Gilt das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG) auch für Minijobs?

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ckl1969

Gast
Hallo,
ich habe mich auf einen Minijob beworben. Gestern hatte ich auch ein Vorstellungsgespräch.

Heute bekam ich die Absage. Begründung, man hätte sich anderweitig entschieden. Ich kann jedoch nachweisen, dass die Stelle nicht besetzt wurde. Zwei Freundinnen von mir haben dort per Mail angefragt, ob die Stelle noch zu besetzen ist. Beide bekamen die Antwort „ja“, sie sollen ihre Unterlagen einreichen. Und das, nachdem man mir geschrieben hat, die Stelle sei besetzt.

Die Stellenanzeige war ausdrücklich „weiblich bezogen“. Ich gehe davon aus, dass das Gespräch gestern mit mir, wenn überhaupt eine reine Alibifunktion hatte und würde jetzt gerne mit Bezug auf dass AGG( Diskriminierung aufgrund meines Geschlechts) 3 Monatsgehälter zu je 450,00 Euro, also 1.350,00 Euro, als Schadensersatz fordern und ggf. auch vor dem Arbeitsgericht klagen. Die 450,00 Euro deshalb, weil laut Stellenanzeige der Job pauschal bezahlt wird. Die fachliche Qualifikation für die Stelle hätte ich übrigens bei weitem erfüllt.

Ich denke, die ausdchließlich auf Frauen bezogene Stellenanzeige als auch die Tatsache, dass zwei Frauen nachdem ich die Absage wg. angeblicher bereits erfolgter Besetzung erhalten habe, als Indizien doch bei weitem ausreichen dürften?

Gilt das AGG für Minijobs?
 
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ckl1969

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Erfolgte die Absage schriftlich?
Ja, per Mail. Mit der Begründung, man habe sich anderweitig entschieden. Was aber nicht der Fall ist, da den beiden „Freundinnen“ bestätigt wurde, dass die Stelle noch frei ist und sie sich bewerben können.
 
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ExitUser

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Wenn du männlich bist, die Stelle definitiv nur für weibliche AN ausgeschrieben war und es dafür keine triftigen Gründe gibt, wäre das wohl möglich.

Triftige Gründe könnten z. B. sein, dass eine behinderte Frau über das persönliche Budget eine Pflegkraft oder Alltagsbetreuer möchte, die nur weiblich ist.

Da Pflege ja in die Intimsphäre eingreift, halte ich es für möglich, dass in so einem Fall die geschlechtsbezogene Aussschreibung zulässig ist.

Es gibt etliche Ausnahmen, wo geschlechtsbezifische oder sogar religöse Auswahl erlaubt ist.
https://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Handbuch_Diskriminierung_Erlaubte_Benachteiligungen.html
 

Kerstin_K

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Versuchen kann man es, aber ich denke, die werden dann irgend einen Grund finden, warum du nicht gepasst hast.

Gibt es aus der Tätigkeit heraus einen Grund, warum die Leber Frauen wollen?
 
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ckl1969

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Wenn du männlich bist, die Stelle definitiv nur für weibliche AN ausgeschrieben war und es dafür keine triftigen Gründe gibt, wäre das wohl möglich.
Es handelt sich um einen Job im Büro. Drei mal in der Woche nachmittags.

Gesucht wurde „Bürokauffrau/Sekretärin (Rentnerin erwünscht)“

im weiteren Text

„erfahrene Sekretärin zum nächstmöglichen Termin in TZ gesucht“ 3 mal pro Woche 2,5 Stunden.

Alles was da gefordert wurde, „sonstige Büroarbeiten und Kalkulation“ behersche ich.

Rentner (Erwerbsminderung) bin ich auch.
 
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ckl1969

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Versuchen kann man es, aber ich denke, die werden dann irgend einen Grund finden, warum du nicht gepasst hast.
Soweit ich weiss reicht irgend ein Grund nicht, wenn stichhaltige Indizien für eine Diskriminierung vorliegen. Dann muß, nach meinem Wissen, der Arbeitgeber beweisen, dass er nicht diskriminiert hat.

Und noch stichhaltiger, als die Anzeige und die Tatsache, dass die Stelle obwohl es behauptet wurde, nicht besetzt ist, gibt es doch kaum?
 
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ExitUser

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zu #6 Dann sehe ich das auch als Verstoß gg. das AAG.

Ist recht eindeutig.
 

Nena

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"Anderweitig entschieden" heißt ja nicht, dass sie sich schon FÜR jemanden entschieden haben - nur gegen Dich.
Außerdem könnte die, die sie wollten, auch abgesagt haben.
Ich finde eine Notlüge besser als "Wir können uns nicht vorstellen, mit Ihnen zusammen zu arbeiten". Denn gerade in kleinen Büros kommt es auf die Nasenspitze, also auf Sympathie, an.
 

erwerbsuchend

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Heute bekam ich die Absage. Begründung, man hätte sich anderweitig entschieden. Ich kann jedoch nachweisen, dass die Stelle nicht besetzt wurde. Zwei Freundinnen von mir haben dort per Mail angefragt, ob die Stelle noch zu besetzen ist. Beide bekamen die Antwort „ja“, sie sollen ihre Unterlagen einreichen. Und das, nachdem man mir geschrieben hat, die Stelle sei besetzt.

Die Stellenanzeige war ausdrücklich „weiblich bezogen“.
War die Absage geschlechtsneutral oder geschlechtsbezogen? Stand in der Absage, dass man sich für eine andere Kandidatin entschieden habe?

Gilt das AGG für Minijobs?
Ja, das AGG gilt auch für Minijobs, abgesehen vom religiösen Bereich.
 
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ckl1969

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War die Absage geschlechtsneutral oder geschlechtsbezogen? Stand in der Absage, dass man sich für eine andere Kandidatin entschieden habe
Die Absage selbst war geschlechtsneutral

„vielen Dank für Ihre Bewerbung und Ihr Vorstellungsgespräch.
Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass wir uns bereits anderweitig entschieden haben.“

Aber wie bereits geschrieben, war die Stellenanzeige vollständig in der „weiblichen Form“ Und besetzt ist die Stelle ja auch nicht.

Und ich habe jetzt heute mehrfach in Artikeln gelesen, dass eine rein „weibliche Form“ als Indiz völlig ausreicht und der AG ganz klar den Gegenbeweis antreten muß, das er diskriminierungsfrei gehandelt hat. Zumal auch noch hinzukommt, das „eine Rentnerin erwünscht“ ist. Was zusätzlich evtl. noch auf Altersdiskriminierung schliessen läßt.
 

Texter50

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Gegen die Absage wird man wenig ausrichten können.
Aber gegen die Art der Ausschreibung:

Die Stellenausschreibung verstieß gegen das AGG

Die Stellenausschreibung der Beklagten verstieß gegen § 11 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG), der verbietet, dass eine Stelle unter Verstoß gegen das Benachteiligungsverbot des § 7 AGG ausgeschrieben wird.

Danach sind Stellen u. a. „altersneutral“ auszuschreiben, wenn kein Rechtfertigungsgrund i. S. d. § 10 AGG für eine unterschiedliche Behandlung wegen des Alters vorliegt.
https://www.haufe.de/recht/arbeits-sozialrecht/agg-widrige-stellenausschreibung-arbeitgeber-muss-zahlen_218_78082.html

Die Frage ist nur, wem man diese Stellenausschreibung vorlegt, damit der AG demnächst mehr Sorgfalt aufwendet.

Vielleicht hier:
https://www.antidiskriminierungsstelle.de/DE/Home/home_node.html
 
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HartzVerdient

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Dann muß, nach meinem Wissen, der Arbeitgeber beweisen, dass er nicht diskriminiert hat.
Wenn du jedoch klagst, dann müsstest du dem Arbeitgeber nachweisen, dass er diskriminiert hat.

Sollte der Schuss dann aber nach hinten losgehen, dann könntest du damit rechnen, dass der Arbeitgeber dich vor Gericht zieht.

Das sind immer so Themen, die zwar ärgerlich sind, aber man besser vergessen sollte.
 
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ckl1969

Gast
Wenn du jedoch klagst, dann müsstest du dem Arbeitgeber nachweisen, dass er diskriminiert hat.

Sollte der Schuss dann aber nach hinten losgehen, dann könntest du damit rechnen, dass der Arbeitgeber dich vor Gericht zieht.
.
Also lt. diverser Artikel, ist der Arbeitgeber in der Beweißlast, es reicht als von mir forzulegendes Indiz die Stellenanzeige

https://www.impulse.de/recht-steuern/rechtsratgeber/diskriminierung-stellenanzeigen/4402459.html

https://www.impulse.de/recht-steuern/rechtsratgeber/diskriminierung-stellenanzeigen/4402459.html

Im 2. Link unter „die Prozessaussichten des abgelehnten Bewerbers“ ist das sehr ausführlich aufgeführt. Im 1. Link muß man ein bisserl suchen, dort steht es aber auch.
 
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ckl1969

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Gegen die Absage wird man wenig ausrichten können.
Aber gegen die Art der Ausschreibung:
Es geht darum, dass aufgrund der geschlechtsspezifischen Auschreibung und der jetzt erfolgten Absage (Nichteinstellung), ich von einer Diskriminierung wegen meines Geschlechtes und zusätzlich evtl. noch meines Alters „Rentnerin erwünscht“ ausgehe.

Hier dient die Anzeige als Indiz bzw. Beweis vor Gericht.

Gegen die Absage, dass Schriftstück, kann man nichts machen, daß ist schon klar. Aber gegen die Wirkung, die Nichteinstellung, schon.
 

HartzVerdient

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Also lt. diverser Artikel, ist der Arbeitgeber in der Beweißlast, es reicht als von mir forzulegendes Indiz die Stellenanzeige.
Interessant!

Allerdings fürchte ich den Tag, an dem dies zum Geschäftsmodell wird - Jobcenter Bedürftige anhalten - zusätzlich zu ihrem Elend - auch noch Klage gegen Absagen einzureichen. Nur um ihre Bedürftigkeit zu verringern. Ich stelle mir dabei vor, wie Bedürftige unter Druck gesetzt und Teile ihrer Grundsicherung einbehalten werden. Wenn die Kassen klammer werden, kommen so manche Kommunen auf sonderbare Ideen der Kostensenkung.
 
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ckl1969

Gast
Die Rechtslage war schon früher im BGB so und ist, seitdem es. nicht mehr dort sondern im AGG geregelt wird, ja auch nicht anders.

Es steht also kaum zu befürchten, dass die Arbeitsagenturen oder Jobcenter jetzt oder in Zukunft auf die Idee kommen könnten, Arbeitslose bei Absagen zu Klagen zu zwingen. Dann müßten Sie ja auch das Kostenrisiko des Arbeitslosen tragen, dass da entsteht.

Ich hab jetzt nur ein sehr geringes, da ich mich vor dem Arbeitsgericht selbst vetreten werde und im ersten Zug dort, auch bei einer Niederlage, nur die eigenen und evtl. die Gerichtsgebühren gezahlt werden müssen. Eigene Kosten hab ich ja nicht, die Fallen schon mal weg.

Und ganz ehrlich, einen Arbeitgeber der so damlich ist, eine derart „einladendende“ Anzeige, die derart deutlich angreifbar ist aufgibt, muss sich erstmal finden.
 
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