Gedanken zur Krise in Europa

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Gelöschtes Mitglied 41016

Gast
Gedanken zur Krise in Europa
(möge man sie nun Euro-, Schulden-, Banken-, oder Sonstwie-Krise nennen, m.M.n. sind das eh alles nur verschiedene Sichtweisen auf die selbe Sache)

Erstmal zur Erinnerung die grobe Funktionsweise des Wechselkurssystems:
Ist ein Land wirtschaftlich stark, wertet die Währung auf, ist ein Land wirtschaftlich schwach, wertet die Währung ab.
Solange es in Europa nationale Währungen gab, hat das meiner Einschätzung nach auch ganz passabel funktioniert.

Das System der Wechselkurse funktioniert global weiterhin, nur innerhalb Europas wurde es durch die Euro-Einführung abgeschafft. Der Euro-Raum gilt in Sachen Wechselkurs als EIN Wirtschaftsraum.
Wäre die Wirtschaftskraft der Euro-Staaten vergleichbar, wäre das auch kein Problem.
Das Problem erwächst daraus, dass die Wirtschaftskraft der Euro-Staaten eben nicht vergleichbar ist.

Aufgrund der wirtschaftlichen Stärke und der hohen Exportüberschüsse Deutschlands müsste der Wechselkurs des Euro eigentlich stark aufwerten (Aufwertungsdruck), aufgrund der wirtschaftlichen Probleme von Griechenland und anderen wiederum müsste der Euro drastisch abwerten (Abwertungsdruck). Da aber alle die gleiche Währung haben, gleichen sich der (deutsche) Aufwertungs- und der (griechische, portugiesische usw.) Abwertungsdruck gegenseitig weitestgehend aus, unterm Strich bleibt es im Wesentlichen wie es ist.

Die deutschen Exportüberschüsse können also immer weiter ansteigen, wenn im Gegenzug die Wirtschaftskraft der anderen Euro-Staaten immer weiter absinkt wird sich der Euro-Kurs nicht (wesentlich) verändern. Die angesichts der deutschen Exportüberschüsse eigentlich fällige Aufwertung bleibt aus.

Etwas drastischer formuliert:
Je weiter Griechenland, Spanien, Portugal und die anderen Euro-Staaten wirtschaftlich niedergemacht werden, je dreckiger es denen geht, desto bessere Geschäfte macht die deutsche Exportwirtschaft.

Das ist kein Zufall, das ist so gewollt.

In diesem Zusammenhang sei auch daran erinnert, dass das Lohndumping in Deutschland erst nach der Euro-Einführung so richtig extrem wurde. Vorher hätte das in diesem Ausmaß auch nicht funktioniert, da durch sinkende Löhne gewonnene Wettbewerbsvorteile durch steigende Wechselkurse ziemlich schnell wieder zunichte gemacht worden wären.

Wer jetzt allerdings nach der DM schreit, der denkt nicht bis zum Schluss.
Eine sofortige Abschaffung des Euro ist zum jetzigen Zeitpunkt illusorisch wegen der zwischenstaatlichen Schulden, welche ja alle auf Euro lauten. Bei einer Rückkehr zu den nationalen Währungen müsste der Euro also zumindest für einige Jahre als Buch-/Verrechungswährung erhalten bleiben.

Eine Rückkehr zu den Nationalwährungen wäre darüber hinaus zum jetzigen Zeitpunkt für alle europäischen Staaten verheerend, Deutschland eingeschlossen.
Durch die dann rasante Aufwertung der DM (oder wie auch immer diese Währung dann heißen würde) würde der Export zusammenbrechen, eine Binnenwirtschaft die irgendetwas davon auffangen könnte gibt es nach dem jahrelangen Lohndumping praktisch kaum noch.
Andererseits würden die Währungen der südeuropäischen Staaten gegenüber dem Buch-Euro so drastisch abwerten, dass die Auslandsschulden (welche ja weiterhin in Euro laufen) zur Insolvenz mehrerer Staaten führen würden. Griechenland sehe ich hier als erstes Land auf der Liste, aber längst nicht als einziges.
Eine Alternative wäre ein Erlass sämtlicher Auslandschulden, aber das würde wohl einige Großbanken zahlungsunfähig werden lassen und dürfte (auch deshalb) politisch kaum durchsetzbar sein.

Was wir brauchen ist eine andere Wirtschaftspolitik hier in Deutschland. Weg vom "Export-über-alles"-Gefasel, hin zu einer Stärkung der Binnenwirtschaft.
Wenn ich mir aber das Ergebnis der letzten Bundestagswahl ansehe, dann prophezeie ich, dass es so weitergeht wie bisher.

Die Frage ist allerdings, wie lange die anderen europäischen Staaten sich das noch gefallen lassen.
Oder wie lange es dauert, bis uns das ganze Finanzsystem um die Ohren fliegt.
 

ZynHH

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Weg vom "Export-über-alles"-Gefasel, hin zu einer Stärkung der Binnenwirtschaft.

Das bedeutet, das alles schneller kaputt gehen muß.
Oder was würdest du kaufen?

Warum wird denn soetwas wie Zalando geduldet?

Damit Waren, die niemand kauft, die aber andauernd umher transportiert werden müssen, produziert werden.

Also ich wüsste nicht, was ich noch bräuchte, solange nichts kaputt geht.
 

Kaltes Wasser

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Alles hätte auch mit einem Euro funktionieren können. Hat es aber nicht! Das Problem ist die seit zwanzig Jahren herrschende "finanzielle Kultur" des "schönen" Scheins, das "schnelle Geld" (Abzocken, Ausplündern), die enthemmte Bereitschaft zu Getue und Pokerface (kaufmännisch egsehen Unredlichkeit vulgo Betrug).
Eine sofortige Abschaffung des Euro ist zum jetzigen Zeitpunkt illusorisch wegen der zwischenstaatlichen Schulden, welche ja alle auf Euro lauten.

Nein. Dann schaffen wir eine andere Berechnungsgröße. Wie sie heißt, ist irrelevant. Der Einfachheit nehme man den Euro - und durchaus den jetzigen.
Bei einer Rückkehr zu den nationalen Währungen müsste der Euro also zumindest für einige Jahre als Buch-/Verrechungswährung erhalten bleiben.

Nicht ganz. Der Einfachheit halbe ja, wie gesagt. Ansonsten richtig, dann bleibt der Euro eben.
Bei einer Rückkehr zu den nationalen Währungen

Ein echtes Zurück kann es nicht geben. Höchstens ein Vorwärts, hin zu eine-/einem anderen "Mark" / "Franc" / "Lira".
Wenn ich mir aber das Ergebnis der letzten Bundestagswahl ansehe, dann prophezeie ich, dass es so weitergeht wie bisher.

Zustimmung. Die Deutschen (Mainstream) wollen nicht an sich arbeiten. Jeder zockt noch ein bisschen mit ab, solange es eben geht.
Oder wie lange es dauert, bis uns das ganze Finanzsystem um die Ohren fliegt.

Um die Ohren ... blabla ... da fliegt gar nichts. Schau dir mal die "finanziell stabilen" Vororte von Neu Delhi, Islamabad oder Kuala Lumpur an. Das ist auch unsere finanzielle Zukunft.

Nunja, irgendwie globalisiert (immerhin).

Nicht um jeden Preis muss der Euro weg, aber: dieser Euro kann und er sollte weg.
 
K

Kuhle Wampe

Gast
Je weiter Griechenland, Spanien, Portugal und die anderen Euro-Staaten wirtschaftlich niedergemacht werden, je dreckiger es denen geht, desto bessere Geschäfte macht die deutsche Exportwirtschaft.

Und das muss schnellstens beendet werden, dass die deutsche Wirtschaft aufkosten der Einwohner der BRD und auch anderen Ländern "gute Geschäfte" macht.

Durch die dann rasante Aufwertung der DM (oder wie auch immer diese Währung dann heißen würde) würde der Export zusammenbrechen, eine Binnenwirtschaft die irgendetwas davon auffangen könnte gibt es nach dem jahrelangen Lohndumping praktisch kaum noch.

Es wäre aber der Ausgleich für das, was die Wirtschaft in- und auslands angerichtet hat und der Weg zu einem gesitteten Neubeginn.

Wer nicht hören will....

Wenn ich mir aber das Ergebnis der letzten Bundestagswahl ansehe, dann prophezeie ich, dass es so weitergeht wie bisher.

...muss fühlen. Anders geht es wohl leider nicht mehr.

Die Frage ist allerdings, wie lange die anderen europäischen Staaten sich das noch gefallen lassen.

Frankreich versucht ja wenigstens, sich zu wehren.
Ich hoffe nicht, dass Deutschland schon wieder die zweite befreiung nach 1945 braucht, die von aussen aufgezwungen werden muss. Und so hoffe ich, glaube aber nicht, man besinnt sich in der BRD irgendwann doch noch eines besseren.
 
G

Gelöschtes Mitglied 41016

Gast
Es wäre aber der Ausgleich für das, was die Wirtschaft in- und auslands angerichtet hat und der Weg zu einem gesitteten Neubeginn.
Richtig, wenn man mal davon absieht daß diesen Ausgleich nicht die Wirtschaft zahlen würde, sondern die Arbeitnehmer, Arbeitslosen und Rentner.

Und so hoffe ich, glaube aber nicht, man besinnt sich in der BRD irgendwann doch noch eines besseren.
Dran glauben tu ich auch nicht, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
 

pinguin

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Ihr jammert auf hohem Niveau.

Wo steht Europa in Relation zu anderen Staaten der restlichen Welt?

Wie schaut es mit der Gesundheitsversorgung in anderen Ländern in Relation zu Europa aus? Kindersterblichkeit? Beschäftigungsquote?

Wollt Ihr mit Südafrika tauschen? Warum seid Ihr noch hier?
Wollt Ihr nach Südamerika?

Europa hat keine Krise, evtl. Unpäßlichkeiten, doch die hat jedes Land. Eine Krise hat Europa erst, wenn keiner mehr was zu essen hat und, schlimmer, wenn es nix mehr zu trinken gibt.
 
G

Gelöschtes Mitglied 41016

Gast
Wie schaut es mit der Gesundheitsversorgung in anderen Ländern in Relation zu Europa aus? Kindersterblichkeit? Beschäftigungsquote?

Griechisches Gesundheitssystem vor dem Kollaps - Gesundheit - Süddeutsche.de

Ende der Märchenstunde - Einträge für Donnerstag, 4. Juli 2013

• Griechenland - Arbeitslosenquote 2013 | Statistik

Arbeitslosigkeit in Griechenland erreicht im Mai neuen Rekord - SPIEGEL ONLINE

"Unpäßlichkeiten" würde ich das nicht nennen. Und Griechenland ist erst der Anfang.

Europa hat keine Krise, evtl. Unpäßlichkeiten, doch die hat jedes Land. Eine Krise hat Europa erst, wenn keiner mehr was zu essen hat und, schlimmer, wenn es nix mehr zu trinken gibt.
Das kommt auch noch. Murksel macht das schon.
 
K

Kuhle Wampe

Gast
Ihr jammert auf hohem Niveau.

Wo steht Europa in Relation zu anderen Staaten der restlichen Welt?

Wie schaut es mit der Gesundheitsversorgung in anderen Ländern in Relation zu Europa aus? Kindersterblichkeit? Beschäftigungsquote?

Wollt Ihr mit Südafrika tauschen? Warum seid Ihr noch hier?
Wollt Ihr nach Südamerika?

Europa hat keine Krise, evtl. Unpäßlichkeiten, doch die hat jedes Land. Eine Krise hat Europa erst, wenn keiner mehr was zu essen hat und, schlimmer, wenn es nix mehr zu trinken gibt.
Man arbeitet ja so lichtgeschwindigkeitsmässig darauf zu, dass diese Zustände schon langsam absehbar sind, bzw in bestimmten Teilen der EU schon Realität sind, übrigens powered by deutsche Wirtschaft, die an diesen Zuständen immer mehr verdient.
Wenn also diese Länder von ihr abgegrast sind und sich Hundt & co immer noch wie die Herren der Welt führen, was lässt Dich glauben, dass selbst in der BRD nicht solche Verwerfungen "ganz normal" sein werden?

Hätte man den Menschen in der BRD West vor 30 Jahren prophezeit, wie es heute aussieht, sie hätten es nicht geglaubt. Und hätten die Menschen in der DDR 1989 geahnt, wie ihr Land gesellschaftlich verwurstet wird, sie hätten es sich 3mal überlegt, ob sie der BRD beitreten wollten, oder ob sie nicht lieber eine überlegte freie sozialistische Alternative hätten aufbauen sollen, in die dann die Menschen der BRD(West) vor dem Raubtierkapitalismus hätten fliehen wollen?
 

pinguin

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@dagobert1

Warum nimmst Du ein EU-Land als Beispiel, von dem es heißt, daß es, hätte es damals nicht gemogelt, wegen Nichterfüllung sämtlicher Aufnahmekriterien keine Möglichkeit zur Aufnahme in die EU gehabt hätte?

Welchem EU-Land, daß ohne Mogelei EU-Mitglied wurde, geht es heute wirklich schlecht?

Klar gibt es Unterschiede, doch die gibt es überall, selbst zwischen den einzelnen Regionen eines Landes.

@Kuhle Wampe
Warum gibst Du der bundesdeutschen Wirtschaft sämtliche Schuld? Wo bleibt Deine Verantwortung als Kunde? Wenn etwas nicht gekauft werden würde, würde es im Kapitalismus garantiert nicht produziert.
 

Roter Bock

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Die Rückehr zu Wechselkursen und der DM ist der einzig sinnvolle Schritt. Glaubt den jemand im Ernst, das die Schulden in der Größenordnung noch ein Land jemals bezahlen wird.

Drehen wir das Rad in der Geschichte mal gedanklich zurück. Deutschland stand nach dem verlorenen I. Weltkrieg durch Reparationen (Schulden) vor dem Aus. Der Versailler Vertrag wurde dann zum Kernargument dafür, in Deutschland einem Regime der übelsten Art, den Weg zupflastern.

Genau der Mechanismus wiederholt sich mit anderen Vorzeichen erneut - nur ist Deutschland jetzt in der starken Position - und es gibt natürlich keinen "Versailler Vertrag" sondern die EU Verträge Maastrich und Lissabon.

Solange wir mit dem "Spielgeld" Euro bezahlen, wird der Wohlstand auf Seiten der Bürger nicht stattfinden. Nicht die "Zusammenmanscherei" der EU Länder ist der Schlüssel sondern Vereinzelung, Abkopplung und Protektionismus. Nur so jedes Land seine Chance einen Weg aus der Misere zu finden.

Wer ist denn wirtschaftlich auf der Gewinnerseite, neben Deutschland? Alle Länder in denen der Euro nicht eingeführt wurde.

Roter Bock
 

Ziviler Ungehorsam

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Die Rückehr zu Wechselkursen und der DM ist der einzig sinnvolle Schritt.

...in den Faschismus!

Solange wir mit dem "Spielgeld" Euro bezahlen, wird der Wohlstand auf Seiten der Bürger nicht stattfinden.

Innerhalb des kapitalistischen Systems wird der absolute Wohlstand nie auf Seiten der Mehrheit einer Bevölkerung sein - egal wie die Währung heißt.

Wer ist denn wirtschaftlich auf der Gewinnerseite, neben Deutschland?

Diejenigen, welchen die meisten Schwarzkonten horten.

Alle Länder in denen der Euro nicht eingeführt wurde.

...so wie GB?

Wirtschaftskrise : Briten suchen Schutz bei der Bank of England - Nachrichten Wirtschaft - DIE WELT

Großbritannien: Sparpaket der Regierung verändert das Land - Politik - Süddeutsche.de

30.000 Kältetote in Großbritannien | Telepolis
 
K

Kuhle Wampe

Gast
Warum gibst Du der bundesdeutschen Wirtschaft sämtliche Schuld? Wo bleibt Deine Verantwortung als Kunde? Wenn etwas nicht gekauft werden würde, würde es im Kapitalismus garantiert nicht produziert.

Ich für meinen Teil darf behaupten, dass ich bewusst so wenig wie möglich konsumiere, um für mich diese Wirtschaft im kleinsten möglichen Ausmass zu "unterstützen".

Es gibt aber insgesamt 8 Mio Niedriglöhner und viele Verschuldete in der BRD.
Auch wenn es schlimm ist: Wo sollen sie sonst kaufen?

Es wäre natürlich besser, sie würden Konsum aus politschen Gründen, so wie ich, auf das nötigste beschränken. Aber die meisten Leute sind in ihrer Not so sehr gefangen, dass sie daran dann nicht auch noch denken wollen oder können.
 
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