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Frankfurt: Aufruf zur Opernball-Demonstration am 24.02.2007

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annette

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#1
Aufruf zur Opernball-Demonstration 2007

*Her mit dem schönen Leben! *

"Das Leben ist schön - es lebe das Leben" lautet das Motto des
Opernballs 2007 in Frankfurt. Das lässt sich leicht sagen, für die "etwa
2000 Personen aus den Bereichen der Politik, der Wirtschaft und der
Banken, der Publizistik und der Gesellschaft" die sich bis zu 665,- Euro
für Kulturprogramm und Erster Klasse-Menü locker leisten können.

Der Arbeitslosengeld-II-Regelsatz sieht für ein Abendessen 1,48 Euro pro
Tag vor. Kombiniert mit den täglich zugestandenen 21 Cent für Sport- und
Freizeitbeschäftigung, sind wir bei stolzen 1,69 Euro pro Tag. Die
billigste Opernball-Karte für Erwachsene ("die Flanierkarte" - wir wollen
ja nicht anmaßend sein) kostet schlappe 220,- Euro. Dementsprechend
müssten ALG -II - BezieherInnen nur etwa 130 Tage, das sind nicht mal 4
Monate, auf ihr Abendessen sowie Sport- und Freitzeitbeschäftigungen
verzichten, um an dem Spektakel teilzuhaben. Schön ist das Leben - aber
diese Verhältnisse sind es nicht!

Reiner Neid? Ein Blick auf die Gästeliste belehrt uns eines Besseren.
Dort finden wir beispielsweise Horst Teltschik. Teltschik stand als
langjähriger Berater Helmut Kohl zur Seite und trieb aus den
Vorstandsetagen (bei Bertelsmann) die Privatisierungen und (bei Boeing) die
Rüstungsgeschäfte voran. Kein Zufall, dass er seit 1999 die jährliche
Nato-Sicherheitskonferenz in München leitet und für all diese Verdienste
mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.

Neid? - Nein, eher Wut. Wut auf diese Verhältnisse, die solche Manager
Stundenlöhne von 500,- Euro "verdienen" läßt, während andere die gleiche
Summe nicht mal im Monat zur Verfügung haben. Auf Verhältnisse, die uns
zwingen, unsere Arbeitskraft möglichst billig zu verkaufen, und die uns
aus der Gesellschaft ausschließen, wenn wir keinen Arbeitsplatz finden.
Die uns zwingen, unser Studium, unser Wissen und unsere Bildung an den
Wirtschaftsinteressen zu orientieren und die hunderttausenden von Menschen
jegliche Rechte verweigern, indem sie zu "Geduldeten" oder gar "Illegalen"
abgestempelt werden.

Am Opernball-Abend wird diese Kluft mehr als deutlich, wenn die
gelackten Profiteure dieser Verhältnisse das schöne Leben feiern
und uns dumm-dreist weismachen wollen, wir säßen alle im gleichen Boot
namens "Deutschland".

Doch aus unterschiedlicher Betroffenheit formuliert sich immer wieder
Widerspruch gegen diese Verhältnisse: Tausende Studierende blockierten
im vergangenen Jahr Hauptbahnhöfe und Autobahnen. Ärztinnen und
Krankenpfleger hatten die Nase voll von einer angeblichen
Gesundheitsreform. Und einige hunderte gingen im vergangenen Jahr mehrfach
für ihr Aufenthaltsrecht auf die Strasse. Trotz all dieser einzelnen
Kämpfe bleibt das schöne Leben für alle aber sicher noch in weiter Ferne.


"Kick it like Frankreich!" hieß es bei den Studierenden-Protesten im
vergangenen Jahr mit Bezug auf massive Proteste in Frankreich, bei denen
eine Gesetzgebung namens CPE, die den Kündigungsschutz für
BerufsanfängerInnen aushebeln sollte, letzten Endes gekippt wurde.
Entfernt scheinen solche Erfolge hier, ein wenig ungelenk die stärker
werdenden Protestbewegungen im vergangenen Jahr. Aber da ist ein Beat...

Prekär, also unsicher, nennen wir die Lebens- und Arbeitsverhältnisse,
die sich auch in Germoney immer weiter ausbreiten. "Unterschicht" würden
wohl diejenigen es nennen, die in der Alten Oper ihren Reichtum zur
Schau stellen. Jedenfalls werden immer mehr Menschen in Niedriglohnjobs
gezwungen oder in die Verarmung gedrückt. Die einen sollen bis 67
schuften oder die Rente wird noch geringer ausfallen. Andere werden zu
Überflüssigen erklärt, weil sie als nicht flexibel und anpassungsfähig
genug gelten. Und: "Wer uns nützt, kann bleiben. Ansonsten abschieben" -
ist die Devise gegenüber Flüchtlingen oder MigrantInnen, die ja nicht
aufmucken sondern brav in den miesesten Jobs buckeln sollen.

Eine "Rette sich wer kann und jeder gegen jeden"-Stimmung wünschen sich
die Oberen, spalte und herrsche! Und all zu oft funktioniert das
Gegeneinander-Ausspielen und die Konkurrenzen - Rassismus, Sexismus,
Leistungswahn!

Umso wichtiger sind alltägliche Initiativen und Kampagnen, die die
gegenseitigen Abgrenzungen unterlaufen, die die unterschiedlichen
prekären Lebenssituationen zueinander vermitteln und die sozialen und
politischen Protestformen in Austausch und Verbindung bringen. Und das
laut und unüberhörbar: "die Kosten rebellieren"!

Genau das alles wollen wir, wenn wir am 24. Februar zum und gegen den
deutschen Opernball in Frankfurt mobilisieren und auf die Strasse gehen:
als gemeinsame Protestparade, als Demonstration und Kundgebung, als
Störfaktor gegen die Show der Reichen.

Und wir sehen es als Auftakt für massenhafte Proteste im kommenden Juni.
wenn die hohen Herren und Damen der reichsten G(reat)8-Staaten im
Ostseebad Heiligendamm bei Rostock zusammentreffen: um sich für die
kommenden Energiekonflikte und Rohstoffkriege abzustimmen, um ihre
"Wissens- und Informationsgesellschaft" mit Patenten abzusichern und um
einmal mehr Großzügigkeit gegenüber einem "armen Afrika" vorzuheucheln,
von dessen "Schuldendienst" doch alle ständig profitieren.

Hinter meterhohen Sicherheitsabsperrungen werden sie ihrer
Geschäftspolitik möglicherweise nachgehen können, aber eines ist sicher:
Die Strassen Mecklenburg-Vorpommerns werden in diesen Tagen all jenen
gehören, die sich für globale soziale und politische Rechte einsetzen. Den
Protestierenden oder den "Überflüssigen", denen, die die jeweiligen
Ungerechtigkeiten anprangern wollen, oder denen es "ums Ganze" geht.
Jedenfalls all jenen, die für ein schönes Leben kämpfen wollen oder
müssen.


Am 24.Februar werden wir durch Frankfurter Strassen ziehen -- als Warming
up für den G8 im Juni, gegen das große Fressen der Elite und mit einer
Portion Wut auf die Verhältnisse - und mit diesem Beat...


*Der Opernball wird gerockt,*

*Wir holen uns das schöne Leben!*

*The Beat goes on...! *

Glocal Group Hanau, kein mensch ist illegal Hanau, Rhein-Main-Bündnis
gegen Sozialabbau und Billiglöhne, Workers Center Initiative Rhein-Main;
Courage gegen Rassismus - Rödelheim, kein mensch ist illegal Darmstadt,
Aktionsbündnis gegen Abschiebungen Rhein-Main
 
E

ExitUser

Gast
#3
Re: Frankfurt: Aufruf zur Opernball-Demonstration am 24.02.2

annette sagte :
"Das Leben ist schön - es lebe das Leben" lautet das Motto des Opernballs 2007 in Frankfurt. Das lässt sich leicht sagen, für die "etwa 2000 Personen aus den Bereichen der Politik, der Wirtschaft und der Banken, der Publizistik und der Gesellschaft" die sich bis zu 665,- Euro für Kulturprogramm und Erster Klasse-Menü locker leisten können.
Soll ich mal in meine Glaskugel schauen? Ich sehe Zeiten heraufdämmern, da werden solche Dekadenz-Veranstaltungen genau so eingezäunt werden müssen, wie das G-8-Treffen im Sommer ...
 

a f a

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Redaktion
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#5
Hallo Zusammen,

fährt jemand aus dem Kölner Raum dahin, dann mag er mich bitte
kontaktieren ?


Her mit dem schönen Leben

Norbert
 
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