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Fragenkatalog

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Sandra_88

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Hallo!
Ich heiße Sandra,18 Jahre alt aus Bielefeld.
Zusammen mit meiner Freundin beschäftige ich mich mit dem Thema "Hartzt IV/ALGII"im Fach Sozialwissenschaften,für das wir ein Referat vorbereiten möchten.
Wir haben nun zusammen einen Fragenkatalog entworfen und würden einmal höflich anfragen,ob ihr uns helfen könntet,indem ihr,wenn ihr möchtet diese Fragen beantwortet.Ich würde mich auch über eine persönliche Nachricht freuen.
Der Fragenkatalog sieht folgendermaßen aus:


1)Fühlt man sich von der Gesellschaft isoliert?
2)Wie sind die Erfahrungen mit "1€-Jobs"?
3)Wie läuft die sogenannte "Bedürftigkeitsprüfung" ab?
4)Glauben Sie,dass es durch Hartz IV zu verstärktem Klassendenken kommt(Menschen fühlen sich besser als andere)?
5)Wie sieht es mit Hartz IV im Falle von Krankheit aus (stetiger Gebraucht von Medikamenten,die ja nicht preiswert sind)?
6)Im Unterschied zum früheren Leben:Worauf muss man besonders verzichten,oder was ist nicht mehr erschwinglich?
7)Was waren,Ihrer Meinung nach,die Vorteile der alten Regelung?

Und zum Abschluss vielleicht noch: Nach einiger Zeit Hartz IV-ziehen sie Fazit..welche Regelung war wirkungsvoller?Sollte man das ganze System noch einmal überdenken und gar die alte Regelung wiedereinführen"

Wer nicht so öffentlich im Forum schreiben möchte,kann auch gerne meine Emailadresse erfragen und mir mailen!

Wir sagen schonmal im vorraus Vielen Dank

Sandra
 

heuschrecke

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Hmm. Wie wärs, wenn ihr das auf einen anonymen Fragebogen druckt und da ein paar von kopiert und damit in die Arge geht und die Zettel da den Leuten gebt oder notfalls welche auslegt und einen zugeklebten Karton mit Alufolie beklebten Karton(damit er ins Auge fällt) mit Schlitz oben aufstellt. Noch draufschreiben: Anonyme Umfrage für Referat und fertig. Nach ein paar Tagen wieder abholen.

Müsstet ihr eventuell vorher die Arge fragen, ob ihr die Erlaubnis kriegt, den Kasten da für ein paar Tage aufzustellen.

Bei uns gab es neulich auch genau sowas in der Arge.
Da sitzen immer ne ganze Menge Leute rum, die sich eh zu Tode langweilen, weil sie ewig und drei Tage warten müssen, bevor sie dran kommen. Hab das letzte mal geschlagene 2 Stunden gewartet, damit ich einen Termin vereinbaren durfte....
8)

Wer die Fragen im Forum beantworten will, der braucht ja die eMail-Adresse nicht, sondern kann einfach ne PN schreiben (Knopf unten links).
 

Sandra_88

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Hallo
Danke erstmal für deine Auskunft.Wie gesagt,uns geht es um die persönlichen Erfahrungen und wie die Menschen selber die Situation beurteilen.Daher hatten wir gedacht ,wäre es nicht schlecht mal im Forum sich zu erkundigen.
Aber danke für den Tipp..das ist auch eine gute Idee.

Liebe Grüße
Sandra
 

Kaleika

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Hallo Sandra,
auf den Seiten der Montagsdemos findest Du bestimmt Antworten oder Tipps.
Ich geb Dir mal die Homepage von www.bremer-montagsdemo.de, weil ich in Bremen wohne und hier mitwirke
Gruß von Kaleika
 
E

ExitUser

Gast
Sandra_88 schrieb:
Der Fragenkatalog sieht folgendermaßen aus:


1)Fühlt man sich von der Gesellschaft isoliert? Ja
2)Wie sind die Erfahrungen mit "1€-Jobs"? Mein FM hat mir noch keinen reingedrückt... ob aufgrund meiner persönlichen Situation oder weil ich das ablehne ...k.A.
3)Wie läuft die sogenannte "Bedürftigkeitsprüfung" ab? Weiß ich nicht...hab den Antrag nicht ausfüllen müssen
4)Glauben Sie,dass es durch Hartz IV zu verstärktem Klassendenken kommt(Menschen fühlen sich besser als andere)?
Ja - ist auch an den Beiträgen in den Foren zu sehen
5)Wie sieht es mit Hartz IV im Falle von Krankheit aus (stetiger Gebraucht von Medikamenten,die ja nicht preiswert sind)?
wenn das Geld nicht reicht, kann nchts gekauft werden...6)Im Unterschied zum früheren Leben:Worauf muss man besonders verzichten,oder was ist nicht mehr erschwinglich?
Alles, was nicht notwendig ist... Kleidung, Hobby, rausgehen (Kino, außerhalb essen, Feste) , weniger Obst und Gemüse (gibts nur vom Aldi) und Fleisch nur noch Speck/Hackfleich.

7)Was waren,Ihrer Meinung nach,die Vorteile der alten Regelung?
Daß man für bestimmte Dinge Beihilfe beantragen konnte... grad was Gesundheit; Bekleidung und Schule /Kinder, Weihnachten betrifft.
Und zum Abschluss vielleicht noch: Nach einiger Zeit Hartz IV-ziehen sie Fazit..welche Regelung war wirkungsvoller?

Was ist mit wirkungsvoller gemeint?

Sollte man das ganze System noch einmal überdenken dann wirds noch schlimmer, befürchte ich und gar die alte Regelung wiedereinführen" das kann man nicht mit ja oder nein nicht beantworten. Man müßte schauen, was an der alten Regelung gut war und was an der neuen - beides hat Vor - und Nachteile

Sandra
 

Grobi

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1)Fühlt man sich von der Gesellschaft isoliert?
Ja. Der "Freundeskreis" reduziert sich binnen kürzester Zeit auf ca. 5%. Selbst in Bereichen wo die Wirtschaftliche Lage des einzelnen egal sein MUSS wird man geschnitten - sogar auf dem Elternabend in der Grundschule (kürzlich erst erlebt).
2)Wie sind die Erfahrungen mit "1€-Jobs"?
Mangelhaft. Ich bin froh, das ich es noch recht "gut" erwischt habe, keine körperlich schweren Arbeiten verrichten muss und keinen Kontakt mit der "normal arbeitenden Bevölkerung" haben muss, die mich nur noch mehr erniedrigen würden. Trotz alledem ist es mehr als unbefriedigend, hier einen Euro/stunde zu erhalten für Arbeiten, die früher meinen gesamten Lebensunterhalt gesichert haben (Webdesign, IT). Von unnützen Qualifizierungsmassnahmen, wo ich regelmässig dem Dozenten noch etwas beibringe ganz zu schweigen.
3)Wie läuft die sogenannte "Bedürftigkeitsprüfung" ab?
Falls die Prüfung beim Erstantrag gemeint ist: Das Amt fordert einen grossen Schwung persönlicher Unterlagen an, die quasi den wirtschaftlichen Stand des/der Antragsteller, teilweise auch Ihrer Angehörigen transparent machen. Anhand dieser Aktenlage wird dann entschieden. Einen "Hausbesuch" musste ich bisher nicht erdulden.
4)Glauben Sie,dass es durch Hartz IV zu verstärktem Klassendenken kommt(Menschen fühlen sich besser als andere)?
Eindeutig ja. Menschen, mit denen ich früher Seite an Seite gearbeite habe , auch frühere Kunden sehen nun eindeutig auf mich herab. Bei einem Arzt einen "Arbeitsunfall im EEJ" zu schildern führte zu sehr merkwürdigen fast schon verachtenden Verhalten. Der oben bereits erwähnte Elternabend fügt sich auch hier nahtlos in das negative Gesellschaftsbild ein.
5)Wie sieht es mit Hartz IV im Falle von Krankheit aus (stetiger Gebraucht von Medikamenten,die ja nicht preiswert sind)?
Für die Dauer des ALG-II Bezuges (Müsste aber auch bei ALG-I so sein, bin da nicht sicher) ist man in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert, mit allem was sich daraus an Vor- und Nachteilen ergibt. Bisher konnte ich die Medikamentierungskosten aufbringen, da sich meine Gesundheit noch recht tapfer hält ;) Allerdings merke ich, wie es nicht zuletzt durch den EEJ mit der Gesundheit und dem allgemeinen seelischen Wohlbefinden bergab geht - wenn da was ernsthaftes kommen sollte wird es problematisch.
6)Im Unterschied zum früheren Leben:Worauf muss man besonders verzichten,oder was ist nicht mehr erschwinglich?
Verzicht: Jegliche Form von Luxusgütern, Nahrungsmittel hoher Güte, Soziale Kontakte ausserhalb der direkten Nachbarschaft, usw.
In meinem spezifischen Fall (Hartz IV für vierköpfige Familie) ist es zwar genug zum Leben, doch jegliche Besonderheit fällt weg, bzw. fällt extrem mager aus. Die Kinder freuen sich zwar auch über einen Ausflug ins nahe gelegene Waldstück, aber das es nicht einmal ein kleines Eis oder dergleichen danach gibt wie in vielen anderen Familien - das verstehen Sie nicht. Ich fürchte mich ernsthaft vor dem Tag, wo die Jungs in der Schule mit derlei Klassenunterschieden konfrontiert werden. Der grösste Luxus den wir uns gönnen können ist die Mitgliedschaft der Kinder in Ihren Sportvereinen - und das auch nur gerade so eben.
7)Was waren,Ihrer Meinung nach,die Vorteile der alten Regelung?
Der Behördenkontakt bzw. der Umgangston zwischen Behörde und Leistungsempfänger war wesentlich freundlicher. Man war zwar immer noch gesellschaftliche Unterkante, hatte aber nicht zwingend ein von Politik und Medien gesponsortes "Schmarotzer-image".

Und zum Abschluss vielleicht noch: Nach einiger Zeit Hartz IV-ziehen sie Fazit..welche Regelung war wirkungsvoller?Sollte man das ganze System noch einmal überdenken und gar die alte Regelung wiedereinführen"
Das Hartz-IV System weist eklatante Mängel auf. Die verantwortlichen Politiker haben mit diesem Paket nur bewiesen, das Sie sich nicht wirklich mit dem Problem befasst haben. Das alte System war mit Sicherheit in vielen Belangen besser, als das aktuelle. Mit Hartz IV ist es einer Familie möglich, in die Schuldenfalle abzurutschen obwohl man sich korrekt verhält. Hartz IV vernichtet Arbeitsplätze. Hartz IV schadet den Betroffenen mehr, die Psyche leidet noch mehr als früher. Einige grundlegende Verbesserungen wenigstens für die Kinder von betroffenen müssen einfach her. Man kann also wirklich nur sagen: "Früher war alles besser" - auch wenn es kitschig klingt.
 
E

ExitUser

Gast
Früher war alles besser: wollt ich zuerst uch schreiben, habs dann aber gelassen, weil: mir gings besser, anderen nicht.
Und wenns um die Frage geht, ob ich die Sozialhilfe zurück haben will, würd ich sagen, ich möchte die sozial denkenden Politiker zurück :)

Ich möchte weder die Sozialhilfe zurück noch das ALG II behalten...
was ich möchte, ist korrektes Benehmen der SB, daß jeder seinen Anspruch auf einen Regelsatz und die Mietübernahme hat, und daß enmalige Beihilfen wieder eingeführt werden.

Und daß jeder seinen Freibetrag für die Altersvorsorge so sparen darf, wie er will. Der Eine Aktien, der andere Haus, der dritte das Geld unterm Kopflkissen.

Verbessern könnte man sehr vieles, aber wozu die Mühe mchen, das lles aufzulisten: unsere Politiker wollen es ja verschlimmbessern, nicht verbessern.


Gruß aus Ludwigsburg
 

Sandra_88

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Hallo!
Vielen vielen Dank Euch schonmal für die Aukünfte.Die haben uns schon sehr geholfen.
Natürlich freuen wir uns auch über weitere Beiträge.
Dankeschön
 

alpha

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1)Fühlt man sich von der Gesellschaft isoliert?

> Bisher noch nicht so, denn NOCH habe ich vernüftige Kleidung etc. Na klar, Kino, Disco,Konzerte, Reisen etc. fallen aus, macht aber nicht sooo viel. Geld haben meine Kumpels auch net :mrgreen: sind alles nur kleine Leute entweder selber arbeitslos o. mit eher geringem Einkommen.

2)Wie sind die Erfahrungen mit "1€-Jobs"?

> Keine. Denke aber, diese sollten SOFORT abgeschafft werden, da durch dadurch ja reguläre Vollzeitstellen vernichtet werden. Das mit dem "zusätzlich" und "gemeinnützig" halte ich für Quatsch. Aber vermutlich ist es genauso von "höherer Stelle" geplant gewesen.

3)Wie läuft die sogenannte "Bedürftigkeitsprüfung" ab?

> H4er dürfen max. 150€/Jahr besitzen. Dazu noch - glaube 200€/Jahr für Riester Verträge. Auserdem wird das Auto (max. 5000€), die Wohnung und auch das Vermögen von im Haushalt lebenden Leuten geprüft (könnten Dich ja irgendwie unterstützen)

4)Glauben Sie,dass es durch Hartz IV zu verstärktem Klassendenken kommt(Menschen fühlen sich besser als andere)?

> Sicher

5)Wie sieht es mit Hartz IV im Falle von Krankheit aus (stetiger Gebraucht von Medikamenten,die ja nicht preiswert sind)?

> Schlecht, die Gesundheitskosten sind ja schon für "normale" Leute mit schmalem bis mittlerem Einkommen zu hoch. Allerdings gibt es wohl von den Krankenkassen eine Art Befreiung für H4er. Habe ich aber - aus Angst davor als 2ter o. 3te Klasse Patient zu gelten - bisher nicht in Anspruch genommen.

6)Im Unterschied zum früheren Leben:Worauf muss man besonders verzichten,oder was ist nicht mehr erschwinglich?

> Auf alles. Insbes. CDs,DVDs etc. (kaufe ich so gut wie keine mehr, früher war ich Sammler), Hifi, PC, Auto, Urlaub, Essen gehen, Kino, andere gesellschaftl. Aktivitäten. Keidung und Nahrungserwerb wird bei mir sicher auch bald (sollte ich nicht doch noch eine normal bezahlte Stelle finden) dran glauben müssen. Reparaturen sind ebenfalls kaum noch möglich, zB. wenn Kühlschrank o. Herd etc. kaputtgehen...

7)Was waren,Ihrer Meinung nach,die Vorteile der alten Regelung?

> Gerechter. Da ALHI vom vorigem Einkommen abhing. Heute bekommt jemand der 20J. gearbeitet hat, dasselbe wie jemand der noch nie gearbeitet hat. Ausserdem war früher auch die Polemisierung und die Hetze gg. Arbeitslose noch nicht so schlimm wie heutzutage. Von der Vermittlung her, klappen eigentlich beide Systeme gleich schlecht. Wobei es wahrsch. doch bei ALHI noch besser war.Weiterhin wurde mit H4 ein weiteres bürokratisches und nutzloses Monster namens "ARGEN" geschaffen.

Aber Deutschland hat es ja, wir haben ja keine Schulden und können das Geld mit vollen Händen rausschmeissen. Wie man derzeit wieder sieht bei der Aufstockung des Wehretats, die Diätenerhöhungen, Steuererleichterungen für Kapitalgesellschaften, 20 Mio. für Bush Besuch, weiterhin Steuerverschwendung in Mil. Höhe, Bundeswehr rund um die Welt im Einsatz, Geld dafür um das wieder aufzubauen was andere Länder zerstört haben etc. usw..... :| :?
 

marpi

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Hallo Sandra_88,

dieser Fragenkatalog ist nicht schlecht, den würde ich auch mal bei
www.tacheles-sozialhilfe.de
reinsetzen, ich denke da wirst Du auch viele Antworten bekommen.

Viel Glück euch

lg
marpi
 

Xanari

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1)Fühlt man sich von der Gesellschaft isoliert?
Ein gewisses Grundmaß an "reeller" Isolation bestand durch die Behinderung schon vorher, was später teilweise in einer Selbstisolation
mündete. Bei (Geschäfts-)Gesprächen kommt allerdings relativ schnell eine Abgrenzung von "höherwertigem Leben" auf, wenn die eigene
Joblosigkeit zur Sprache kommt.

Virtuell ist die Abgrenzung nicht ganz so extrem, da wird die Arbeitslosigkeit häufiger einfach nur zur Kenntnis genommen, und gut ist.
Dieses mag aber teilweise daran liegen, dass sich erstaunlich viele Erwerbslose im Web tummeln... Oder ich zufälligerweise häufig die
Tummelplätze finde. :hihi:

2)Wie sind die Erfahrungen mit "1€-Jobs"?
Persönliche Erfahrungen mit EEJs bestehen nicht, da erst seit ca. 3 Wochen im JC gemeldet. Auch ein Freund, der seit etwas mehr als einem Jahr HIV
bezieht bekam bisher keinen.

Ein ehemaliger Ausbildungskollege geriet allerdings in einen, und wird ausschließlich berufsfremd eingesetzt - sprich: alles ausser Dinge, die mit
IT zusammen hängen.

3)Wie läuft die sogenannte "Bedürftigkeitsprüfung" ab?
Als Einzelperson muss man die bereits erwähnten finanziellen Zustände mitteilen, und ggf. wenn noch wer mit von der Partie ist.
Kommt dann eine, wie auch immer geartete, Person und Optimierungsgesetze dazu, geht das Ha(r)tzspiel von vorne los, und es
kommen unzählige weitere Bürokratiehürden (bspw. wird das Verhältnis zueinander abgeklopft) auf einen zu; natürlich ohne Leistungen zu zahlen.

4)Glauben Sie,dass es durch Hartz IV zu verstärktem Klassendenken kommt(Menschen fühlen sich besser als andere)?
Ein Großteil der Menschheit scheint sich geradezu auf diesem Klassendenken aufzubauen. Dass da H-IV ein geradezu phantastischer
Aufhänger ist, sollte eigentlich jedem in Vornherein einleuchten.

Kurzum: Ja, bis wir mit einer anderen Gruppierung "Ringelpietz mit Anfassen" spielen dürfen.

5)Wie sieht es mit Hartz IV im Falle von Krankheit aus (stetiger Gebrauch von Medikamenten,die ja nicht preiswert sind)?
Kleinere "Wehwehchen" können glücklicherweise nach wie vor mit ausschwitzen-aussitzen und diversen kostengünstigen Hausmitteln kuriert
werden.

Größere Angelegenheiten und Arztbesuche werden finanziell stellenweise schwierig zu meistern, und dementsprechend geht die Gesundheit nach
und nach baden.
Schließlich kommt mehrfach die Frage auf: Endlich mal zum Arzt gehen und wenigstens kurz beschwerdefrei sein, oder weiter verschleppen dafür
aber anderthalb Wochen etwas auf dem Teller.

Ein bekanntes H4-Päärchen muss wegen der Tabletten gelegentlich zum Sozialamt, da die ArGe bezüglich der Berechnung seit Jahr und Tag Stress
macht, und das Geld hinten wie vorne nicht reicht.

6)Im Unterschied zum früheren Leben:Worauf muss man besonders verzichten,oder was ist nicht mehr erschwinglich?
Besonderer Verzicht: Auswärts essen, Kino, Veranstaltungen, einige Hobbies (z.B. Malen/Zeichnen mit speziellen Materialien)
Nicht erschwinglich: Austausch defekter Geräte/Möbel, Versicherungen welche u.a. speziell auf die Zukunft gerichtet sind, einige spielerische Beschäftigung, Literatur

Einige Dinge gehen zwar, bzw. sind zwingend (Reparaturen), dafür muss dann an anderer Stelle geknappst werden. Aber weitere Einschränkungen
sind nicht ausgeschlossen, zumal dieses hier nur ein kleines Fenster ist.
Aktuell muss ich aber mehr oder minder hilflos mit ansehen, wie mir ein Hardware-Teil nach dem Anderen hopps geht.

Zum Glück ist es hier und dort möglich kostenbehaftete Konsumgüter auch (nahezu) kostenfrei zu erhalten, so dass sich der Ver- bzw. Gebrauch
"nur" verlagert hat.

Im Grunde bleibt nur mein Vater, der 1-2 Mal im Jahr vorbei kommt und auf Unternehmungen einlädt, wo man sich endlich wieder etwas besser
fühlen kann.

7)Was waren,Ihrer Meinung nach,die Vorteile der alten Regelung?
Schwierig zu beurteilen, aber in erster Linie habe ich den Eindruck, dass es damals einige Gummiparagraphen weniger gab, die zu Ungunsten des HE
ausgelegt werden konnten.
Zumindest war der Erhalt von Sozialhilfe weniger stressig, um es ausnahmsweise mal kurz und sehr salopp zu sagen.

Und zum Abschluss vielleicht noch: Nach einiger Zeit Hartz IV-ziehen sie Fazit..welche Regelung war wirkungsvoller?Sollte man
das ganze System noch einmal überdenken und gar die alte Regelung wiedereinführen

Wirkungsvoll waren alle Eingriffe des Staates in dieser Hinsicht nicht.
Allerdings merkt man Hartz4 den Wirtschaftstouch an, und dass da Leute am Werk waren, die ihre Sinne nicht beisammen hatten.
Viele Maßnahmen reiten das Volk noch mehr in den Dreck als es vorher der Fall war, bzw. sorgen für eine stark erhöhte Erpressbarkeit.

Einige Grundgedanken mögen bei H4 recht gut und praktisch gewesen sein, aber die Umsetzung war mal wieder typisch für unsere mehr als
grottige Politkaste: Unter aller Sau.
Ich täte eine Rückkehr zum alten System befürworten, allerdings unter der Bedingung, dass endlich eine Variante eingeführt wird, die wirklich
möglichst allen Seiten gerecht wird, und nicht nur den oberen Zehntausend, die von der modernen Art der Sklaverei profitieren.
 
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