Freibetrag / Lohnsteuerkarte bei befristetem Arbeitsverhältnis (1 Betrachter)

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Erolena

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Ich werde mir beim nächsten befristeten Arbeitsvertrag einen zusätzlichen Freibetrag auf die Lohnsteuerkarte eintragen lassen - wegen der Steuerrückerstattung. Es ärgert mich doch zu sehr, das die Steuerrückerstattung während eines erneuten ALG2-Bezuges als Einkommen auf das ALG 2 angerechnet wird.

Freibetrag/ Lohnsteuerkarte

Arbeitnehmer können sich auf ihrer Lohnsteuerkarte Freibeträge eintragen lassen. Hierfür ist ein Antrag beim zuständigen Finanzamt notwendig. Freibeträge werden eingetragen, wenn der Arbeitnehmer erhöhte Werbungskosten, außergewöhnliche Belastungen oder Sonderausgaben hat. Bei Berechnung der Aufwendungen muss der Werbungskostenpauschbetrag (1.044 €) abgezogen werden. Zudem ist ein Sonderausgabenpauschbetrag von 72 € abzuziehen. Die Eintragung eines Freibetrages erfolgt jedoch nur, wenn die Summe der erhöhten Aufwendungen (Werbungskosten, außergewöhnliche Belastungen, Sonderausgaben) einen Betrag von 600 € überschreiten.

Ohne Beschränkung werden in die Lohnsteuerkarte Freibeträge eingetragen, wenn nachfolgende Sachverhalte vorliegen:

  • es besteht ein Anspruch auf den Behinderten-Pauschbetrag oder den Hinterbliebenen-Pauschbetrag,
  • es werden negative Einkünfte aus Kapitalvermögen erzielt,
  • in der Summe werden negative Einkünfte erzielt,
  • es kann der Verlustabzug wahrgenommen werden,
  • es bestehen erhöhte Aufwendungen nach § 10c EStG,
  • es besteht Anspruch auf Steuerermäßigungen nach § 34f EStG,
  • es besteht Anspruch auf den Kinderfreibetrag jedoch nicht auf das Kindergeld.
Zudem kann ein Freibetrag bei Steuerklasse VI bis zum Eingangsbetrag der Lohnsteuerjahrestabelle eingetragen werden. Die eingetragenen Freibeträge sind vom Lohn abzuziehen, bevor die Lohnsteuertabelle zur Anwendung kommt.
siehe hierzu auch:
Lexikon:Freibetrag
Norm:§ 39a EStG
Quelle: Freibetrag/ Lohnsteuerkarte
auf: www steuerlexikon-online de
Durch den Freibetrag gibt es in jedem Monat mehr Netto vom Brutto. Als Folge fällt die Steuerrückerstattung kleiner aus. Man konnte während des Arbeitsverhältnisses mehr Geld selbst verbrauchen (oder sparen) und die ARGE kann weniger Steuererstattung einkassieren.

Der Grenzbetrag von 600 Euro heißt, um 50 Euro/Monat erhöhte Ausgaben müssen anfallen (600 : 12 Monate = 50) über die normalen Pauschalen hinaus.
Die Pauschalen sind:
1044 Euro = 87 Euro/Monat pauschale Werbungskosten.
72 Euro = 6 Euro/Monat pauschale Sonderausgaben

Ich denke, das heißt: wer weite Strecken zur Arbeit fährt und z.B. 140 Euro/Monat Werbungskosten aufbringt (87 Pauschale + >50 Euro) könnte den erhöhten WK-Freibetrag in Anspruch nehmen und damit die Steuerrückerstattung deutlich mindern.

Vorsicht bei Aufstockern:
Falls der Beschäftigte während des Arbeitsverhältnisses noch laufend ALG 2 bezieht (Aufstocker), müsste man noch sehen, wie sich das höhere Netto auswirkt (Einkommensanrechnung §11 SGB II). Eventuell verliert man hier ALG 2 im laufenden Jahr - dann wäre es vielleicht falsch, so vorzugehen. Immerhin kann man bei der Auszahlung der ESt-Erstattung auch die 30 Euro Versicherungspauschale absetzen, wenn noch nicht anderweitig verbraucht.
Weil ich kein realistisches Zahlenbeispiel habe, kann ich die Varianten nicht gegenüberstellen.

Oder hat die Sache noch einen Haken?
Natürlich ist es die Krux, dass man dann zur Abgabe der Steuererklärung zwingend verpflichtet ist.
 
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