Gibt es noch Sozialrechtsanwälte die wirklich bock auf ihren Job und die mit diesem Job zusammenhängenden ALG2 Empfänger haben?

G

Gelöschtes Mitglied 69310

Gast
Hallo meine Lieben,


ich suche für den Fall der Fälle einen Fachanwalt für Sozialrecht, habe allerdings des-öfteren die Erfahrung gemacht dass die Anwälte am liebsten wollen dass man erst zum Amsgericht geht und dort dann diesen Schein holt anstatt dass der Anwalt dass selbst macht (soweit ich weiß kann er dass sehr wohl selbst und es wäre garnicht nötig erstmal zum Amsgericht zu rennen)

Seitens der Anwälte mit denen ich bisher so gesprochen habe war es bisher immer so dass sie damit argumentierten dass es ja abgelehnt werden würde wenn sie als Anwalt sich darum kümmern würden dass im Fall der Fälle der ALG 2 Empfänger nicht zum Amsgericht muss um diesen Schein zu holen.

deswegen die Frage kennt wer gute Sozialrechtsfachanwälte die noch Bock auf ihren Job haben?
 

Helga40

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Nach meinen Erfahrungen (als SB Recht) geht es den Anwälten nur um ihre Gebühren. In meinem Bereich gibt es einen Anwalt, der Widersprüche rein fristwahrend erhebt, also noch nicht mal begründet. Wenn er dann Kosten abrechnen will, kann er aber plötzlich 5 Seiten schreiben, wieso die Gebühren so hoch sind.

Ein anderer Anwalt lässt sich eine Universalvollmacht unterschreiben und erhebt Widersprüche und Klagen, ohne dass der Mandant davon und von seinem Kostenrisiko weiß.

Andere Rechtsanwälte sind ggf. engagiert, haben aber von Verwaltungs- und Sozialrecht keine Ahnung.

Ich kenne nur eine einzige Anwältin, die deinen Ansprüchen gerecht würde. Die wechselt aber zum 1.7. die Seiten, d. h. Sie fängt in einem JC als Teamleiter in der Rechtsbehelfsstelle an.
 

Pauer

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soweit ich weiß kann er dass sehr wohl selbst und es wäre garnicht nötig erstmal zum Amsgericht zu rennen
Das ist zwar richtig (§ 6 II 1 BerHG), allerdings ist er dazu keineswegs verpflichtet. Außerdem würde der Anwalt im Zweifel das Kostenrisiko tragen, wenn der Antrag auf nachträgliche Bewilligung der Beratungshilfe abgelehnt werden würde.
Ganz ehrlich - das würde ich als Anwalt auch nicht machen.

Ich würde das nicht mit fehlender Arbeitsmotivation auf Seiten des Anwalts begründen - sondern eher mit einer vorsichtigen wirtschaftlichen Kalkulation. Zumal die Gebühren, die der Anwalt dann ggf. später über die Beratungshilfe abrechnen kann, auch nicht gerade üppig sind.

Vielmehr würde sich mir die Frage stellen, weshalb du nicht selber zum Amtsgericht gehen möchtest. Bequemlichkeit?
Falls in Ausnahmefällen ein Gang zum Gericht unzumutbar erscheint, vertrete ich natürlich auch ganz klar die Meinung, dass der Anwalt die Bewilligung der Beratungshilfe beantragen könnte. Aber wie gesagt: im Ausnahmefall aus wichtigem Grunde.

Außerdem: gemäß § 3 II BerHG kann die Beratungshilfe unter den dortigen Voraussetzungen auch direkt durch das Amtsgericht gewährt werden. Dies spart der Landeskasse ggf. die Vergütung für den Anwalt.
Diese Möglichkeit der Beratung würdest du ohne Gang zum Gericht jedoch von Anfang an ausschließen und nicht in Anspruch nehmen können.

deswegen die Frage kennt wer gute Sozialrechtsfachanwälte die noch Bock auf ihren Job haben?

Fazit: Nur weil ein Anwalt nicht die Beantragung der Beratungshilfe für dich übernimmt, lässt sich daraus noch lange nicht schließen, dass er keinen Bock auf seinen Job hat.
 
G

Gelöschtes Mitglied 63050

Gast
Das ist doch in allen Bereichen so, egal ob Anwalt für Scheidungsrecht, Anwalt für Sozialrecht, etc.
Nur weil der Anwalt nicht mega enthusiastisch ist oder ganz offensichtlich "Bock drauf hat" heißt das noch nicht dass sie einen schlechten Job machen.
Aus Sicht des Mandanten ist es zwar sicher toll, wenn man das Gefühl hat, der Anwalt brennt für den Fall und nimmt gerne extra Aufwand in kauf. Mit Realität hat das aber nichts zu tun.
Für den Anwalt ist das ein Job von vielen und er arbeitet diesen genauso effektiv und sachlich ab, wie alle anderen auch.
 

Kerstin_K

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Wenn man rechtschutzversichert ist, übernehmen es ja viele Anwälte gerne, dass sie die Deckungszuschüsse der Versicherung einholen. Das ist auch ratsam, denn die Anwälte wissen in der Regel, wie sie der Versicherung gegenüber argumentieren müssen, damit die Deckungszusage erteilt wird.

Ich könnte mir vorstellen, dass es bei der Beratunghilfe ähnlich wäre, wenn das mehr Anwälte machen würden.
 
G

Gelöschtes Mitglied 69310

Gast
Ich kenne nur eine einzige Anwältin, die deinen Ansprüchen gerecht würde. Die wechselt aber zum 1.7. die Seiten, d. h. Sie fängt in einem JC als Teamleiter in der Rechtsbehelfsstelle an.

Hm schade...find ich sehr traurig..aber dann scheint sie wohl dort besser zu verdienen.
 

Paula Panter

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Vielmehr würde sich mir die Frage stellen, weshalb du nicht selber zum Amtsgericht gehen möchtest. Bequemlichkeit?
Man kann die Beratungshilfe auch schriftlich beantragen ;)
Also als ich die Eigenbedarfskündigung von meinem Vermieter bekam, holte ich mir den Beratungshilfeschein persönlich beim Amtsgericht, war eine Sache von nichtmal 5 Minuten.
Der Fachanwalt für Mietrecht, denn ich deswegen aufsuchte, war ganz begeistert dass ich schon diesen Schein hatte, das erlebte er selten sagte er mir:)


habe allerdings des-öfteren die Erfahrung gemacht dass die Anwälte am liebsten wollen dass man erst zum Amsgericht geht und dort dann diesen Schein holt
Ich lese das auch immer wieder auf den Internetseiten von Rechtsanwälten, manche schreiben gar, dass man sich erst melden soll, wenn man diesen Schein hat.
Ich kann mir das damit erklären, dass die sehr viel zu tun haben und das mit zusätzlicher Arbeit verbunden wäre
 

Manni1976

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Hm schade...find ich sehr traurig..aber dann scheint sie wohl dort besser zu verdienen.
Sollte es uns nicht freuen, wenn die Jobcenter Personal gewinnen können, das auch "vom Fach" ist? Gefühlt beschäftigen die Jobcenter, sowohl in der Arbeitsvermittlung als auch in der "Leiste", mehr Quereinsteiger als Verwaltungsfachkräfte. Dass dieser - wie gesagt, gefühlte - Umstand die Qualität der Dienstleistungen nicht unbedingt verbessert, liegt auf der Hand.
 

TazD

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Entsteht da nicht ein Kostenrisiko, falls die Beratungshilfe, warum auch immer, abgelehnt wird?
Kostenrisiko für wen? Das Kostenrisiko besteht nur, wenn ich direkt zum Anwalt gehe und dieser die Beantragung der Beratungshilfe übernimmt. Denn in dem Moment ist er bereits mandatiert und kann logischerweise auch abrechnen. Entweder über Beratungshilfe oder bei Ablehnung direkt mit dem Mandanten.
 

Pauer

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oder bei Ablehnung direkt mit dem Mandanten
Und falls dieser kein Geld hat und eine mögliche Vollstreckung daher auch ins Leere läuft, bleibt der RA auf seinen Kosten ebenfalls sitzen.
Also sowohl ein Risiko für den Mandanten als auch ggf. für den RA.
 
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