Ex-Jobcenter-Mitarbeiterin aus Duisburg (52) packt über Hartz-IV-Methoden aus: „Es geht nicht um Menschen“

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Duisburg. Deutschland diskutiert seit Jahren über Hartz IV.

Susanne Willach (52) aus Duisburg hat ihre eigenen Erfahrungen damit gemacht. Sie hat zehn Jahre beim Jobcenter in Duisburg gearbeitet. Fünf Jahre davon als Arbeitsvermittlerin. Über ihre Zeit im Jobcenter sagt sie: „Beim Jobcenter geht es nicht um Menschen, es geht darum, Statistiken zu erfüllen.“
Ex-Jobcenter-Mitarbeiterin aus Duisburg (52) packt über Hartz-IV-Methoden aus: „Es geht nicht um Menschen“
 

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Heute habe ich mich mit einem Patienten im Wartezimmer unterhalten. Ehemaliger Arbeitsvermittlier beim JC! Hat das aber nicht lange gemacht, weil sein naturel tatsächlich kundenfreundlich ist. Er hat mir gesagt, dass man in den Weiterbildungsmaßnahmen für Arbeitsvermittler so getrimmt wird, die Leistungen, die man an bedürftige Auszahlt so einzustufen, als sei das das eigene Geld. So wird eine Einsparmentalität herangezogen.
 

bLum

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so getrimmt wird, die Leistungen, die man an bedürftige Auszahlt so einzustufen, als sei das das eigene Geld.

Mit dem "Argument", dass ich als Leistungsbezieher ja Steuergelder erhalte, habe ich die bisher immer prima mit ihrer eigenen Logik auflaufen lassen können. Immerhin werden die JCMitarbeiter ebenfalls von Steuergeldern bezahlt. Man ist quasi in eine Win-Win-Symbiose gedrängt: der Arbeitsvermittler, JC-Mitarbeiter ist ABHÄNGIG von der Existenz der Erwerbslosen. Wenns uns nicht gäbe, hätte er auch nix zu tun. Wirkt immer, das ganz beiläufig zu erwähnen.
 

Kampfmops

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Ich könnte auch nicht als SB arbeiten. Kann zwar gemein sein, wenn mir was nicht passt, aber jemanden zu sanktionieren, nur für eine Statistik, würde ich einfach nicht hin bekommen. Denke, wenn ich da anfangen würde, wäre ich noch schneller wieder weg, weil mir die interne Statistik egal ist und ich niemanden die Lebensgrundlage wegnehmen würde. Fast alle hier wissen ja, wie es ist, mit so wenig auszukommen und das ist schon schwer genug.
 

bLum

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@Kampfmops: in den 90ern habe ich mal ´ne Beihilfe zur Schwangerschaft beim Sozialamt beantragt. Da saß ein Jugendamt-Mitarbeiter zur Vertretung da. Damal waren das alle noch Beamte, die die ganzen Läden schmissen. Der hat mir 50DM mehr gegeben als ich erwartet hatte. Gab da so einen Richtbetrag, den die selten überschritten und der damals schon recht knapp bemessen war, und man musste noch ne Liste schreiben, was man alles braucht. Ich war ganz erstaunt und fragte, ob er da keinen Ärger, nen Diszi gar, bekommen würde, wenn das einem Vorgesetzten aufiele. Und er ganz entspannt: "Och, ich setze mich auch für 3200DM netto unten in die Poststelle und stempel Briefe. Lassen Sie das mal meine Sorge sein. Sie werden das Geld brauchen.".
Mittlerweile ist uns allen eingetrichtert worden, dass überall Geld fehlen würde, die Beamte sind ersetzt worden von Leuten, die ebenfalls unter berechtigter Existenzfurcht leiden usw. ...brauche ich dir ja nicht zu erzählen. Du weißt das sicher.
Das Ganze ist zu einer riesigen, abartigen, widerlichen Beschäftigungs-Simulation verkommen mit ekelhaften Memen, die sich in die Köpfe fressen und einnisten. Total gruselig.
 

götzb

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Sanktionen sind notwendig, um manche Menschen dazu zu bewegen, sich nicht auf Staatskosten auszuruhen. Leider trifft es aber auch Menschen, die sich nicht gegen einen Arbeitsvermittler behaupten können.“

Ihrer Erfahrung nach seien die allerwenigsten Jobcenter-Kunden Schmarotzer, die nicht arbeiten wollen. „Vielleicht zwei Prozent sind arbeitsunwillig.

Schade, das auch sie Dinge vermengt, die nicht passen.
Arbeitsunwilligkeit ist nun mal keine Schmarotzerei, in einer Gesellschaft, wo nicht für jeden (sinnvolle) Arbeit da ist. (Arbeitsvolumen hat sich seit 2005 nicht erhöht)
Und oft ist es besser, die Leute sich auf Staatskosten ausruhen zu lassen; die Höhe des Regelsatzes ist bekannt,
als sie mit Maßnahmen u.a. Dreck zu drangsalieren, der nur sinnlos Geld kostet, oder Arbeitgeber zu frustrieren, die sich mit derlei Zwangsarbeitern herum ärgern müssen.
 

sixpack

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...Und oft ist es besser, die Leute sich auf Staatskosten ausruhen zu lassen; ...als sie mit Maßnahmen u.a. Dreck zu drangsalieren, der nur sinnlos Geld kostet, oder Arbeitgeber zu frustrieren, die sich mit derlei Zwangsarbeitern herum ärgern müssen.

Ziel von H4 war es die Kosten zu senken und zwar die Lohnkosten von Arbeitsplatzbesitzern.
Sinnvoll dabei: Das Miss-Verhältnis Bewerber zu offenen Stellen.
Viele Bewerber auf wenig Stellen => wenig Lohn.

Und das Schöne dabei - wie in jeder "neoliberalen Spielart" - die Geschädigten haben die Kosten zu tragen (Lohnkostenzuschüsse von der Allgemeinheit, z.B.) und schädigen sich teilweise auch noch selbst (ELO-Hetzer, (befristete) JC-MA's, z.B.)
 

RA16

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Harz 4 ist die Disziplinierung der noch Erwerbstätigen, damit diese jede noch so miese Arbeit nicht von allein kündigen.
Harz 4 ist im übrigen Druck zur Zwangsarbeit ( von Außnahmen einer sinnvollen Vermittlung abgesehen ), denn bei 3,5 Mio Arbeitslosen und ca. 1 Mio freien Stellen müssen 2,5 Mio Menschen rein objektiv ohne Arbeit bleiben.
 
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