fabrikbesetzung in chicago

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mo

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die aktion ist bereits als eine direkte folge der wirtschaftskrise in den usa zu begreifen, dazu etwas für dieses land seit jahrzehnten "untypisches" - und wird in den hiesigen medien bis auf rare ausnahmen bisher beschwiegen. daher setze ich einen auszug aus meinem blog dazu rein:

"Am 5. Dezember haben etwa 250 Arbeiter_innen von "Republic Windows and Doors" in Chicago ihre Fabrik besetzt. Nach der offiziellen Schließung der Fabrik am selben Tag fordern sie ein Gespräch mit der Geschäftsführung und die Zahlung des Lohnes für die 60 Tage, die sie sonst Kündigungsschutz genossen hätten. Dieser Artikel ist eine Übersetzung ihrer Erklärung von bailoutpeople.org

"Wir senden diese Nachricht an alle Arbeiter_innen in Amerika. Wir werden den Kampf weiterführen und wir bitten um Eure unterstützung."
Vincente Rangel, United Electrical Workers Vertreter und Teilnehmer an der Besetzung

Etwa 250 Angestellte der Republic Windows and Doors Fabrik in Chicago, IL haben am Freitag den 5. Dezember, dem letzten vorgesehenen Arbeitstag vor der Schließung, mit einer Besetzung der Fabrik begonnen. Die Arbeiter_innen - Teil der United Electrical Workers Union Bezirk 1110 hatten zuvor nicht die rechtlich notwendige Mitteilung 60 Tage vor Schließung der Fabrik erhalten. Ausserdem sind das Management und die Besitzer der Fabrik nicht zu einem vereinbarten Treffen am 5. Dezember erschienen.

Die Arbeiter_innen haben beschlossen die Fabrik zu besetzen. Sie haben sich entschieden in der Fabrik zu bleiben bis sie zumindest den Lohn für 60 Tage erhalten haben. Die Besitzer sagen, dass sie die Fabrik schließen mussten, weil die Bank of America (BoA) sich weigerte ihren Kredit zu verlängern. Die BoA hat in den letzten drei Monaten Hunderte Milliarden Dollar an Geldern aus den staatlichen Rettungsprogrammen erhalten.

Diese Arbeiter_innen, die größtenteils Immigrant_inn_en mit latin@ Hintergrund sind haben einen mutigen Schritt unternommen, indem sie sich mit ihren Körpern in den Weg gestellt haben als Teil ihres Kampfes um das Recht ihre Familien zu ernähren und mit Respekt und Würde behandelt zu werden wie alle Menschen. Auf eine Art und Weise kämpfen sie für die Rechte aller Arbeiter_innen, die angegriffen werden - seien es Restaurantmitarbeiter_innen, öffentliche Angestellte oder Arbeiter_innen in der Automobilindustrie, die kämpfen um ihre Jobs und Gewerkschaften zu behalten.

Wir müssen sie unterstützen.

An alle - egal unter welchen Umständen - die wütend sind über die Massenentlassungen, Häuserräumungen und die wortwörtlichen Billionen von Dollar, die die Regierung ausgibt um Banken zu retten, während sie nichts gegen die Entlassungen und Räumungen tut, die die arme und arbeitende Bevölkerung betreffen:
Solidarisiert Euch mit diesen Arbeiter_innen in Chicago. Ihr könntet als nächstes dran sein.

Arbeit mit einem Lohn, der zum Leben reicht ist ein Grundrecht!

Ein Aufruf vom "Bail Out the People Movement"


nun, bei arbeitsplätzen in bereichen wie der autoindustrie tue ich mich wirklich schwer, solidarisch für deren erhalt zu sein - auch, wenn die frage immer noch offen ist, was denn eine alternative für die dort (und in anderen fragwürdigen produktionen) beschäftigten sein könnte. weiter wie bisher ist definitiv keine lösung.

ansonsten sind die forderungen natürlich völlig berechtigt und nachvollziehbar, und interessant ist, welche
öffentliche wirkung diese besetzung mittlerweile in den usa hat:

(...)"Inzwischen hat die Besetzung landesweit Aufmerksamkeit erregt, insbesondere seit sich Obama in einer öffentlichen Erklärung am vergangenen Sonntag hinter ihre Aktion gestellt hatte. Vor seinem Wahlsieg war der künftige US-Präsident Senator von Illinois und residierte in Chicago. Ohne Schnörkel forderte Obama Republic Windows and Doors auf, seinen finanziellen Verpflichtungen gegenüber den Beschäftigten nachzukommen und die ausstehenden Trennungs- und Urlaubsgelder zu zahlen. »Die Arbeiter verlangen nichts anderes als die Zahlungen, die sie verdient haben. Ich denke, daß sie vollkommen recht haben, mit dem was sie tun. Ich glaube, daß die Art, wie sie behandelt werden, symptomatisch für das ist, was derzeit überall in der Wirtschaft unseres Landes passiert«, sagte Obama. Daraufhin ließ die oberste Staatsanwältin des Bundesstaates, Lisa Madigan, umgehend eine Untersuchung gegen das Unternehmen einleiten, dessen Führung sich bis zu diesem Zeitpunkt in Schweigen gehüllt hatte.

Der Zorn der Fabrikbesetzer und ihrer Unterstützer richtet sich hauptsächlich gegen die teuren Rettungspakete für die Banken und Großkonzerne. Sie werfen der Regierung vor, daß das Los der einfachen Arbeiter ihr egal sei. Insgesamt haben die USA von Mai bis Oktober dieses Jahres 1,55 Million Arbeitsplätze verloren, soviel wie während der gesamten Rezession des Jahres 2001 zusammengenommen. Der große Schock kam dann im November, als 533333 US-Bürger arbeitslos wurden, fast doppelt soviel, wie Experten erwartet hatten."(...)


geht es Ihnen auch so, dass die zitierten sätze von obama als erste reaktion eine art grundlegender verblüffung auslösen? die frage ist natürlich: wie ernst meint er das? meint er das ernst? oder ist das eher eine raffinierte beruhigungspille, um entwicklungen im keim zu ersticken, die im folgenden umrissen werden:

(...)"Besorgt berichtete denn auch die New York Times am Montag über die Fabrikbesetzung in Chicago. Diese sei ein Zeichen dafür, daß der Unmut in der Bevölkerung über den Verlust der Arbeitsplätze »überkochen« könnte. Zu ihrer eigenen Überraschung sind die kämpfenden Beschäftigten von Republic Windows and Doors für Hunderttausende ihrer Kollegen landesweit zum Symbol geworden. Der schwarze Bürgerrechtler und ehemalige US-Präsidentschaftskandidat Jesse Jackson besuchte die besetzte Fabrik, brachte gebratene Truthähne und die Zusicherung der Unterstützung seiner lokalen Bürgerrechtsorganisation Rainbow/PUSH Coalition mit. Zugleich gab Jackson seiner Hoffnung Ausdruck, daß »dies endlich der Anfang eines langen Kampfes für die Rechte der Arbeiter ist«. Auch das Mitglied des US-Repräsentantenhauses, der Demokrat Jan Schakowsky aus Illinois, bezeichnete die Aktion als Beginn einer Bewegung, mit weltweiter Resonanz. Der stellvertretende Vorsitzende der lokalen Gewerkschaft, Melvin Maclin, der bei Republic Windows and Doors angestellt war, kann sich über so viel Zuspruch nur verwundert die Augen reiben. »Das hätten wir nie erwartet«, sagte er und fügte hinzu, »Statt dessen waren wir sicher, wir würden dafür ins Gefängnis gehen.«

Inzwischen hat die Firmenleitung erklärt, daß ihre Hausbank, die Bank of America, ihr plötzlich die Kredite gekündigt und das Unternehmen sogar angewiesen habe, den Angestellten keine Trennungsgelder zu zahlen. Da dieser Bankengigant vor wenigen Wochen eine staatliche Hilfe aus dem US-Rettungspaket für die Finanzwirtschaft von 25 Milliarden Dollar bekommen hatte, sind Gewerkschafter im ganzen Land aufgebracht und haben für Dienstag (Ortszeit) in Chicago zu einer Demonstration aufgerufen. Die großen Geldhäuser an der Wall Street lamentieren inzwischen über die »gefährliche Einmischung« des Staates in Geschäftsangelegenheiten."(...)


als-ob-leben ? : notiz: krisennews und -gedanken (9)
 
E

ExitUser

Gast
Noch besser wäre: Die Arbeiter, welche sowieso für Produktion und Umsatz eines Unternehmens sorgen, übernehmen das Geschäft und machen weiter. Ohne den Kreditkram, ohne welche offensichtlich auf dieser Welt keiner mehr in der Lage ist, ein Unternehmen zu führen. Gelände, Immobilien und Invntar sollten ihnen dazu auf unbestimmte Zeit frei zur Verfügung gestellt werden, angemessene Pacht zahlbar entsprechend Einnahmen.

Nur so dahingeträumt ... :icon_stern:


Emily
 
E

ExitUser

Gast
Die Opel-Betriebsräte lehnen jede Form von gemeinsamen Kampfmaßnahmen zur Verteidigung der Arbeitsplätze und Löhne an allen Standorten entschieden ab. Und das obwohl täglich neue Informationen über Produktionsrückgänge, Kurzarbeit, Entlassungen und Sozialabbau bekannt werden.


Danke verdi!
 
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