Freiberuflich und trotzdem Termin zur amtsärztlichen Untersuchung

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Binchen

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Hallo, ihr Lieben!

Gestern noch besprachen wir die Freiberuflichkeit und Einstiegsgeld, heute hatte ich ein Schreiben im Kasten,
dass ich zum 31.01. zur amtsärztlichen Untersuchung muss (nehme an, die wollen mich in die Sozialhilfe stecken - habe Rheuma, mit dem ich bisher gut leben konnte),
Ich dachte, mich trifft der Schlag! So langsam habe ich die Faxen dicke, aber sowas von!
Deshalb meine Frage: Wenn ich mich heute bei ElSTER als Freiberufler anmelde, hat die Einladung dann noch Wirksamkeit? Man schickt ja auch keinen Zeitarbeiter mit Rückenproblemen und trotz eines Arbeitsverhältnis zum Amtsarzt, weil man Mitleid mit ihm hat. Ich hatte mal mit der Fallmanagerdruse kurz die Idee der Freiberuflichkeit besprochen ... vielleicht ist das die Reaktion darauf. Ich bin stinksauer, denn wenn der AA mich für drei Stunden arbeitsfähig einstuft .... welcher Freiberufler arbeitet drei Stunden am Tag? Was soll ich bloß machen?
 
M

Mitglied 61702

Gast
Deine Freiberuflichkeitswünsche rufen bei denen die helle Panik hervor. So schnell sagt kein Amtsarzt, du wärst weniger als 3 Stunden arbeitsfähig, im Zweifelsfall ist da ausserdem der MD der Rentenkasse auch noch vor.

Ich finde, du packst das Ganze unglücklich an. Das Einstiegsgeld kannst du dir als Künstler (dazu gehören Autoren) heutzutage abschminken. Das wirst du nicht bekommen und damit hast du nur die Rösser scheu gemacht.

Ich würde stattdessen erstmal schreiben, so 12-24 Bücher, wenn möglich Serien à mindestens 3 Bücher. Die kannst du zB auf Wattpadd publizieren und dort Fans sammeln, bevor du den ganzen Schwung dann gestaffelt bei Amazon veröffentlichst (eins alle 6 Wochen). Das dürfte aber erst in geschätzten 18 Monaten der Fall sein (bei einem Buch pro 6 Wochen). Auf Wattpadd kannst du auch Betareader finden, die dir beim Editieren der Bücher helfen, denn das ist ein viel dickerer Posten als die Werbung!

Und in der Zeit hältst du beim JC die Füße still. Geh ruhig zum ÄD, wenn der herausfindet, daß du zB nur 15-30 Wochenarbeitsstunden leisten kannst, dann ist das schonmal gut für dich, denn solche Arbeit findet sich nicht so schnell. Vor allem nicht, wenns dazu auch noch körperliche Einschränkungen gibt. Und immer wenns dir schlecht geht, läßt du dich auch krankschreiben, dann ist das JC zufrieden, denn du bist aus der Statistik.

Und in 18 Monaten kann man sich dann weiterunterhalten. Bei Elster solltest du dich NICHT anmelden, die reagieren ganz vergrätzt auf Freiberufler die sich anmelden, aber nix verdienen. Da hast du schnell Steuererklärungen und Vorauszahlungen am Hals, die dich derzeit nur aus dem Tritt bringen würden. Übrigens ist denen die Wochenarbeitszeit völlig schnuppe. Ein Benedict Cumberbatch verdient bei einem Wetten Daß - Auftritt mehr, als du vermutlich in den nächsten 5 Jahren, und arbeitete auch nur 3 Stunden (wenn überhaupt) in diesem Monat.
 

Binchen

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Ja, dann mache ich den Kram halt mit, aber mir ging es ja noch um die Gesprächstherapie online, weißt Du? Manuskripte habe ich schon im PC, daran soll es nicht liegen, aber danke für Deine Tipps, von Wattpadd habe ich noch nie was gehört. Okay, alles step by step - ich habe es begriffen. Vielen, liebe Dank!
 
M

Mitglied 61702

Gast
Du willst Gesprächstherapie machen? Ich dachte du wolltest nur Bücher schreiben? Hab ich da was verpeilt?

Generell kann ich dir sagen, daß Kunst mit Gewerbe mischen echt Kaka ist. Als Autorin kannst du in die Künstlersozialkasse, dazu muß dein Einkommen aber eindeutig mehrheitlich der Kunst zuzuordnen sein. Solange du ALGII bekommt, ist das kein Problem. Aber später stehst du mit der KSK um vieles besser da. Habs gerade für mich rechnen lassen, da ists bereits beim Minimaleinkommen das mich über ALGII hebt ein Unterschied von fast 250 Euro! Machst du beides, Gewerbe und Kunst, mußt du alle nasemang Nachweise beibringen.

Wattpadd ist eher im englischen Sprachraum bekannt, hat aber auch deutsche Teilnehmer und Gruppen. Ergibt kein Einkommen, aber du hast viele Erstleser, die dir Fehler und Probleme mitteilen werden, wenn du sie bittest. Spart dir erhebliche Editorenkosten.
 

Couchhartzer

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Deshalb meine Frage: Wenn ich mich heute bei ElSTER als Freiberufler anmelde, hat die Einladung dann noch Wirksamkeit?
Selbstverständlich hat die auch dann noch Wirksamkeit, denn wie allgemein bekannt ist, ist das Finanzamt (= ELSTER-Anmeldung und damit aus dem Rechtskreis der Steuergesetzgebung) nicht das Jobcenter (somit folglich aus dem Rechtskreis der Sozialgesetzgebung) und damit kann logischerweise eine Meldung beim Finanzamt auch keine Gültigkeit aus dem Rechtskreis des JC aufheben.
 
M

Märzenbecher

Gast
Generell kann ich dir sagen, daß Kunst mit Gewerbe mischen echt Kaka ist. Als Autorin kannst du in die Künstlersozialkasse, dazu muß dein Einkommen aber eindeutig mehrheitlich der Kunst zuzuordnen sein.

reine Verständnisfrage meinerseits, da ich ebenfalls im künstlerischen Bereich tätig war / bin:
Ist nicht der Wunsch, seine Kreationen (seien es Bücher, seien es Bilder oder sonstwas) im Netz zu verkaufen, so einzuordnen, daß man dann alleine durch den Verkaufswunsch ein Gewerbe betreibt?
Die reine Verkaufsabsicht reicht doch seitens der FA aus, um einen Künstler gleichzeitig als Gewerbetreibenden einzuordnen und dementsprechend zu "belästigen". So habe ich es jedenfalls gelernt. Eine eigene webseite, und sei sie noch so klein, die dem Zweck dient, Eigenes zu verkaufen, fällt unter Gewerbe. So ist auch wohl jeder, der seine Bücher in dem Ausmaß, wie oben beschrieben, bei amazon oder sonstwo, im Netz, vertreibt, gleichzeitig ein Gewerbetreibender.
 
M

Mitglied 61702

Gast
reine Verständnisfrage meinerseits, da ich ebenfalls im künstlerischen Bereich tätig war / bin:
Ist nicht der Wunsch, seine Kreationen (seien es Bücher, seien es Bilder oder sonstwas) im Netz zu verkaufen, so einzuordnen, daß man dann alleine durch den Verkaufswunsch ein Gewerbe betreibt?
Die reine Verkaufsabsicht reicht doch seitens der FA aus, um einen Künstler gleichzeitig als Gewerbetreibenden einzuordnen und dementsprechend zu "belästigen". So habe ich es jedenfalls gelernt. Eine eigene webseite, und sei sie noch so klein, die dem Zweck dient, Eigenes zu verkaufen, fällt unter Gewerbe. So ist auch wohl jeder, der seine Bücher in dem Ausmaß, wie oben beschrieben, bei amazon oder sonstwo, im Netz, vertreibt, gleichzeitig ein Gewerbetreibender.

Huh? Wie kommst du darauf?

Eigenverlag wie auch Eigenvertrieb ist künstlerisch-freiberufliche Tätigkeit. Die Grenze zum Gewerbe wird überschritten, wenn

  1. auch andere Künstler verkauft werden (d.h. wenn du als Galerist tätig bist, oder als Verleger, und nicht ausschließlich deine eigenen Sachen verkaufst)
  2. oder rein kunstgewerbliche Dinge verkaufst/machst,
  3. oder angestellt arbeitest,
  4. oder in einigen Bereichen Massenfertigung betreibst (zB ein Gemälde für 2,000 Euro verkaufen ist freiberuflich, dasselbe Gemälde auf 2,000 T-Shirts drucken lassen und diese für je einen Euro auf Ibäh verticken ist gewerblich).

Und nö, du kannst selbstverständlich eine Webseite unterhalten auf der du deine eigenen Sachen verkaufst. Dabei gibts andere Probleme, mit denen du das wahrscheinlich verwechselst. ZB die Impressumspflicht und deren spezielle Anforderungen bei Leuten, die eine Unternehmung haben (auch die freiberufliche). Oder die DSVGO, oder Umsatzsteuerverpflichtungen beim Onlinehandel.

Und selbstverständlich schaltet man keine Anzeigenbanner auf der eigenen Seite, es sei denn sie sind sehr eng mit der eigenen Berufstätigkeit verbunden und in der Einnahmehöhe deutlichst unterhalb der Einnahmen der Freiberuflichkeit.

Freiberuflicher Künstler zu sein, ist ja ein Katalogberuf, sozusagen. Wenn du glasklar da rein fällst, dann wird dir kein Finanzamt querschiessen.
 

Binchen

Elo-User*in
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Du willst Gesprächstherapie machen? Ich dachte du wolltest nur Bücher schreiben? Hab ich da was verpeilt?

Generell kann ich dir sagen, daß Kunst mit Gewerbe mischen echt Kaka ist. Als Autorin kannst du in die Künstlersozialkasse, dazu muß dein Einkommen aber eindeutig mehrheitlich der Kunst zuzuordnen sein. Solange du ALGII bekommt, ist das kein Problem. Aber später stehst du mit der KSK um vieles besser da. Habs gerade für mich rechnen lassen, da ists bereits beim Minimaleinkommen das mich über ALGII hebt ein Unterschied von fast 250 Euro! Machst du beides, Gewerbe und Kunst, mußt du alle nasemang Nachweise beibringen.

Wattpadd ist eher im englischen Sprachraum bekannt, hat aber auch deutsche Teilnehmer und Gruppen. Ergibt kein Einkommen, aber du hast viele Erstleser, die dir Fehler und Probleme mitteilen werden, wenn du sie bittest. Spart dir erhebliche Editorenkosten.

Ja, wegen der Website habe ich ja Schis, dass ich die wieder löschen muss, war nen Haufen Arbeit. Und das ist eben auch der Job, den ich gerne machen würde (Gesprächstherapie und Suchthilfe). Pass auf: Ich habe eine ziemlich miese Verwandtschaft und es war vor zwei Jahren mal der Fall, da meldete so ein lieber Blutsverwandter eine andere Web von mir an das Finanzamt - die war noch nicht mal öffentlich gestellt, war nen Probierding. Bekam natürlich Post vom Finanzamt und fiel aus allen Wolken. Konnte das aber nochmal hinbiegen. Deshalb meine ganzen dummen Fragen um das Thema herum. Ach, am besten, ich ziehe als digitaler Nomade durch die Welt ... Ja, Bücher schreibe ich auch, aber wie Du ja schon festgestellt hast, ist das eine langwierige Angelegenheit, bis mal der Rubel rollt.
 
M

Mitglied 61702

Gast
Ja, wegen der Website habe ich ja Schis, dass ich die wieder löschen muss, war nen Haufen Arbeit. Und das ist eben auch der Job, den ich gerne machen würde (Gesprächstherapie und Suchthilfe). Pass auf: Ich habe eine ziemlich miese Verwandtschaft und es war vor zwei Jahren mal der Fall, da meldete so ein lieber Blutsverwandter eine andere Web von mir an das Finanzamt - die war noch nicht mal öffentlich gestellt, war nen Probierding. Bekam natürlich Post vom Finanzamt und fiel aus allen Wolken. Konnte das aber nochmal hinbiegen. Deshalb meine ganzen dummen Fragen um das Thema herum. Ach, am besten, ich ziehe als digitaler Nomade durch die Welt ...

Also, wenn du mehr aus der Suchthilfe und Gesprächstherapie einnimmst, als durchs Schreiben, bist du definitiv kein Künstler, sondern gewerblich tätig. Auch die Freiberuflichkeit ist möglicherweise nicht drin, es sei denn du hast einen der dazugehörenden medizinischen Katalogberufe mit Prüfung. Mach dich da erst mal richtig schlau, bevor du irgendwas anmeldest! Hast du eine abgeschlossene Ausbildung als Gesprächstherapeut? Wenn nicht, wirds echt schwer.

Was für Post vom Finanzamt?
 
M

Märzenbecher

Gast
Huh? Wie kommst du darauf?

Eigenverlag wie auch Eigenvertrieb ist künstlerisch-freiberufliche Tätigkeit. Die Grenze zum Gewerbe wird überschritten, wenn

  1. auch andere Künstler verkauft werden (d.h. wenn du als Galerist tätig bist, oder als Verleger, und nicht ausschließlich deine eigenen Sachen verkaufst)
  2. oder rein kunstgewerbliche Dinge verkaufst/machst,
  3. oder angestellt arbeitest,
  4. oder in einigen Bereichen Massenfertigung betreibst (zB ein Gemälde für 2,000 Euro verkaufen ist freiberuflich, dasselbe Gemälde auf 2,000 T-Shirts drucken lassen und diese für je einen Euro auf Ibäh verticken ist gewerblich).

Und nö, du kannst selbstverständlich eine Webseite unterhalten auf der du deine eigenen Sachen verkaufst.

woher ich das weiß? Vom örtlichen Finanzamt. Die wollten mich immer als gewerblich einstufen obwohl ich nur meine eigenen Bilder / selbst gemachte Musik verkaufen wollte.
Dann hab ich mich im Netz informiert und erfahren, daß die Absicht, das Eigene zu verkaufen, ausreicht, um als Gewerbetreibender eingestuft zu werden. Man ist dann halt beides: Freiberufler und Gewerbetreibender.
Zumindest fürs Finanzamt.

Danke für die Antwort.
 

Couchhartzer

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die Absicht, das Eigene zu verkaufen, ausreicht, um als Gewerbetreibender eingestuft zu werden
Richtig ist es so in deiner Beschreibung wenn man selber das Eigene verkaufen will.
Ist man ausschliesslich kreativ tätig und alles wie Verkauf / Vertrieb der geschaffenen Werke läuft grundsätzlich nur über Verlage / Labels / Galerien / etc. dann bleibt man ein reiner Freiberufler.
 
M

Mitglied 61702

Gast
Sorry, das ist schlicht falsch. Eigene Werke dürfen immer verkauft werden, egal wie und wo. Auch über Webseiten. Die Freiberuflichkeit wird nur in Gewerblichkeit verwandelt, wenn man die Werke anderer verkauft - oder eben (siehe oben) gewerblich tätig wird.

„Eine selbständige nachhaltige Betätigung, die mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, unternommen wird und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt, ist Gewerbebetrieb, wenn die Betätigung weder als Ausübung von Land- und Forstwirtschaft noch als Ausübung eines freien Berufs noch als eine andere selbständige Arbeit anzusehen ist.“ § 15 Absatz 2 Einkommensteuergesetz

§ 18 Einkommensteuergesetz listet Tätigkeiten auf, die als freiberuflich einzuordnen sind. Dazu zählen beispielsweise Ärzte, Rechtsanwälte, Ingenieure, beratende Volks- und Betriebswirte, Steuerberater, Heilpraktiker, Krankengymnasten, Journalisten, Dolmetscher und ähnliche Berufe.

§ 18

(1) Einkünfte aus selbständiger Arbeit sind
1.1Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit. 2Zu der freiberuflichen Tätigkeit gehören die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit, die selbständige Berufstätigkeit der Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte, Vermessungsingenieure, Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratenden Volks- und Betriebswirte, vereidigten Buchprüfer, Steuerbevollmächtigten, Heilpraktiker, Dentisten, Krankengymnasten, Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer, Lotsen und ähnlicher Berufe. 3Ein Angehöriger eines freien Berufs im Sinne der Sätze 1 und 2 ist auch dann freiberuflich tätig, wenn er sich der Mithilfe fachlich vorgebildeter Arbeitskräfte bedient; Voraussetzung ist, dass er auf Grund eigener Fachkenntnisse leitend und eigenverantwortlich tätig wird. 4Eine Vertretung im Fall vorübergehender Verhinderung steht der Annahme einer leitenden und eigenverantwortlichen Tätigkeit nicht entgegen;
...

Und das ist von einer Infoseite des Bunds:

Frage
Ich habe vor kurzem ein selbst geschriebenes E-Book bei einer Online-Verkaufsplattform hochgeladen und zu meiner Überraschung auch ein paar Euro verdient. Eigentlich bin ich bisher davon ausgegangen, dass ich diese schriftstellerische Tätigkeit nur als Einnahmen auf meiner Steuererklärung angeben müsste. Ein Bekannter meinte jetzt, ich müsste mir auf jeden Fall einen Gewerbeschein zulegen, weil ich ja eine Gewinnerzielungsabsicht hätte.

Stimmt das? Gehört zum Führen eines Verlags nicht mehr, als nur zu schreiben, ein Cover zu designen und das hochzuladen? Über die Kleinunternehmergrenze komme ich damit ohnehin nicht. Wie sieht die Rechtslage aktuell aus? Und macht es einen Unterschied, ob ich davon leben kann oder nicht? Spielt es eine Rolle, ob ich später einmal einen Lektor engagiere und bezahle?

Antwort
Nach der geltenden Rechtsprechung führen Sie keinen Selbstverlag. Sehen Sie hierzu die geltende Rechtsprechung: Der Bundesfinanzhof stellt in Bezug auf eine Schriftstellerin das Folgende: Wenn die Schriftstellerin ihr Buch selbst verlegt und zum Beispiel auf Lesungen verkauft, beschränken sich Selbstverlag und Eigenvertrieb auf eine ”der schriftstellerischen Tätigkeit dienende Funktion” und stellen keine ”neue Erwerbsgrundlage" dar. ”Die bloße Verwertung eigener schriftstellerischer Erzeugnisse im Rahmen des Üblichen ist . . . in der Regel der freiberuflichen Tätigkeit zuzuordnen”. Erst wenn die "zu diesem Zweck geschaffene organisatorische Einrichtung" darüber hinaus geht und "eine neue Erwerbsgrundlage darstellt", wird die Autorin zur Gewerbetreibenden. Also z.B.dann, wenn sie die Verlagsarbeit von Angestellten oder Honorarkräften erledigen lässt, oder wenn das Verkaufen der eigenen Bücher zu einem "gewerblichen Massenvertrieb" wird (Aktenzeichen VIII R 111/71).

In der Rechtsprechung hat sich folgende Definition durchgesetzt: Ein Gewerbe ist jede erlaubte selbständige zum Zwecke der Gewinnerzielung vorgenommene nach außen erkennbare Tätigkeit, die planmäßig und für eine gewisse Dauer ausgeübt wird und kein Freier Beruf ist. Sie sehen also, auch aus dieser Sicht bleibt Ihre Freiberuflichkeit erhalten. Ob Sie davon leben können müssen, ist eine schwierige Frage - Sie können beispielsweise auch Verlust machen und von der Steuer absetzen. Das ist aber hier nicht die entscheidende Frage. Wenn Sie ein Lektorat in Anspruch nehmen, ändert auch dies nichts an Ihrer Freiberuflichkeit.

Gleiches gilt selbstverständlich auch für Kunstmaler u.A.. Es macht schlicht überhaupt keinen Sinn, die Tätigkeit als freiberuflich zu bezeichnen, aber den Verdienst und Vertrieb durch diese Tätigkeit dann dem Gewerbe zuordnen zu wollen.

Also nochmal, euch wurde ein Bären aufgebunden. Vermutlich wußten diese Leute schlicht nicht Bescheid, oder wollten nicht nachschauen.
 

Binchen

Elo-User*in
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Also, wenn du mehr aus der Suchthilfe und Gesprächstherapie einnimmst, als durchs Schreiben, bist du definitiv kein Künstler, sondern gewerblich tätig. Auch die Freiberuflichkeit ist möglicherweise nicht drin, es sei denn du hast einen der dazugehörenden medizinischen Katalogberufe mit Prüfung. Mach dich da erst mal richtig schlau, bevor du irgendwas anmeldest! Hast du eine abgeschlossene Ausbildung als Gesprächstherapeut? Wenn nicht, wirds echt schwer.

Was für Post vom Finanzamt?
Ja, die Ausbildung habe ich seit 2000 und im Schreiben vom Finanzamt wurden nach Einkünften gefragt. Ich schrieb hin, dass das lediglich eine Probeseite, also Fummelseite/Versuchsseite darstellte und gar nicht online war und auch keine Werbung für gemacht wurde, geschweige dann Einkünfte erzielt wurden. Schock war das trotzdem. Aber die Sache war dann für die erledigt. Ich warte jetzt erstmal diese amtsärztliche Geschichte ab, habe auch keine Nerven mehr, sage ich ehrlich.
 
M

Mitglied 61702

Gast
Das Finanzamt ist einfach so über eine nicht wirklich aktive Webseite gestolpert von jemand, der garnicht beim FA angemeldet ist? Kann ich mir so nicht vorstellen. Ist es möglich, daß dich jemand angezeigt hat?

Ich würde an deiner Stelle das ganze Vorgehen anders betreiben. Richtig ist, erstmal zum Amtsarzt. Es ist wichtig, daß deine tatsächlichen Einschränkungen festgestellt werden. Damit dürfte beim JC viel vom Tisch sein.

Dann würde ich mich bei den diversen sozialen Einrichtungen selbst auf eine Stelle erstbewerben. Die suchen doch händeringend nach Gesprächstherapeuten. In deinem Fall dürfte es wahrscheinlich besser sein, wenn du zumindest teilzeitangestellt bist. Dann hast du das JC vom Hacken und gleichzeitig nicht den Stress mit einer gewerblichen Selbstständigkeit.

Deine Bücher kannst du dennoch veröffentlichen, der Verdienst wird dann geringer ausfallen, als das Angestelltenverhältnis und damit reicht es aus, wenn du die Einnahmen einfach bei der Steuer anmeldest (beim JC natürlich auch, wenn du aufstockend noch was bekommst).
 
M

Märzenbecher

Gast
Das FA unterscheidet aber nicht nach "freien Berufen" und sonstigen, sondern es unterscheidet, ob jemand eine Gewinnerzielungsabsicht hat.
Das ist zwar albern denn als Künstler will man ja auch was verkaufen, wenn auch nur "so nebenbei", die Haupttätigkeit ist die kreative Tätigkeit, aber es ist so.

Sobald Eigenes verkauft wird, hat man das FA am Hals. Und man gilt als Gewerbetreibender. Wenn man dann Null Einkünfte hat gucken die auch blöd, bzw. wenn die Ausgaben die Einnahmen übersteigen und wenn das dann jahrelang so geht, unterstellen sie einem noch "mangelnde Gewinnabsicht".

So kenne ich das. Ich wollte hier auf diesen Punkt nur aufmerksam machen.
Ein Gesprächstherapeut ist natürlich ein Dienstleister und kein Künstler. Damit hat sich das dann auch erledigt. Dem Streß würde ich mich wie beschrieben, sowieso nicht mehr aussetzen deshalb würde ich so vorgehen wie es @Watch beschrieben hat.
 
M

Mitglied 61702

Gast
Das FA unterscheidet aber nicht nach "freien Berufen" und sonstigen, sondern es unterscheidet, ob jemand eine Gewinnerzielungsabsicht hat.

Sorry, aber das ist ganz entschieden STUSS. Dein Hausarzt würde dem FA was husten, würde er nicht als Freiberufler behandelt, ditto dein Architekt und eben auch der Buchautor, dessen Romane du liest. Ich habs im anderen Post mittels Zitat aus dem Einkommensteuergesetz klar dargelegt. Was glaubst du weshalb es den Begriff "Freiberufler" eigentlich gibt?

Ein Freiberufler muß keine Gewerbesteuer bezahlen. Er muß nicht bilanzieren. Und er hat noch weitere Vorteile. Ist so. Kann nicht weggeredet werden, ist aber auch (diese Vorteile) der Grund, warum so mancher Beamte, vor allem einer der sich der Gemeinde verpflichtet fühlt, meint erst mal "nee" sagen zu müssen. Macht es nicht richtiger.

Das ist zwar albern denn als Künstler will man ja auch was verkaufen, wenn auch nur "so nebenbei", die Haupttätigkeit ist die kreative Tätigkeit, aber es ist so.

Und das kann man auch, und egal ob nebenbei oder als Hauptberuf, es bleibt FREIBERUFLICH.

Sobald Eigenes verkauft wird, hat man das FA am Hals.

Ja.

Und man gilt als Gewerbetreibender.

Nein.

Nur Gewerbetreibende gelten als Gewerbetreibende. Mach dich mal schlau, es gibt mehr als eine Einkommensart und mehr als eine Berufssorte.

Wenn man dann Null Einkünfte hat gucken die auch blöd, bzw. wenn die Ausgaben die Einnahmen übersteigen und wenn das dann jahrelang so geht, unterstellen sie einem noch "mangelnde Gewinnabsicht".

Das ist der Unterschied zwischen Liebhaberei und Beruf, und hat mit dem Thema Freiberuflichkeit nix komma null zu tun. Dabei gehts nur darum, daß du nicht beliebig lange MwSt kassieren bzw absetzen darfst.
 
M

Märzenbecher

Gast
Nur Gewerbetreibende gelten als Gewerbetreibende. Mach dich mal schlau, es gibt mehr als eine Einkommensart und mehr als eine Berufssorte.

Na ja das weiß ich ja.

Es geht z. B. hier um so etwas:

Sie wollen einen Onlineshop eröffnen? Schritt 1 ist die Gewerbeanmeldung!
Daraus: "Denn die Anmeldung eines Gewerbes ist für alle verpflichtend, die über einen Onlineshop Gewinne realisieren möchten. "

Meine alten Quellen zum Thema sind leider nicht mehr vorhanden, nichtdestotrotz interessiert mich das Thema aber weiterhin.
 
M

Mitglied 61702

Gast
Na ja das weiß ich ja.

Es geht z. B. hier um so etwas:

Sie wollen einen Onlineshop eröffnen? Schritt 1 ist die Gewerbeanmeldung!
Daraus: "Denn die Anmeldung eines Gewerbes ist für alle verpflichtend, die über einen Onlineshop Gewinne realisieren möchten. "

Meine alten Quellen zum Thema sind leider nicht mehr vorhanden, nichtdestotrotz interessiert mich das Thema aber weiterhin.


1. Ein gewerblicher Onlineshop ist ein gewerblicher Onlineshop

2. Ein von einem Freiberufler betriebener Onlineshop ist nicht gewerblich

3. Nicht jede Webseite ist ein Onlineshop

Mein Arzt hat eine Homepage, da stehen sogar seine Igelleistungen drauf, gewerblich im Sinne von Gewerbeanmeldung bzw. Gewerbesteuer ist die Seite damit nicht. Einer meiner Lieblingsmusiker verkauft CDs der eigenen Musik im eigenen Shop. Das ist freiberuflich, nicht gewerblich. Amazon hat einen Onlineshop, der ist gewerblich. Ebenso mein Lieblingsteeladen.

Dasselbe ist mitnichten immer das Gleiche. :)
 
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