Frage zu Arbeitsangebot mit sittenwidriger Entlohnung

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Herold19

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Hallo, ich grüße Euch/Sie!

Mein "ALG II -Amt" (Kommune) hatte mich und 2 weitere Leute im Dezember zu einem Gespräch in eine Firma geschickt, die uns eine Befragungs-Tätigkeit anbot (30 Std./Woche), zu einer Entlohnung, die NETTO genauso niedrig oder noch etwas geringer ausfiel wie das derzeitige ALG II . (ca. 660,00 Euro, inkl. Miete)
Es ging darum, in Unternehmen zu fahren und dort den Geschäftsführer (per Fragebogen) über die Arbeitskräftesituation (Arbeitskräftebedarf) in seinem Unternehmen auszufragen.

Da ich aufgrund der schon langen Arbeitslosigkeit psychisch sehr angeschlagen und teilweise auch depressiv bin und uns zu dem Vorgespräch auch genannt wurde, das diese Tätigkeit nicht jedermanns Sache ist, da man ständig gegen Ablehnung und Ausflüchte ankämpfen muss (kaum ein Unternehmer hat ein solches Ausfragen gern), habe ich anschließend telefonisch abgesagt.

Jetzt erhielt ich einen Brief vom Amt, wo mir Arbeitsverweigerung vorgeworfen wird und fordert dazu eine Stellungnahme. Ich werde die psychischen (also gesundheitlichen) Gründe angeben und hoffe, dass das akzeptiert wird.

Ich habe in allen meinen bisherigen Arbeitsstellen nie etwas abgelehnt und immer ordentliche Arbeit geleistet, was mir auch in den Zeugnissen bestätigt wurde.
Und jetzt kommt so etwas vom Amt…! Ich bin maßlos enttäuscht, dass solche Angebote mit sittenwidriger Entlohnung überhaupt zulässig sind und von staatlichen Ämtern kommen.

Meine Fragen:
(1) Wie soll ich mich verhalten, wenn demnächst wieder solche "Angebote" bei mir eintreffen? Ich werde dieses Jahr 57 Jahre alt!

(2) Gibt es irgendwo einen Gesetzestext aus letzter Zeit, wo klar und deutlich steht, was in punkto Zumutung und Entlohnung zulässig ist und was nicht?

(3) Wo könnte ich mich beschweren bzw. Informationen einholen (wenn mir deshalb das ALG II gekürzt oder ganz gestrichen wird), ohne dass mir dafür Kosten berechnet werden oder ich noch mehr Ärger bekomme?

Ich freue mich über hilfreiche Antworten von Personen, die sich wirklich damit auskennen!

Viele Grüße von Herold19

Anmerkungen:
(1) Bitte nicht auf die Mindestlöhne für einige Branchen verweisen!
Ich suche im Büro- bzw. kaufmännischen Bereich und da gibt es (außer im Öffentlichen Dienst und in einigen Großbetrieben) keine festgeschriebenen Regelungen, die mir bekannt sind.

(2) Bitte nur auf derzeitig gültige gesetzliche Grundlagen verweisen!
Forderungen oder Wunschvorstellungen von Politikern oder Organisationen aller Art ("Wir wollen..., wir fordern…") nützen mir nichts. Damit ist das Internet schon überfüllt!
Alle Ämter berufen sich immer nur auf Gesetze, nicht auf Forderungen oder Wunschvorstellungen.
 
E

ExitUser

Gast
Hallo,
ich weiß leider nicht, ob diese Antwort deinen Ansprüchen genügt, aber trotzdem:

Stelle erstmal fest, ob die Entlohnung lediglich "niedrig" oder "sittenwidrig" ist. Für die Sittenwidrigkeit brauchst du als Vergleich den tariflichen oder (wenn ein Tarifvertrag nicht existiert) den orts- und branchenüblichen Lohn für eine vergleichbare Tätigkeit.

Sittenwidrigkeit liegt vor, wenn das Angebot weniger als zwei Drittel des tariflichen bzw. orts- und branchenüblichen Vergleichslohns beträgt.

Siehe etwa hier: Wann ist ein Lohn sittenwidrig und welche Auswirkungen hat dies auf das Arbeitsverhältnis? Arbeitsrecht Ratgeber 123recht.net
 

Herold19

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Hallo gurkenaugust,

ich danke für Deine Antwort!
Ja, aber wie soll ich ermitteln, in welche Branche eine solche Befragungstätigkeit offiziell eingeordnet wird und was dort eine branchenübliche Entlohnung ist?
Es gibt soviel undurchsichtige Zusatzbestimmungen und Sondervertragsformen, die Otto-Normal-Mensch ohnehin garnicht kennen kann.

Ich denke mal, wenn man den Leuten Arbeitsverträge aufzwingt, wo man für 30 Std./Wo. dann 660,00 € (mein derzeitiges ALG II ) oder noch weniger Geld erhält, muss es doch eine Anlauf- oder Beschwerdestelle geben?

Wenn ich bei der bekannten Suchbörse eingebe "Arbeit muß sich wieder lohnen" erscheinen zur Zeit 11,9 Millionen Treffer. Also ein heißes Thema!
Aber wer setzt sich denn für Betroffene wirklich ein, die Tätigkeiten zu Hungerlöhnen aufgedrückt kriegen, wie oben beschrieben?

Hier nochmal die wichtigsten Fragen:
(1) Welche Dienststelle, [die sich üblicherweise in jeder Großstadt befindet] kann ich einschalten oder persönlich hingehen, um genaue Auskunft zu dem jeweiligen Fall zu erhalten, wie ich mich in einem Wiederholungsfalle verhalten soll?
Wenn ich wieder so ein Angebot bekomme und mich in 24 Std. entscheiden muß, kann ich nicht erst lange Briefe irgendwohin schreiben. Da muß es schnell gehen!

(2) Ist eine Gewerkschaft für solch einen Fall zuständig und wenn "ja" dann welche?

(3) Setzen die sich auch dann für mein Problem ein, obwohl ich kein Mitglied bin?

Freue mich über alle weiterhelfenden Hinweise!
 
E

ExitUser

Gast
hi,
auch von mir leider nichts "hieb-und stichfestes", lediglich ein kurzes Überschlagen unter dem Gesichtspunkt der evtl. Sittenwidrigkeit.
30 Std. x 4,1 wAZ = 123 mAZ.
660 € : 123 = 5,60 € ca NettostdLohn.
Der Vergleichslohn mit Interviewern liegt (je nach Branche) sogar niedriger, da nach "Interview" bezahlt wird und da entsprechende Zeitvorgaben herrschen.
Ich würde es an Deiner Stelle mit der von Dir erstgenannten Begründung probieren, nicht jeder ist wirklich zum "Klinkenputzen in abgewandelter Form" geeignet.
Erfolgsaussichten....? Ich weiß es nicht, die sanktionieren und sparen um jeden Preis!
mir bleiben nur däumchendrückende Grüße
E.
 
E

ExitUser

Gast
Hallo Herold19,

den stündlichen Nettolohn hat elena dir ja schon vorgerechnet. Wahrscheinlich wird der Bruttolohn dann um die 6,50 € pro Stunde liegen. Das ist in einigen nicht sonderlich gut bezahlten Branchen durchaus üblich.

Um es ganz klar zu sagen: es gibt keinen Schutz gegen niedrige Stundenlöhne, wenn diese orts- und branchenüblich sind. Es ist hierzulande ja nicht so wie in den USA oder einigen anderen Ländern, daß ein gesetzlicher Mindestlohn für alle Beschäftigten bestehen würde.

Die Gewerkschaften sind hauptsächlich dafür da, die Interessen ihrer arbeitenden Mitglieder zu vertreten und nicht die von Arbeitslosen (meine Auffassung). Ich zweifele, daß du da wirksame Hilfe bekommen wirst.

Deswegen würde ich dir ebenfalls dazu raten, die Ablehnung mit gesundheitlichen Gründen (psychische Belastung durch diese Tätigkeit) zu begründen. Wenn du deswegen schon in ärztlicher Behandlung bist und dein Arzt dir ein entsprechendes Attest schreiben kann, wäre das noch besser.
 

Herold19

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Hallo und Dankeschön für alle Eure Meinungen!

Direkt weiter hilft mir das auch nicht, aber da könnt Ihr nichts dafür.
Schuld an diesem Elend ist eindeutig das kapitalistische Hab- und Raffgier-System, wo die ganzen Großkapitalisten bestimmen, was die Politiker zu tun und zu lassen haben. Und das wird immer schlimmer!

Aus meiner Sicht würde ich damit dieses Thema als beendet betrachten.
 
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