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Gesundheitspolitik: Was derzeit wirklich passiert

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Tinka

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#1
[...] Am 30.1.2008 haben sich 7000 von 8000 Hausärzten zu einer Protestveranstaltung in Nürnberg getroffen und diese war die größte und eindrucksvollste ihrer Art seit Bestehen der GKV.

Keine der großen Boulevardzeitungen brachte meines Wissens einen adäquaten Artikel, keiner der privaten und öffentlich-rechtlichen Sender ging tiefer und nachhaltiger auf diese Veranstaltung ein. Die allermeisten Hausärzte eines der reichsten und größten Bundesländer drohen mit Widerstand und niemanden interessiert es.

Nur uns Ärzte - der Rest der Bevölkerung wird außen vor gehalten. Das machte mich stutzig und ich begann, immer tiefer im Internet nach den Gründen zu suchen, worauf ich stieß, hat meinen Glauben an den Rechtsstaat im Mark erschüttert und erklärt uns allen die Frage, was hier wirklich passiert:

Man muss weiter ausholen, spätestens seit der Seehoferreform 1997 wurde uns ja schon klar gesagt, dass die deutsche Bevölkerung immer mehr überaltert, dass die Gesundheitskosten aus dem Ruder laufen sollen und die Bezahlung immer weniger vom Solidarsystem übernommen werden könne. Der Lösungsansatz lag neben den Einsparungen, unter denen sowohl die Krankenhäuser als auch die Niedergelassenen leiden, in der fortschreitenden Privatisierung von Teilen unseres Gesundheitssystems.
Nur allzu gern nahmen viele kommunale Träger die Möglichkeit wahr, ihre defizitären Krankenhäuser an Klinikkonzerne zu verkaufen. Die schlechte Einnahmensituation der Häuser war ein Produkt der Reformen.

Grundsätzlich ist diese Tendenz in allen Bereichen unserer Gesellschaft zu finden, der Staat zieht sich aus wichtigen staatlichen Aufgaben zurück und verkauft sein Eigentum, mit dem immer auch eine Sicherstellungsaufgabe verbunden ist, an private Hände. Man kennt dies von der Bahn, von der Post, von der Stromversorgung und zahlreichen anderen Bereichen. Auf der Homepage des Bundestages findet man zu dem Schlagwort Privatisierung über 2000 Einträge aus den letzten fünf Jahren. Aktuell diskutiert man gerade die Privatisierung des Gerichtsvollzieherwesens. Schleichend geht damit aber auch ein zunehmender Machtverlust der Regierung einher und der Bürger ist in allen Bereichen häufig der Willkür der Konzerne ausgesetzt. Grundlage dieser Denkrichtung ist der so genannte Neoliberalismus, der eine Entstaatlichung und eine Übernahme gemeinschaftlicher Felder durch “die Bürger“ propagiert, womit allerdings keine Bürgervereinigungen gemeint sind, sondern nur die großen Konzerne.

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ExitUser

Gast
#2
ich kenne den artikel danke

schön das du den reingestellt hast, ich hoffe er wird von vielen gelesen.
es scheint wirklich darauf hinauszulaufen die kliniksysteme der ehemaligen XXR wieder beleben zu wollen.
meine eigene erfahrung: bis 2005 war ich sprechstundenhilfe für 1 arzt.
2006 kam noch ein anesthäsist und notfallambulanz dazu.
2007 arbeite ich inzwischen für 3 verschiedene ärzte in einer ambulanz inclusive psychologen.
überweisungen erfolgen also innerhalb unseres hauses. ein überleben als eigenständige hausärztliche praxis hätten wir nicht überstanden.
Gehalt? ca. 35,00€ mehr. mehr arbeitszeit? nein, aber verwaltung, schreibkram, rennerei, die hat sich verdreifacht. zeit für patienten? kaum.

aber hier wurde mit landesgeldern eine schönheitsklinik angesiedelt, tittenschnippeln, statt versorgung. DANKE:icon_eek:

grüße vom immer noch idealistischem frettchen
 
E

ExitUser

Gast
#3
Ich muss feststellen, dass mein Hausartzt seine Praxis immer öfter mal geschlossen hat. Ich denke ich muss mir bald einen neuen suchen...
 
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