Gesetzlicher Mindestlohn, um dem Staat zu nützen?

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Martin Behrsing

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Von Rainer Roth – Das Prognos-Institut hat im Mai 2011 im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung eine Expertise mit dem Titel „Fiskalische Effekte eines gesetzlichen Mindestlohns“ herausgegeben. Sie ist die bisher einzige Forschungsarbeit, aus der sich Angaben über die Wirkung eines gesetzlichen Mindestlohns von zehn Euro brutto entnehmen lassen. Wer arbeitet für weniger als zehn Euro brutto? [...]


gesetzlicher mindestlohn, um dem staat zu nützen? » euro, mindestlohn, staat, millionen, lohnabhängigen, löhne » mindestlohn-10-euro.de
 

Ein Hartzianer

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Erstmal Danke für den Artikel.
Nur bin ich mir alles andere als sicher, ob
10€ Mindestlohn tatsächlich existenzsichernd sind.
Sehn wir uns die Preissteigerungen der letzten Monate an.
Da ja die Arbeitgeber durch die Bank nicht willens sind,
ihre Arbeiter anständig zu bezahlen, dürfte der Kaufkraftzuwachs
des Mindestlohns bald weg sein. An der Preisschraube wird sicher gedreht.
Außerdem kommt noch hinzu, daß (wie bei Leiharbeitern ja schon gängig)
grundsätzlich nur noch Mindestlohn bezahlt wird.
Also sollte der schon existenzsichernd sein.

Nur mal so als erster, unsortierter Gedankengang dazu. :icon_rolleyes:
 

olivera

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... Da ja die Arbeitgeber durch die Bank nicht willens sind, ihre Arbeiter anständig zu bezahlen, dürfte der Kaufkraftzuwachs
des Mindestlohns bald weg sein....

Dochdoch, "ihre" Angestellten schon -also diejenigen, die sich den jeweiligen Unternehmen offensichtlich mit Leib&Seele verschrieben haben:

Kuschelkurs der Arbeitgeber: Willkommen in der Bonus-Saison! - Recht und Gehalt - Beruf und Chance - FAZ.NET
Mitarbeiterbeteiligung: DIESE Konzerne sind am großzügigsten - Wirtschaft - Bild.de

Dass das alles weder nachhaltig ist, noch denen, die man arbeitgeberseits gerne als abgehängt, als industrielle Reservearmee unter Druck wissen möchte - Schwamm drüber: die 'Mittelschicht' wird jetzt mit € gestopft, auf dass sie nicht wg Grease&Co Angst um ebenjenen hat... und noch an der Selbstbedienung der 'Eliten' Zweifel hegt...
 

Gaona

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Mit einem gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde würde sich nicht nur die Einkommenssituation von fünf Millionen Menschen verbessern, auch der deutsche Staat könnte seine angespannte Haushaltslage mit über sieben Milliarden Euro entlasten. Dies zeigt eine Studie, die das Beratungs-und Forschungsunternehmen Prognos AG im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung erstellt hat. Dafür haben erstmals Wissenschaftler die Auswirkungen eines Mindestlohns auf die Haushalte von Bund, Ländern, Kommunen sowie der Sozialversicherungen berechnet. Demnach erhöht die Einführung einer gesetzlichen Lohnuntergrenze von 8,50 Euro die Erwerbseinkommen der privaten Haushalte um etwa 14,5 Milliarden Euro. Daraus resultieren zusätzliche Zahlungen von Einkommensteuer und Sozialbeiträgen in Höhe von jeweils 2,7 Milliarden Euro.
https://www.prognos.com/Detailansicht...4b1882c.0.html
 

Feind=Bild

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Kannst Du Dein Zitat bitte als Solches kennzeichnen und die Quelle angeben?
 

evelyn62

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Mit einem gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde würde sich nicht nur die Einkommenssituation von fünf Millionen Menschen verbessern, auch der deutsche Staat könnte seine angespannte Haushaltslage mit über sieben Milliarden Euro entlasten. Dies zeigt eine Studie, die das Beratungs-und Forschungsunternehmen Prognos AG im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung erstellt hat. Dafür haben erstmals Wissenschaftler die Auswirkungen eines Mindestlohns auf die Haushalte von Bund, Ländern, Kommunen sowie der Sozialversicherungen berechnet. Demnach erhöht die Einführung einer gesetzlichen Lohnuntergrenze von 8,50 Euro die Erwerbseinkommen der privaten Haushalte um etwa 14,5 Milliarden Euro. Daraus resultieren zusätzliche Zahlungen von Einkommensteuer und Sozialbeiträgen in Höhe von jeweils 2,7 Milliarden Euro.

Das ist doch genau die Crux. Die wollen das nicht. Die zahlen lieber aufstockendes Hartz 4 und subventionieren damit die Arbeitgeber. Damit haben sie Millionen Leute unter der Knute, denen sie angefangen vom Wohnort, dem Arbeitsplatz über die Ernährung bis zum Eingriff darin wieviel Kinder man haben darf und wie die erzogen werden alles aber auch alles vorschreiben darf.

Stellt euch vor, die Leute dürften wohnen und arbeiten wo sie wollen? Wo kämen wir denn da hin?

Und durch die ständige Kleinhaltung, Bevormundung, Gängelei und Sanktionierung verlieren die Leute ihr Selbstbewusstsein und verlernen, sich zu wehren und ihr leben selbst zu gestalten. Wie viel HE gehen denn wählen? Engagieren sich ehrenamtlich, nehmen Einfluss in Politik und Gesellschaft? Kaum einer.

Das ist es, was sie wollen.
 

Freakazoid

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Also natürlich kostet ein Mindestlohn Arbeitsplätze. Das steht außer frage. Die Frage ist aber, ob die Arbeitsplätze nicht sittenwidrig sind.

Der Punkt ist doch. Wollen wir Arbeit um zu Leben oder Arbeit um jeden Preis. Wenn es nur darum geht, Arbeit zu haben können wir auch 50 Cent Stundenlohn haben.

Wenn ich die Merkel höre. „Sozial ist, was Arbeit schafft“ kann ich auch sagen "Arbeit macht Frei".

Ich glaube deswegen gibt es auch den widerspruch von der Wertung zu Hartz 4. Sehe ich Arbeit um jeden Preis, ist Hartz 4 ein Erfolg. Sehe ich Arbeit von der man leben kann eben ein Flopp.

Ist nur eine frage der Definition. Wie ich etwas bewerte.

Also ich finde weniger Friseure besser, wenn die Restlichen davon gut leben können. Dann wird auch der lohn kein Problem sein. Wenn der Laden weniger billig Konkurrenz hat.

Ich mein das ist doch Persers, wenn die Pin AG sagt, kommt der Mindestlohn. Müssen sie zu machen. Heißt doch, die machen der Post mit Dumpinglöhnen Konkurrenz. Bis die Post auch Dumping zahlen muss. Bis wir eine Dumping Nation sind.

Dazu gehört aber noch etwas. Eine wichtige Erkenntnis. Wir brauchen eben nicht alle Menschen.

Wir haben durch die Industrialisierung einen Punkt erreich, wo wir nie mehr Vollbeschäftigung haben.

Und dann sind wir bei dem bedingungslosen Grundeinkommen.

Sei den wir, fangen mit Arbeit um jeden Preis an. Dann können wir die Leute auch als Zwangsarbeiter wieder aufs Feld schicken. Hautsache die haben was zu tun.
 

Texter50

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Also natürlich kostet ein Mindestlohn Arbeitsplätze. Das steht außer frage. Die Frage ist aber, ob die Arbeitsplätze nicht sittenwidrig sind.
Eben, es entfallen die Arbeitsplätze, die es nur Dank staatlicher Subvention gibt. Das sind auch für mich keine Arbeitsplätze. Die Frage ist sogar, warum schreitet Europa da nicht ein, wenn hier in dieser Form die Subventionen rausgehauen werden? :icon_kotz:

Ich glaube deswegen gibt es auch den widerspruch von der Wertung zu Hartz 4. Sehe ich Arbeit um jeden Preis, ist Hartz 4 ein Erfolg. Sehe ich Arbeit von der man leben kann eben ein Flopp. Ist nur eine frage der Definition. Wie ich etwas bewerte.
Oder sehe ich diese Arbeit nur als Arbeit an, um meine Statistiken zu beschönigen? Schaut doch toll aus, diese Deutschland? Was wirklich dahinter steckt, danach fragt wer? :icon_twisted:

Also ich finde weniger Friseure besser, wenn die Restlichen davon gut leben können. Dann wird auch der lohn kein Problem sein. Wenn der Laden weniger billig Konkurrenz hat.
Vor allem stimmen dann auch die Wettbewerbsbedingungen. Per Subvention des Billiglohns geht der viel gepriesene Wettbewerb doch wohl voll in die Hose? Wer anständig zahlt kann dann viele (auch staatliche) Aufträge nicht mehr bekommen? :icon_neutral:

Dazu gehört aber noch etwas. Eine wichtige Erkenntnis. Wir brauchen eben nicht alle Menschen.
Da man das nicht zugibt, schiebt man den ALG II Beziehern die Verantwortung dafür zu - es sind die Sündenböcke.

Sei den wir, fangen mit Arbeit um jeden Preis an. Dann können wir die Leute auch als Zwangsarbeiter wieder aufs Feld schicken. Hautsache die haben was zu tun.
Sind wir da nicht schon auf nem geradlinigen Weg? Wenn man sich fragen muss, ob man das Recht hat, seinen Arbeitsvertrag zu unterschreiben oder eben nicht, auch wenn der nicht den gesetzlichen Bestimmungen entspricht, dann finde ich, wir sind schon fast da angekommen.! :icon_twisted:
 

Freakazoid

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Sind wir da nicht schon auf nem geradlinigen Weg?

Jein.
Immerhin sieht sogar die CDU ein. Das es Mindestlöhne geben muss. Sie haben ja in einigen wenigen Bereichen einen beschlossen.

Also ganz blind ist die CDU auf dem Auge nicht.

Auch wenn wir uns wohl alle einige sind, wir einen Flächendeckenden Mindestlohn ohne Ausnahmen brauchen.

Und 8.50 sind nur der Anfang.
Man braucht 10 Euro um Grundsicherung im Alter zu bekommen.

Warum der Mindestlohn 18,50 Euro betragen müsste
29.07.2013: Warum der Mindestlohn 18,50 Euro betragen müsste (neues-deutschland.de)

Natürlich fallen dann die Kinnladen. Und nicht nur bei Politik. Weil auch wir müssten anerkennen das viele Sachen, viel zu billig sind.

Mein Beispiel ist ja immer ein Glas Saure Gurken.
Wie kann das Glas 80 Cent kosten?

Das geht eben nur mit Ausbeutung. Aber wehe die Preise steigen, dann schreien alle auf.

Und eines dafür habe ich auch keine Lösung. Und zwar was tun wir das die anderen billiger sind.

Wenn wir wirklich einen Anständigen Löhn hätten. Ob wie dann noch Arbeit im Land hätten?

Ok, man kann natürlich sagen. Die Produktion ist eh schon größtenteils ausgewandert. Wir Produzieren nur noch teure Güter.
 

pinguin

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@freakazoid
Ein allgemeiner Mindestlohn wird voraussichtlich mit allgemeinen Mindestpreisen einhergehen, die auch vom Handel nicht unterboten werden dürfen, wobei diese Mindestpreise an den Produktionsaufwand eines Erzeugnisses gekoppelt sind; als Erzeugnis betrachte ich hier allerdings nur das, was faßbar ist wie Brot, Bohrmaschinen etc., aber bspw. keine Fahrpreise, keine Versicherungen, keine Stromtarife.
 
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Das einzige was die Politik dazu gebracht hat einen Mindestlohn einzuführen war die Tatsache, das viele ausländische Fachkräfte wo anders hingehen als in Deutschland für so wenig Kohle zu schuften. Aber dieser Mindestlohn wird ja schon wieder unterlaufen. Das macht sich wiederum bei den ausländischen Arbeitnehmern negativ bemerkbar. Zudem sind einige Arbeitsbedingungen im
benachbarten Ausland besser als bei uns.

Aber wer Wind sät, wird Sturm ernten. Spätestens wenn die Geburten-Reichsten Jahrgänge der BRD in Rente gehen, wird Deutschland ein Land in dem die Altersarmut regiert.

Laut Studie der EU liegt in der BRD das Risiko im Alter zu verarmen bei 67 Prozent. Das ist etwa so, wie wenn man bei einen 6-schüssigen
Revolver 4 Kammern voll macht und damit russisches Roulett spielt.

Wir schimpfen auf die Griechen und Portugiesen, Spanier. Aber Deutschland ist in Zukunft dran. Das ist 100 Prozent sicher.
 
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Sogar Single-Aufstocker kommen mit 8,50/Stunde trotz Vollzeitjob nicht aus Hartz IV heraus, wenn sie in teuren Mietregionen wohnen - wie das IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit öffentlich einräumen musste: https://doku.iab.de/kurzber/2014/kb0714.pdf

Somit nützt der Mindestlohn auch diesbezüglich primär dem Staat - denn die ALG-II-Aufstockungsbeträge der Betroffenen sind dementsprechend geringer als vorher, weshalb die betreffenden Arbeitnehmer von ihrem höheren Erwerbseinkommen unterm Strich fast keinen Gewinn übrig behalten (für Unkundige: Bis zu einem Monats-Bruttoverdienst von 1.000,00 EUR werden 80 %, vom darüber hinausgehenden Bruttoverdienst sogar 90 % aufs ALG II angerechnet).
 
J

JoaIchBins

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Was die ZAF betrifft hilft der Mindestlohn auch nicht.
Soviel ich aus Erfahrung weiß gibt es dort meistens nur Verträge zu 135 Stunden.
Ich bin es gewohnt 160 -200 Stunden zu arbeiten ABER die wollen ja bei ihren Abgaben des Arbeitgeberanteils immer die günstigste Klasse nehmen.

Es gibt aber auch Vorteile! An einer Tankstelle(Shell) wo ich mal gearbeitet habe wurden mittlerweile einige Aushilfe durch Vollzeitbeschäftigte ersetzt. Am Ende kommt es dem Arbeitgeber günstiger.

Muss ich erwähnen: Bei der Shell habe ich in reiner Nachtschicht lediglich 1400 Brutto bekommen und das ist ganz schön mies. Als ich dann nach 8 Monaten, ohne einen Tag zu spät zu kommen, 1700 Brutto forderte wurde mir klar gemacht das die Grenze bei 1500 Brutto liegt... Motivation ging flöten und der Job dann auch nach wenigen Monaten.
Aber der Chef besitzt 4 Autos, 1 Wohnwagen, riesiges Haus mit Swimmingpool und Fitnessraum. Die Frau sagte einmal zu einem Kunden, auf die Frage wo denn das kleine Auto von ihr wäre, "ach das ist auf dem Anhänger vom Wohnmobil nur für den Urlaub" tzzzzz

8,50€ ist heute auch zu wenig doch lieber gehe ich für 8,50€ bei einem Freund und seiner Firma arbeiten als für eine ZAF. Als Verdi Mitglied verstehe ich heute noch nicht warum sie solch einen Mindestlohn zustimmten. Vielleicht liegt es daran das sie erst mal einen gesetzlichen Mindestlohn durchbringen wollten um später die Erhöhung zu erstreiken oder sie sind ebenfalls von Lobbyisten durchsetzt.
 

snP1

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Wir sollten uns in Sachen Mindestlohn mal Amerika zum Vorbild nehmen.

Seattle hat kürzlich einen neuen Mindestlohn von 15$ pro Stunde beschlossen. Gemessen an der Produktivität der Arbeitnehmer in Deutschland wären 15€ sicherlich auch angemessen. Und die Mär der Mindestlohn koste Millionen Arbeitsplätze ist bisher auch nicht eingetreten.


Zum Nachlesen:

Inzwischen ist Seattle auch die Stadt mit dem höchsten Mindestlohn in den USA: 15 Dollar in der Stunde, verglichen mit 8,75 in New York und 7,25 Dollar in Idaho. Das Beispiel macht Schule. Inzwischen haben Gewerkschaften und linke Gruppen eine Kampagne für die 15 Dollar in den gesamten USA gestartet.

15 Dollar Mindestlohn in Seattle - Wirtschaft - Süddeutsche.de
 
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