Gesundheitsamt Wartezeit 12-15 Monate, Pflicht zum Hausarzt zu gehen?

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kryptoniac

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Hallo zusammen,

ich beziehe momentan ALG2. Bei der Antragsstellung habe ich angegeben, dass ich mindestens drei Stunden täglich arbeiten kann. Ich bin suchtkrank und war zu dem Zeitpunkt clean.

Als ich einen Monat im Leistungsbezug war, bin ich rückfällig geworden und seitdem stolperclean, heisst ein paar Wochen clean, ein paar Wochen rückfällig. Wenn ich rückfällig bin, bin ich generell nicht arbeitsfähig, weder drei Stunden, und schon gar nicht vollschichtig. Heute bin ich seit ein paar Wochen clean, und ich tue viel dafur, dass das so bleibt.

Bei den letzten Gesprächen hatte ich das Gefühl, für meine Suchterkrankung verurteilt zu werden; eine gewisse herablassende Grundhaltung habe ich deutlich wahrgenommen und mich sehr darüber geärgert.

Bei meinem letzten Termin bin ich daher aufgefordert worden, meine generelle Arbeitsunfähigkeit nachzuweisen, damit man mich ggfs in Richtung Sozialgeld "verschieben" kann. Da die Wartezeit bei der amtsärztlichen Untersuchung momentan bei uns 12-15 Monate dauert, hat mich mein Sachbearbeiter aufgefordert, mich selbst darum zu kümmern, eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bei meinen Ärzten zu besorgen, heisst Hausarzt u.o. Psychologe (ich bin auch wegen Depressionen in Behandlung).

Meine Frage: Bin ich tatsächlich dazu verpflichtet, oder kann ich auf eine amtsärztliche Untersuchung bestehen, Wartezeit hin oder her? Ich weiß, dass ich eine Mitwirkungspflicht habe, aber geht diese so weit, dass ich auch hier in die Pflicht genommen werde, wenn die Feststellung der Arbeitsunfähigkeit standardmäßig über den Amtsarzt läuft?

Normalerweise wäre das keine große Sache für mich, zumal ich die AUB sehr wahrscheinlich bekommen würde. Aber die herablassende Art meines SBs hat mich persönlich sehr geärgert, und ich spiele daher mit dem Gedanken, auf den Termin beim Amtsarzt zu warten. Das dort offensichtlich nicht genug Personal zur Verfügung steht um zeitnah einen Termin zu bekommen kann mir ja nicht zur Last gelegt werden, oder doch? Gibt es hier eine rechtliche Grundlage mit der ich argumentieren kann, oder bin ich verpflichtet, selbst die AUB einzuholen?

Eine Sache noch: Bei meinem letzten Termin habe ich vorschnell zugestimmt, dass ich mich darum kümmern werde, dies wurde in der Niederschrift auch festgehalten und unterschrieben. (Mir wurde erklärt dass ich ohne AUB als vollschichtig arbeitsfähig gelte. Über die Rechtsfolgen, wenn die AUB oder das Attest nicht bis zum xyz vorliegt bin ich belehrt worden)

Wie würdet Ihr in meiner Situation verfahren? Vielen Dank schonmal für alle Rückmeldungen.
 

Larsson

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Mit dem SB bespricht man grundsätzlich nicht seine gesundheitlichen Probleme, das geht den nix an. Wenn du arbeitsunfähig bist, dann musst du dich krankschreiben lassen. Wenn dein SB Zweifel daran hat, dann muss er dich zum äD schicken, wenn das halt so lange dauert, dann ist das nicht dein Problem.
Also lass dich einfach AU schreiben und fertig.
 

HermineL

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Du hast gesundheitliche Einschränkungen und deine Erwerbsfähigkeit ist bisher
nicht abschließend geklärt und du hast das JC darauf hingewiesen.

Somit hat das JC die Pflicht deine Erwerbsfähigkeit entsprechend nach § 44a SGB II
durch den ÄD der AFA feststellen zu lassen. Endgültig feststellen kann das aber nur
die DRV.

Es ist nicht deine Aufgabe dich um diese Feststellung zu kümmern sondern Sache
des Jokecenters. Auch ob es da Termine gibt oder nicht muss dich nicht jucken.
Das einzige was du machen musst ist bei der Feststellung mitzuwirken. Dies kannst
du zum Beispiel in dem du deine Befundberichte deiner Ärzte dem ÄD direkt
zur Verfügung stellst, dem ÄD gegenüber deinen Arzt von der Schweigepflicht
entbindest (freiwillig) und/oder dich zur Untersuchung beim ÄD einfindest.
Unterlagen immer nur direkt an den ÄD und nie an den SB geben.

Eine AU wäre zwar hilfreich ist aber nicht zwingend erforderlich. Sobald du angibst
das du gesundheitlich eingeschränkt bist hat das Jokecenter eine Amtsermittlungspflicht
und das Vorgehen ist dem Anhang zu entnehmen.

Näheres kann dein Jokecenter den fachlichen Weisungen der AFA entnehmen (Siehe Anhang).
 

Anhänge

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kryptoniac

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Wow, vielen Dank für die ausführlichen Rückmeldungen! Werde mir das mal alles in Ruhe am Wochenende durchlesen und im Anschluss auf eure Beiträge antworten.

Schönes Wochenende euch!
 

Kerstin_K

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Aber bitte arbeitsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit unterscheiden.

Arbeitsunfähigkeit ist ein vorübergehender Zustand. Für eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist tatsächlich Dein Arzt zuständig.

Zu Deiner Erwerbsfähigkeit kann und darf Dein Arzt keine Aussagen machen. Dafür istder äD des Jobcenters zuständig (Wenn das Jobcenter keinen eigenen äD hat, werden die Leute manchmal zum Gesundheitsamt geschickt.) und in letzter Instanz die DRV
 
G

Gelöschtes Mitglied 57503

Gast
Meine Meinung ist:
Ich finde es schon einmal sehr gut, dass du selbst "zugibst", dass du Suchtkrank bist.
Daher denke ich, wirst du mit der richtigen Hilfe es auch schaffen wieder clean zu werden, ohne Rückfällig zu werden.
Es ist ein langer und steiniger Weg (kann ich mir denken, habe aber selbst keine Erfahrungen in dem Thema).

Es gibt genug in deiner Situation die sagen: Ich habe kein Problem!

Das Jobcenter rauft nur die Hände und schwankt zwischen "der hat keinen Bock und erfindet ausreden" und "nicht schon wieder so einer" - das kann dir im Moment egal sein!
Der erste Schritt ist zum (hoffentlich guten) Hausarzt und dir beisteht und dich erst einmal "krank schreibt".
Das ist wichtig, dass das JC damit versteht, dass es hier um ein gesundheitliches Problem geht - das Amt ist ja kein Arzt.
In dieser Zeit kannst du dir weitere Hilfe suchen, wichtig ist, dass das Amt weiterhin durchgängig den "gelben Schein" erhält.
Irgendwann werden die dann von alleine den Ärztlichen Dienst ins Boot holen - könnte allerdings dauern, kostet ja Geld . . .
 
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