Gibt es neue Regelungen bezüglich Mehrbedarf für Ernährung beim Diabetes Typ II im SGB XII (Sozialhilfe)? Auf mich kommt recht sicher eine Ernährungsschulung zu laut Aussage vom Arzt.

grün_fink

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Moin,

da bei mir seit Jahren die Blutzuckerwerte eher am steigen sind, ich leichten Diabetes habe und jetzt zum Diabetologen (in der Hausarztpraxis) geschickt werde und auch an einer Ernährungsschulung teilnehmen soll (Blutwerte sind nächste Woche da, schätzungsweise werd ich aber nicht drumrum komkmen),
hier mal die Frage:
Gibt es irgend etwas neues im Bereich SGB XII bezüglich Mehrbedarf für kostenaufwendige Ernährung? Der deutsche Verein wird ja sicher noch bei seiner Stellungnahme geblieben sein, dass Vollkost ausreicht und diese im Regelbedarf enthalten ist.

Hat jemand zufällig aktuelle Infos dazu? (ehe ich mich dusselig suche, bin kein so Detektiv-Talent).

Was ich dazu gefunden habe, ist nicht mehr so top aktuell.
Und fürs SGB XII findet sich nicht so viel.
Es ist nicht davon auszugehen, dass hier schon Folgekrankheiten vorhanden sein werden, es wird hauptsächlich um leichten Diabetes gehen und erhöhte Blutfette (im nicht dramatischen Bereich).

https://sozialrechtsexperte.blogspo...ed:+Sozialrechtsexperte+(sozialrechtsexperte)
Regelsatz reicht nicht, betrifft SGB II

https://www.elo-forum.org/threads/tacheles-rechtsprechungsticker-kw-02-2018.190363/
3. Zur Frage eines Mehrbedarfs aus medizinischen Gründen nach § 21 Abs 5 SGB 2, wenn bei den vorliegenden Gesundheitsstörungen (Diabetes mellitus, Hyperurikämie, Hypertonie) eine Vollkost empfohlen wird.
S 26 AS 3702/11
also auch ALG II

https://www.elo-forum.org/threads/tacheles-rechtsprechungsticker-kw-38-2016.175557/
1. 8 Sächsisches Landessozialgericht, Urteil v. 11.08.2016 - L 3 AS 10/12

Die Ernährung mit einer sogenannten "Vollkost" bei Diabetes mellitus Typ I und II ist, wie das Bundessozialgericht bereits im Urteil vom 10. Mai 2011 entschieden hat, keine kostenaufwändige Ernährung im Sinne von § 21 Abs. 5 SGB II a. F ... Denn es handelt sich nicht um eine Krankenkost, auf die die Vorschrift abzielt, sondern um eine Ernährungsweise, die auf das Leitbild des gesunden Menschen Bezug nimmt (vgl. BSG, Urteil vom 10. Mai 2011 – B 4 AS 100/10 R ). Deshalb ist die Vollkost aus der Regelleistung zu bestreiten.

Leitsatz ( Redakteur )

1. Dass bei Diabetes Mellitus, wenn keine Besonderheiten vorliegen, kein Anspruch auf Mehrbedarf wegen kostenaufwändiger Ernährung nach § 21 Abs. 5 SGB II besteht, wird seit langem in der obergerichtlichen Rechtsprechung vertreten (vgl. z. B. Sächs. LSG, Beschluss vom 27. August 2010 – L 3 AS 245/08 – juris Rdnr. 23 ff.; Sächs. LSG, Beschluss vom 15. Februar 2010 – L 3 AS 780/09 NZB – juris Rdnr. 26; Sächs. LSG, Beschluss vom 26. Februar 2009 – L 2 AS 152/07 – juris Rdnr. 33 ff.; Bay. LSG, Urteil vom 23. April 2009 – L 11 AS 124/08 – juris Rdnr. 30; Bay. LSG, Urteil vom 6. Juni 2011 – L 8 AS 770/10 – juris Rdnr. 22; LSG Baden-Württemberg, Urteil vom 23. Oktober 2009 – L 12 AS 4179/08– juris Rdnr. 22 ff.; LSG für das Land Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 30. Juni 2011 – L 19 AS 1023/11 B ER – FEVS 63, 371 ff. = juris Rdnr. 31; LSG für das Land Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 23. Januar 2012 – L 19 AS 1747/11 B – juris Rdnr. 4; LSG Hamburg, Urteil vom 18. Juli 2011 – L 5 AS 83/11 – juris Rdnr. 25; LSG Hamburg, Urteil vom 19. März 2015 – L 4 AS 333/12 – juris Rdnr. 38; LSG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 16. März 2016 – L 6 AS 403/14 – juris).
auch SGB II, nicht SGB XII

Hier soll man bei einem Landratsamt Mehrbedarf für kostenaufwendige Ernährung wegen Diabetes beantragen können
https://www.elo-forum.org/threads/leistungen-nach-sgb-ii-oder-sgb-xii.168134/#post-2047108

1. 2 Landessozialgericht Sachsen-Anhalt, Beschluss vom 15.12.2015 - L 4 AS 478/14 NZB - rechtskräftig

Keine Übernahme von Arzneimittelkosten als Sonderbedarf ( Ohrentropfen - nicht verschreibungspflichtige Arznei- oder Heilmittel )

Diabetes mellitus verursacht weder einen erhöhten Kalorienbedarf noch einen anderen Ernährungsmehrbedarf iSv § 21 Abs. 5 SGB II.
https://www.elo-forum.org/threads/tacheles-rechtsprechungsticker-kw-02-2016.163911/

2. 8 Landessozialgericht Hamburg, Urteil vom 19.03.2015 - L 4 AS 149/13

Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung bei Diabetes mellitus Typ 2 und Hypertonie -

Leitsätze ( Autor )
1. Bezogen auf die Erkrankung Diabetes mellitus Typ 2 ist eine Ernährungsweise mit einer sogenannten Vollkost angezeigt, die keinen Mehrbedarf im Sinne des § 21 Abs. 5 SGB II auslöst. Bei einer Vollkost handelt es sich nicht um eine Krankenkost, auf die diese Vorschrift abzielt, sondern um eine Ernährungsweise, die auf das Leitbild des gesunden Menschen Bezug nimmt. Sie ist als gesunde Mischkost aus den Regelbedarfsleistungen zu bestreiten (BSG, Urteil vom 10.5.2011 – B 4 AS 100/10 R; Bayerisches Landessozialgericht, Urteil vom 23.4.2009 – L 11 AS 124/08).
https://www.elo-forum.org/threads/tacheles-rechtsprechungsticker-kw-19-2015.148219/
ebenfalls SGB II

Hier schaut es etwas besser aus (im Text wurde fett markiert)
https://www.anwalt-kiel.com/sozialr...diabetiker-koennen-mehrbedarf-geltend-machen/
aus dem Jahr 2009
Es sei noch nicht abschließend erklärt,
Nach den weiteren Erkenntnissen des erkennenden Senats ist nach gegenwärtigem medizinischen Wissensstand das Problem kostenaufwändiger Ernährung bei Diabetes mellitus nicht endgültig geklärt.
und weiter unten auf den Regelbedarf verwiesen.

Hier gibt es etwas zu den Kosten für die Zuckermessgeräte, Piekser und Teststreifen
https://www.elo-forum.org/threads/diabetes-typ2.110988/

Betanet nennt bei Krankenkostzulage den Diabetes nicht mit.
https://www.betanet.de/krankenkostzulage.html

Hat vielleicht von euch jemand aktuelles Wissen parat?
Zufällig?
Ich werde nächste Woche dann auch schlauer sein, wenn die aktuellen Werte da sind und ich beim Diabetologen war.
Mich beschäftigt das allerdings heute schon, vor allem bezüglich der Vertäglichkeit eventueller Aussagen, Empfehlungen usw. mit der Sozialhilfe.
Ansonsten einfach danke fürs Lesen.

Danke euch.
 

Curt The Cat

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Hallo grün_fink,

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Diabetes Typ II, Mehrbedarf für Ernährung?
 

Woodruff

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Hallo grün_fink,

Zu Deiner direkten Frage bzgl. SGB XII bezüglich Mehrbedarf für kostenaufwendige Ernährung kann ich leider nichts beitragen.

OT

Dafür habe ich aber noch etwas zur Kostenübernahme der Krankenkassen bei Diabetes Typ 1 und Typ 2 gefunden. Vielleicht sind Dir diese Infos aber auch schon bekannt!


Kostenübernahme der Kassen

Die Kosten für die Behandlung von einem Diabetes Typ 1 sind Teil der Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Wenn Medikamente und andere Hilfsmittel ärztlich verordnet sind, so zahlt die Krankenkasse die Kosten. Für Blutzuckermessgeräte wird in der Regel eine Pauschale gezahlt. Auch hier muss das Gerät ärztlich verordnet sein.
Für Diabetiker vom Typ 2 werden ebenfalls alle verordneten Medikamente bezahlt. Einschränkungen gibt es hier bei den Teststreifen, die für diese Patientengruppe nicht bezahlt werden. Es gibt auch Krankenkassen, die eine Insulinpumpe nur zögerlich genehmigen. Nachfragen könnte also Probleme verhindern.

Quelle: https://www.krankenkassenzentrale.de/wiki/diabetes#

Hoffentlich bekommst Du bald ein einigermaßen zufriedenstellendes Ergebnis
 

Antihartzer19

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Einschränkungen gibt es hier bei den Teststreifen,
Ein GKV-versicherter Freund der auch davon betroffen ist bekommt immer eine bestimmte Menge an Teststreifen rezeptiert.
Er kommt damit hin. Er hatte mit seinem Testsystem auch mich mal getestet. Aber nicht meine Baustelle.
Er hatte auch einmal einen Kurs in der Praxis über Ernährung usw...
Eine Aussage war das man keine spezielle Ernährung oder Diabetikerlebensmittel benötigt.
Ich versuche ihn zu überreden mit zur Fitness zu kommen, bisher vergeblich.
 
Zuletzt bearbeitet:

faalk

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Auch als Typ 2 bekommt man Teststreifen auf Rezept und das sogar ohne Zuzahlung, wenn man Insulinpflichtig ist, oder aber auch, ohne Insulinpflicht bei instabiler Stoffwechsellage.

Ernährungs Schulung soll wohl eher Diabetiker Schulung sein? Dann gibt es das BZ Gerät von der Praxis.

Je nach dem wie hoch dein hba1c (Langzeitwert) ist, wird es wohl erstmal auf Medikamente hinauslaufen. Insulin wird zu Anfang eher selten gegeben.

Bei den Medikamenten fallen dann natürlich die üblichen Zuzahlungen an, die aber so oder so auch bei ALG II gezahlt werden müssen.
 

faalk

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Eine Aussage war das man keine spezielle Ernährung oder Diabetikerlebensmittel benötigt.
Richtig. Darum wurde vor Jahren auch die "Diabetiker Regale" in Supermärkten abgeschafft. Wer kennt sie noch die Regale mit Diabetiker Schokoladen, Keksen etc. zum dreifachen Preis, da kein Zucker enthalten war? :icon_party:
 

grün_fink

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Ich danke für eure Antworten. Da bin ich schon etwas beruhigter, wenn ich weiß, wie ich dran bin.

Was die Ernährung angeht, muss es wohl tatsächlich aus dem "normalen" Regelbedarf bezahlt werden.
Nee, die Diabetikerregale wünsch ich mir nicht zurück, und das gewiss nicht wegen des Preises der Artikel. Wenn man sich überlegt, dass da überall Süßstoff drin war und das auch deshalb so teuer war. Da bin ich froh, dass man heutzutage eher auf gesunde Ernährung setzt, und das ist ja eh Trend.
Irgendwie bleibt trotzdem immer so eine Unruhe und Unsicherheit, wenn da nicht nur neue Sachen auf einen zukommen, sondern auch neue finanzielle Belastungen. Man fühlt sich im Vorhinein schon um irgendwas betrogen, was nicht so stark wäre, wenn man mehr Geld hätte, also vieles nicht so stark zu Buche schlagen würde. Die Schuldenvergangenheit spielt da auch eine Rolle mit, dass ich da schneller Panik schiebe wie andere.
Auch wenn ich wieder irgendetwas muss oder soll oder ich in ein Raster gesteckt werde und in irgendeiner Richtung funktionieren soll, da hab ich nicht nur große Bedenken, sondern eigentlich einen Widerwillen. Werde wohl nicht die pflegeleichtestes und beliebteste und normalaussehendste Person dort sein in dem Kurs.
Bin aufgrund von Krankheit auch relativ veränderungsresistent, heißt dass mir das sehr schwer fällt.
Mal sehen, wie das wird.

Schön auch zu wissen, dass man für die Schulung Material zum Testen bekommt. Wäre ja noch schöner, wenn man ein halbes Jahr oder so geschult wird, ohne zwischenüberprüfen zu können, also wenn man erst auf das nächste mal Laborergebnisse warten müsste.
Mir tut es sicher gut, wenn ich die Ergebnisse meines Essverhaltens eine Zeit lang schwarz auf weiß ansehen kann, bin halt so, dass ich es mal veranschaulicht brauche.

Was die Werte angeht, rechne ich nicht damit, Insulin spritzen zu müssen. Letztens um den Jahreswechsel herum war noch nichtmal ernsthaft die Rede von Medikamenten. Also werde ich erstmal abwarten, was die Labortests sagen, auch wenn ich es schon etwas ahne.
Die Schulung wird in der (größeren) Praxis stattfinden, das stimmt. Fahrtkosten werden keine entstehen, die Praxis ist keinen Kilometer weit von meiner Wohnung entfernt.

Dann harre ich erstmal der Ergebnisse.
 

grün_fink

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Hinterfrage auch gern vieles, das mag nicht jeder.
Es ist nicht nur das.
Teilweise muss ich ja Dinge auch auf Machbarkeit mit dem Regelbedarf abchecken, um nicht permanent die Selbstzweifel zu züchten.
Teilweise es auch einfach Folge von verkorkstem Leben, einigen schädlichen Erfahrungen mit weit- und langreichenden Folgen und psychischer Krankheit, also dass ich überkritisch bin, an Umsetzbarkeit und Erfolg arg zweifel. Bin in vielen Dingen einfach größtenteils desillosioniert, was gar nichts mehr einfach macht.
 

faalk

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Also die Schulung dauert "nur" ca. 4 Tage a 4 Stdt. Täglich. Thema Hauptsächlich, Ernährung, was hat viel Zucker, Kohlenhydrate usw. Richtiges BZ messen. Dafür bekommt man dann von der Praxis ein BZ Gerät das man natürlich behalten darf und ein Rezept für die Erstausstattung (Lanzetten, 50 Teststreifen).

Dein HA wird dann wohl alle 3 Monate zum deinen Langzeitzucker (hba1c) bestimmen". Mit diesen kann dann der HA oder wenn man weiter beim Diabetologen in Behandlung bleibt weiter "Arbeiten". Dann wird noch ein wenig an deinen Füßen "Rum gefummelt" und ein mal im Jahr zum Augenarzt.

Im ganzen hält sich der Aufwand und die Kosten (Zuzahlung Chroniker) im Rahmen.
 

grün_fink

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Also 16 Stunden oder so, aufgeteilt auf 4 Termine. 4 Stunden am Stück klingt viel, aber wenn man mal bedenkt, wo man sonst auch 4 Stunden lang und länger dabei ist.... Ich hoffe, ich schaffe es, mich nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Man bekommt ja sicher auch Unterlagen mit.
Teststreifen für ein halben Monat etwa, klingt ja nicht schlecht.
Eine mittlerweile verstorbene Freundin von mir war auch Diabetikerin, bekam sehr jung den Typ 2. Sie hat mir damals schon viel erzählt. Aber es gibt ja immer neues an Wissen. Sie hat immer so viel von den schnell und langsam wirkenden Kohlehydraten erzählt, und dass man auch Fett braucht. Bei ihr habe ich auch beim Messen zugeguckt, und sie hat es auch mal an mir demonstriert also einen Teststreifen geopfert. Ist schon lange her.

Das Füße "befummeln" hatte ich schonmal. Das war ganz lustig und unterhaltsam.
Zum Augenarzt klingt jetzt auch nicht schlecht.
 

faalk

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da bei mir seit Jahren die Blutzuckerwerte eher am steigen sind, ich leichten Diabetes habe

Na erstmal abwarten ob die Werte überhaupt sooo hoch sind. Also nicht schon vorher so viel Stress machen.

Ich hatte damals einen Langzeitwert von 12%. Normal sind so um die 6,5%. Da schrillten dann natürlich die Alarmglocken.
 

Woodruff

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Was die Ernährung angeht, muss es wohl tatsächlich aus dem "normalen" Regelbedarf bezahlt werden.


OT

Trotzdem ist noch erwähnenswert, dass bei bestimmten Krankheiten die Jobcenter einen Mehrbedarf für Ernährung genehmigen können.

Das kann ein 10- oder 20 prozentiger Anteil vom Regelsatz sein. Bisher war mir diese Regelung auch nicht bekannt. Sicherlich ist dies kein hoher Einzelbetrag, aber gemessen am Regelbedarf kann es zumindest den Einkauf ein kleines bisschen erleichtern.

Es muss ein Antrag gestellt werden und der Arzt muss die jeweilige Erkrankung attestieren.


Welche Krankheiten begründen einen Mehrbedarf?

Grundsätzlich gilt: Wenn Sie eine Unterstützung für Ihre kostenaufwändige Ernährung beantragen möchten, muss ein Arzt bestätigen, dass eine medizinische Notwendigkeit besteht. Das kann beispielsweise bei bestimmten Unverträglichkeiten, Mangelerscheinungen oder Krankheiten der Fall sein.

Der volle Regelsatz beläuft sich im Jahr 2020 auf 432 EUR monatlich, sodass sich für Alleinstehende folgende Mehrbedarfe ergeben:


Krankheitsbild
Mehraufwand
Anteil des Regelsatzes
Konsumierende Erkrankungen, gestörte Nährstoffaufnahme bzw. -verwertung43,20 EUR10 %
Mukoviszidose, zystische Fibrose43,20 EUR10 %
Niereninsuffizienz, Behandlung mit eiweißdefinierter Kost43,20 EUR10 %
Zöliakie oder einheimische Sprue (Durchfallerkrankung wegen Gluten-Überempfindlichkeit)86,40 EUR20 %
Niereninsuffizienz – Dialysediät86,40 EUR20 %
Verzehrende Krankheiten wie Krebs, MS, HIV/AIDS, Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa43,20 EUR10 %

Quelle: https://hartz4widerspruch.de/ratgeber/gesundheit/mehrbedarf-ernaehrung/#_Mehrbedarf
 

Birgit63

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Bei Diabetes gibt es aber keinen Mehrbedarf vom JC. Noch dazu bei einer wohl recht leichten Diabetes wie bei der TE'in. Diesen bekommt man gut weg, wenn man einfach auf alles Süße verzichtet. Meine Schwester hat auch Diabetes, der mit Tabletten behandelt wird. Sie trinkt nur noch Mineralwasser, isst überhaupt keine Süßigkeiten und Kuchen und schon ist der Zucker runter gegangen. Diese Maßnahmen haben sogar dafür gesorgt, dass sie mehr Geld im Geldbeutel hatte als vorher.
 

Seepferdchen 2010

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@Birgit63

Bei Diabetes gibt es aber keinen Mehrbedarf vom JC.

Dir ist aber schon aufgefallen, das es hier nicht um das JC geht sondern um SGB XII?

@grün_fink hier für dich mal ein Urteil zur Bewilligung vom Mehrbedarf und ein Zitat:

Gegen diesen Bescheid erhoben die Antragsteller am 29. Januar 2008 Widerspruch. Am 30. Januar 2008 haben die Antragsteller um einstweiligen Rechtsschutz nachgesucht. Zur Begründung machen sie geltend, dass der Antragsteller zu 2.) - unstreitig - an einem Diabetes Mellitus Typ II a leidet, seither die Kosten für den Mehrbedarf für kostenaufwendige Ernährung vom Antragsgegner gewährt bekommen habe und eine Änderung im Gesundheits-
zustand oder der Rechtssprechung, die eine Änderung der Bewilligungspraxis rechtfertigen würde, nicht gegeben sei. Insbesondere habe die behandelnde Ärztin Rosa Rose noch unter dem 28. November 2007 das Vorliegen des Diabetes Mellitus Typ II a und den damit verbundenen Bedarf an Mehrkosten wegen der Krankenkost bestätigt.

Quelle: http://www.betreuer-harburg.de/?q=node/151

Und nach § 30 SGB XII

(5) Für Kranke, Genesende, behinderte Menschen oder von einer Krankheit oder von einer Behinderung bedrohte Menschen, die einer kostenaufwändigen Ernährung bedürfen, wird ein Mehrbedarf in angemessener Höhe anerkannt.

Bestimmt wird dich dein Arzt unterstützen wenn du einen Antrag stellst.
 

Generation Golf

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Da kann ich @Birgit63 vollumfänglich zustimmen. Bei meinem Vater wurde im vorigen Jahr auch zu hoher Zucker festgestellt. Nach ca.6 Wochen rigoroser Verzicht auf alles Süße und eine Beschränkung von KH waren alle Werte wieder im grünen Bereich! Incl. Gewichtsverlust.

Der Wille war stark denn die Aussicht auf ständiges Messen und Spritzen/Tabletten war nicht so prickelnd.
 

Antihartzer19

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Bei Diabetes Ii handelt es sich oft wohl um Überernährung.
Man "zündet die Kerze an zwei Enden an".

Das zu ändern hilft in den allermeisten Fällen. Dazu Bewegung.
Dabei spart man vermutlich Kosten für Lebensmittel ein.
(Nicht das ds Amt auf die Idee käme nun zu kürzen?)
 

bondul

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Dein Vorhaben wird bestimmt kein leichtes Unterfangen, vielleicht hilft dir das folgende bei der (möglichen) Beantragung:
[..]
Nach dem SGB II („Hartz IV“) oder nach dem SGB XII (Sozialhilfe) wird ein finanzieller Mehrbedarf bei Diabetes nur noch in besonderen Fällen anerkannt.
[..]
Die Durchsetzung eines finanziellen Mehrbedarfs wird schwieriger werden, weil sich die Position im Verfahren umgekehrt hat, sodass nicht mehr die Behörde, sondern der Betroffene begründen muss, weshalb von den neuen „Empfehlungen“ – zu seinem Vorteil – abgewichen werden solle. Er muss deshalb bei den Ermittlungen der Behörde bzw. des Gerichts mitwirken. Dazu sollte ein ärztliches Attest vorgelegt werden. Es empfiehlt sich auch, den Bedarf selbst zu ermitteln und darzulegen. Wer ein Diabetes-Tagebuch führt, kann auf Erfahrungswerte zurückgreifen und damit nachweisen, welchen Bedarf er in der Vergangenheit hatte. In Frage kommen grundsätzlich wohl nur sog. Ergänzungs-BEs, die erfahrungsgemäß zur Vorbeugung und zum Auffangen von Unterzuckerungen verwendet oder bevorratet werden müssen. Es muss sich um einen Bedarf handeln, der aus medizinischen Gründen zusätzlich zur „normalen“ Ernährung besteht, die aus dem Regelsatz zu bestreiten ist.
https://www.diabetes-news.de/wissen/diabetes-und-soziales/mehrbedarf

lg, bondul
 

grün_fink

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Danke für euren zahlreichen Input. In die Links schaue ich bei schlechterem Wetter mal rein (soll ja morgen werden).
Jetzt warte ich erstmal die Werte ab, die ich Mitte nächster Woche bekomme.
Mit dem Arzt werde ich sicher auch darüber sprechen.
:love:
Und ja, es geht um SGB XII
 

faalk

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grün_fink

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Nun sind die Werte da. Wie fast schon vermutet, sind sie ganz gut: Zucker und auch Leberwerte. Zuckerwerte sind einiges besser geworden. Ich soll halt etwas aufpassen mit dem Essen (worauf ist ja bekannt), mich wieder etwas mehr bewegen und den Stress reduzieren. Damit muss ich jetzt eben leben. Gut, ich hab in diesem Jahr fast kein Süßes gegessen (im Unterschied zur letzten Messung am Ende der Adventszeit). Ansonsten merkt man den Unterschied zwischen Winter und Sommer: Man ernährt sich etwas anders und bewegt sich etwas mehr im Sommer. Besonders aufgepasst habe ich ansonsten nicht außer Zucker, also das kann man noch etwas verbessern. Und etwas mehr bewegt habe ich mich auch, aber nicht extra deswegen sondern weil es allgemein gut tut. Abgenommen hab ich auch nicht, wenn nur minimal.
Viel mehr wird das Essen nicht kosten, zumindest nicht bei mir.
Der Arzt hat so noch etwas mit mir geredet über eine Sache, die mir auf dem Herzen liegt und mich in einem anderen Vorhaben bestätigt, weil die Zuckerwerte auch etwas mit der Psyche zu tun haben und mit der Sinnhaftigkeit des Lebens.

Jetzt bin ich beruhigter, dass ich nicht unbedingt richtig große Veränderungen wuppen muss. Das senkt den Druck ganz erheblich.
 
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