G8 - Das war der Gipfel! (1 Betrachter)

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Rinzwind

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Mein Erfahrungsbericht vom G8-Gipfel in Heiligendamm

(Ich habe hier lediglich meine Erfahrungen wiedergegeben, wie ich sie erlebt habe, natürlich ist das eine subjektive Wahrnehmung, aber bei den Schilderungen habe ich nicht übertrieben oder irgendetwas hinzugedichtet!)

G8 – Das war der Gipfel

Am Freitagnachmittag 01.06.2007 kamen wir am Camp Wichmannsdorf an. Sofort wurden die Personalien von ALLEN! Eintreffenden von der „Polizei“ kontrolliert und gespeichert wurden (vermutlich direkt in der Antiterrordatei von „Kralle Schräuble).
Am nächsten Tag fand in Rostock die Großdemo gegen G8 statt, ein sehr friedlicher Demonstrationszug, was auch für den „Schwarzen Block“ gilt, der zwar laut, aber sehr diszipliniert mitgelaufen ist. Allerdings gab es von Anfang an Gesetzesübertretungen, denn obwohl Alles sehr friedlich ablief waren, wurde intensiv von der Polizei gefilmt und fotografiert (was nur im Fall von Ausschreitungen erlaubt ist), dennoch aber bei fast jeder Demo gemacht wird.
Nach mehreren Stunden kamen wir am Hafen an, wo gerade die Randale anfingen. Im Gegensatz zu den offiziellen Berichten waren es aber nur sehr wenige DemonstrantInnen, die sich durch die Provokationen der Polizei zum Steine schmeißen hinreißen ließen.
Ich gehe davon aus, dass die ersten Steine von eingeschleusten „Agents Provocateurs“ geworfen wurden, um einen extrem brutalen Polizeieinsatz nach außen zu rechtfertigen (im Laufe der Protestwoche wurden diverse Zivilpolizisten enttarnt und an die Polizei übergeben).

Es wurden Gerüchte in die Welt gesetzt von mehreren hundert verletzten Polizisten, viele davon schwer, was definitiv eine Lüge ist, da nur ein paar wenige kurzzeitig stationär aufgenommen werden mussten. Im Laufe der nächsten Tage wurden die Einsatzkräfte noch zusätzlich scharf gemacht, indem ihnen gesagt wurde, ein Kollege sei schwerstverletzt und könne sterben (Lüge).

Die angekündigte „Deeskalationstaktik“ wurde zu keinem Zeitpunkt umgesetzt, im Gegenteil. Die Polizei provozierte, wo sie konnte und trat von Anfang an vermummt und behelmt an, außerdem hielten sich die BeamtInnen nicht im Hintergrund, sondern waren ständig in unmittelbarer Nähe der DemonstrantInnen.

Im Fernsehen wurde immer wieder gezeigt, wie ein Einsatzfahrzeug demoliert wurde. Ich frage mich welcher Depp die Anweisung erteilt hat, dieses direkt auf der Demostrecke abzustellen. Ein weiteres Polizei-Fahrzeug wurde entglast, während der Fahrer ganz ruhig hinter dem Steuer saß, bis ein angeblicher Black-Blocker das Signal zum Rückzug gab, danach fuhr der Fahrer ganz gemütlich von dannen. Da es im Schwarzen Block keine Hierarchien gibt, somit auch keine Anweisungen gegeben geschweige denn befolgt werden, gehe ich in diesem Fall davon aus, dass der gesamte Vorgang inszeniert war und die Randalierer zur Polizei gehörten, um die TN zu diffamieren und zu kriminalisieren.

Ich bin der Meinung, dass hier gezielt provoziert wurde, um die Situation eskalieren zu lassen. Leider haben sich einige davon auch provozieren lassen. Das ganze Gefasel von „Deeskalationstaktik“ war nur Propaganda, um Stimmung bei der nicht anwesenden Bevölkerung gegen die DemonstrantInnen zu erzeugen, wenn es dann zu Randalen kommt. Schon vor meiner Abreise ach Rostock, hatte ich ein flaues Gefühl im Magen und war mir sicher, dass es zu Gewalttätigkeiten kommen wird, als ich im Vorfeld die ganzen Aussagen von Merkel, Schäuble & Co. Gehört habe!

Am Dienstagnachmittag (05.06.) gab es eine Kundgebung in Kühlungsborn, dazu machten wir uns vom Camp aus auf den Weg, was nicht als Demonstration angemeldet wurde, da wir nicht ab dem Camp unter Begleitschutz stehen wollten. Unterwegs trafen wir auf einen Beamten, der seine KollegInnen informiert hat und es wurde mit ihm abgesprochen, dass ab hier eine Spontandemo angemeldet wird. Es sollten nur vor und hinter der Menschen ein Polizeiwagen zur Absicherung mitfahren.
Auf Grund der Ereignisse vom Samstag, haben sich sämtliche TN bewusst bunt gekleidet und haben sich übertrieben friedlich verhalten. Trotzdem wurden wir beim Erreichen der Hauptstraße von einer Truppe „Grüner“ (aus Hannover) aufgehalten, zuerst unbehelmt, sehr schnell kam aber behelmte Verstärkung und es kam wieder zu Provokationen durch die Polizei, zum Glück waren aber die TN sehr diszipliniert und sind nicht darauf angesprungen, im Gegenteil, wir haben uns einen Spaß daraus gemacht und eine kleine „Party“ veranstaltet mit unterhaltsamen Sprechchören, Kaffee und Tee aus dem Camp etc.. An dieser Stelle ein besonderes Lob an die Clowns-Armee, die immer wieder großartig, mit ihren kreativen Aktionen! Nach ca. 1,5 Stunden und provokanten Verzögerungen, durften wir dann weiter ziehen, immer begleitet von bedrohlich wirkenden Polizisten, die wir aber erfolgreich verhöhnt (z. B. mit „wir haben Spaß und ihr habt Bereitschaft“ und Ähnlichem) und durch kleine Laufeinlagen ins Schwitzen brachten.
Bei der Kundgebung in Kühlungsborn flog konsequent ein Hubschrauber in geringer Höhe über den Zuhörenden, so dass die Beiträge auch aus nächster Nähe, nicht zu verstehen waren!
(Einen gelungenen Film über diese Demo gibt es bei youtube, ca. 10 min.)
G8 2007 Protest gegen Polizeischikanen

Am Mittwoch brachen wir morgens im mit vielen Autos auf, um uns an den Blockaden am Flughafen zu beteiligen. Auf den Autobahnbrücken standen in regelmäßigem Abstand Spähpanzer der Bundeswehr, immer zusammen mit einem Einsatzfahrzeug der Polizei.
(Film bei G8-TV.org, ca. 4 min.) Eine Zusammenarbeit von Polizei und Bundeswehr ist aus guten Gründen (3. Reich) nach dem Grundgesetz verboten, genauso wie der Einsatz im Inneren, wogegen in Rostock ständig verstoßen wurde.
Filmbericht

Auf der Autobahn kam es zu einem Stau (später erfuhr ich, dass der Verkehr von Fahrzeugen aus dem Korso verlangsamt wurde). Dies nutzte die Polizei, sämtliche Fahrzeuge auf einen Parkplatz zu leiten, wo sämtliche Insassen (98 Personen) verhaftetet wurden, einzeln durchsucht, mit Kabelbindern auf dem Rücken gefesselt und in der prallen Sonne vier Stunden festgehalten und von Berliner Polizei bedroht wurden.
Da ich nach einer Bandscheibenoperation Probleme im Halswirbelbereich habe und durch die Zwangshaltung extreme Schmerzen hatte, bat ich um Begutachtung durch einen Arzt, damit meine Hände vorne gefesselt werden. (Ich möchte betonen, dass zu keinem Zeitpunkt irgendeine Gewaltbereitschaft von Seiten der Festgesetzten ausging, weshalb eine Fixierung der Leute absolut übertrieben war!) Der Arzt vom Roten Kreuz verweigerte mir die „Erleichterung“, was in meinen Augen eine unterlassene Hilfeleistung darstellt! Anschließend wurden wir dann nach und nach zu Gefängnisbussen geführt und ins etwa 35 km entfernte Rostock zur Gesa (Gefangenen Sammelstelle) gebracht, wo wir wieder einzeln aus den Bussen geholt und erneut durchsucht wurden, um anschließend in einer Fabrikhalle in etwa 20-25 m² großen Käfigen mit 14-20 Personen eingepfercht zu werden (macht das mal mit Tieren, da habt ihr schnell die Tierschützer im Genick!).

Da in „meinem“ Käfig bei der Durchsuchung ein Feuerzeug übersehen wurde, wurden wir noch mal einzeln in einen Raum geführt und in Anwesenheit von 5 oder 6 Beamten erneut durchsucht, wozu wir uns komplett entkleiden mussten (Unterwäsche inklusive).
Die erste Schicht des Wachpersonals bestand vorwiegend aus jüngeren BeamtInnen, die versucht haben uns einzuschüchtern und uns gleichzeitig Nahrung und Getränke vorenthalten haben (später haben wir dann im Abstand von mehreren Stunden kleine Päckchen bekommen, deren Inhalt ich nicht unbedingt als Nahrung bezeichnen würde – jeweils 2 Minischeiben trockenes Brot und eine widerlich fettige Salami. Vegetarier haben einen kleinen Käsewürfel an Stelle der Wurst erhalten und für Veganer waren ausschließlich Äpfel als Nahrung vorhanden (!!!).
Um uns auf den dreckigen Betonboden zu setzen, erhielten wir eine hauchdünne Isomatte und eine noch dünnere Decke, zum zudecken. Die Halle war durchgehend hell erleuchtet und wir wurden ununterbrochen von der Polizei in den Käfigen gefilmt.
Wenn wir eine rauchen wollten, bzw. auf’s Klo mussten, mussten wir längere Zeit, bis zu einer halben Stunde warten, ehe wir von zwei bis drei Beamten einzeln rausgeführt wurden.
(Die nächste Schicht Aufpasser waren da schon etwas menschlicher drauf, haben uns ausreichend mit Wasser versorgt und sind auch allein mit mehreren Inhaftierten raus gegangen, da sie begriffen haben, dass von uns nicht die geringste Gefahr ausging.
Wir durften sogar unseren Anruf tätigen (soll auch Einigen verwehrt worden sein), aber inzwischen eingetroffene Anwälte wurden nicht zu uns gelassen, obwohl es das RECHT eines Festgenommenen ist!

Da es am Tag sehr heiß war, waren wir alle nur dünn bekleidet, was dazu geführt hat, dass wir in der Nacht erbärmlich gefroren haben.
14 Stunden nach der Festnahme wurden wir wieder einzeln aus den Zellen geholt, erhielten unsere Sachen zurück und uns wurden Platzverweise bis zum Ende des G8-Gipfels für die gesamte Region Rostock erhielten. Uns wurde drei Stunden Zeit gegeben, die Region zu verlassen, wovon die erste Stunde schon bei der „Entlassung“ verstrichen war. Die Autos standen immer noch auf dem Parkplatz, ca. 35 km östlich von Rostock, unser Camp war etwa 30 km westlich von HRO und von da aus waren es noch einmal ca. 30 km, bis zur Grenze des Platzverweises. Auf die Frage, wie ich zu meinem Auto kommen soll wurde gesagt: „Nimm doch ein Taxi!“

Die Platzverweise waren völlig fehlerhaft ausgefüllt, so dass nicht ersichtlich war, ab wo er nicht mehr gilt, eine Kopie der Landkarte der Region wurde mir verwehrt, was nach meinem Empfinden reine Schikane (misslungener Versuch) war, da ich den Anwesenden durch Verhalten und Worte klar gemacht habe, dass ich vor ihnen keinen Respekt (im Sinn von erwarteter Obrigkeitshörigkeit) habe.

Nachträglich habe ich gehört, dass einer Frau von Polizeibeamten Gewalt angedroht wurde, wenn sie nicht spurt, was ich natürlich nicht selbst mitbekommen habe, da in der „Legebatterie“ strikte Geschlechtertrennung angesagt war.

Als mein Platzverweis in Kraft trat, hatte ich übrigens gerade mein Auto abgeholt und befand mich in Rostock (mal wieder) in einer Polizeikontrolle, in der noch einmal mein Auto komplett durchsucht wurde, inklusive der Thermoskanne mit inzwischen kaltem Kaffee.
Gegen 5:00 Uhr morgens kam ich dann wieder im Camp Wichmannsdorf an.

Natürlich habe ich den Platzverweis ignoriert und bin nicht abgereist!

In den folgenden Tagen sind ständig Flugzeuge der Bundeswehr in sehr geringer Höhe über die Camps geflogen, zusätzlich zu den allgegenwärtigen Polizeihubschraubern.

Was mich an der Woche sehr beeindruckt hat war, dass unter den Campbewohnern eine sehr große Solidarität geherrscht hat und trotz aller Strapazen, des Grundes (Treffen von 8 größenwahnsinnigen Verbrechern) und der ständigen Bedrohung durch die Polizei (teilweise hatte ich erhebliche Angst um meine Gesundheit, war das die schönste Woche, die ich in den letzten Jahren erlebt habe. Wären die Menschen hier immer so solidarisch, hätte die ReGIERung keine Chance gegen das Volk und Merkel, Schäuble, Beck und Co. wären längst aus ihren Ämtern und Deutschland vertrieben worden, um endlich in Deutschland die Demokratie einzuführen.

Links zu Filmen (die größtenteils nicht im öffentlichen Fernsehen zu sehen waren)
g8-tv.org
youtube (Suchbegriff: G8 Heiligendamm)
youtube (Suchbegriff: Polizeigewalt G8)
 
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