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Gesellschaftsklassen - Klassengesellschaft ?

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a f a

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#1
Die Reichen werden reicher in Deutschland, und die Armen werden ärmer. So melden es die Statistiker von Jahr zu Jahr aufs Neue. Tatsächlich ist der Abstand zwischen oben und unten größer als je zuvor. Nach Berechnung des Statistischen Bundesamtes beziehen die wohlhabendsten zehn Prozent der Bevölkerung inzwischen 33 Prozent des gesamten Einkommens, die unteren zehn Prozent müssen sich mit 3 Prozent begnügen.
Politiker und Wissenschaftler reagieren auf solche Zahlen mit so hässlichen Wörtern wie »Klassengesellschaft« und »Unterschicht«. Wenn die Journalisten sie nach Ursachen fragen, suchen sie die Antwort meist im Berliner Regierungsbezirk oder in China. Sie nennen Dinge wie Hartz IV, die fehlenden Mindestlöhne oder die Billigkonkurrenz aus Fernost. Nur an einem Ort suchen sie fast nie: zu Hause bei den Bürgern. Dabei fallen dort, wo sich die Leute scheinbar rein private Gedanken über ihr Leben machen, Entscheidungen, die das Land verändern.
Mehr in der Zeit:

http://www.zeit.de/2007/35/Aufsteiger?page=1


Gruss
Norbert

alles für alle
 

Debra

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#2
"Von Meysenbug läuft durch die Moltkestraße, die Wrangelstraße, die Roonstraße, die Kottwitzstraße, die Gneisenaustraße, die Mansteinstraße. Sechs Straßen im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel, die drei Dinge gemeinsam haben: Sie wurden alle nach preußischen Generälen benannt; sie sind mit herrschaftlichen Mehrfamilienhäusern bebaut; sie waren für Immobilienmakler bis vor zehn, zwanzig Jahren ziemlich uninteressant. »Früher lebten hier viele Arbeiter und Ausländer, die Häuser waren heruntergekommen, und am Rande des Viertels standen überall Dönerbuden«, sagt von Meysenbug. Er sagt es ganz sachlich, ohne die Stimme zu heben, so wie ein Analyst über Börsenkurse spricht. Und so ähnlich sieht er die Sache ja auch.
Von Meysenbug geht vorbei an glänzenden Fassaden in Pastelltönen, er lobt den Jugendstil, den alten Baumbestand, die Linden, Eichen und Buchen, vor einem Baugerüst bleibt er stehen. Es reicht vom Boden bis zum Dach. Wer keine Ahnung hat, sieht es und denkt: Ein schlechtes Zeichen, das Haus ist baufällig. Von Meysenbug sagt: »Gerüste bedeuten, dass das Haus verschönert wird.« Und das bedeutet: Wertsteigerung. Die Wohnungen werden saniert, dann werden sie verkauft, am Ende leben in dem Viertel andere Leute. Die Ausländer ziehen weg, die Dönerbuden schließen, Galerien und Weingeschäfte ziehen ein. So war das in den vergangenen Jahren im Generalsviertel."

Das ist alles dummes Zeug. Ich hab 18 Jahre in Eimsbüttel gewohnt. Dönerbuden haben sich erst seit ca. 7 Jahren dort ausgebreitet. Eimsbüttel war immer eine gesunde Mischung aus alten und jungen echten Hamburger Arbeitern, Studenten, Akademikern, Künstlern, Kleinstgewerbetreibenden, Lebenskünstlern und ein gesundes Maß an Ausländern. Die Häuser sind so alt, dass fast jedes Jahr eins renoviert werden muss. Es war vor 18 Jahren schon sehr schwierig, eine Wohnung dort zu bekommen, da es ein beliebter Stadtteil ist. Heute sind die Mieten astronomisch hoch. Auf den Straßen trifft man aber Leute aller Coleur und die meisten - auch in den Geschäften - sind sehr nett und tolerant. Früher gab es dort noch kleine Läden von alteingesessenen Hamburgern, jeder kannte jeden, Fischgeschäfte etc. Heute - jeder dritte Laden ist eine Döner-Bude.
Ich bin dort weggezogen, weil mein Vermieter es in 18 Jahren nicht geschafft hat, wenigstens einmal die Außenfassade oder das Treppenhaus zu streichen. :frown:

Auch mit den Namen für die Kids: wirklich konservative Familien haben ihren Kindern schon immer altmodische deutsche Namen gegeben wie Leopold, Gottfried, Karl Eduard, Ferdinand - während alle anderen Thomas, Jürgen oder Klaus hießen.
 

druide65

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#3
Ein Gedanke tröstet mich immer.....die ganzen neoliberalen Bonzen können ihre Kohle nicht mit ins Grab nehmen

Im Angesicht des Todes werden sie genau so wimmern wie diejenigen die von denen das ganze Leben geknechtet wurden....
 
E

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#4
Im Angesicht des Todes werden sie genau so wimmern wie diejenigen die von denen das ganze Leben geknechtet wurden....
Werden aber wegen ihrer Kohle wohl länger leben als z.B. ein Hartz-IV-Empfänger.

Außerdem lebt es sich vor dem Tode mit so viel Kohle wesentlich besser als mit so wenig wie wir haben.
 

a f a

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#5
Reiche in GB

:icon_hihi:Da werden sogar Job`s geschaffen:

Die Nachfrage nach Luxusgütern ist hoch wie nie - und trifft die High Society mit voller Wucht.

So müssen Topverdiener mittlerweile fünf Jahre auf einen neuen Rolls-Royce warten. Auch die Crewmitglieder für Luxusyachten werden knapp. Weltweit sind bis jetzt 688 Großyachten ab rund 25 Metern vom Stapel gelaufen – dieses Jahr sollen 250 dazu kommen.

Selbst die berühmten britischen Butler sind mittlerweile Mangelware, die Butlerschulen kommen mit dem Ausbilden kaum noch hinterher. "Seit so viele Millionäre in London leben, ist die Nachfrage nach Butlern hier deutlich gestiegen", sagte Ivor Spencer, Inhaber einer der renommiertesten Butlerschulen des Landes, erst kürzlich der SZ.
http://www.sueddeutsche.de/,tt5m2/finanzen/artikel/240/130016/

Gruss
Norbert

Freiheit statt Kapitalismus
 

Debra

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#6
In Eimsbüttel haben auch der Drummer von Trio (falls die noch jemand kennt), Einstürzende Neubauten und Abwärts gewohnt. Neben vielen anderen unbekannteren Musikern.
Was auffiel in den letzten Jahren ist, dass viele neue Läden kommen und auch wieder schließen. Die gesamte Osterstraße soll eine Art 3. Amüsiermeile in Hamburg werden. Ein Restaurant, Laden nach dem anderen, viele Cafés. Inzwischen sind dort 4 Dönerläden, einer z.B. direkt neben einem alteingesessen (weltbester *gg*) Imbiss, der ja im Prinzip - außer Döner - dieselben Produkte verkauft. Früher gab es dort günstig deutsche Hausmannskosts mittags - das war eine Schlachterei.
Dazu kommt noch das jährliche Osterstraßenfest sowie eben viele Veranstaltungen wie Methfesselfest. Im Sommer werden die Häuser ständig eingerüstet und verschönert, also jede Menge Krach tagsüber. Von Parkplätzen kann man auch nur träumen dort.
Also der Krach dort und die vielen Leute, die dort von überall her hinkommen, einfach um in die Kneipen oder Restaurants zu gehen, war für mich nicht mehr zum Aushalten. :icon_stop: Trotzdem fahre ich noch gern zum Einkaufen oder Spazierengehen dahin. Das Straßenbild hat sich aber schon gewandelt - aber nicht nur in Eimsbüttel sondern generell in der ganzen Stadt. Es sind immer mehr Schlipsträger im Anzug und mit'ner Laptop-Tasche unterwegs. Dann denk ich immer: Schon wieder nen Anwalt... Private Equity? Gesellschafts- oder Wettbewerbsrecht? :icon_hihi:

Ja, eigentlich kannste die Gesellschaft schon einteilen: die, die normal angezogen sind, also Jeans und die anderen, die im Anzug herumlaufen.
 

theota

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#7
Werden aber wegen ihrer Kohle wohl länger leben als z.B. ein Hartz-IV-Empfänger.

Außerdem lebt es sich vor dem Tode mit so viel Kohle wesentlich besser als mit so wenig wie wir haben.
im Prinzip hast du natürlich recht, nur: ich weiß nicht, ob Geld (allein) wirklich glücklich macht

ok, auch ich habe mir für meinen Sohn und mich ein "besseres" Leben gewünscht, genauer gesagt, vor allem für ihn, das stimmt mich natürlich schon manchmal traurig

"Glück im Unglück" hat er keine anderen Zeiten erlebt bisher, will sagen "er kennt es nicht anders" und ich versuche alles, um ihn da so gut es geht rauszuhalten, bzw. zum Glück ist er nicht der Einzige in seinem Alter, der z.B. ohne Vater aufwächst

nach gewissen Verhaltensauffälligkeiten bedingt durch Schulwechsel letztes Jahr (auch Hartz-IV-Folge) und anschließender Gesprächstherapie für "Trennungs"kinder kam aber nichts Gravierendes heraus und es läuft im Moment auch wieder ganz zufriedenstellend, von den "üblichen" Machtspielchen eines Heranwachsenden mal abgesehen... :icon_mrgreen:

aber wichtig ist doch vor allem auch, was man draus macht, oder?

und was die "da oben" sich an besserer medizinischer Versorgung leisten können mögen, wird ja von einem Teil dieser Bevölkerungsschicht wieder großzügig durch ungesunden Lebenswandel des anderen Extrems zunichte gemacht, so what?

ich für mein Teil habe gemerkt, daß ich mit dem bisher Erreichten ganz zufrieden sein kann und diese innere Einstellung sich sehr positiv auf meine Gesundheit auswirkt

von den Zeiten der EEJ's mal abgesehen bin ich seltener und weniger gravierend krank als zu Zeiten der Berufstätigkeit

wenn auch ohne Moos nix geht, so sollte man sich doch immer öfter bewußt machen, daß es eigentlich die anderen Dinge im Leben sind, die dieses lebenswert machen

in diesem Sinne...
 
E

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#8
ich für mein Teil habe gemerkt, daß ich mit dem bisher Erreichten ganz zufrieden sein kann und diese innere Einstellung sich sehr positiv auf meine Gesundheit auswirkt
Hallo theota,

offenbar hast Du noch nichts wirklich schlimmes mit der Arge erlebt (z.B. einen Zwangsumzug oder Kürzung der KdU, obwohl Du nachgewiesen hast, dass Du Dich intensivst um Wohnungen bemüht hast und sowohl der erste als auch der zweite eingeschaltete Anwalt sind ein Griff ins Klo usw.). Ich schwör Dir, dann bist Du nicht mehr so wirklich zufrieden ...

wenn auch ohne Moos nix geht, so sollte man sich doch immer öfter bewußt machen, daß es eigentlich die anderen Dinge im Leben sind, die dieses lebenswert machen
Hast ja Recht, nur: diese anderen Dinge werden durch die Umgangsweise mit Armen, Kranken, Schwachen stark beeinträchtigt. Wohl dem, der noch Energie und Zähne hat, sich zu wehren.
 

theota

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#9
Hallo theota,

offenbar hast Du noch nichts wirklich schlimmes mit der Arge erlebt (z.B. einen Zwangsumzug oder Kürzung der KdU, obwohl Du nachgewiesen hast, dass Du Dich intensivst um Wohnungen bemüht hast und sowohl der erste als auch der zweite eingeschaltete Anwalt sind ein Griff ins Klo usw.). Ich schwör Dir, dann bist Du nicht mehr so wirklich zufrieden ...
schön wär's!, dem ist leider NICHT so - um's kurz zu machen, wenn es dich interessiert, kannst du hier gern mal nachlesen (ist zu viel, um alles zu wiederholen und haben keinen Bock, wegen "off-topic" hier nen Eintrag zu finden, würde diesen Thread sprengen *g*):

http://www.elo-forum.org/hartz-iv-beziehen-und-spanien-leben-t14695.html?p=139050#post139050

http://www.elo-forum.org/geld-von-verwandten-leihen-t4612.html?p=139705#post139705

http://www.elo-forum.org/nach-geset...ge-vorzulegen-t11925.html?p=112074#post112074

http://www.elo-forum.org/hilfe-verw...anktionsgrund-t14026.html?p=132124#post132124

http://www.elo-forum.org/mal-wieder-klassenfahrt-t11387.html

http://www.elo-forum.org/essensgeld...a-uebernommen-t14656.html?p=138451#post138451

http://www.elo-forum.org/tagesmuetter-warten-zu-lange-auf-entlohnung-t15023.html?p=141998#post141998

ich habe lediglich das Glück, hier vor Ort eine Anlaufstelle zu haben, die mir bei Behördengängen zur Seite steht...

:icon_wink:
 

a f a

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#10
Die Menschen der Unterschicht dagegen haben ihre politische Vertretung verloren. In den westlichen Ländern gibt es keine Unterklassen mehr, wenn darunter ein kollektives Subjekt mit historischem Selbst- und Selbstbildungsbewusstsein verstanden werden soll, vergleichbar etwa der Arbeiterklasse in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Klassenbewusstsein ist heute eine Sache der Oberschicht, die sich im Inneren nach Familienzugehörigkeiten strukturiert und nach außen als offene Leistungselite rechtfertigt, die sie gerade nicht ist, weder was die Offenheit noch was die Leistung angeht.
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14.mondeText1.artikel,a0035.idx,4

Gruss
Norbert

Her mit dem schönen Leben
 
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