Leser in diesem Thema...

  • Verfahrenheit

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    Ich lese in diesem Forum ja leider sehr viel Hoffnungslosigkeit und Ermattung heraus, so zumindest mein Eindruck, wobei gleichzeitig dies auch generell unter Erwerbslosen, kranken Menschen, etc. aus natürlich größtenteils nachvollziehbaren Gründen oft vorhanden ist, im Sinne einer allgemeinen Resignation.

    Dem möchte ich aber mal eine Hoffnungsperspektive gegenüberstellen, oder einen Ausblick auf Lösungen, zuerst beziehe ich mich dabei auch auf persönliche individuelle Lösungen.

    Zunächst kommt es natürlich auch auf die jeweilige Person an und ihre Bedürfnisse usw.
    In erster Linie wird es ja dabei um die Aufnahme bzw. Wiedererlangung von Erwerbstätigkeit gehen, aber bei manchen wird es diesbezüglich so sein dass sie sich gar nicht mehr lohnt wenn man verschiedene Dinge (geringer Lohn zzgl. Aufstockung, Arbeitsstress, Kosten für Pendeln etc.) gegeneinander abwägt. Das kann auch vom Wohnort und der Familienkonstellation abhängen.

    Meinem Eindruck zufolge sind in diesem Forum besonders die älteren Arbeitslosen vertreten, welche meist keine Chance mehr auf eine Berufstätigkeit haben.

    Eigentlich wollte ich eben die Frage mal in den Raum stellen, habt ihr für euch persönlich noch eine Hoffnung auf einen Ausstieg aus Hartz-IV, und wenn ja, wodurch?

    Ich nehme an, für manche kann in einigen Jahren die Rente ein Ausstieg sein, wenn diese dann doch etwas über dem Grundsicherungsniveau liegt, und bei wem das nicht der Fall ist, der hat zwar in aller Regel dann nicht mehr Geld, aber wird dafür weitgehend in Ruhe gelassen, also muss keine Aufforderungen zum Besuch von 1€-Jobs, Sinnlosmaßnahmen etc. mehr befürchten.

    Dann denke ich, im Gegensatz zu vielen anderen hier im Board, dass in manchen Fällen durchaus auch Zeitarbeit und Integrationsmaßnahmen eine Möglichkeit sein können, zumindest vorübergehend aus dem Hilfesystem zu kommen. Denn es ist ja nicht alles schlecht daran, außerdem sind für die Zukunft sowieso einige Änderungen zu erwarten, also kann atypische Beschäftigung vielleicht als Überbrückung dienen.

    Dann kämen wir halt mehr wieder zum politischen, da wäre eben die Frage wie wahrscheinlich es, auch aus eurer persönlichen Sicht ist, dass mittelfristig sich auch was auf dem Arbeitsmarkt ändert. Es sind z.B. Projekte wie ein "solidarisches Grundeinkommen" (sozialversicherte Arbeitsgelegenheit) oder eine Jobgarantie/Recht auf Arbeit im Gespräch bei SPD und Grünen.

    Auf jeden Fall finde ich, sollte man zumindest solange bis es nicht eine Art BGE gibt, versuchen aus dem Bezug herauszukommen, durch Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt oder wenn das nicht geht und man gleichzeitig gesundheitliche Probleme hat, eher was in Richtung EMR/Grusi/WfBM voranzubringen.

    Natürlich klappt das nicht immer und wenn dann erst nach längerer Zeit, aber auf ewig in Hartz IV bleiben bzw. bis zum Rentenalter, kann ja auch nicht die Lösung sein, gerade wenn man noch jünger ist.

    Das wäre auch noch eine interessante Frage, wie lange ihr schon im Hilfesystem seid, oder ob ihr nach Phasen der Erwerbstätigkeit immer mal wieder dort hineingeraten seid. Und wie ihr eure Chancen seht, noch mal da heraus zu kommen über einen Job o.ä., ob ihr euch da noch Hoffnungen macht und aktiv etwas dazu unternehmt.

    Das andere, neben dem persönlichen, im Rahmen des bestehenden Systems, ist dann das politische. Haltet ihr das System für reformierbar, oder braucht es erst den ganz großen Knall wonach dann ein ganz radikaler Wechsel nötig wird, der z.B. direkt zu einem Grundeinkommen führt?

    Es sieht ja danach aus, als könnte hier in den nächsten Jahren was passieren, die Frage ist halt wie weitreichend das sein wird und wie viel es für die Betroffenen bringt. Also nur eine Namensänderung, und geringfügig mehr Geld sowie etwas weniger Bürokratie hält sich ja dann doch eher in Grenzen.
    Gleichzeitig wäre es aber überhaupt mal eine größere Änderung nach so vielen Jahren, es würde zeigen dass sich was bewegt und dies eben auch möglich ist. Viele sagen ja auch, dass das System vorher mit der Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe auch nicht gerade toll war, aber es wurde geändert, also ist es ja grundsätzlich etwas, das nicht in Stein gemeißelt ist, auch wenn die Festgefahrenheit in und mit den Jobcentern, deren absolutistisches Gebahren diesen Eindruck vielleicht vermittelt haben.

    Vielleicht kennt ihr darüber hinaus andere Leute aus eurem Umkreis, denen der Ausstieg auf Hartz IV gelungen ist, auch Beispiele dazu zu hören, wäre interessant.

    Ich glaube am schlechtesten dran ist wirklich halt diese ältere Generation, denen der Umbruch mit der Agenda und all diesen üblen Sachen mitten in die Erwerbsbiographie gegrätscht ist, das ist sicher traurig und führt zu einer Resignation, wo ja die letzten 15-20 Jahre kaum etwas positives in der Hinsicht passiert ist, hingegen für jüngere Menschen sehe ich eine Perspektive, dass es mittelfristig neue Lösungen für viele Probleme im sozialen Bereich und dem Arbeitsmarkt geben wird, wodurch wieder mehr Chancen bestehen als bei der heutigen, bisher noch nicht geänderten Lage.
     

    franzi

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    Ich mache mal den Anfang:
    Bin - mit Unterbrechungen - seit 16 Jahren im Hartz IV-System. Das ging los mit gesundheitlichen Problemen. Ich habe dann das komplette Fördern-und-fordern-Programm durchlaufen, was mir nur sehr minimal etwas gebracht hat.
    Es hatte bei mir Hoffnungen geweckt, die sich nach Ende der Maßnahmen ganz schnell wieder zerschlagen haben.

    Ich war stets hoch motiviert und bin es heute noch. Habe immer um die Wiederherstellung meiner Gesundheit gekämpft, was leider bis heute nicht gelungen ist (auch weil man in unserem Gesundheitssystem schnell an Grenzen stößt und viele Untersuchungen, die gemacht werden könnten, aus Kostengründen nicht durchgeführt werden) und ich daher schlussendlich den Antrag auf EM-Rente stellte. Meine Erkrankungen sind chronisch und nicht heilbar.

    Nebenbei habe ich - nach Erfahrungen durch die Selbstständigkeit mit einer Ich-AG - mir erneut eine Selbstständigkeit aufgebaut, die ich nun nebenher laufen lassen kann, ohne viel Zeitaufwand. Dies ist meine einzige Chance, jemals aus dem Hartz-System herauszukommen, und daher habe ich bisher alles dafür getan, dass es eine positive Entwicklung gibt.

    Selbst da hat man versucht, mir von Seiten des JC künstlich Hürden aufzubauen. Ich mache trotzdem weiter, weil mir niemand meine Tätigkeit verbieten kann.

    Die Alternative wäre, weiter Hartz IV bis zum Eintritt der Altersrente zu beziehen, und das wären auch nochmal 16 Jahre, also wäre ich jetzt gerade mal bei der Halbzeit. Das sind keine prickelnden Aussichten.

    Wenn man einmal die 50-Altersgrenze erreicht hat, gehen bei vielen JC die Rollläden runter. Da wird nicht mehr viel gefördert. Das wurde mir auch direkt so mitgeteilt. Bei den JC rechnet man auch gar nicht mehr damit, dass Leute Ü50 noch in den regulären Arbeitsmarkt vermittelt werden können. Dementsprechend werden auch deren Bemühungen zurückgefahren.
    Das merkt man spätestens dann, wenn man keine regelmäßigen EGVs mehr erhält ...

    Bei mir kam der Umbruch durch eine Krankschreibung, die fast 1 Jahr andauerte, danach Antrag auf Rente usw.
    Mein Rat an all jene, die ebenfalls schon um die 50 sind: Plant euren schrittweisen Ausstieg aus dem System, entweder durch Rente oder Selbstständigkeit oder wenn das nicht geht durch längerfristige Krankschreibungen.
    Geboten wird einem da vom JC kaum noch etwas. Und gesünder wird man ab 50 auch eher nicht mehr, weil dann zu den schon bestehenden Erkrankungen die altersbedingten Verschleißerscheinungen (Abnutzungen etc.) hinzukommen.

    In meinem Fall ist es nun eine eingeschränkte Hör- und Sehfähigkeit, kaputtes Knie etc.
     
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    Ruhrpottmensch

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    Schwere Kost für einen frühen Samstagmorgen... ;)

    Aber ich stimme Dir in erstaunlich vielen Punkten zu. "HartzIV" muss keine "Sackgasse sein! Da hast Du vollkommen recht... Allerdings wird von sehr vielen Seiten (fast) alles getan, um es zumindest so "wirken" zu lassen. Und da nehme ich weder die Politik als aber auch die Leistungsbezieher selbst nicht raus!

    Ich sehe da zwei grundlegende "Baustellen", die für sehr viele Leistungsbezieher einen nachhaltigen "Ausstieg" aus dem "System" ALG2 verhindern...

    Zum einen natürlich das System an sich bzw. der zugrundeliegende "politische Wille". Es ist Fakt, dass das "System HartzIV" an allen Ecken "geschönt" wird, Auftstocker, Maßnahmeteilnehmer, "Ein Euro Jobber" und andere "rausgenommen" werden, um die Zahlen besser aussehen zu lassen als sie sind. Dazu kommt natürlich das wenig "Zielgerichtete" Hilfsangebot der BA, welches mehr auf Masse statt Klasse setzt bzw. die Leistungsempfänger wenig bis gar nicht einbezieht. Ich weiß nicht, wie man Anno 2005 das Wort "Fördern" definiert hat. So wie es aktuell ist, kommt es der eigentliche Bedeutung aber wohl so gar nicht nahe.

    Der zweite (und nicht unwesentlich "unwichtigere") Teil ist halt immer noch der Umgang der Gesellschaft mit dem Thema "HartzIV". Das "Stigma" HartzIV klebt an Menschen besser als jeder mittelalterlicher Teer. Dazu kommen halt die einschlägigen "TrashTV-Formate", die zusätzlich noch drauf hauen. Daneben leben wir halt (leider) immer noch in einer "Neidgesellschaft", die -vermeidlich- "faulen" Leistungsbeziehern oftmals noch nicht mal eine "Grundsicherung" gönnt (Was übrigens ein ziemlich gruseliger Wesenszug ist!) und ihnen noch nicht mal ein Fünkchen "Eigenverantwortung" o. gar eine "Perspektive" zusteht. Leider wirkt sich dieser Punkt aber auch auf viele Leistungsbezieher selbst aus. Arno Dübel mag da ein krasses "Negativbeispiel" sein, ich stelle aber bei vielen Leistungsempfängern (auch hier im Forum) durchaus gewisse "Parallelen" (im Denken & Verhalten) fest. Man gibt sich da irgendwie, irgendwann der weitläufigen Meinung "von außen" dann einfach hin und verhält sich oftmals auch entsprechend.

    Das sind -für mich ganz persönlich- die zwei wirklich großen Baustellen an dem ganzen Ding...

    Wenn ich mal für mich selbst sprechen würde, dann hätte ich folgende "Wünsche"/"Vorstellungen":

    Ein tatsächliches Bedingungsloses Grundeinkommen von 1000€ bis 1200€ pro Monat für jeden (Ganz gleich ob "Erwerbsloser", "Arbeiter" o. "Gutverdiener")! In vielen Modellprojekten u. Studien zeigt sich, dass -entgegengesetzt der "Schwarzmaler"- ein solches "Bedingungsloses Grundeinkommen" ein durchaus "großes Potenzial" in den Menschen "erweckt" und sie ganz & gar nicht "auf der faulen Haut" liegen lässt. Ganz im Gegenteil... Die Menschen verwirklichen sich, gehen Ideen an und verbessern ganz allgemein das gesamte "Wohlbefinden" (An diesen Rattenschwanz muss man auch mal denken!). So hätten wohl schon sehr, sehr viele Menschen (wieder) eine Perspektive und würden somit "von selbst" die "Zahlen" deutlich nach "unten korrigieren".

    Für die Menschen, die es nicht können oder wollen, sollten in der Tat die "Hilfsangebote" deutlich Zielgerechter werden. Auch ich denke, dass nicht grundsätzlich jedes "Angebot" der BA völlig "sinnlos" ist. Man sollte nur mal besser hinschauen, was für wen wirklich "angebracht" ist. Man sollte (muss!) da den Leistungsbezieher einfach viel mehr "mit ins Boot holen". Wer kennt sich denn am Besten als der Leistungsempfänger selbst?! Vor allem sollte man aber von der ganzen "Bürokratie" und den "Nummern" abrücken. Zielgerecht, "ganzheitlich" und auf einer "menschlichen" Ebene Beratungen, Angebote aber auch gewisse "Forderungen" gestalten. Damit würde man sicherlich schon sehr viel "erreichen".

    Ich selbst bin jetzt (mal wieder) seit Anfang des Jahres im "ALG2-Spielchen" drin und hab auch tatsächlich vor, noch ein bisschen (bewusst) dabei zu bleiben. Natürlich könnte ich Schlag morgen wieder "Arbeiten gehen". Wahrscheinlich in jedem erdenklichen Beruf. Allerdings würde das nicht sehr nachhaltig sein (Nicht nur aufgrund der "Miesere" im "Niedriglohnsektor", auch aufgrund "persönlicher Baustellen"). Ich wäre aber wohl in einem halben Jahr (vielleicht auch erst in einem Jahr), wieder in dieser "Mühle" drin. Da ich allerdings momentan noch keine wirklich "Hilfe" von der BA bei der "Beseitigung" der Hilfsbedürftigkeit sehe, "muss" ich mich wohl auch diesmal (wieder) selbst "herausziehen. Das Spielchen hatte ich Anno 2006/2007 schon mal durch, als ich damals ebenfalls im Bezug war.

    Allerdings habe ich damals einen fundamentalen Fehler gemacht: Ich wollte zu viel und zu schnell! Habe eine (zweite) Ausbildung über das MeisterBafög finanziert, habe selbst meine Grenzen dabei nicht erkannt und war auch -zugegeben- ein bisschen "verblendet" was die "Perspektive" angeht ("Wenn man einmal wieder im Spiel der Sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen (im Angestelltenverhältnis) ist, dann braucht man ja nie wieder Hilfe!"). Das hat, neben einer gesundheitlichen Verschlechterung, zu einem finanziellen "Desaster" geführt, ich würde selbst mit einem "guten Job" die nächsten zehn Jahre wohl weiterhin (finanziell) grad so "überleben" können. All das hat mir eins gezeigt: Man kann niemanden (!) in das berühmte Schema F pressen und dann auch noch verlangen, dass es "gut geht". Ja, die Fälle gibt es sicherlich ganz oft, Menschen gehen scheinbar ihren Weg, haben damit "Erfolg" und sind "glücklich". Wenn man aber mal genauer hinschaut, ist das oftmals allerdings ganz anders. Was ich damit sagen möchte: Individualität!

    Jeder Mensch ist anders... Auch (und gerade) in seinem "Arbeitsleben". Ich will damit noch nicht mal sagen, dass man Menschen in ihrem "Nichtstun" fördern soll, viel mehr sollte man (siehe Bedingungsloses Grundeinkommen) Menschen ihren "Freiraum" geben um sich zu "entwickeln". Ich bin mir sicher, dass bei ganz, ganz vielen "Elos" ungemein viel "verschenktes" Potenzial vorhanden ist. Man muss es halt aber erstmal "ausgraben".

    Sehe ich Chancen (mit dem momentanen "System") dies wirklich zu bekommen und somit einen (nachhaltigen) "Ausstieg" zu schaffen?! Nein!

    Momentan ist es (verdammt harte) Arbeit sich selbst da raus zu ziehen. Und das bedarf in den meisten Fällen (wie auch bei mir) einfach "Zeit" (wenn man "nachhaltig" an Veränderungen arbeiten möchte). Und diese "Zeit" nehme ich mir diesmal ganz bewusst. Ich bin Ehrenamtlich tätig, um einen gewissen "Tagesablauf" zu haben, schaue mich nach einer "Ausbildung"/"Weiterbildung" (vielleicht auch mit Hilfe der BA) um, werde im kommenden Jahr wohl wieder einen kleinen (Teilzeit?!) Job anfangen und die "restliche" Zeit vor allem an meiner (psychischen) Gesundheit arbeiten, um eine "gesunde", vernünftige und vor allem "nachhaltige" Basis zu haben, um auf mittelfristiger Sicht eventuell gänzlich auf "Hilfe" verzichten zu können.

    Allerdings mache ich auch kein großes "Drama" mehr draus, sollte das nicht (mehr) klappen. Dann bin ich halt noch länger "im System" und greife halt -ganz "egoistisch"- darauf zurück (Und bin auch heilfroh, dass es in Deutschland noch immer "möglich" ist!). "Schön" (oder "erstrebenswert"?!) ist das sicherlich nicht, auch mit den zur Zeit noch allen vorhandenen "Stolpersteinen", aber man kann (wenn man es denn will) auch damit "arbeiten". So "entspannt" wie das in dem jetzt fast einem Jahr "Leistungsbezug" abläuft, hätte ich das vormals selbst nicht gedacht. Aber mal abgesehen davon, bin ich eh der Meinung, dass es inzwischen ganze Generationen gibt, die sich einfach mit so einem Gedanken (auf staatliche Hilfe angewiesen zu sein) "anfreunden" muss. Sei es jetzt die "Rente" oder aber auch, dass Menschen immer älter werden und nicht mehr wie früher bis zum "Gevatter Tod" auf dem Familienbauerhof "gepflegt" werden, sondern evtl. in Pflegeheimen (die zurecht Geld dafür haben wollen!) unterkommen "müssen". Und wer da nicht schon über Generationen einen Haufen Kohle "vererbt" bekommt, der sitzt selbst bei einem Jahrzehntelangen gutbezahlten Job irgendwann auf dem Grundeis.

    Kurz gesagt: Wenn der Staat diesen (sebstgemachten!) Stolperdraht nicht bald erkennt und etwas Grundlegendes daran ändert, "muss" man ja schon förmlich das nutzen, was der Staat einem (noch) anbietet. Dass selbst "Gutverdiener" inzwischen in den NoNo gekniffen sind, muss ich dabei ja wohl nicht erwähnen.

    Heißt also für mich ganz persönlich: Ja, ich arbeite daran da "raus zu kommen", habe dabei aber (momentan noch) immer im Hinterkopf, dass ich wohl niemals wieder gänzlich ohne "Hilfe" auskommen werde (Außer ich gewinne in der spanischen Lotterie mal eben 30 Millionen Euro 🤷‍♂️). Bis dahin gehe ich mein ganz eigenes Tempo und versuche parallel aus dem "System" das beste zu machen...

    Ist das Resignation? In gewissen Teilen sicherlich schon, leider lässt "das System" da aber auch nicht viel anders zu. Wichtig ist m.E.n., dass man sich selbst eben nicht "vollständig" aufgibt...
     
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    MaxB

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    Viele sagen ja auch, dass das System vorher mit der Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe auch nicht gerade toll war, aber es wurde geändert, also ist es ja grundsätzlich etwas, das nicht in Stein gemeißelt ist, auch wenn die Festgefahrenheit in und mit den Jobcentern, deren absolutistisches Gebahren diesen Eindruck vielleicht vermittelt haben.
    Das Harz System wurde ja nicht eingeführt um den Erwerbstätigen das Leben zu erleichtern. Viel eher ging es darum mit dem Arbeitsmarkt in Asien zu konkurieren. Löhne runter, Kündigungsschutz weg etc.. Schröder wollte damals die höhe Arbeitslosigkeit damit bekämpfen. Wir helfen jedem der meint es nicht selbst zu können, wie NKWD im 2 Weltkrieg :D

    Ich für meinen Teil, sehe nicht immer für alles eine Lösung. Ich kam Mitte 90er mit 17 hierher und hatte und konnte nur einen Schulabschluss haben. Von der Ausreise habe ich nur kurz davor erfahren. Hatte vor vor Ort eine Ausbildung abschliessen und in den umliegenden Fabriken zu arbeiten, so wie die meisten Menschen dort.
    Hier angekommen, waren meine Schulkenntnisse eher befriedigend. Hier wurde anderes und anders gelehrt. Dazu kam Schwierigkeit mit der Sprache. Also bin ich, wie viele andere, einfach zu einer der damals noch nicht so vielen ZAFs. Von Zuhause abgeholt und nach einer Schicht wieder nach Hause gebracht, wie ein persönlicher, jedoch kostenfreier Taxi. Lohn und die Lebenshaltungskosten waren viel besser. Ich habe sogar einen Auto bessesen.
    Irgendwann hatte ich keine Lust mehr auf Springerjobs und habe versucht einen bei einem "normalen" Unternehmen zu bekommen. Hat nicht geklappt. Der Begründung vieler nach war die fehlende Qualifikation dafür die Ursache. Vom JC eine Qualifizierung finanziert bekommen. Am Ende war das Resultat das Gleiche. Die Begründung war diesmal, dass meine Qualifikation keine vollständige sei. Ein Grundteil davon, aber eben keine die einen zu einer Fachkraft macht. JC meinte aber, dass ich einen Job suchen soll, den eine Qualifikation habe ich ja bereits erhalten. Handelte sich bloss um zusätzliche 6 Monate. Also habe ich irgendeinen Job angenommen um nach 12 Monaten bei AfA anzukommen und da die Erlaubnis zum Abschluss meiner Qualifikation zu bekommen. Gemacht.

    Das Resultat war das Gleiche. An den Unterlagen liegt es nicht. Die wurden von vielen Menschen angesehen. Einen Ausschlusskriterium hat da keiner gefunden. Und bevor ich nicht weiss an was es liegt, werde ich nicht mal versuchen eine weitere Qualifikation mir anzueignen. Ich habe noch ein paar Jahrzehnte bis zu der Rente. Bin physisch und psychisch intakt. Dazu kommen allerdings noch die Unterhaltsschulden mit dem höchsten Satz. Selbst wenn ich bereit wäre für einen Mindestlohn irgend einem Job nachzugehen, die Stadt würde mir alles wegnehmen. So wie beim letzten Mal, als mein Lohn bis auf die 854€ gepfändet wurde. Nach Abzug von den damaligen 94€ für die Monatsfahrkarte, war ich sogar effektiv unter dem Hartz 4 Satz. Nichts für die Rente verdient, nichts für den damalige Zeit verdient und die Unterhaltschulden wurden auch nicht komplett ausgezahlt. Inzwischen ist das "Kind" volljährig und der Satz am höchsten. Vollkommen unmöglich den zahlen zu können. Selbst wenn mir nur ein Teil davon abgezogen wird, so wird der Verdienst ein Witz, die Schulden werden aber weiter wachsen, wenn auch nicht in der selben Geschwindigkeit.

    Einen Ausweg sehe ich nicht.
     
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    Matt45

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    Schönes Thema bzw. Frage, die sich nicht kurz beantworten lässt!

    Hatte gestern schon mal "kurz" über Steuerrecht/Familienrecht/Sozialrecht im Zusammenhang mit JC etwas hier im Forum geschrieben(Thema Hartz IV Erhöhung).

    Wir(Politik und Wirtschaft) haben mit "Hartz" ein absolutes "Papier Monster" geschaffen, wo jeder Fall bzw. jede BG(Bedarfsgemeinschaft) teilwiese sehr individuell berechnet werden muss!

    Eigentlich ist es ganz einfach aus Hartz IV rauszukommen, man braucht "lediglich" ein Vernünftiges Einkommen(meine keinen Porsche). Zumindest so leicht ist es auf dem Papier.

    Die Realität sieht aber ganz anders aus!
    Wie alt ist jemand? Was hat man beruflich gemacht? Gibt es gesundheitliche Einschränkungen? Gibt es Kinder?
    Könnte noch "tausende" Fragen stellen.

    Mal als Beispiel: Bin deutlich über 50 lebe in einer Patchwork Familie und habe selbst zwei Kinder und arbeite bei einer 90% Stelle(10 % fehlen bei mir bis zur Vollzeit) und bin trotzdem seit 10 Jahren ein Kunde vom JC!
    Warum: Einfache Antwort.......Zu wenig Lohn für diese Familien-Konstellation um aus "Hartz" zu kommen! Selbst die restlichen 10% bis zur VZ würde bei mir nix ändern! Bekomme zwar mehr als Mindestlohn, aber es reicht halt nicht!
    Probleme bei mir: Patchwork, Kindesunterhalt, Steuerklasse, Bruttolohn, Alter
    >>> Das komplette Programm bei mir!

    Lösungen: Mit solchen Fällen ist das Hartz-System total überfordert bzw. man hat eigentlich im JC kein Interesse etwas zu ändern! Gleiches gilt übrigens auch für unsere Wirtschaft!
    Ich selbst kann derzeit nix ändern, weil es bei mir um die Höhe vom Lohn geht!

    War jahrelang ehrenamtlich in einem Familienverband und hin und wieder waren dort auch SB vom JC um die Probleme besser zu verstehen(Problematik wegen Unterhalt, Familienrecht, Alleinerziehende, Patchwork......).
    Ergebnis war allerdings sehr ernüchternd für die Mitarbeiter des JC, weil es eigentlich keine Lösungen gibt!
    Waren aber meistens immer sehr interessant die Gespräche mit dem JC, weil es ein anderer Raum war und Gespräche auf Augenhöhe!

    Man sieht diese Familien-Entwicklung sehr deutlich bei der Kinderarmut, obwohl ja "angeblich" die Arbeitslosen immer weniger werden!
    Ob eine Kindergrundsicherung besser bei Hartz IV wird, mag ich derzeit noch nicht beurteilen!

    Der Mitarbeiter von BMW mit 14 Löhnen im Jahr kennt diese Probleme natürlich nicht oder denkt mit Erwerbsarbeit ist das Problem gelöst.......Leider nicht so einfach!

    Mit 50 oder kurz davor haben die meisten wohl Partner oder Kinder und kommen mit den Mindestlohn oder ZAF meistens nicht weiter und müssen genau deshalb aufstocken oder ergänzen vom Staat.
    Auf der einen Seite kann man froh sein über diese Möglichkeit, auf der anderen Seite ist es enttäuschend wie wenig man verdient in vielen Branchen!
    Kenne bereits Dutzende Menschen die arbeiten und müssen trotzdem zum Amt!

    Eines steht für mich fest: Mit Unternehmen wie "Lieferradel" und Co kommen wir nicht weiter!

    Ein guter Tipp für das WE: Hört euch mal den Podcast mit Lanz und Precht an, dort geht es in der aktuellen Ausgabe um Arbeit!
     

    franzi

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    @MaxB: Bevor man sich überlegt, sich noch eine weitere Ausbildung anzutun, sollte man sich den Arbeitsmarkt im später gewünschten Bereich sehr gut anschauen. Man ist ja dann wieder etwas älter geworden und andere mit gleicher Qualifikation sind deutlich jünger.
    Und mit mehreren Qualifikationen hat man es dann schwerer in anderen Bereichen. Da heißt es dann gleich: überqualifiziert.
    In manchen Branchen ist es schon von Nachteil, wenn man Abitur hat. Wenn man dann auch noch zwei oder drei Ausbildungen vorweisen kann, winken die Arbeitgeber gleich ab ...
    Die Mär von "Bildung ist der Schlüssel zu allem" glaube ich längst nicht mehr.

    Eine weitere Ausbildung wäre nur sinnvoll, wenn sie wirklich deutlich höherwertiger ist als die bisherige, wenn man reale Aussichten auf eine Anstellung hat, wenn man dadurch raus aus Hartz IV käme und wenn der erreichbare Lohn ebenfalls deutlich höher wäre als bei der bisherigen Tätigkeit.
    Ja, leider wird in immer mehr Branchen schlechter bezahlt. Das müsste aber politisch gelöst werden. Das ist genauso wie mit den Mietsteigerungen.
     

    Meisterbau

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    Und mit mehreren Qualifikationen hat man es dann schwerer in anderen Bereichen. Da heißt es dann gleich: überqualifiziert.
    In manchen Branchen ist es schon von Nachteil, wenn man Abitur hat. Wenn man dann auch noch zwei oder drei Ausbildungen vorweisen kann, winken die Arbeitgeber gleich ab ...
    Die Mär von "Bildung ist der Schlüssel zu allem" glaube ich längst nicht mehr.
    Ich kann franzi nur zustimmen.
    Habe selbst nach der Ausbildung eine Weiterbildung gemacht, und Jahre lang in gleichem Bereich gearbeitet.
    Mit 40 dann noch ein Aufbaustudium in einem anderen Bereich. Trotz sehr guten Noten ist es sehr schwer gewesen eine Stelle zu finden. Mich mit 40 und Null Erfahrung oder einen 20 Jährigen mit gleicher Qualifikation und Null Erfahrung, wen würdest Du nehmen?
    So, ich musste dann noch Zeitlang in altem Beruf arbeiten, bis ich kurz vor Pandemie etwas passendes gefunden habe. Mit Pandemie war dann auch diese Stelle wegrationalisiert.

    Grundsätzlich bin ich aber für Ausbildung (-en). Nur muss jeder für sich genau überlegen, ob diese ein Mehrwert für ihn darstellt. Nachhinein, würde ich mich wieder für ein Aufbaustudium entscheiden, auch mit 40. MfG
     
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    barbapapa

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    Ein Weg heraus aus Hartz-IV ist steinig und aus diversen Gründen nahezu unmöglich.

    Gerne würde ich mal Erfolgsgeschichten lesen, aber die gibt es so gut wie nicht. Was aber nicht an der Wirtschaft oder der Gesellschaft liegt. Sieht man mal von Krankheiten ab, gibt es reichlich Möglichkeiten, der Armut zu entrinnen. Aber wer erstmal in der Falle sitzt, der kommt so schnell nicht da raus. Nein, Grundeinkommen und ähnliches mildert nur die Folgen ab, ist aber keine Lösung. Ich lehne es daher ab.
     

    Gollum1964

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    moin,

    Hartz4 ist ein vertracktes Thema und wird es aus verschiedenen Gründen leider auch weiterhin bleiben.
    Ich sehe - wie so häufig in diesem Forum - auch nicht das JC als Hauptgegner, sondern eher die festgefahrenen Vorbehalte der Personalabteilungen in der Wirtschaft und auch im öffentlichen Dienst, insbesondere wenn der Arbeitssuchende Ü50 ist, eine Behinderung oder einen Migrationshintergrund hat. Geringfügig besser sind die Chancen bei (motivierten) Leuten mit fehlender oder geringer Qualifikation, da hier (Wohlwollen der JC vorausgesetzt) entsprechende Fortbildungen oder Umschulungen noch Abhilfe leisten könnten, falls der Elo noch relativ jung ist.

    Da ich mitterweile der 60 näher bin als der 50, sehe ich kaum noch Chancen auf einen "vernünftigen Arbeitsplatz", trotz Ausbildung, abgeschlossenem Studium und über 20 Jahren Berufspraxis. Alternativen wären höchstens noch ZAF (bei mir knapp 7 Jahre Erfahrung - nein danke!) oder bei CallCentern (6 Wochen haben mir gereicht) , allerdings zu Grottenlöhnen und wohl auch nur temporär. Das wäre dann die berühmte Wahl zwischen Pest und Cholera und macht die Suppe auch nicht mehr fett, was die späteren Rentenansprüche angeht.

    Im Umgang mit Jobcentern merkte ich auch bei vielen SB sofort, wo für mich dort der Hammer hängt. Mitte 2016 in ALG2 hereingerutscht, wurden mir sofort Flausen wie Fortbildungen ausgetrieben und stattdessen (schon Ende 2017) Abschiebeversuche in EEJ, BufDi oder mehrmonatige kostenlose Praktika eingeleitet. Allerdings habe ich beste Abwehr geleistet und das JC dahingehend erzogen, maximal noch kurzläufige Fortbildungen zu besuchen. Ein solcher steht bei mir wohl Anfang nächsten Jahres wieder an (Anwender SAP Hana), obwohl ich stark befürchte, dass ich trotz SAP-Zertifizierung (davon gehe ich auch aus, also Selbstvertrauen noch vorhanden) dann wieder einer der Ladenhüter im Kurs zu sein, was die erfolgreiche spätere Vermittlung angeht.
    Übrigens habe ich genauso wie Franzi ein Nebengewerbe aufgebaut, was zwar nicht tragfähig (ca. 300 bis 500 EUR im Monat) ist, mir aber etwas mehr Geld im Monat übriglässt und als zusätzlicher Schutz gegen groben Unfug wie Ein-Euro-Jobs dient. Seitdem fassen mich die JC auch deutlich sanfter an.
    Hin und wieder spiele ich Lotto und sehe damit mittlerweile größere Chancen, völlig aus dem ALG2-Bezug zu kommen, als mit Arbeit.

    Zu meinem ersten Satz:

    Die Hoffnungen von Verfahrenheit trage ich nicht, dass die Ampel zu deutlichen Besserungen in diesem System führt. Die Wirtschaft hat einfach ein zu großes Interesse und einen zu großen Einfluss, dass aktuelle System mit einem der größten Niedriglohnsektoren in Deutschland aufrechtzuerhalten. Außerdem hängen wahnsinnig viele Arbeitsplätze am Hartz4-Tropf (JC, ZAF, Sinnlosmaßnahmenträger, etc.). Zumindest ist mit Jamaika schlimmeres verhindert worden (z.B. Arbeitsdienst von F. Merz).
     

    bondul

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    Es stellt sich meines Erachtens nicht bloß die Frage, wie jede einzelne Hartz IV überwindet, sondern ebenso die, wie Politik und Gesellschaft dieses unwürdige System eliminieren. Ein bedingungsloses Grundeinkommen klingt da zunächst sehr gut für die, die überhaupt kein (Erwerbs)Einkommen haben. Der Weg dahin dürfte noch ein weiter sein, einen einfacheren Schritt könnte die künftige Ampelkoalition gehen – so sie denn zustande kommt:
    Den zu einer bedingungslosen Grundsicherung.

    Eine Zukunft ohne Hartz IV

    … Alle drei Parteien wollen Hartz IV mehr oder minder abschaffen. ...
    … Die drei Konzepte klingen letztlich so ähnlich, dass die Parteien sich sehr wahrscheinlich auf eine umfassende Reform der Grundsicherung einigen können. Es könnte die größte Sozialreform seit der Agenda 2010 sein und für SPD und Grüne die Chance, die Fehler der jüngeren Vergangenheit zu korrigieren. …
    Zeit Online

    Erwerbsfähige, die bereits lange Zeit ohne Erwerbsarbeit sind, wären es nach einer Reform wohl immer noch, die Umstände jedoch andere. Eine deutliche Erhöhung der Regelsätze, der Wegfall sämtlicher Sanktionen, eine Förderung auf Augenhöhe und freiwilliger Basis würden dem GruSi System doch deutlich menschenwürdigere Züge verpassen.
     

    musiker01

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    Willkommen im Unterhalts-Absurdistan! Auch ich hab meine leidvollen Erfahrungen damit, und -selbst wenn aussenstehende immer meinen dies wäre möglich- es ist unmöglich dieser Katastrophe zu entgehen!! Bei mir gabs viele viele Jahre lang nur eine "fiktive" Unterhaltspflicht, welche mit "glücksvoller" Erlangung eines durchaus gutbezahlten Jobs dann leider absolut "Real" wurden. Folge: seit Sommer letzten Jahres dauerhaft krank geschrieben, Grad der Behinderung zuerkannt, finanziell - gesundheitlich - persönliches Umfeld - und beruflich komplett ruiniert.......................................... Gerichtsverfahren bis zum OLG haben da auch nichts dran geändert :-(

    Kann betroffenen (und auch Dir) daher nur einen Rat geben: richtet Euch im System ein. Arbeit wird sich für Euch NIE WIEDER (oder bestenfalls erst nach langen leidvollen Jahren) lohnen!
     

    xj3Qr1nL7ys

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    Ich schließe mich da auch erstmal den Skeptikern an. Bei wesentlich mehr Erwerbslosen als Arbeitsplätze, Tendenz steigend, sehe ich wenig Möglichkeiten dem Schicksal aus eigener Kraft zu entfliehen. Natürlich ist das für eine Minderheit möglich, für die Mehrheit gilt das imho nicht.
     

    MaxB

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    Ich denke es sei noch zu früh für mich um aufzugeben. Andererseits lässt mich das Amt gar nicht in Ruhe.
    Bis vor Corona gab es eine einzige Abfolge von Sanktionen. Die erste 100%ge war bereits 2005 und da hatte ich noch Frau und Kind. Hat kein Schwein interessiert, dass es doch total banane sei wenn wegen mir, ob zu Recht oder nicht, auch die restlichen Familienmitglieder nichts bekommen. Hatte noch Glück dass der Vermieter damals mit seiner Frau für paar Monate in den Urlaub gefahren sind. Der hat die Miete direkt als Rate an die Bank weitergeleitet. Der hat sich vielleicht gefreut als er zurück kam und Haufen Mahnungen von der Bank vorfand.
    Die 2te 100% 2018. SG Dortmund hat 2 meiner Anträge abgewiesen, mit der Begründung dass die angeblich nicht unterschrieben gewesen sind. Anschliessend inoffizielles Brief von der Richterin erhalten, die 100% hinter dem JC MK stand. dabei hatte ich bereits eine fristlose Kündigung vom Vermieter erhalten und musste innerhalb ein paar Tage aus der Wohnung raus. Monat später hat das JC den von mir verfassten Widerspruch zu meinem Gunsten entschieden. Vollkommen bescheuert. Eine Sozialrichterin hat kein Problem damit mich auf die Strasse zu setzen, aber ausgerechnet das JC sah es anders.
    Naja, jetzt ist das Problem endlich nicht existent.

    Es sind wohl die überzogene Anforderungen der Arbeitgeber. Das JC oder die AfA haben damit nichts zu tun. Ich spekuliere natürlich. Dennoch kann ich das für mich nur so erklären, als dass die Arbeitsplätze immer wieder von den selben Leuten besetzt werden. Nach 1 jahr sind die draussen und sind schon wieder in der Konkurrenz zu solchen wie ich.
     

    grün_fink

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    Solange es viel mehr Arbeitslose und Unterbeschäftigte als offene Stellen gibt, und im ALG II in weit größerer Zahl Menschen mit mehreren bis vielen Vermittlungshemmnissen sind, ist das doch nur eine Rechenaufgabe, dass es für die meisten nicht da raus geht, nicht in den Arbeitsmarkt ohne Aufstockung.
    Es mag Einzelfälle geben, die es nach kürzerer oder längerer Zeit schaffen können. Das dürften tendenziell eher die mit besseren Abschlüssen, kürzerer Arbeitslosigkeit und fast keinen sonstigen Vermittlungshemmnissen sein.
    Außerdem dürften noch Erbe, kleines selbst bewohntes Eigentum, Heirat oder Rente, durch welche das Leben finanziell anderweitig mehr abgesichert ist, dazu beitragen da heraus zu kommen, anstatt mit reinem Hartz IV-"Vollbezug" ohne die genannten Erleichterungen.
    Also auch da spielt Glück eine nicht unerhebliche Rolle, wenn nicht gar die Hauptrolle.
    Diejenigen, die jetzt vorübergehend Hartz IV beziehen, weil andere Leistungsträger noch nicht in die Pötte gekommen sind, mal ganz außen vor gelassen.
     

    franzi

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    Leider komme ich trotz selbstbewohntem Eigentum mit niedrigen Fixkosten, EM-Rente und Nebentätigkeit derzeit nicht auf einen Betrag, der mich aus ALG II erlösen würde. Das kann man drehen und wenden wie man will.
    Auch das Eigentum hat seine Tücken, wenn z. B. teure Sanierungen anstehen.
     

    MaxB

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    Teure Sanierungen... wenn ich unplanmässig 80€ ausgebe, bin ich wahrscheinlich um den 22 pleite. Es geht doch schon mit den Klamotten los. Ich frage mich wie es die anderen dauerhaft finanziell alles alleine schaffen. Wenn man keine Verwandten hat, die einem hin und wieder was schenken (Geburtstag, Weihnachten). Was macht man wenn der Rechner kaputt geht, Fernseher.. gebrauchte Bücher bei Tageslicht lesen ? Auch das wird im Winter schwierig^^
     

    franzi

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    Hartz IV führt letztlich dauerhaft zur völligen Mittellosigkeit. Man sollte aber bedenken, dass es nicht für dauerhaften Bezug gedacht war.
    Es war eine Überbrückungsleistung, die sich bei vielen jedoch anders entwickelt hat.
     

    Methe

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    Ich hatte studiert, und bin mit 23 erkrankt und hatte noch gar keinen Beruf oder Abschluss. Mit 26 wurde ich in die "Rente" geschickt, bekam Sozialhilfe und wurde "in Ruhe gelassen". Als ich mich wieder besser gefühlt habe musste ich jahrelang kämpfen um wieder "entrentet" zu werden, damit das Jobcenter mich wieder nimmt. Dann ging der Kampf um eine Ausbildung los, und letzten Endes hat mir das Jobcenter eine schulische Ausbildung bezahlt, und 5 Monate nach Abschluss habe ich dann endlich eine reguläre Vollzeitstelle gefunden. Ich hätte auch Zeitarbeit und Teilzeit akzeptiert, war auch registriert, aber tatsächlich war glücklicherweise die Vollzeitstelle vorher ein Treffer.

    Ich behaupte mal, dass nach 9 Jahren Leistungsbezug (Hartz IV, SGB IX, SGB XII) mit 35 den ersten Beruf zu ergattern vielleicht etwas ungewöhnlich ist, aber wenn ich es geschafft habe, können es bestimmt auch andere.
     

    Gollum1964

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    nabend,

    das mit 26 noch vieles möglich ist, sofern sich das JC nicht querstellt, ist schon klar. Bis 40 hatte ich auch nie Probleme, schnell einen neuen Job zu finden, falls der alte weg war. Da ich zu der Zeit länger Leiharbeiter war, war das auch häufig der Fall. Allerdings gestaltet sich die Lage mit Ü50 dann völlig anders.
    Damit man einen Job bekommt, gehören immer 2, und zwar einen, der sich bewirbt und einen, der einen dann auch einstellt. Letzteren Aspekt scheinen einige Leute hier zu vergessen oder zu vernachlässigen. Eine herausgeschickte Bewerbung ist noch nicht gleichbedeutend mit einer Jobzusage.
     

    Vulture

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    In dem man sich bewirbt.
    Nach geschätzten 600 - 700 Bewerbungen in den letzten 10 Jahren sage ich dir: Nein, das stimmt nicht. Bei Bewerbungen gibt es immer 2 Parteien - die Partei, die sich bewirbt, und die Partei die den Bewerber (nicht) einstellt. Dazu kommt dann das Alter (ab Mitte 40 ist man als Bewerber scheintot), evtl. vorhandene, chronische Erkrankungen. Also... so einfach, wie du es bei RTL2 gelernt hast, ist es nicht.
     

    MaxB

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    Die fehlende Mobilität ist auch ein Grund. Aus MK hätte ich mit dem Auto Bochum, Unna und Dortmund mit in Betracht ziehen können. Da sind so viele Gewerbegebiete. Doch ohne ist es einfach nicht praktikabel. Bei mir sind es maximal 15km Radius. Voller Eifer habe ich die innerhalb von ein paar Monaten angeschrieben. Irgendwann wurde es unübersichtlich und ich habe auf die Bremse getreten. Da werde ich angerufen, es werden sehr schnell der Name und Firma genannt, und ich hatte teilweise keine Ahnung wer die sind, ob ich mich da überhaupt beworben habe. Dann habe ich 1 Monat Pause eingelegt, hatte ich irgendwann echt genug. Und beim Termin beim JC fast eine Sanktion dafür kassiert.
    Doch davon mal ab, was macht man wenn man "alle" bereits angeschrieben hat. In 3 Monaten nochmal eine Initiativbewerbung und nochmal in 3 die nächste ? Dann landen die ungeöffnet sofort im Papierkorb, im Spamfilter. Und dann ist die Lücke im Lebenslauf paar Jahr lang. Dadurch wird die Bewerbung erst recht aussortiert.

    Letztendlich, wenn es noch nicht einmal zu einem Vorstellungsgespräch kommt, dann kann es nicht an einem persönlich liegen. Man hatte schlicht nicht die Chance etwas zu versauen. Und wenn die AG nicht mal inoffiziell bereit sind, den Grund für die Ablehnung zu nennen, dann habe ich auch nichts mit dem ich arbeiten kann um besser zu werden. Doch ich denke es liegt an etwas dass ich schlicht nicht ändern kann. Name, Herkunft, Familienstand, Haufen positive Arbeitszeugnisse, Alter oder ein langjährige Verbleib in einem Betrieb. Doch anscheinend sind die bedient, sonst hätten die sich schon gemeldet, wenn es tatsächlich an Fachkräften mangeln würde. Also wird es schon so sein wie:
    als dass die Arbeitsplätze immer wieder von den selben Leuten besetzt werden. Nach 1 jahr sind die draussen und sind schon wieder in der Konkurrenz zu solchen wie ich.
     
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