gehe eher davon aus, dass du verärgert über die Situation bist, das man dich abgelehnt hat. Allerdings wundert mich schon, das du deine Freundin dort zum Überprüfen abkommandiert hast.
Ich habe mich dort beworben, weil die Stelle zum einen meinen bisherigen Tätigkeiten sehr nahe kommt, sie örtlich sehr gut für mich lag und die Arbeitszeit mit 3 mal 2,5 Stunden pro Woche (ich beziehe EMR wegen voller Erwerbsminderung) ideal gewesen wäre.

Also eine Fake Bewerbung war es ganz sicher nicht. Das kann man schon alleine an meinem Anschreiben und den sonstigen Unterlagen sehen.

Mir wurde allerdings am Telefon bei meiner ersten Anfrage schon zu verstehen gegeben, dass ne Frau ja eigentlich doch besser wäre. Das hat sich dann im Gespräch noch verstärkt.

Klaro, bin ich verärgert bzw. stinkig. Wäre das eine, von wem auch immer erzwungene Bewerbung gewesen, würd ich mich vielleicht sogar darüber freuen, daß es nichts geworden ist.

Absr das ich stinkig bin, kann bzw. sollte doch kein Argument gegen mich sein, wenn ich hier mein Recht in Anspruch nehmen will?
 

Pixelschieberin

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[...] Absr das ich stinkig bin, kann bzw. sollte doch kein Argument gegen mich sein, wenn ich hier mein Recht in Anspruch nehmen will?
Das ist es auch nicht.
Ich wollte nur nicht mit Pauken und Trompeten baden gehen wollen, weil mein "gegeben" letztendlich viel zu dünne ist, um mein (vermeintliches) Recht durchzusetzen.

Take it or leave it.
 
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