Führt ein GdB wg. psych. Krankheit zu Betreuung, Entmüdigung, Benachteiligung?

DieVerzweifelte

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Liebe Forumsmitglieder,

ich habe einen Antrag auf Feststellung eines Grades der Behinderung bei der Stadt gestellt, weil meine Reha-Beraterin im JC gesagt hat, sie könne mich ohne einen GdB nicht länger beraten und vermitteln.
Also habe ich im Antrag meine körperlichen Erkrankungen und meine Angststörung angegeben.

Nun habe ich im Internet recherchiert und herausgefunden, dass Deutschland sich nicht an die UN-Behindertenrechtskonvention hält, die besagt, dass Menschen mit Behinderung ihre Freiheit nicht entzogen werden darf, nur weil sie behindert sind bzw. weil man ihnen unterstellt, dass ihre psychische Krankheit mit Gefährlichkeit und Risiko für sich und andere Menschen einhergehe. Artikel 14 der UN-Behindertenrechtskonvention besagt, „dass das Vorliegen einer Behinderung in keinem Fall eine Freiheitsentziehung rechtfertigt“.
Behinderte Menschen unterliegen im Falle einer tatsächlichen Selbst- oder Fremdgefährdung den gleichen Verfahrensregeln und Behandlungsmaßnahmen, die für nichtbehinderte Menschen gelten.
Das wird von der deutschen Regierung -jedenfalls habe ich es so mehrfach im Internet gelesen- nicht eingehalten, sondern in Deutschland ist der Gesetzgeber der Meinung, dass ein Mensch mit psychischer Erkrankung nicht (mehr) in der Lage ist, freie, selbstbestimmte und verantwortliche Entscheidungen zu treffen, sondern der Staat ihm die Freiheit aus Fürsorge entziehen und den Menschen zwangsbehandeln darf, wenn Ärzte glauben, dass bei einem Patienten eine Selbst- oder Fremdgefährdung vielleicht eintreten könnte. Diese Sichtweise benachteiligt psychisch kranke Menschen gegenüber körperlich behinderten Menschen, welche das volle Recht besitzen, medizinische Behandlungen abzulehnen.

Für mich persönlich ist die Freiheit, ein selbstbestimmtes Leben führen zu dürfen, das Allerwichtigste auf der Welt. Freiheit und Selbstbestimmung sind für mich die allerhöhsten Werte.

Ich war schon in der Psychiatrie und der Freiheitsentzug, das Eingesperrtsein, der Entzug von Privatsphäre und der teilweise sehr aggressive, schroffe, respektlose, unmenschliche Umgang des Pflegepersonals mit den Patienten dort, das alles war für mich so schrecklich, so traumatisch, dass ich nicht schlafen und teilweise nicht essen konnte, es war eine Folter. Auch noch Wochen und Monate später nach dem Aufenthalt war ich apathisch, mundtot, depressiv, musste belastende Situationen aus der Klinik vor dem inneren Auge immer wieder durchleben, konnte nachts überhaupt nicht mehr schlafen, musste schließlich meinen Job aufgeben. Der Aufenthalt in der Psychiatrie hat mich traumatisiert, es war der furchtbarste Ort, an dem ich je gewesen bin und ich möchte nie nie nie nie im Leben wieder dorthin!!!!

Ich befürchte jetzt, dass wenn bei mir meine psychische Erkrankung als Behinderung festgestellt wird, dass ich dann viel leichter als vorher gegen meinen Willen eingewiesen werden kann, z. B. wenn ich einem Arzt erkläre, dass ich unter Angst und Anspannung in bestimmten kommunikativen Situationen leide (was aber bei mir ein lebenslanger Dauerzustand ist). Denn ich habe mehrfach im Internet von Leuten gelesen, die zwangseingewiesen worden sind, obwohl gar keine Eigen- oder Fremdgefährdung vorlag, sondern nur, weil sie einem Arzt gesagt haben, sie könnten nachts nicht schlafen oder wegen irgendwelcher Lapallien oder Befindlichkeitsstörungen, an denen jeder von uns mal in seinem Leben leidet.

Ich habe Angst, dass das Jobcenter und der Integrationsfachdienst und andere darin involvierte Personen mir nicht mehr zutrauen werden, dass ich eigenverantwortlich und vernünftig selbst beurteilen und entscheiden kann, was gut und sinnvoll für mich ist (in Bezug auf meine Gesundheit und Wahl des Arbeitsplatzes usw). Ich befürchte, dass es noch schwieriger sein wird, auf dem 1. oder 2. Arbeitsmarkt eine Stelle zu finden, weil die meisten Arbeitgeber keine psychisch Kranken (und das mit Siegel + Stempel auf einem Stück Papier von einer Behörde, dann habe ich diesen Behinderten-Stempel schwarz auf weiß, sonst sieht man mir meine Erkrankungen gar nicht an) einstellen wollen und man mich irgendwann in die Behindertenwerkstatt abschiebt.

Auf der einen Seite möchte ich (aus einem Harmoniebedürfnis heraus) meine Reha-Beraterin zufriedenstellen, ihre Erwartung erfüllen, einen Schwerbehindertenstatus zu erlangen, auf der anderen Seite macht es mir sehr viel Angst, dass die Feststellung einer psyischen Behinderung durch eine staatliche Behörde dazu führen könnte, dass meine Fähigkeit zu einem selbstbestimmten, eigenverantwortlichen Leben angezweifelt wird und ich möglicherweise zwangseingewiesen, zwangsbetreut, herumkommandiert, entmüdigt, benachteiligt werde, dass mir die Grundrechte entzogen werden, wie von Psychiatriekritikern dargestellt.
Damit diese Schreckensszenarien nicht zur Wirklichkeit werden, wäre es vielleicht sinnvoll, wenn ich nur die körperlichen Erkrankungen als Behinderung feststellen lasse, aber dann bekomme ich wahrscheinlich nur 20°-30° und ich habe Angst, dass meine Reha-Beraterin böse auf mich ist. Ich lebe in ständiger Angst und Sorge.

Gibt es hier Personen, die einen GdB aufgrund einer psychischen Erkrankung haben und welche Auswirkungen hat das auf die Vermittlung in den Arbeitsmarkt, auf euer Leben und wie werdet ihr behandelt?
 

Buchfan

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Guten Abend!

Ich würde gern versuchen, Dich etwas zu beruhigen und Dir Informationen geben, die für Deine Lebenssituation hilfreich sein könnten.

Gleich vorneweg: Ein Schwerbehindertenausweis ist freiwillig und im eigenen Interesse zu beantragen. Die SB des JC kann so bemüht sein, wie sie will, um Dich in Rente zu schicken (das ist der einzige Grund, den ich erkennen kann, dass sie ihre Kompetenzen "ausreizt) und Dich unverhältnismäßig unter Druck setzt.

Auch gleich vorneweg: Es gibt keine Entmündigung mehr. Das war früher so, wurde aber durch das Betreuungsrecht verändert. Es soll durchaus so sein, dass mensch mit psychischen Erkrankungen sein eigenverantwortliches und selbstbestimmtes Leben führen kann. Da ändert auch ein GdB überhaupt nichts dran.

Ich bin selbst Betroffene mit vieljähriger Erfahrung, auch stationär bis hin zur Fixierung. Habe einen GdB, bin unbefristet berentet und will auch nichts anderes mehr sein.

Vielleicht kochst Du Dir erstmal einen Tee, vergißt das Internet und schaust hier etwas später wieder vorbei. Ich komme zurück.
 

Kerstin_K

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Also erstmal musst du keinen GdB beantragen, nur, weil deine Rehaberaterin das will.

Und hoer mal auf, Horrorgeschichten im Internet zu lesen.
 

Muzel

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Ein Glaube von Ärzten an Selbst- oder Fremdgefährdung genügt nicht. Es müssen schon tatsächliche Anhaltspunkte dafür vorliegen. Der Richter ordnet eine Zwangsunterbringung an und der Arzt muss schon konkrete Tatsachen vortragen.
 

Atze Knorke

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An die Forumsrunde,

Theorie und Praxis verharmlosend und beschönigend, zu naiv ... bei psychisch erkrankten Menschen geht das u.U. mit der (rechtlichen) Betreuung inkl. Entmündigung und Benachteiligung schnell. Vieles ist noch sehr unzureichend in den gängigen Praktiken und es herrscht Machtgefälle mit rechtsfreien Räumen.

Was viele erkrankte Menschen hier durchmachen MÜSSEN, ist schlichtweg ein Skandal. Unser System ist da sehr gut "durchorganisiert". [FONT=Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif]Außerdem erfahren in der 'sozialen Kontrolle' viele Betroffene - einmal "diagnostiziert" und in das psychiatrisch-staatliche System geraten - jahrelange Verfolgung durch Psychiater/Innen, Gesundheitsämter oder sozialpsychiatrische Institutionen. Es geht nicht nur darum, missliebige Personen aus dem 'öffentlichen Verkehr' zu ziehen.

z. B.
[/FONT]Alice C. Halmi - Zwangspsychiatrie:ein durch Folter aufrecht erhaltenes System

[FONT=Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif]Oft mit einem drastisch sozialen Abstieg für die Betroffenen verbunden. Verlust von gesellschaftlicher Anerkennung, beruflichen Chancen und auch Wohnsitz. Einige psychiatrisch erkrankte Betroffene nehmen sich sogar aus Verzweiflung während oder eines Psychiatrieaufenthaltes das Leben.


[/FONT]
 

Buchfan

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Eine gesetzliche Betreuung beantragt man selbst oder wenn Ärzte in der Klinik es empfehlen, wird sie auch von dort in die Wege geleitet.

Hier der Wortlaut meiner behandelnden Psychiaterin: Ein gesetzlicher Betreuer hat ausschließlich Beratungsfunktion. Gleich, um welches Aufgabengebiet der 5 vorhandenen es sich handelt oder um alle 5. Nur ein richterlicher Beschluß kann daran etwas ändern. Z.B. wenn der Klient glaubt, ganz furchtbar reich zu sein und alles mögliche kaufen zu müssen, obwohl dem nicht so ist, erfolgt ein Schutz des Klienten und der Betreuer muss ausschließlich die Haftung im Punkt "finanzielle Angelegenheiten" übernehmen, nachdem der Betreuungsrichter das angeordnet hat.

Eine gesetzliche Betreuung kann sinnvoll sein, wenn einem alles über den Kopf wächst und man Entlastung braucht. Bei Krankheit und noch ditt und dett drumrum, meistens ungebeten, kann das wirklich eine große Hilfe sein.
Problematischer ist die Wahl des Betreuers. Meistens stehen ja nicht 10 Figuren vor einem, von denen man sich den hübschesten aussucht, sondern exakt einer. Und weil man in solchen Situationen sehr bedürftig ist, nickt man. Hier möchte ich anmerken, dass man auch "Nein danke" sagen darf, wenn einem jemand unsympathisch ist. Dann kommt der nächste.
Ein Betreuungsvertrag kann jederzeit gekündigt werden. Im gegenseitigen Einvernehmen.

Zur Zwangspsychiatrisierung:
Ja, die gibt es. Für die einen "leider", für die anderen "Gott sei Dank".
Muzel sagte schon, es braucht eine richterliche Weisung. Der Richter muss den Sachverhalt prüfen und entscheidet aufgrund dessen. Je nachdem, von wem er die Informationen einsammelt, kann das ein unterschiedliches Bild ergeben. Es kommen also auch Fehlentscheidungen vor. In dem Fall also "leider". Die sind aber wohl recht selten. Weil solche Prozesse wegen Selbst- und Fremdgefährdung, den Anlässen für die Zwangseinweisung also, sehr kurzfristig laufen, kommt es dann innerhalb kürzester Zeit dazu, dass zwei Beamte in Uniform bei einem in der Tür stehen und einen auffordern, die Tasche für die nächsten zwei Wochen zu packen. Die lassen einen dann auch keine Sekunde aus den Augen.
Unten steht der Krankentransport bereit und dann geht es blickgeschützt in die nächstgelegene Klinik.
Je nach Beurteilung der Ärzte bekommt man dann "nur" ein Einzelzimmer. Und Abschirmung.
Leider wird dabei im Vorfeld dessen, was nach "nur" kommt, meiner Meinung nach nicht genug beobachtet und recherchiert. Das habe ich auch durch andere Patienten so bestätigt bekommen.
Das wünschenswerteste wäre also, in diese Situation gar nicht erst hineinzukommen.

Ein Schwerbehindertenausweis ist eine Plastikkarte, auf der Dich Dein Konterfei angrinst. Da steht nicht viel drauf außer ein paar Zahlen. Er bietet dem Arbeitgeber keine Hinweise auf die Art der Erkrankungen. Du erhältst bestimmte Schutzrechte im Arbeitsverhältnis. Das ist es schon. Sehr unaufregend!
 
E

ExitUser

Gast
Und deshalb ist heutzutage eine wasserdichte Vorsorgevollmacht (am besten vom Notar erstellt und beglaubigt denn nur ein solcher kennt die "Fallstricke" einer eigenen erstellten und kann absolut rechtssicher alles formulieren und so teuer ist eine solche auch nicht...!)
mit Bestimmungen des aufenthaltsrechtes in Verbindung mit einer Patientenverfügung die im zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer hinterlegt ist das wichtigste was man machen sollte!

Es ist erschreckend auch in meinem Bekanntenkreis wie wenige davon überhaupt von der Wichtigkeit einer solchen Vollmacht/Verfügung wissen obwohl immer wieder in den Medien darauf hingewiesen wird...!



liesa
 

Buchfan

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Ergänzend dazu für alle, die schon Psychiatrieerfahrung haben und verhindern wollen, dass Medikamente bei erneutem stationären Aufenthalt großzügig eingesetzt werden: die Verhandlungsvereinbarung mit der Klinik, möglichst im Vorfeld des stationären Aufenthalts.
Wenn bereits Medikamente eingenommen und vertragen werden, können die in die Verhandlungsvereinbarung mit hinein. Bei Akutphasen gibt es häufig Agitiertheit, die die Ärzte dämpfen wollen. Man kann z.B. aushandeln: Tavor o.k., Haldol nein. Und nein danke, mehr möchte ich doch lieber nicht!
 

Atze Knorke

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Ergänzend dazu für alle, die schon Psychiatrieerfahrung haben und verhindern wollen, dass Medikamente bei erneutem stationären Aufenthalt großzügig eingesetzt werden: die Verhandlungsvereinbarung mit der Klinik, möglichst im Vorfeld des stationären Aufenthalts.
Wenn bereits Medikamente eingenommen und vertragen werden, können die in die Verhandlungsvereinbarung mit hinein. Bei Akutphasen gibt es häufig Agitiertheit, die die Ärzte dämpfen wollen. Man kann z.B. aushandeln: Tavor o.k., Haldol nein. Und nein danke, mehr möchte ich doch lieber nicht!
Hallo Buchfan,

kleiner Einwand, selbst Gutachter (ca. in 2 Stunden durchleuchtet man das ganze Leben) favorisieren bei der EMR, dass es ratsam ist, stationär im Akutkrankenhaus mit medikamentöser Einstellung zu behandeln. Dabei ist für den Betroffenen nicht klar, was auf ihn zukommt. Da sehe ich mit dem "Aushandeln" der Medis schwarz, weil er davon wenig Infos bis keine Kenntnis erhält, um was es sich genau für Psychopharmaka (Zusammensetzung & Verträglichkeit abgestimmt auf die Person im Hinblick auf die bereits vorhandenen Erkrankungen z. B. Niereninsuffizienz o.ä.) handelt.
 
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Pichilemu

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Naja doch, Arbeitgeber sind nämlich tatsächlich sehr zögerlich, Schwerbehinderte einzustellen, weil die faktisch unkündbar sind und dann noch so Extras bekommen wie 5 Tage Zusatzurlaub und keine Überstunden. Und verschweigen darf man eine festgestellte Schwerbehinderung auch nicht, weil man sonst aus dem Betrieb fliegt, wenn die das rausbekommen.
 

ZynHH

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Naja doch, Arbeitgeber sind nämlich tatsächlich sehr zögerlich, Schwerbehinderte einzustellen, weil die faktisch unkündbar sind und dann noch so Extras bekommen wie 5 Tage Zusatzurlaub und keine Überstunden. Und verschweigen darf man eine festgestellte Schwerbehinderung auch nicht, weil man sonst aus dem Betrieb fliegt, wenn die das rausbekommen.
Dazu braucht es aber einen gdb von mindestens 50, eine Gleichstellung reicht dafür nicht.

Ich habe gdb 30 und erstmal nur die Zusicherung beantragt um mich in bestimmten Bereichen überhaupt bewerben zu können....


Das beschränkt sich aber auch nicht auf psychische Einschränkungen.

Allerdings war das ja nun auch nicht Hintergrund der Frage und auf gdb 50 muss man mit einer psychischen Erkrankung ja auch erstmal kommen.

Ich finde es vor allem verkehrt, anderen aus der eigenen gestörten Wahrnehmung heraus Ratschläge zu geben, die vielleicht dazu führen, das der nächste sich nicht helfen lassen will.
 

Buchfan

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Hallo Buchfan,

kleiner Einwand, selbst Gutachter (ca. in 2 Stunden durchleuchtet man das ganze Leben) favorisieren bei der EMR, dass es ratsam ist, stationär im Akutkrankenhaus mit medikamentöser Einstellung zu behandeln. Dabei ist für den Betroffenen nicht klar, was auf ihn zukommt. Da sehe ich mit dem "Aushandeln" der Medis schwarz, weil er davon wenig Infos bis keine Kenntnis erhält, um was es sich genau für Psychopharmaka (Zusammensetzung & Verträglichkeit abgestimmt auf die Person im Hinblick auf die bereits vorhandenen Erkrankungen z. B. Niereninsuffizienz o.ä.) handelt.
Danke für den Hinweis mit der PatVerfü!
Diese Möglichkeit empfehle ich immer wieder gerne, wenn mensch auf dem Standpunkt steht: "Ich bin nicht behandlungsbedürftig, nur ein bißchen schlaflos, unruhig, erschöpft, verängstigt." Um sie im Krankenhaus oder wo auch immer durchzudrücken, sollte mensch besser keine psychiatrische Karriere aufweisen und einen Arzt zu der Unterschrift bewegen können, dass man psychisch/ geistig gesund sei (öhm).

Ansonsten immer wieder aktuell, umsonst und draußen: Die stinknormale Patientenverfügung und eine Vollmacht für den Fall der Fälle, dass Betreuung notwendig werden könnte. (hüstel)

Den link von Alice C. Halmi habe ich bis zum ersten Viertel geschafft. Ich weiss, Du möchtest gern diskutieren, aber dafür ist glaube ich hier nicht der richtige Ort. Wenn man schon auf dem Zahnfleisch kriecht, sollte man vielleicht ganz bodenständig Infos geben, die einen weiterbringen ohne allzugroße Ängste zu schüren.

@TE:
Was mir bei Deiner Schilderung der Klinikerfahrung auffällt, ist, dass Du Dich vielleicht einmal nach einer psychosomatischen Klinik umsehen könntest. Die Psychiatrien sind tatsächlich sehr voll und entsprechend läßt die Qualität zu wünschen übrig. Aber auch psychosomatische Häuser haben oft gute Psychiater. Ich bin z.B. gerade in Bad Bevensen am checken, weil dort ein Dr. Haase Traumatherapie mit EMDR betreibt. Er wurde mir von meiner behandelnden Ärztin empfohen.
 
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Ein GdB führt weder zu Betreuung, Entmündigung noch Benachteiligung.

Letztere soll er eher mildern. Die Behinderung / Erkrankung ist da eher verantwortlich.
 

DieVerzweifelte

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Liebe Forumsmitglieder,

vielen herzlichen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt, um meinen langen Text zu lesen und mit Ratschläge zu erteilen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Was mich besonders angesprochen hat, ist die Antwort von Atze Knorke:

"Was viele erkrankte Menschen hier durchmachen MÜSSEN, ist schlichtweg ein Skandal. Unser System ist da sehr gut "durchorganisiert". Außerdem erfahren in der 'sozialen Kontrolle' viele Betroffene - einmal "diagnostiziert" und in das psychiatrisch-staatliche System geraten - jahrelange Verfolgung durch Psychiater/Innen, Gesundheitsämter oder sozialpsychiatrische Institutionen. Es geht nicht nur darum, missliebige Personen aus dem 'öffentlichen Verkehr' zu ziehen.

Oft mit einem drastisch sozialen Abstieg für die Betroffenen verbunden. Verlust von gesellschaftlicher Anerkennung, beruflichen Chancen und auch Wohnsitz. Einige psychiatrisch erkrankte Betroffene nehmen sich sogar aus Verzweiflung während oder eines Psychiatrieaufenthaltes das Leben.“

Lieber Atze Knorke,

ich sehe das genauso wie du, ich habe absolut kein Vertrauen in das vermeintliche Helfer-System aus Ärzten und sozialpsychiatrischen Institutionen, bzw. habe durch meine Recherchen im Internet von Personen gehört, die so behandelt worden sind und entweder in der Psychiatrie durch Neuroleptika gestorben sind oder sich das Leben genommen haben.

Ich war nur 1 Woche in der Psychiatrie, hatte wohl viel Glück mit dem Oberarzt, dass er mich auf meinen Wunsch hin so schnell entlassen hat und der einwöchige Aufenthalt war so tief abschreckend, es reicht mir für den Rest meines Lebens!! Hätte man mich länger dort behandelt, ich möchte hier lieber nicht schreiben, welche Gedanken und Absichten mir dann gekommen wären. Psychiatrie ist Folter und führt zur PTBS und die Psychiater erkennen das nicht mal an und sie denken, sie tun ihren Patienten mit der Psychiatrie etwas Gutes und Behandlung würde die Patienten heilen, dabei macht es einen nur noch mehr krank.
OK, es ist vielleicht ein Fehler, das zu verallgemeinern, vielleicht gibt es Patienten, die von einer Behandlung in der Psychiatrie profitieren, was ich mir gar nicht vorstellen kann, aber mich persönlich hat es sehr geschädigt.

Ich möchte den Abstieg in die Sozialhilfe und die Gefährdung, durch eine festgestellte psychische Behinderung, leicht und schnell eingewiesen zu werden (was durch zahlreiche Personen in unterschiedlichen Internet-Foren bestätigt wird, z. B. reichen Schlafstörungen aus und ich habe gelesen, dass §1906 BGB und die Psychisch-Krankengesetzte(PsychKG) Zwangseinweisungen ermöglichen unter der Voraussetzung, dass ein Arzt den Verdacht hat, dass eine Person eine Gefahr für sich selbst oder andere vielleicht darstellen könnte, ohne dass eine tatsächliche Gefährdung vorliegt oder Straftat passiert ist) unbedingt verhindern.
Ebenso möchte ich eine Einweisung in eine Behindertenwerkstatt vermeiden und auch die Bevormundung durch Berufsgruppen, die mit Behinderten zu tun haben und glauben, sie wüssten besser, was gut für mich ist als ich selbst, habe schon diesbezüglich sehr schlechte Erfahrungen mit dem IFD gemacht.

Ich kann im Augenblick leider nicht auf alles eingehen, was ihr schreibt, ich habe heute noch sehr viel zu erledigen.

Jedenfalls habe ich heute mit einer Person gesprochen, die in diesen ganzen Themen sich auskennt und mir wurde gesagt, wenn das JC einen Kunden auffordert, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen, dann machen die das nur, weil sie das Ziel verfolgen, den Kunden in Zukunft in die Sozialhilfe zu schicken und das macht mir sehr viel Angst.

Ich habe den Antrag gestellt, weil ich u. a. körperliche Einschränkungen habe und ich möchte, dass zumindest meine körperlichen Einschränkungen auf jeden Fall bei der Vermittelung in eine leidensgerechte Tätigkeit berücksichtigt werden und eine Anwältin hat mir gesagt, es gibt viele Menschen, die sogar mit einer Schwerbehinderung von 100° auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten, ich müsse keine Sorge haben, dass ich mit einem GdB in die Sozialhilfe ausgesteuert werde. Ich habe erfahren, der Arbeitgeber kann dann Eingliederungszuschüsse für behinderte Menschen beantragen und ich dachte mir, ok, mit einer Behinderung + Gleichstellung (50° bekomme ich garantiert nicht, weil ich nur Skoliose+ Angststörung habe, also höchstens 30°+Gleichstellung durch die Arbeitsagentur) suche ich mir so einen Arbeitgeber wie AWO oder Caritas oder ähnliche Vereine, welcher mir einen leidensgerechten Arbeitsplatz anbietet, von der Arbeitsagentur finanziell gefördert wird und alles kommt in Ordnung, so dachte ich mir jedenfalls.

Aber nach dem Gespräch heute Morgen habe ich Sorge, dass mir die Reha-Beraterin beim JC vielleicht nur vormacht bzw. vorgaukelt, dass sie mich mit einem GdB+Gleichstellung vermitteln kann auf den allgemeinen Arbeitsmarkt und dass sie mich in Wirklichkeit nur hereinlegen will. Ich bin jetzt sehr verunsichert und weiß nicht, was ich machen soll.

Wenn mich ein GdB von 30 + Gleichstellung nicht in Arbeit auf den allgemeinen Arbeitsmarkt bringt, sondern mich in die Sozialhilfe führt, dann wäre das für mich eine Katastrophe aus verschiedenen Gründen, u. a. finanziellen Gründen.

Wie soll ich einschätzen, ob ein GdB mit 30 + Gleichstellung mir wirklich dabei hilft, einen leidensgerechten Arbeitsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden oder ob das in Wirklichkeit eine Falle ist, die mich in die Hände dieser Leute führt wie oben beschrieben, also das ich in das Sozialamt abgeschoben werde, man dort Druck auf mich ausübt, mich betreuen zu lassen und ich in diese Strukturen aus Sozialhilfe, Betreuung, Bevormundung, Psychiatrie, Behindertenwerkstatt usw. gerate. Ich habe so viel Angst davor, bei mir stehen gerade alle inneren Warnlampen auf Rot und ich überlege, ob es nicht besser wäre, den Antrag auf Feststellung eines GdB zurückzuziehen. Aber ich will auch keinen Ärger mit meiner Reha-Beraterin bekommen und ich habe Angst, dass mich das JC bestrafen oder etwas Schlimmes mit mir machen wird, wenn ich mich nicht an deren Anweisungen halte. Ich weiß nicht, wie ich diesen Konflikt lösen soll!

Ich habe meine Kindheit teilweise in in einem kommunistischen System verbracht und da wird man als Kind in der Schule geschlagen, wenn man sich nicht ganz genau daran hält, was Lehrer von einem verlangen bzw. es reicht schon, wenn ein Kind den Unterricht durch lautes Lachen stört. Man lernt, dem Staat bzw. seinen Vertretern blind zu gehorchen, stramm zu stehen, sich anzupassen und nicht aufzumucken, nicht zu widersprechen, sonst drastische Strafen!!! Das zur Erklärung, warum ich so viel Angst habe.

Wie soll ich herausfinden, ob ich meiner Reha-Beraterin vertrauen kann, dass sie mich mit dem GdB + Gleichstellung vermitteln kann oder ob es eine Falle ist???
 
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Pichilemu

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Eine Gleichstellung bei einem GdB von 30-40 (bzw. eine Zusicherung) kann im Einzelfall helfen, eine Anstellung zu erreichen, insbesondere im öffentlichen Dienst. Ansonsten hat er aber keine weiteren Auswirkungen. Insbesondere ist ein festgestellter GdB keine Voraussetzung für die "Abschiebung" in die Sozialhilfe; wollte das JC das erreichen, könnten sie es auch jetzt schon tun, ganz ohne GdB.
 

Atze Knorke

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Diese Möglichkeit empfehle ich immer wieder gerne, wenn mensch auf dem Standpunkt steht: "Ich bin nicht behandlungsbedürftig, nur ein bißchen schlaflos, unruhig, erschöpft, verängstigt." Um sie im Krankenhaus oder wo auch immer durchzudrücken, sollte mensch besser keine psychiatrische Karriere aufweisen und einen Arzt zu der Unterschrift bewegen können, dass man psychisch/ geistig gesund sei (öhm).

Ansonsten immer wieder aktuell, umsonst und draußen: Die stinknormale Patientenverfügung und eine Vollmacht für den Fall der Fälle, dass Betreuung notwendig werden könnte. (hüstel)

Den link von Alice C. Halmi habe ich bis zum ersten Viertel geschafft. Ich weiss, Du möchtest gern diskutieren, aber dafür ist glaube ich hier nicht der richtige Ort. Wenn man schon auf dem Zahnfleisch kriecht, sollte man vielleicht ganz bodenständig Infos geben, die einen weiterbringen ohne allzugroße Ängste zu schüren.

@TE:
Was mir bei Deiner Schilderung der Klinikerfahrung auffällt, ist, dass Du Dich vielleicht einmal nach einer psychosomatischen Klinik umsehen könntest. Die Psychiatrien sind tatsächlich sehr voll und entsprechend läßt die Qualität zu wünschen übrig. Aber auch psychosomatische Häuser haben oft gute Psychiater. Ich bin z.B. gerade in Bad Bevensen am checken, weil dort ein Dr. Haase Traumatherapie mit EMDR betreibt. Er wurde mir von meiner behandelnden Ärztin empfohen.
Hallo Buchfan,

nein, um das Diskutieren ging es mir mit dem Link von Alice C. Halmi nicht, dass ist ein Aufwachen, zudem was sich so abspielt. Ich schüre ebenfalls KEINE Ängste, dazu bin ich zu bodenständig. Das stelle ich hiermit klar.

Ich zeige NUR das auf, was ich selbst auf/aus dem 'Zahnfleisch-kriechend'-Erfahrungen vertreten kann.
 

ZynHH

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Ich zeige NUR das auf, was ich selbst auf/aus dem 'Zahnfleisch-kriechend'-Erfahrungen vertreten kann.

Das kannst du doch garnicht beurteilen. Da du nur weißt, wie du deine Einschränkungen erlebst. Aber ganz sicher kannst du nicht beurteilen, wie der nächste mit deiner Einschätzung DEINER ( und nur Deiner) Erkrankung umgeht.

Wenn du möchtest, das sich niemand helfen lässt, so erreichst du das.

Leute, bringt doch bloss mal etwas Verantwortungsgefühl auf. Das große Ganze fühlt sich nämlich durchaus richtig behandelt.

Man muss sich natürlich helfen lassen wollen und sich nicht irgendwelche Sachen einreden.....klar das dann keine Hilfe erfolgen kann.
 
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