Gekündigt wegen Corona. Muss ich Kündigungsschutzklage einreichen?

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frankfurterin

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Hallo,

ich wurde völlig überraschend in der Probezeit entlassen. Brief datiert vom 18.03., erhalten am 20.03., Kündigung zum 01.04. Ich bin in der Probezeit, also zwei Wochen Kündigungsfrist. Kein Grund genannt, aber es wurde mir gesagt, dass man versucht den Betrieb (Sportbranche) zu retten. Nachvollziehbar. Andere Vereine sind ja bereits in Kurzarbeit oder haben ihre Leute heimgeschickt.

Ich habe sehr viel recherchiert und online gelesen, dass die AfA unter Umständen erwartet, dass ich Klage einreiche, wenn ein Formfehler vorliegt. In meinen Augen liegt einer vor, denn ab Zugang des Schreibens sind es keine zwei Wochen mehr bis zum Vertragsende. Oder liege ich hier falsch? Ich möchte vermeiden eine Sperre zu erhalten, nur weil ich nicht gehandelt habe.

DAnke.
 

frankfurterin

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Nein. Er ist 100 km entfernt (5 Stunden Bus/Bahn täglich oder 3-3,5 Stunden im Auto weswegen ich eine Zweitwohnung hatte - ich habe mich in den letzten Monaten finanziell völlig zerstört..) und ich wäre eh gegangen, sobald ich eine Alternative gehabt hätte. Ich hätte aber nicht ohne neue Arbeitsstelle gekündigt.
 

abcabc

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Dann melde dich heute noch per Fax mit qualifiziertem Sendebericht bei der AfA. Nur so kannst du beweisen, dass du dich rechtzeitig gemeldet hast und eine Sperre vermeiden. Schonmal formlos ALG I beantragen und um die Zusendung der Antragsformulare bitten (außer du willst den Online Mist machen).....

Die AfA muss dich auffordern zur Klage, sofern sie es will. Als kleiner einfacher Arbeitnehmer kann man nicht von dir verlangen Formfehler zu erkennen.
Kam die Kündigung eigentlich nachweisbar per Einschreiben/persönlich eingeworfen/abgegeben oder 0815 Briefpost?
 

frankfurterin

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Ich habe mich direkt am Freitag online arbeitssuchend gemeldet. Da ich gerade erst arbeitslos war waren meine Daten eh alle noch gespeichert. Arbeitsbescheinigung habe ich auch schon.

Die Kündigung kam per normaler Briefpost. Da aber alles schon in die Wege geleitet wurde und ich morgen früh den Schlüssel abgeben werde, fänd ich es nun albern so zu tun, als hätte ich sie nicht erhalten.

Aber das beantwortet meine Frage. Ich will nur keinen Nachteil haben, weil ich NICHT direkt handele. Ich dachte nämlich eigentlich, dass es in der Probezeit eh sinnlos ist, gegen etwas vorzugehen.
 

vidar

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Ich möchte vermeiden eine Sperre zu erhalten, nur weil ich nicht gehandelt habe.
Innerhalb der Probezeit kann dir jederzeit innerhalb der vereinbarten Kündigungsfrist gekündigt werden. Der Arbeitgeber ist hier aber nicht verpflichtet, die Kündigung auch noch begründen zu müssen.

Da du nicht selbst, sondern der Arbeitgeber dich innerhalb der Probezeit gekündigt hat, wirst du diesbezüglich mit keine Probleme durch das JC rechnen müssen.

Eine Kündigungsschutzklage kannst du übrigens erst dann einreichen, wenn du länger als 6 Monate beschäftigt gewesen bist. Erst dann greift nämlich das Kündigungsschutzgesetz.
.
 
Zuletzt bearbeitet:

Kerstin_K

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Eine Kündigungsschutzklage kannst du übrigends erst dann einreichen, wenn du länger als 6 Monate beschäftigt gewesen bist. Erst dann greift nämlich das Kündigungsschutzgesetz.
Sehe ich anders. Hier wure die Kündigungsfrist innerhalb der Probezeit nicht eingehalten. Dagegen muss man doch klagen können?
 

frankfurterin

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Sehe ich anders. Hier wure die Kündigungsfrist innerhalb der Probezeit nicht eingehalten. Dagegen muss man doch klagen können?

Genau darum geht es mir.

Ist halt die Frage, ob mir die AfA einen Strick draus dreht, wenn ich es nicht tue. Naja, ich habe online alles übermittelt, sie sehen da auch das Datum, sie sehen, wann der Brief bei mir ankam. Ich halte es eben auch nicht für normales Wissen, dass man theoretisch klagen KÖNNTE. Ich weiß, wieder mal mache ich mir zu viele Gedanken.
Ich möchte halt gerade einfach Kosten und Ärger vermeiden. Die Situation ist schon sch* genug.
 

vidar

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Sehe ich anders. Hier wure die Kündigungsfrist innerhalb der Probezeit nicht eingehalten. Dagegen muss man doch klagen können?
Ohne genaue Kenntnis des Wortlauts der Kündigung ist es schwer dies zu beurteilen. Dass die 14 Kalendertage eingehalten werden müssen, steht außer Frage. Es könnte aber auch schriftlich fixiert sein, dass hilfsweise ein anderer Kalendertag zum tragen kommt, falls der Kündigungstermin strittig sein sollte. Der Arbeitgeber hat übrigens sogar die Möglichkeit selbst am letzten Probearbeitstag eine Kündigung unter Einhaltung der Frist aussprechen zu können.

Im Grunde genommen hat, selbst wenn die jetzige Kündigung nicht fristgerecht sein sollte, der Arbeitgeber immer noch die Möglichkeit eine korrigierte Kündigung auszusprechen, sofern der Probezeitraum noch gegeben sein sollte. Inwieweit es sich in diesem vorgegeben Fall jetzt noch lohnt eine erfolgreiche Kündigungsschutzklage einzureichen, möchte ich bezweifeln.
.
 

avrschmitz

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dass die AfA unter Umständen erwartet, dass ich Klage einreiche, wenn ein Formfehler vorliegt.
Ich bin kein Jurist, aber gefühlsmäßig sag ich mal, dass Dich keiner zu einer Klage zwingen kann. Denn Du würdest das Kostenrisiko tragen. Vor dem Arbeitsgericht entstehen zwar keine Gerichtskosten, aber Deinen Anwalt musst Du selbst bezahlen. Nicht jeder ist juristisch so bewandert, dass er es ohne Anwalt machen kann.
 

avalanche

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Ich dachte nämlich eigentlich, dass es in der Probezeit eh sinnlos ist, gegen etwas vorzugehen.
Sinnlos wohl nicht, aber der Streitwert ist höchst überschaubar.
Hier wäre strittig, ob die Kündigungsfrist am Di, den 31.03. oder am Fr, den 03.04. endet, mithin sind also drei Tage strittig,
wobei vermutlich noch zu klären wäre, ob Lohn vergütet wird oder Kurzarbeitergeld, so dieses beantragt wurde.

Vermutlich ist es das einfachste, sich ab Montag (eventuell fortgesetzt) für zwei Wochen AU schreiben zu lassen,
um die Vergütung für die Kündigungsfrist abzudecken. Wäre aus meiner Sicht das einfachste.

SG ave
 

frankfurterin

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Woran sehen sie das?

Das muss man im Portal alles eintippen! Datum auf dem Brief, Datum wann der Brief eingegangen ist, dazu Kopie des Briefs hochladen.


Ich bin ab sofort freigestellt. Erhalte also für die 10 Tage noch normal mein Gehalt. Aber arbeiten würden wir gerade eh nicht. Die Branche ist ja gerade "tot".


Gut, es hatte ja jemand hier geschrieben, dass mich ggfs. die AfA auffordert, tätig zu werden. Ich habe dafür ja eh nur drei Wochen Zeit. Ich warte dann mal ab, ob die sich zeitnah schriftlich dazu melden.
 

Kerstin_K

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Drei Wochen it normal schon Sportlich für de AfA und im Moment dürften sie nicht gerade schneller sein. Velleicht verpennen sie einfach die Frist.
 
G

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Kündigung zum 01.04. Ich bin in der Probezeit, also zwei Wochen Kündigungsfrist.
Steht in der Kündigung eventuell - wenn diese nicht rechtskonform ist, das die Rechtskonforme ersatzweise zum tragen kommt?
Welche Kündigungsfrist ist denn vertraglich nach der Probezeit festgelegt?

Die Kündigung ist aufgrund der nicht eingehaltenen Kündigungfrist nicht rechtskonform.
Hier müsste nachfolgend der Arbeitgeber eine rechtskonforme Kündigung aussprechen/schriftlich aber auch nur wenn du gegen die Kündigung
angehst. Das kann man erstmal schriftlich dem AG mitteilen (mit Frist 1 Woche/ per Einschreiben). Wenn er darauf nicht in angemessener Zeit reagiert, den Weg zum Arbeitsgericht gehen.
Grundsätzlich haste dadurch die Möglichkeit (kommt auf die Kündigungsfrist nach der Probezeit an) noch eine Zeit Gehalt zu bekommen.
Die AG wird dir sowieso kündigen und ich würde auf die Einhaltung einer vertraglich festgelegten Kündigungsfrist bestehen.

Es ist ziemlich unschön von deinem AG ein unternehmerisches Risiko auf den AN abzuwälzen, unbenommen davon, das Du dort sowieso nicht bleiben wolltest. Hol dir zumindest noch das Gehalt, welches sie bis zur fristgerechten Kündigung zahlen müssen.
 

abcabc

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Dann hätte man von Anfang an anders vorgehen müssen um das finanzielle Maximum rauszuholen.....
Die Kündigung komplett ignorieren. Das Gehalt wäre Anfang April noch ganz normal aufm Konto angekommen.
Im Mai dann "plötzlich merken", dass kein Geld gekommen ist und den AG unverzüglich zur Zahlung auffordern per Fax mit qualifiziertem Sendebericht (man weiß NIX von der Kündigung!). Dann wäre evtl. sogar die Probezeit rum. Zumindest wären so 6 Wochen Gehalt mit minimalstem Aufwand nochmal rausgeholt.....


Wenn der AG unfair war und mich schlecht behandelt hätte, hätte ich es mit dem allerbesten Gewissen so gemacht. Bei einem fairen Chef und angenehmem Arbeitsklima hätte ich Kündigung wahrscheinlich akzeptiert wie frankfurterin....
 
G

Gelöschtes Mitglied 49359

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Im Mai dann "plötzlich merken", dass kein Geld gekommen ist
merkste was - die TE müsste dann auch im Mai zur Arbeit gehen, wenn sie wie Du beschrieben, die Kündigung ignoriert hätte.
AG hätte sie dann darauf hingewiesen und das wäre sicher bereits am 2. Mai erfolgt.

Die TE ist jetzt am Zug. Handelt sie oder nicht. Ich würde es tun, denn dann gibt es auch keinen Konflikt ggfs. mit der Arbeitsagentur.
 

abcabc

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merkste was - die TE müsste dann auch im Mai zur Arbeit gehen, wenn sie wie Du beschrieben, die Kündigung ignoriert hätte.
Sie wurde wegen Corona bis auf weiteres nach Hause geschickt --> hätte also für den Monat geklappt. Sie hätte geglaubt, dass sie wegen Corona nicht zur Arbeit kommen soll (Fitnesstudio) und der AG hätte geglaubt sie sei gekündigt..... Alle anderen Mitarbeiter sind ja auch wegen Corona zu Hause....
 

frankfurterin

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Fußball. Nicht Fitness. Ich wurde nicht bis auf Weiteres heimgeschickt, sondern nur eine Woche, also vergangene Woche. Heute wären wir eh zur Arbeit gegangen oder hätten neue Infos erhalten. Ich denke nicht, dass ich das dauerhaft nicht erfahren hätte. Ich wurde am Freitag auch von der Assistentin des GF angerufen und mir wurde gesagt, dass ich ab sofort freigestellt bin und keine AU benötige.

Mir ist leider ein Fehler unterlaufen. Da steht "ordentlich zum 01.04. - hilfsweise zum nächstmöglichen Termin". Damit ist das mit der nicht eingehaltenen Frist eh erledigt, oder? Wenn ich was dagegen sage, dann gilt die Kündigung halt zum 03.04. und ich erhalten noch Geld für drei Tage. Oder sehe ich das falsch?


Edit:
Dann hätte man von Anfang an anders vorgehen müssen um das finanzielle Maximum rauszuholen.....
Die Kündigung komplett ignorieren. Das Gehalt wäre Anfang April noch ganz normal aufm Konto angekommen.
Im Mai dann "plötzlich merken", dass kein Geld gekommen ist und den AG unverzüglich zur Zahlung auffordern per Fax mit qualifiziertem Sendebericht (man weiß NIX von der Kündigung!). Dann wäre evtl. sogar die Probezeit rum. Zumindest wären so 6 Wochen Gehalt mit minimalstem Aufwand nochmal rausgeholt.....


Wenn der AG unfair war und mich schlecht behandelt hätte, hätte ich es mit dem allerbesten Gewissen so gemacht. Bei einem fairen Chef und angenehmem Arbeitsklima hätte ich Kündigung wahrscheinlich akzeptiert wie frankfurterin....

Die Probezeit geht noch bis Ende Mai. Ansonsten nochmal wie oben erwähnt, hätte man mich eh wegen dieser Woche kontaktiert, also hätte ich die Info spätestens dann erhalten.

Der AG war sehr fair, aber das hier enttäuscht mich menschlich! Ich wollte da nur weg, weil es für mich einfach zu weit war und ich nicht mehr bereit bin, meinen Lebensmittelpunkt erneut zu verlagern und bei Null anzufangen. Im Nachhinein bin ich aber auch froh, dass ich nicht direkt alles aufgegeben habe.
 

avalanche

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Ich wurde am Freitag auch von der Assistentin des GF angerufen und mir wurde gesagt, dass ich ab sofort freigestellt bin und keine AU benötige.
Unwiderruflich freigestellt nehme ich an.
Dann wird die Kündigungsfrist als Arbeitszeit vergütet und mit Urlaubs- und Arbeitszeitkonten Ansprüchen aufgerechnet, fürchte ich.
Bei AU wird ebenfalls die Arbeitszeit vergütet, Urlaub und Arbeitszeitkonto so vorhanden gibt es dann on top, meine ich.

Bezüglich der Kündigungsfrist (bis zum 03.04.) ließe sich natürlich Klage einreichen, wenn nur bis zum 31.03. abgerechnet wird,
allerdings nicht wegen Kündigungsschutz, sondern wegen nicht Einhaltens der Kündigungsfrist.
Das sieht man allerdings erst nach der letzten Lohnabrechnung, einen Hinweis liefert hier auch die bereits vorliegende Arbeitsbescheinigung.

SG ave
 

frankfurterin

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Die Arbeitsbescheinigung ging direkt an die AfA. Das dauert nach meiner Erfahrung einige Zeit, bis ich sie dann von denen erhalte. Aber ich habe gerade mal gefragt, ob man sie mir mailen kann.

Ich habe gerade finanziell nicht die Möglichkeit, mir einen Anwalt zu nehmen. Das würde wohl mehr kosten, als mir zwei Tage Gehalt noch bringen. Die letzte Abrechnung erhalte ich wohl erst im April.
 

avalanche

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Hallo @frankfurterin,

wenn du magst, kannst du hierfür den §312 SGB III direkt in Bezug nehmen:

§312 Abs I Satz 1 SGB III meinte:
Der Arbeitgeber hat auf Verlangen der ArbeitnehmerIn (...) alle Tatsachen zu bescheinigen,
die für die Entscheidung über den Anspruch auf Arbeitslosengeld oder Übergangsgeld erheblich sein können (Arbeitsbescheinigung);
(...)
Die Arbeitsbescheinigung ist der ArbeitnehmerIn (...) vom Arbeitgeber auszuhändigen.




Ich habe gerade finanziell nicht die Möglichkeit, mir einen Anwalt zu nehmen. Das würde wohl mehr kosten, als mir zwei Tage Gehalt noch bringen
Wenn frau bis zum 03.04. AU geschrieben ist, ist der Arbeitgeber bis zum 31.03. zur Lohnfortzahlung verpflichtet, danach würde die Krankenkasse Krankengeld bis 03.04. zahlen und sich die Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber holen, indem sich die Krankenkasse diesen Anspruch gemäß §115 SGB X von dir übertragen lässt, war zumindest bei mir so (hier, Beitrag #23).


SG ave
 
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