Frau wurde nach Geburt eines Kindes beruflich kaltgestellt: Gericht sieht Diskriminie (1 Betrachter)

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Kaleika

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Kein Abschreckungseffekt

Sule Eisele wurde nach Geburt ihres Kindes beruflich kaltgestellt. Gericht räumte Diskriminierung ein, gewährte aber nur 10800 Euro Schadenersatz

Von Jana Frielingaus

n den Leserkommentaren der Frankfurter Allgemeinen wurde das Urteil mit einhelliger Genugtuung aufgenommen, die Existenz des im August 2006 in Kraft getretenen Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG), auch Antidiskriminierungsgesetz genannt, dagegen als »Sozialismus« gebrandmarkt.

Was war geschehen? Eine Frau hatte sich erdreistet, von ihrem »Arbeitgeber«, der R+V-Versicherung, eine halbe Million Euro Entschädigung nicht etwa für eine Entlassung, sondern »lediglich« dafür zu verlangen, daß sie beruflich erheblich schlechter- und in Sachen Karriere kaltgestellt worden ist. Nicht, weil nachlassende Leistungen dergleichen gerechtfertigt hätten, sondern weil sie ein Kind bekam und nach dessen Geburt nicht, wie es die gesellschaftliche »Norm« im Oberschwäbischen vorsieht, für längere Zeit aus dem Beruf aussteigen wollte. Nein, als Alleinernährerin ihrer nun vierköpfigen Familie wollte sie nach der Mutterschutzfrist wieder voll einsteigen. Die Quittung dafür: Versetzung an den Katzentisch. (...)
Quelle: 02.01.2009: Kein Abschreckungseffekt (Tageszeitung junge Welt)
 
F

FrankyBoy

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AW: Frau wurde nach Geburt eines Kindes beruflich kaltgestellt: Gericht sieht Diskrim

Bitte mal sachlich; ich halte dieses Urteil nur für einen weiteren Beleg, dass wir wirklich in einer Bananenrepublik leben.

Insgesamt halte ich den Vorgang als einen, der vielen Beweise die es mittlerweile gibt, dass unser Rechtssystem einfach verbesserungsbedürftig ist; ich freue mich schon auf das Urteil des EUGH das hoffentlich objektiver ausfällt.
 

Kaleika

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AW: Frau wurde nach Geburt eines Kindes beruflich kaltgestellt: Gericht sieht Diskrim

(..) Die Versetzung der 38jährigen war zwar klar rechtswidrig und deshalb rückgängig zu machen. Die hohe Schadenersatzforderung dagegen sah Richter Jörg Krampe als vollkommen unverhältnismäßig an und gestand der Klägerin lediglich 10800 Euro zu. Das ist ein Fünfzigstel der Summe, die nach detaillierten Berechnungen von Rechtsanwalt Klaus-Michael Alenfelder die seiner Mandantin entstandenen Nachteile kompensiert – und andere Firmen wirksam von ähnlichem Verhalten abgeschreckt hätte. (...)
Hier hatte eine mutige junge Muttter die Courage, gegen eine mächtige Firma zu Felde zu ziehen und den Fall in die Öffentlichkeit zu stellen. Wer sollte sie später wieder einstellen? Außerdem musste die Familie zu den Eltern der Klägerin ziehen....
Wie der Richter es fertig bringt, weder für die Vergangenheit, noch für die Zukunft einen beruflichen Schaden zu sehen, das bleibt sein (ungerechtes) Geheimnis!

Kaleika
 

avalon

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AW: Frau wurde nach Geburt eines Kindes beruflich kaltgestellt: Gericht sieht Diskrim

Naja, wo sollen die 500.000 Euro herkommen? Es geht um einen nachweibaren materiellen Schaden, solche skurillen Nummern wie in amerikanischen Schadenersatzprozessen kommen da nicht vor. Man kann schlecht unterstellen, dass man ansonsten bis zur Rente ein Traumgehalt bezogen hätte. So lautet nunmal das gesetz: max. 3 Monatsgehälter für den immateriellen Schäden, dazu der nachgewiesenen materielle Schaden. Hier wird üblicherweise das Gehalt bis zum nächstmöglichen Kündigungstermin angenommen.

Spekulationen, wie die karriere ansonsten verlaufen wäre, gehören da nicht hin. Die 500.000 Euro sind halt durchs AGG nicht gerechtfertigt.

Jeder Bewerber, der aufgrund einer Diskriminierung nicht eingestellt wird, kann auch argumentieren, sein Schaden sei ja erheblich höher als die paar Monatsgehälter, weil er halt weiterhin arbeitslos ist (wenn er denn arbeitslos ist). Nur müsste dann er nachweisen, dass er den Job ewig behalten hätte.
 

Kaleika

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AW: Frau wurde nach Geburt eines Kindes beruflich kaltgestellt: Gericht sieht Diskrim

Ja, die Höhe des Schadensersates ist natürlich enorm - Deinen Bedenken kann ich folgen.
Doch finde ich, dass Frauen, die Mütter werden, einmal vom Gericht Verstärkung gewährt werden muss, weil es eine sexistische Sauerei ist, Frauen in Erziehungszeit zwingen zu wollen, bzw. ihnen wegen der biologischen Möglichkeit einer Schwangerschaft gleich ein geringeres Gehalt als Männern zu bezahlen.
Gerade in Deutschland bekommen Frauen fast 25 Prozent weniger Gehalt als Männer und offenbar werden da immer neue Möglichkeiten gesucht, Frauen weniger zu zahlen, sie schlechter zu stellen!

Kaleika
 

Donauwelle

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AW: Frau wurde nach Geburt eines Kindes beruflich kaltgestellt: Gericht sieht Diskrim

Ich finde, man kann den Fall hier nicht wirklich beurteilen. Ich kenne die Branche ja recht gut und kenne auch Leute, die früher bei der R+V als Versicherungsfachmann tätig waren - da ist vieles erfolgsabhängig und man wird auch ohne Frau und Erziehungsurlaub leicht versetzt, wenn man die Zahlen nicht bringt. Der Bereich ist einfach so und man lebt ja doch größtenteils von den Provisionen. Ggf. hat man hier wegen des Mutterschutzes Rücksicht genommen, weil man erwartet hat, dass jemand hier wirklich 3 Jahre in Erziehungsurlaub geht. Sonst hätte sie wohl schon früher aufgrund mangelnder Zahlen das gute Gebiet verloren - nicht weil sie Frau und Mutter ist.

Wenn jemand gute Zahlen bringt und erfolgreich ist, dann setzt man ihn auch nicht auf schlechtere Gebiete... - unabhängig vom Geschlecht, Muttereigenschaft etc. - dann würde man sich selbst ja mehr schädigen als den anderen... (übrigens erhalten auch die Vorgesetzen Provisionen für die Akquisen ihrer Untergebenen...)
 
E

ExitUser

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AW: Frau wurde nach Geburt eines Kindes beruflich kaltgestellt: Gericht sieht Diskrim

Ah, die Zensurkeule hat wieder zugeschlagen. Was unangenehm ist, wird einfach gelöscht.

Und wieder bin ich einen Schritt weiter, mich dem System der Mehrheit anzuschließen...
 

Donauwelle

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AW: Frau wurde nach Geburt eines Kindes beruflich kaltgestellt: Gericht sieht Diskrim

Ich habe jetzt nochmals eure anderen Beiträge gelesen - ansonsten stimme ich zwar bei allgemeinen Fällen zu - ich denke aber, genau dieses Ding mit der Versicherungsfachfrau bei der R+V passt nicht in die Frau/Mutter/Benachteiligungskiste.

In dem Bereich, in dem sie tätig war, ist eine ständige Fluktuation - und hier zählen eben Dinge wie Verkaufszahlen und -perspektiven das meiste. Wenn ihre Verkaufsleistungen zuvor überragend waren, wird ihr Vorgesetzter den Teufel tun, sie überreden zu wollen nicht weiter zu machen und sie sicherlich nicht auf schlechtere Plätze versetzen... Sowas wie eine Bestandsgarantie gibt es bei der R+V-meines Wissens nach nicht, da diese in den Filialen sitzen und eben nicht als Selbständige freie Handelsvertreter tätig sind, wie bei anderen Versicherungsgesellschaften.
 

Henrik55

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AW: Frau wurde nach Geburt eines Kindes beruflich kaltgestellt: Gericht sieht Diskrim

Ah, die Zensurkeule hat wieder zugeschlagen. Was unangenehm ist, wird einfach gelöscht.

Und wieder bin ich einen Schritt weiter, mich dem System der Mehrheit anzuschließen...
Ich habe es zwar nicht gelesen was Du geschrieben hast bin mir aber sicher, dass wir uns hier einig sind. Denn was ich dazu zu schreiben hätte wäre auch zensiert worden.:icon_smile:
 

Ferenz

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AW: Frau wurde nach Geburt eines Kindes beruflich kaltgestellt: Gericht sieht Diskrim

Ich habe es zwar nicht gelesen was Du geschrieben hast bin mir aber sicher, dass wir uns hier einig sind. Denn was ich dazu zu schreiben hätte wäre auch zensiert worden.:icon_smile:
Wenn Martin den Beitrag von Hartziger eher herausgenommen hätte, wäre meine Antwort zu Hartziger überflüssig gewesen. Nun war ich mit meiner Replik etwas schneller.

Ich hoffe, daß Martin bei den anderen Threads (Hessenwahl, Bankenkrise etc.) genauso schnell und verantwortungsvoll am Ball ist. Ob das aber bei jeder Kleinigkeit wie hier Sinn macht...

Wo sind die Maßstäbe seines Eingreifens ? Und welche wendet er bei seinen einsamen Entscheidungen an ? Die Nettikette kann es allein nicht sein.

Ich rede hier nicht von Zensur, sondern von kleinkariertem Verhalten.

Das wird dann für ihn ein arbeitsreiches Jahr.

Trotzdem allen ein kritikbewußtes, tolerantes und wehrhaftes gutes Neues Jahr !

Martin, zukünftig wird Dich jeder User an Deinen unveröffentlichen Maßstäben messen. Die Geister, die Du gerufen hast, wirst Du so schnell nicht los. Hier ist mehr Transparenz gefragt.

Ferenz :cool:
 

avalon

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AW: Frau wurde nach Geburt eines Kindes beruflich kaltgestellt: Gericht sieht Diskrim

Ja, die Höhe des Schadensersates ist natürlich enorm - Deinen Bedenken kann ich folgen.
Doch finde ich, dass Frauen, die Mütter werden, einmal vom Gericht Verstärkung gewährt werden muss, weil es eine sexistische Sauerei ist, Frauen in Erziehungszeit zwingen zu wollen, bzw. ihnen wegen der biologischen Möglichkeit einer Schwangerschaft gleich ein geringeres Gehalt als Männern zu bezahlen.
Gerade in Deutschland bekommen Frauen fast 25 Prozent weniger Gehalt als Männer und offenbar werden da immer neue Möglichkeiten gesucht, Frauen weniger zu zahlen, sie schlechter zu stellen!

Kaleika
Ja, schon klar! Habe selbst gerade eine AGG-Geschichte am Hals, allerdings wegen Schwerbehinderung. Da kenne ich so ziemlich alle Urteile, die bislang gesprochen wurden. Ich denke, dass die gesetzliche bechränkung auf nachgewiesene matrerielle Schäden Sinn egibt, wenngleich die Gerichte sich selbst damit schwer tun. Die tatsächlichen Entschädigungen bleiben weit darunter, wenn den überhaupt eine zugesprochen wird.

Das BAG gibt sich in seiner Rechtsprechung schon Mühe, einen einigermassen vernüftigen Rahmen vorzugeben, aber die unterern Instanzen haben eine höllische Angst, den auch auszuschöpfen.
Gerade letztens musste das BAG wieder eine LAG-Entscheidung einsacken, weil ein LAG einer Behörde Recht gegeben hatte, die sich darauf berufen hatte, dass intern die Info über die Schwerbehinderung eines Bewerbers versehentlich nicht weitergegeben wurde und deswegen der Entscheider
gar nicht dikriminieren konnte. :confused: Keine Begründung ist zu blöd, als dass die Richter nicht gerne darauf zurückgriffen und jede Diskriminierung - aus welchen Gründen auch immer- als unglaubwürdig ansehen.

Mein persönliche Highlight ist eine Entscheidung des AG Gelsenkirchen, in der ein schwerbehinderter Ingenieur wegen einer nicht begründeten Absage geklagt hatte. Das Gericht kam zur Überzeugung, dass eine Diskriminierung nicht vorliegen könne, weil es sich ja um eine sitzende Tätigkeit handelt und es unglaubwürdig sei, dass diskriminiert würde, wenn es doch objektiv garnicht erforderlich sei. :icon_neutral:

Diskriminiert wird nur, wenn es notwendig ist! Was fällt einem dazu noch ein? :eek:
 

Eierbecher

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AW: Frau wurde nach Geburt eines Kindes beruflich kaltgestellt: Gericht sieht Diskrim

Nix mehr

In meinem Fall ist ein Anwalt der Meinung das in meiner Firma eine Art Mobbing vollzogen würde. Ich biete seit Januar 2008 meine Arbeitskraft wieder an, nur nicht in meinem alten Job.

Den kann ich wegen meiner gesundheitlichen Probleme leider nicht mehr ausüben.

Jetzt sagt die Fa., wir haben keinen Job für mich, außer in meinem alten Job.
Falsch, dafür müßte nur ein anderer Mitarbeiter versetzt werden.
Das wollen die aber nicht.

Ich kämpfe weiter, fühle mich aber auch diskriminiert und an der Ausübung "meiner" Arbeit gehindert.

Ganz abgesehen davon das mir jetzt reichlich Geld fehlt.
Noch bis Juli habe ich ALG 1

Dann geht es endgültig an die Wäsche.

Mir graut es davor:icon_kotz:
 
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