Erwerbsminderungsantrag stellen?

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Dragonfly

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Hallo ihr Lieben,

heute möcht ich mich mit einem Problem an Euch wenden in der Hoffnung, hier überhaupt richtig zu sein.

Hier erst einmal meine Geschichte in Kurzform:
Mein Leidensweg begann mit Anfang zwanzig, chronische Unterleibserkrankungen mit einigen Operationen, die dann im Alter von knapp 32 Jahren eine Total-OP zur Folge hatten. Dies ist nun fünf Jahre her, seitdem bin ich auf dem absteigenden Ast.
Im letzten Jahr war noch eine größere OP nötig, da durch Verwachsungen ein massives Problem auftrat, seither komme ich nicht mehr auf die Füße.
Vorher wurde alles schöngeredet von Ärzten, daß man mit künstlichen Hormonen alles in den Griff bekäme - aber von wegen. Ich bin kräftemäßig absolut am Ende, habe chronische Schmerzen, bin beruflich wie privat nicht mehr belastbar.
Hobbies kann ich nicht mehr nachgehen, meine Hausarbeit kriege ich kaum bewältigt, gehe kaum noch unter Leute usw....

Da ich meinen Lebensunterhalt alleine bestreiten muß, ging ich nach den Krankschreibungen natürlich immer wieder weiter arbeiten, doch es kostete mich Kraft ohne Ende. An Konzentration war eh nicht mehr zu denken, dazu noch die körperlichen Beschwerden. Entsprechend oft war ich immer wieder krank geschrieben oder machte Minusstunden (hatte Gleitzeitregelung), weil ich ständig früher nach hause gehen mußte. An Tagen wo es mir besonders mies ging hab ich mir sogar kurzfristig einen Tag Urlaub genommen, weil ich nicht immer wieder mit einer Krankmeldung antanzen wollte.
Irgendwann ging ich freiwillig runter auf 30 Stunden Wochenarbeitszeit, was ich mir mit meinem damaligen Gehalt noch gut leisten konnte, da ich recht gut verdient habe.
Doch dann verlor ich zum Januar 2006 meinen Job, seither bin ich arbeitslos.

Im Frühjahr fand ich eine neue Stelle, zum gleichen Gehalt, aber mit 42 Stunden Wochenarbeitszeit - ich habe es nicht geschafft. Nach zwei Wochen wurde ich krank, prompt schickte mir der Arbeitgeber die Kündigung.
Nun suche ich natürlich weiter, aber eine Vollzeitstelle kann ich unmöglich wieder annehmen, das packe ich absolut nicht mehr. Mit einer Arbeitszeit von 20-25 Std. käme ich wohl noch zurecht, aber der Verdienst ist absolut mager, keine Ahnung wie ich davon leben soll.

Welche Möglichkeiten habe ich denn nun? Sollte ich Erwerbsminderungsrente beantragen? Sind die Chancen da nicht im Vorfeld schon bei null?

Ich bin wirklich langsam dabei zu verzweifeln, fühle mich hilflos weil auch kaum jemand meine Situation verstehen, geschweige denn nachvollziehen kann.
Die meisten denken, "man soll und kann sich zusammenreißen", kapieren nicht, daß es nicht am Willen liegt, sondern am Können ....
Ich pilgere seit Jahren schon von Arzt zu Arzt, aber keiner kann mir helfen. Was nun???
 

kalle

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Oh Mann, äh Frau, da hast Du ja einen ganz schönen Schwanz an Problemen.
Fangen wir doch einmal an das ganze aufzudröseln.
Dazu bräuchte ich noch einige Angaben:
1. ) Hast Du schon einen Schwerbehindertenausweis?
2. Was bekommst Du denn jetzt: Krankengeld, AlgI oder AlgII ?

Das sind Dinge die wir wissen sollten um richige Antworten geben zu können.

Grundsätzlich würdeich einmal sagen, ohne genaueres zu wissen: Eine EU-Rente wird für Dich evtl noch nicht in Frage kommen. Da gibt es nämlich Abstufungen.
Für die volle EU-Rente darfst Du nicht mal mehr 3 Stunden arbeitsfähig sein.

Aber evtl. solltest Du mal eine Reha ins Auge fassen. Und dann gibt es auch noch Möglichkeiten der Arbeitssuche: Zuschüße für Arbeitgeber usw. Aber da bräuchte ich die weiteren Angaben.
 

Dragonfly

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Hallo Kalle,

erstmal schönen Dank für Deine schnelle Antwort.

Nein, bisher habe ich noch keinen Antrag auf Schwerbehinderung gestellt. Ich dachte immer, daß sich das alles schon irgendwie wieder geben würde und ein vorübergehender Zustand wäre, und daß es doch weitaus schlimmere Krankheiten und Beeinträchtigungen gibt als die meine.
Allerdings habe ich beim letzten Besuch beim Gynäkologen diesem mal zögernd von meinem "Elend" berichtet, und der meinte dann als erster Arzt überhaupt mal, daß es doch völlig "normal" sei, daß ich mich jetzt in diesem Zustand befände, nach allem was ich in den letzten Jahren mitgemacht habe. Alle anderen (Internisten usw...) haben bisher immer so getan als würde ich mir was einbilden, oh Mann ... :cry:

Vorher hab ich alles mit mir alleine ausgemacht und bin nicht auf die Idee gekommen, mal in Richtung finanzieller Unterstützung aktiv zu werden. Leider wird einem ja auch schnell Faulheit und Schmarotzertum unterstellt, was mir aber fern liegt!
Ich will ja arbeiten, was ich in der Vergangenheit auch bewiesen habe. Aber nun ist Ende der Fahnenstange und ich muß nun zugeben, daß ich so nicht mehr weitermachen kann.
Wenn ich einen Lebenspartner hätte der normal verdient, dann könnte man das sicher irgendwie auffangen, wäre nicht ganz so schwierig. Aber ganz alleine fühle ich mich da schon ein wenig hilflos.

Die volle EU fasse ich eh nicht ins Auge, ich denke ein paar Stunden täglich sind ja durchaus noch drin. Aber die 30 Std. die ich vorher hatte, die sind meiner Meinung nach schwierig. 20, maximal 25 wären für mich zu packen.

Seit Januar 2006 bekomme ich ALG I , da ich einen Monat arbeiten war liefe das bis einschließlich Januar 2007. Ab Februar wäre dann ALG II angesagt, vor dem es mir ganz schön graut. :shock:

Gibt es überhaupt Möglichkeiten einen Zuschuß zu bekommen, wenn die EU-Rente nicht genehmigt wird und auch kein GdB akzeptiert wird?
 

MissMarple

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HAllo Dragonfly

in der Rentenversicherung gilt der Grundsatz:

Reha vor Rente

Du müßtest nun als eine Rehamaßnahme bei der RV beantragen. Eine med. Rehamaßnahme, wo du erst einmal einige Wochen in einer Klinik bist. Dort finden sich auch Sozialberater und oftmals kann nach so einer Reha dann weiter gesehen werden, wie es mit deiner Erwerbsfähigkeit bestellt ist.

In der Zeit der Reha bekommst du "Übergangsgeld" vom Rententräger.

Natürlich würde es helfen, wenn auch die Agentur für Arbeit es befürwortet, dass du in so eine Reha kommst, weil bei die eine Erhebliche Gefährdung und Beeinträchtigung der Leistungs- und Arbeitsfähigkeit besteht.

Ist man von Seiten deiner Krankenkasse oder der Agentur für Arbeit noch nie mit so einem Vorschlag an dich heran getreten ?

Das wäre der Weg, den ich an deiner Stelle nun erst einmal einschlagen würde.

LG
MissM.

ür die volle EU-Rente darfst Du nicht mal mehr 3 Stunden arbeitsfähig sein.

Das stimmt so nicht ganz ;) Bei der RV würdest du auch eine volle Rente bekommen, wenn man dich 3-6 Std. arbeitsfähig befindet. Da du keine Arbeit mehr inne hast, bleibt dir der Teilzeitarbeitsmarkt verschlossen, daher wäre es dann eine volle " Arbeitsmarktrente ". Diese werden meist auf Zeit gewährt, da sich der Arbeitsmarkt ja auch immer wieder ändern kann. 6STd und mehr Arbeitsfähigkeit ist dann keine EU.

Sollte die Rentenhhöhe zum Leben allerdings zu gering sein und du bist über 3 Std arbeitsfähig, bist du für die Träger vom Sozialgesetzbuch 2 wiederum teilarbeitsfähig ( hier zählt nur die 3 Std. EU Regelung )
Also zu deiner Rente könntest du dann ALG bekommen, üsstest dich wohl aber auch auf geringe Tätigkeit bewerben. Erst wenn du eine Rente hast, wo du unter 3 Std. arbeitsfähig bist, würdest du Sozialhilfe bekommen. Bei Dauerrente Grundsicherung.
 

kalle

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Da hat unsere liebe Miss Marple ja wieder die richtigen guten Erläuterungen abgegeben. ;)

Und zum anderen Thema:
Ja sicherlich solltest Du einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Bei einer TotalOP sollte es schon min. 50 % sein. Und dann müssen die Folgen wie bei Dir auch berücksichtigt werden.

Wenn Du den Ausweis hast, dann hilft das schon einiges weiter. Vor allem auch evtl. dann bei der Arbeitsagentur.

Den Antrag kannst Du einfach schriftlich, formlos bei Deinem zuständigen Versorgungsamt stellen.
 

Dragonfly

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Hallo ihr beiden, vielen Dank für Eure Infos.

Hmmm, wenn mir mit einer Reha geholfen wäre, dann wäre das ja vielleicht schon mal was.

Tja, wie soll ich denn nun weiter vorgehen, bzw. was als erstes tun?
Welche Reihenfolge haltet ihr für die sinnvollste?
Zuerst mit dem Sachbearbeiter vom Arbeitsamt sprechen?
Oder parallel schon mal den Antrag auf Schwerbehinderung stellen? Wenn ja, wie geht man da vor?
Ich bin da absolut unbedarft in diesen Dingen und hab keine Ahnung, wo man sich wie hinwenden muß ... :oops:

Ich glaube, für die Schwerbeh. ist das Versorgungsamt im jeweiligen Bezirk zuständig - müßte bei mir dann Koblenz sein.
Also einfach einen Brief hinschicken, nach dem Motto: guten Tag, ich bin fertig mit der Welt, bitte schicken Sie mir einen Auweis? ;)
Naja, der Galgenhumor .... :mrgreen:
Die werden mir dann doch sicher antworten und mir genau mitteilen, was die alles von mir brauchen und wissen wollen.
Oder macht es Sinn, schon mal vorab mit meinem Doc zu sprechen und ihn um eine Stellungnahme/Unterstützung bitten?

Fragen über Fragen .... bin sehr froh, Euch gefunden zu haben!

:)
 

kalle

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Also, Du kannst alles Paralell machen.
1. Rehaantrag stellen.
2. Schwerbehinderung .

Beides kannst Du auch formlos schriftlich machen.Dein Ansatz war schon nicht schlecht. ;)
Wenn Du dann noch eine kurze Beschreibung beipackst, warum Du denn den Ausweis brauchst, dann ist das so richtig und dann ab dafür. Koblenz könnte richtig sein.
Die schicken einen Antrag zu. Also ein Formular.
Dann solltest Du auch schon mal Deine Ärzte drauf vorbereiten, das es auf sie zukommt ärztliche Berichte zu schreiben und Deine Unterlagen rauszusuchen. :mrgreen:

Und nicht unterkriegen lassen, das ganze kann nun einige Zeit dauern.

Hat aber dann auch einige Vorteile. Da Du ja wieder richtig arbeiten möchtest, wirst Du auf Förderungen angwiesen sein. Einige davon gibt es nä,lich nur, wenn man einen Schwerbehindertenausweis hast.
 
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