Erwerbsminderungsrente und meine Erfahrung

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AndreeVi

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7 März 2019
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Hallo an alle hier im Forum
Ich bin der ingo, 57 Jahre und ich habe mich hier angemeldet, weil ich hier auch mal über meine Erfahrungen mit der Erwerbsminderungsrente und den besuchen beim Gutachter berichten möchte.

Gute 15 Jahre haben mich jetzt schon meine Depressionen im Griff.
Mal habe ich gute Zeiten und mal schlechte Zeiten.
Anfangs war ich erst in der Klinik.
Es folgten mehrere Antidepressiva und Gesprächstherapien. Die Gesprächstherapien endeten irgendwann und der Psychologe hatte aus altergründen seine Tätigkeit eingestellt.
Eigentlich schade weil ich mich dem Psychologe ganz gut klar kam.
Die Medikamente habe ich nach und nach auch abgesetzt.
Sie halfen mir auf die Dauer nicht wirklich. Zwischendurch bin ich wieder arbeiten gegangen.
Sobald es auf der Arbeit aber stressig wurde, bekam ich es mit der Angst zu tun.
Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren und baute einen Fehler nach den anderen.
Dazu kamen dann auch wieder meine Schlafstörungen. Ich bekam es schon mit der Panik, wenn ich zur Arbeit musste. Es ging nicht mehr und später habe ich mich krankschreiben lassen. 2015 war ich dann für 6 Wochen in einer Tagesklink. Hier haben die mir geholfen, dass ich wenigstens 30% auf Schwerbehinderung bekomme.
Nebenbei haben die mir geraten, dass ich einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente stelle.
Nach langen überlegen habe ich mich dann für diesen Weg endschieden und den
Antrag gestellt.
Mein erster Termin bei einem Gutachter:
Der war 2016. Ich wurde zu einem Arzt für Nervenheilkund und Geriatrie nach Dortmund bestellt. Bei dem Termin wurde ich von dem Arzt praktisch auf den Kopf gestellt und bekam von ihm Löcher in den Bauch gefragt. Irgendwann war ich mit der Untersuchung durch und konnte wieder gehen. Nach einigen Wochen bekam ich bescheid von der Rentenversicherung. Der Antrag wird abgelehnt und der Gutachter ist der Meinung, dass ich noch mindestens 6 Stunden am Tag arbeiten könnte. Ich wollte sofort Einsicht ins Gutachten haben. Das wurde mir verweigert. Wenn, dann hat nur mein Hausarzt ein Recht auf das Gutachten. Ich habe das Gutachten für meine Hausärztin angefordert und gleichzeitig mit dem VDK einen Wiederspruch gegen die Ablehnung eingeleitet.
Wieder ein paar Wochen später bestellte mich meine Hausärztin in ihre Praxis.
Das Gutachten lag ihr vor und hierüber wollte sie mir berichten.
Als sie mir das Gutachten vorgelesen hatte, wäre ich fast vom Stuhl gefallen.
Der Gutachter hatte mir einige Fragen gestellt. U.a. wie ich zu diesem Termin gekommen wäre. Ich sagte ihm, dass mich ein Freund gefahren hätte. Da war aber geschrieben,
dass ich selbst zum Term gefahren wäre. Ebenfalls fragte er mich, ob ich noch was unternehmen würde. Ich sagte ihm, dass ich früher immer mal auf Flohmärkten unterwegs gewesen bin. Heute aber nicht mehr. Ich mag keinen Menschenandrang mehr und gehe kaum noch vor die Tür. Der Gutachter hatte in seinem Gutachten geschrieben,
dass ich noch gerne auf Trödelmärkte gehe. Bei so einem verfälschten Gutachten musste die Rentenversicherung ja Alarm schlagen.
Aber die Klage lief ja.
Mein zweiter Besuch beim Gutachter:
Der war im Anfang 2017. Jetzt aber direkt bei der Begutachtungsstelle der Rentenversicherung. Wieder bekam ich etliche Fragen gestellt und wurde auch hier gründlichst auf den Kopf gestellt. Irgendwann war ich wieder durch und durfte gehen.
Einige Wochen später bekam ich wieder Bescheid von der Rentenversicherung.
Diese mal bekam ich meine volle Erwerbsminderungsrente bewilligt und zwar rückwirkend bis auf 2014 Diese Rente war zwar nur befristet bis Ende Januar 2019, aber ich konnte in dieser Zeit erstmal durchatmen und war heilfroh das ich das überstanden hatte.


Die Zeit ist rum und ein Verlängerungsantrag muss her:
Irgendwann im Oktober oder November 2018 habe ich diesen dann gestellt.
Als ich bis Januar 2019 noch keinen Bescheid hatte, hab ich mich bei der Rentenversicherung informiert. Man sagte mir, dass ich mich noch gedulden müsste und da mein Erstantrag Ende Januar abläuft, sollte ich mal lieber ganz schnell zum Arbeitsamt gehen oder gleich Harz 4 beantragen. Diese Mitteilung hatte mich voll aus der
Bahn geworfen. Zwei Wochen später konnte ich mich erst zu diesem Schritt überwinden und bin dann zum Arbeitsamt. Zuvor hatte ich mich nochmal bei der Rentenversicherung angefragt, ob es denn Sinn manchen würde, mich arbeitsuchend zu melden und gleichzeitig eine Verlängerung auf meine Rente zu stellen. Der Sachbearbeiter meinte, dass das kein Problem wäre. Der Sachbearbeiter vom Arbeitsamt schaute mich auch etwas komisch an und meinte zu mir, dass ich dem Arbeitsmarkt schon mindestens 6 Stunden zur Verfügung stehen müsste, wenn ich mich arbeitssuchend melde. Ansonsten bliebe nur Harz 4.
Harz 4 will ich beim besten willen nicht und deshalb habe ich mich arbeitssuchend gemeldet.
Der dritte Termin beim Gutachter stand an:
Anfang Februar war es dann soweit. Wieder musste ich zu dieser Begutachtungsstelle,
wo ich zuletzt schon war. Ich bin praktisch mit leeren Händen dahin. Bis auf den Befund meiner Hausärztin hatte ich nichts in der Hand. Ich hab in der Vergangenheit auch nicht viel mit Fachärzten gemacht. Anfangs habe ich noch nach Therapeuten gesucht. Aber die waren so gut wie nie erreichbar. Irgendwann fehlte mir auch die Kraft, mich jeden Tag ans Telefon zusetzten und immer wieder die Therapeuten abzutelefonieren.
Ich hatte sozusagen meine eigene Therapie für mich gefunden. Immer wenn es stressig wurde, bin ich der Situation aus dem weg gegangen und hab mich erstmal verzogen.
Damit bin ich ganz gut gefahren. Der Nachteil daran… Ich hatte keinerlei Befunde.
Der Termin war gekommen und ich bin mit gemischten Gefühlen zur Begutachtungsstelle.
Sicherheitshalber hatte ich mir für den Termin noch ein paar Notizen geschrieben,
damit ich nicht alles vergesse. Die Untersuchung verlief wie in den Jahren zuvor.
Fragen beantworten und von Kopf bis Fuß untersuchen lassen.
Die Woche kam dann der Bescheid. Irgendwie wusste ich was in dem Brief stand und deshalb hatte ich meine Frau gebeten, den Brief für mich zu öffnen.
Meine Vermutung hatte sich bestätigt und die Verlängerung wurde abgelehnt.
Obwohl ich schon fast damit gerechnet hatte, hat mich das sehr hart getroffen.
Die VDK habe ich schon darüber informiert. Nächste Woche habe ich einen Beratungstermin beim Arbeitsamt. Dieser macht mir schon jetzt Angst. Wie soll ich arbeiten,
wenn mich das ganze schon jetzt überfordert? Auch soll ich für diesen Termin einen Lebenslauf erstellen. Selbst das kriege ich nicht gebacken. Mir graut auch vor der ganzen Rennerei die da jetzt wieder auf mich zukommt. Mir ging es einigermaßen gut. Aber dieser negative Bescheid bringt mich dahin wo ich nicht mehr hinwollte.
Manche werden sich jetzt fragen, was hat er denn? Der schreibt hier so viel und will Rente weil er nicht mehr kann? Ich schlafe kaum noch und schreibe schon mehrere Tage an diesen Zeilen.
 
E

ExitUser

Gast
@AndreeVi

Eine lange und zermürbende Geschichte die du da mitmachst, mitmachen musstest. GA-Termine, insbesondere im psychischen Bereich, sind schon etwas menschenunwürdiges, kann das nachvollziehen.

Ich hatte keinerlei Befunde
Auch wenn das keine Garantie für etwas ist, kann ich nur empfehlen jederzeit Fachärzte und deren Befunde/Berichte an der Seite zu haben.
 

Larsson

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Ich hatte beim lesen das Gefühl, dass du von mir schreibst, zumindest was die Symptomatik angeht, ebenso das Flüchten durch umziehen, habe ich jahrelang so gemacht. Alkerdings ist meine Rente von Beginn an durch gewesen, 3x wurde ohne Probleme verlängert, da musste ich auch nicht erneut zur Begutachtung, nur mein behandelnder Arzt musste einen Bogen ausfüllen. Nach 8 Jahren und 3 Verlängerungen erst musste ich erneut zur Begutachtung, seit Juli 2018 bekomme ich sie dauerhaft.

Aber mal zu deiner aktuellen Lage. Wenn die DRV entscheidet, dass keine Erwerbsminderung vorliegt, dann musst du ALG II beantragen. Das heisst aber nicht zwangsläufig, dass du arbeiten musst, auch wenn das die Vorraussetzung ist. Du solltest dich von deinem Arzt erstmal lückenlos krank schreiben lassen, dann kann dich da JC auch nicht vermitteln.
Und natürlich solltest du gegen den Rentenbescheid Widerspruch einlegen, das kannst du dem JC auch so mitteilen.
 

verona

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Ich drücke dir die Daumen und wünsche dir wenig Stress mit dem JC.
Widerspruch, wie Larsson schrieb, erstellen. Vielleicht mit Hilfe eines Sozialbüros.
 

saurbier

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Hallo Larsson,

Wenn die DRV entscheidet, dass keine Erwerbsminderung vorliegt, dann musst du ALG II beantragen.

Sorry, aber wer bitte sagt das bzw. wo im Gesetz steht das so geschrieben.

Korrekt ist, daß wenn ein Weiterbewilligungsantrag von der DRV abgelehnt wird, das man zuerst einmal schauen muß, wer vor der Rentenbewilligung der Leistungszahler war.

Wer z.B. aus dem ALG-I in eine EMR wechselte, der hat auch weiterhin einen Anspruch auf ALG-I, denn die DRV führt Beiträge an die AfA ab (§ 26 Abs. 2 Satz 3 SGB III).

§ 26 Sonstige Versicherungspflichtige

(1) Versicherungspflichtig sind,
....
3. von einem Träger der gesetzlichen Rentenversicherung eine Rente wegen voller Erwerbsminderung beziehen,

wenn sie unmittelbar vor Beginn der Leistung versicherungspflichtig waren oder Anspruch auf eine laufende Entgeltersatzleistung nach diesem Buch hatten.

www.buzer.de

Selbst beim Wort unmittelbar muß aufgepasst werden, denn hier gibt es inzwischen eine höchst richterliche Klärung (BSG) wonach das durchaus auf einige Wochen ausgedehnt werden kann. Darüber wurde hier schon ausgiebig diskutiert. Es kann also selbst bei einem zuvor bezogenen ALG-II noch zutreffend sein das ALG-I durchaus noch in Betracht kommen könnte. Laßt euch bitte nicht so einfach abschieben, es geht immerhin um viel Geld - euer Geld.

Wenn jemand allerdings aus dem ALG-II heraus in die volle EMR wechselte, o.k. dann bleibt leider nur sich beim JC zu melden.

Hier gilt es also, sehr genau aufzupassen, denn auch die AfA´s sind keineswegs aus Kostengründen davon abgeneigt jemanden ganz schnell ans JC abzuschieben.


Grüße saurbier
 

Doppeloma

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Hallo Larsson,

Aber mal zu deiner aktuellen Lage. Wenn die DRV entscheidet, dass keine Erwerbsminderung vorliegt, dann musst du ALG II beantragen.

Das ist nicht unbedingt korrekt, wenn der TE zuletzt Krankengeld ODER ALGI bezogen hatte ist die AfA zuständig und das nach § 145 SGB III wie nach einer Aussteuerung aus dem Krankengeld.
Dass er (theoretisch) wieder mehr als 6 Stunden Erwerbsfähig sein soll hat ja aktuell schon die DRV entschieden und daran ist auch die AfA gebunden, wenn die Verlängerung der EM-Rente noch im Verfahren steckt.

Das heisst aber nicht zwangsläufig, dass du arbeiten musst, auch wenn das die Vorraussetzung ist. Du solltest dich von deinem Arzt erstmal lückenlos krank schreiben lassen, dann kann dich da JC auch nicht vermitteln.

AU schreiben (möglichst ab Ende der aktuellen Befristung) ist auf jeden Fall nötig und sinnvoll auch wenn das bei Anspruch an die AfA erst mal wenig nützt, es ist aber wichtig für das weitere EM-Renten-Verfahren und auch wenn er wirklich mal zum JC muss, ALGI wird ja auch nur begrenzt gezahlt.

Und natürlich solltest du gegen den Rentenbescheid Widerspruch einlegen, das kannst du dem JC auch so mitteilen.

Völlig richtig, auch die AfA wäre dazu zu informieren, dass ein Widerspruch gegen diese Ablehnung eingelegt wurde und das "Restleistungsvermögen" für die Arbeitsvermittlung hat zunächst der ÄD festzustellen, genau wie nach einer Aussteuerung aus dem Krankengeld.
Damit wird es auch bei der AfA kaum möglich sein den TE tatsächlich in eine Arbeit zu vermitteln, er muss natürlich auch bei der AfA mitteilen warum er wirklich kommt ... es ist NICHT die Arbeitslosigkeit sondern die verweigerte Verlängerung einer EM-Rente.
Das macht auch dort einen gewissen Unterschied in der Vorgehensweise, den die SB zu beachten haben, er ist also gar nicht "regulär" Arbeitsuchend sondern nur eingeschränkt vermittelbar, wie eingeschränkt hat der ÄD festzustellen.

Mit diesem "Restleistungsvermögen" (lt. AfA-ÄD) muss er aber immer die Bereitschaft zur Vermittlung signalisieren (er muss arbeiten WOLLEN) ... es wird sich bestimmt kein AG darum reißen ihn wirklich einzustellen, mit Ende 50 nach einigen Jahren EM-Rente im Lebenslauf. :icon_evil:

MfG Doppeloma
 
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