Fiktives Entgelt - wie raus aus der Vollzeitfalle?

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balg1

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Hallo zusammen und Danke das es dieses Forum gibt!

Ich habe zwei Fragen:

Nach jahrelanger TZA mit unwiderruflicher Freistellung in den letzten zwei Jahre bekomme ich ALG1 das nach dem fiktiven Entgelt einer Vollzeitstelle berechnet wurde.

Im ALG1 Antag habe ich ohne groß zu überlegen angegeben dass ich Vollzeit arbeiten würde, weil ich da noch dachte das müsste man um Kürzungen zu vermeiden.

Das war nun mein Glück denn ich erhalte ALG1 das etwas höher ist als wenn es nach meinen TZA berechnet worden wäre.

1. Frage: Ist das ein Fehler vom Amt zu meinen Gunsten oder korrekt so?

2. Frage: Eine unangenehme Folge ist dass ich mich nun auf VZ-Stellen bewerben muss, obwohl ich eigentlich nur noch TZ arbeiten möchte. Ich kann diesen Wunsch beim Amt jetzt schlecht vorbringen weil mir dann wohl eine erhebliche Kürzung meines ALG1 droht.

Jetzt ergibt sich die Chance für eine begrenzte Zeit eine gut bezahlte TZA anzunehmen, die ich aber auf Dauer nicht ausüben möchte. Und nun die 2. Frage: wielange muss ich arbeiten, damit das ALG 1 nach dem tatsächlichen Entgelt der TZA berechnet wird und nicht mehr fiktiv. Andernorts heißt es dazu, ich müsse einen erneuten Anspruch auf ALG1 "erarbeiten" das wäre nach 12 Monaten. Gleichzeitig soll es einen Bestandschutz von 24 Monaten geben, der mich vor Schlechterstellung schützt. Wann ist also die Berechnung nach fiktivem Entgelt vom Tisch?

Ich erhoffe mir durch die Aufnahme einer TZA auf Zeit, dass ich bei erneuter Arbeitslosigkeit nicht mehr unter Druck stehe mich Vollzeit anbieten zu müssen.
 
G

Gelöschtes Mitglied 41016

Gast
Im ALG1 Antag habe ich ohne groß zu überlegen angegeben dass ich Vollzeit arbeiten würde, weil ich da noch dachte das müsste man um Kürzungen zu vermeiden.

Das war nun mein Glück denn ich erhalte ALG1 das etwas höher ist als wenn es nach meinen TZA berechnet worden wäre.

1. Frage: Ist das ein Fehler vom Amt zu meinen Gunsten oder korrekt so?
Da du dich dem Arbeitsmarkt in Vollzeit zur Verfügung gestellt hast, ist das so korrekt.
Jetzt ergibt sich die Chance für eine begrenzte Zeit eine gut bezahlte TZA anzunehmen, die ich aber auf Dauer nicht ausüben möchte. Und nun die 2. Frage: wielange muss ich arbeiten, damit das ALG 1 nach dem tatsächlichen Entgelt der TZA berechnet wird und nicht mehr fiktiv. Andernorts heißt es dazu, ich müsse einen erneuten Anspruch auf ALG1 "erarbeiten" das wäre nach 12 Monaten.
12 Monate, das ist korrekt.
Die Kürzung, wenn du nur noch Teilzeit arbeiten willst, läuft davon unabhängig. Das gilt beides parallel.

Gleichzeitig soll es einen Bestandschutz von 24 Monaten geben, der mich vor Schlechterstellung schützt. Wann ist also die Berechnung nach fiktivem Entgelt vom Tisch?
Wenn du einen neuen, höheren Anspruch auf Alg1 erarbeitet hast (also frühestens nach 12 Monaten), oder wenn der Alg-Anspruch aufgebraucht ist.
Das hat mit der Teilzeit-Kürzung aber nichts zu tun, siehe oben.
 

balg1

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Wow, das ist ja ein brandaktuelles, letztinstanzliches Urteil vom 30.8.2018! Merci vielmals! :peace:

Wie geh ich da am besten vor? Einfach Widerspruch gegen den Bescheid mit Verweis auf das Urteil einlegen?
 
E

ExUser 2606

Gast
Widerspruch geht nur, wenn der Bescheid nicht älter ist, als 4 Wochen. Ansonsten Überprüfungsantrag.

Aber ich würde erstmal prüfen, was für Dich günstiger ist.
 

balg1

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Danke, der Bescheid ist recht frisch.

Bei der Neuberechnung aufgrund meines alten TZ-Gehaltes werde ich 70 € verlieren, aber das macht nix, weil ich dann auch nur noch für die Stundenzahl in TZ zur Verfügung stehen muss, die ich vorher gearbeitet hatte. Das ist es mir wert. Ich muss mich derzeit auf Vollzeitstellen bewerben, die ich gar nicht antreten möchte nur um einer Kürzung zu entgehen.

Mit der Berechnung auf Basis des fiktiven Entgeltes würde ich bei TZ-Wunsch 280 € verlieren.
 
E

ExUser 2606

Gast
Na dann mal los, das shört sich gut an.

Tipp: Belege aufheben! Wenn Dein Widespruch durchgeht, kannst Du Dir die Kosten für Porto usw erstatten lassen.
 

balg1

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Mein Widerspruch gegen die Berechnung des ALG1 nach "fiktivem Entgelt" ist raus und wurde sogleich auf ruhend gestellt. "weil das Urteil des BSG noch nicht veröffentlicht ist und die Fachanweisungen der Arbeitsagentur dann erstmal geändert werden müssten."

Das klingt nach vielen Monaten bis über den Widerspruch entschieden wird. Daher frage ich mich: ab wann gilt ein Grundsatzurteil des BSG und ist dann verbindlich für Behörden.
Und hat es auch Auswirkungen auf Altfälle, also rückwirkend?
Weiß das jemand?
 

balg1

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Kleiner erfreulicher Nachtrag: nach 4 Monaten Bearbeitungszeit wurde mein Widerspruch im vollem Umfang anerkannt und die fiktive Berechnung des ALG1 aufgehoben. Die fachlichen Anweisungen für die Mitarbeiter*innen der AfA sollen inzwischen auch entsprechend geändert worden sein. Maßgeblich für die Berechnung des ALG1 ist jetzt allein das Ende der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Eine längere Freistellung führt nicht mehr zur Berechnung des ALG1 nach einem fiktiven Gehalt.
 
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