Erster Termin beim Jobcenter, doch bereits viele Vorgespräche + Telefonat (+ Stadtwechsel & Arbeitsamt). Umgang gerechtfertigt?

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Sonnenkind90

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Guten Tag,
vorweg: ich bin nun seit Mitte Mai offiziell arbeitssuchend. Zuvor habe ich in einem anderen Bundesland studiert und habe dieses Studium dort auch erfolgreich absolviert. Da ich neben meinem Studium 20h/Woche arbeitete, schickte mich das Jobcenter in meiner alten Heimat zunächst zum Arbeitsamt. Nach langem hin und her (und insgesamt 8 persönlichen Terminen) stellte sich heraus, dass doch das Jobcenter für mich zuständig sei (ich war Student & zahlte innerhalb meiner beruflichen Tätigkeit keine Beiträge um ALG I zu beziehen). Da mein Studium in einer kleinen Studentenstadt stattfand und mir diese keine berufliche Perspektive bat, zog ich anschließend zurück in meine alte Heimat und somit in eine Großstadt. Hier hatte ich nun erneut alles beantragt (Anfang Juni) und wurde vom Jobcenter auch bewilligt. Dennoch erhielt ich eine Einladung vom Arbeitsamt, dass ich bezüglich meiner beruflichen Situation dort erscheinen soll. Als ich den Termin wahrnahm, klärte sich schnell, dass ich dort falsch sei und so habe ich bereits am Folgetag eine Einladung (zunächst online) vom Jobcenter erhalten. Was allerdings bereits in meiner alten Stadt passierte und nun auch hier: das Jobcenter rief mich an. Während es in meiner alten Stadt noch recht "nett" zuging, war das Telefonat hier schon recht fordernd.

Zunächst wurde ich regelrecht angemeckert, warum ich meine Unterlagen nicht auch, wie jeder normale Mensch, richtig einreichen kann. Nach kurzer Diskussion wurde meinem SB wohl klar, dass der Fehler beim Jobcenter/AA lag und nicht bei mir. Anschließend meinte er wortwörtlich "Na gut, haben Sie denn wenigstens endlich einen Job gefunden? Ansonsten hören und sehen wir uns wohl bald wöchentlich. Sehen Sie also zu, dass Sie am besten schon vor unserem ersten persönlichen Gespräch Arbeit gefunden haben, damit all das nicht notwendig ist. Einen schönen Tag noch." Aus dieser Verhaltensweise ergeben sich für mich gleich mehrere Fragen:

- Kann ich gegen persönliche Anrufe vorgehen? Ich habe kein Problem damit, meine Einladungen wahrzunehmen. Mag es aber nicht, am Telefon belegt zu werden. Da dies der Fall war, wäre es mir eigentlich am liebsten, gar nicht mehr telefonisch kontaktiert zu werden, sondern höchstens per Mail und Post.

- Ich bin nun seit knapp 1 1/2 Monaten arbeitssuchend und habe in dieser Zeit die Stadt gewechselt und mich bemüht, mich hier so gut es geht zu integrieren (ich habe damit leider große Schwierigkeiten - Soziale Kontakte finden, sich im Alltag zurecht finden usw). Ist es so verkehrt, dass ich noch keine Arbeit habe?

- Können mir direkt von Anfang an wöchentliche Einladungen zum Jobcenter drohen oder hat mein SB da nur große Töne gespuckt? Wie häufig muss man denn als ehemaliger Student, Ü25, überhaupt mit Einladungen rechnen? Kann man das in etwa sagen?

- Um ehrlich zu sein wollte ich den Sommer noch "etwas genießen", bevor ich ins Berufsleben eintauche. Ich habe mein ganzes Leben gearbeitet (und die letzten Jahre zusätzlich studiert) und hatte nun eigentlich geplant, mir eine kurze Auszeit zu nehmen. Damit meine ich nicht, dass ich ein ganzes Jahr auf der faulen Haut liegen möchte. Allerdings bin ich immer noch dabei Arzttermine wahrzunehmen, einen geeigneten Therapeuten zu finden, soziale Kontakte zu knüpfen und mich hier einzuleben. Das ist mir wichtiger, als mich direkt in Arbeit zu stürzen. Hinzu kommt, dass ich eine Einladung von einen Geschwistern (leben im Ausland) erhalten habe und diese eigentlich gern noch diesen Sommer für 3-4 Wochen besuchen möchte. Ich traue mich aber nun gar nicht, direkt einen Urlaub zu beantragen.

- Mein innerlicher Plan ist es, möglichst ab dem 01.10. wieder berufstätig zu sein. Ich weiß, dass das natürlich nicht genauestens planbar ist, dennoch würde ich diese Variante präferieren. Ist diese Absicht sehr verkehrt und möglicherweise sogar aussichtslos?


Ich habe wirklich keinerlei Erfahrungen, was die ganze Thematik (Jobcenter) betrifft. Daher wollte ich hier mal um Rat fragen. Vielleicht könnt Ihr mir ja weiterhelfen.
Vielen Dank!
 

apfelkuchen

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Heyhey.

Also, du kannst deine Telefonnummer und auch deine Emailadresse beim Jobcenter löschen lassen kannst. Ein formloses Schreiben genügt. Das ist zu empfehlen, einerseits, um Terror zu verhindern, andererseits, weil rechtssicher nachweisbar nur schriftliches gilt.

Wie oft du eingeladen wirst, hängt vom Jobcenter-SB ab, es darf aber keine Verfolgungsbetreuung entstehen. Dazu gibt es auch im Forum Informationen, lies dich mal durch.

Die Ortsabwesenheit kann bis zu drei Wochen im Jahr genehmigt werden, muss aber beantragt werden. Auch dazu: lies dich in die Thematik ein.

Es kann evtl. auch sinnvoll sein, kommt auf deine Diagnose an, dass du dich von einem Arzt/Therapeuten, sollte dein SB zu sehr frei drehen, AU schreiben lässt.
 

Cha

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- Kann ich gegen persönliche Anrufe vorgehen?
Man muss keine Telefonnummer angeben bzw. man kann sie löschen lassen (siehe obigen Beitrag).
Beleidigungen gehen grundsätzlich überhaupt nicht.
Eine Beleidigung ist ein Anlass für eine Dienstaufsichtsbeschwerde.

- Wie häufig muss man denn als ehemaliger Student, Ü25, überhaupt mit Einladungen rechnen? Kann man das in etwa sagen?
Die Anzahl der Einladungen ist unterschiedlich.
Die Fallmanager/Vermittler im JC müssen sich meist um Personen kümmern, die schon lange Zeit arbeitslos sind und aus verschiedensten Gründen nicht so einfach in Arbeit vermittelt werden können. Ein junger, gesunder Mensch mit einer tollen abgeschlossenen Ausbildung ist da schon eine Ausnahme. Den kann man problemlos in irgendwelche Jobs bringen, mit denen er seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten kann.
Du kannst damit rechnen, dass du in dieser Hinsicht bevorzugt wirst.

- Um ehrlich zu sein wollte ich den Sommer noch "etwas genießen", bevor ich ins Berufsleben eintauche.
Hier prallen Welten aufeinander.
Einerseits ist dein Anliegen gut zu verstehen.
Andererseits ist es die Aufgabe der Fallmanager/Vermittler eines JC, die Hilfebedürftigkeit einer Person möglichst schnell zu beenden.
Ich denke, es hängt sehr vom persönlichen Fallmanager ab, wie die Sache abläuft.
Ich persönlich schätze, dass es eher harte Arbeit wird, den Vermittlungsversuchen zu entgehen.

Wirklich genießen und chillen für ein paar Monate geht nach meiner Meinung nur dann, wenn man auf das Geld und die Dienstleistungen eines JC verzichtet.

Hinzu kommt, dass ich eine Einladung von einen Geschwistern (leben im Ausland) erhalten habe und diese eigentlich gern noch diesen Sommer für 3-4 Wochen besuchen möchte. Ich traue mich aber nun gar nicht, direkt einen Urlaub zu beantragen.

Beim JC gibt es keinen Urlaub.
Es kann nur eine sog. Ortsabwesenheit von höchstens 21 Tagen vom Fallmanager genehmigt werden.
In den ersten 3 Monaten der Arbeitslosigkeit gibt es da grundsätzliche Probleme.

Man kann jedoch durchaus ins Ausland gehen solange man will und das auch ohne Genehmigung.
Man muss das nur dem JC mitteilen und bekommt dann in dieser Zeit kein Geld.

Viele Grüße

Cha
 
G

Gelöschtes Mitglied 28373

Gast
In den ersten 3 Monaten der Arbeitslosigkeit gibt es da grundsätzliche Probleme.

Das ist eine sehr gewagte Behauptung...
Bei der AfA gibt es mit der OAW generell weniger Probleme, vor allem wenns um vor der Arbeitslosigkeit schon geplante Reisen geht.
Beim JC sieht das völlig anders aus und von einem SB, der sich telefonisch schon benimmt wie der letzte Mensch, würd ich da nur Schlechtes erwarten.

Nimm zu persönlichen Terminen einen Beistand mit, ignoriere Anrufe, bis die Nummer gelöscht ist.

Die OAW ist ein Glücksspiel.
Wenn du gesundheitlich eh angeschlagen bist und sowieso erstmal Zeit brauchst, um in der neuen alten Stadt anzukommen, ist die AU aber in jedem Fall ein guter Plan.
 

Fabiola

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Ich bin nun seit knapp 1 1/2 Monaten arbeitssuchend und habe in dieser Zeit die Stadt gewechselt und mich bemüht, mich hier so gut es geht zu integrieren (ich habe damit leider große Schwierigkeiten - Soziale Kontakte finden, sich im Alltag zurecht finden usw). Ist es so verkehrt, dass ich noch keine Arbeit habe?
Das FETT markierte oben interessiert das JC leider einen Kehricht - sorry.
Wellcome in der HartzIV-Parallelwelt, von der die übrige D-Welt bisher weitgehend unbehelligt bleibt (geschweige denn sich dafür interessiert), so lange es sie nicht selbst betrifft.
Du landest gerade auf dem harten Boden der HartIV-Tatsachen.
Und das bedeutet: Wenn Du Geld für Dein 'Überleben' brauchst, dann gib Deine Würde und Selbstbestimmung ab. Heißt:
Du musst alles tun, um Deine Hilfsbedürftigkeit zu beenden.
Z.B.: Ungeeignete Jobs annehmen (und Dich als Aufstocker vom Staat bis zur HarztIV-Ebene alimentieren lassen), Dich an Zeitarbeitsfirmen verkaufen, an Sinnlosmaßnahmen teilnehmen etc.
Und wenn Du da nicht mitspielen möchtest: SANKTION!
Heißt: Der mickrike HIV-Satz wird unter das Existenzminimum gekürzt, schlimmstensfalls auf NULL.

Dein Beitrag zeigt mir erneut und wiederholt, dass die 'normale' Bevölkerung letztlich keine Ahnung hat, was HIV letztendlich bedeutet - aber trotz alledem abfällig über Hartz-IV-ler urteilt. Arbeitsscheu, Alkoholiker, Couchpotatoes ...

Ich meine damit nicht Dich, es zeigt mir nur erneut, dass da keine wirkliche Kenntnis in der D-Gesellschaft existiert.
Ich bin nicht HIV-abhängig, aber das System stinkt zum Himmel.

Nach meinem seinerzeitigen Studium war ich einem solch perfiden und menschenverachtendem System gottlob nicht ausgesetzt.

Ich kann Dir nur wärmstens empfehlen: Nimm wenn irgend möglich einen sog. Beistand (Bekannte, Freunde) zu Deinen Terminen beim JC mit, der alles wortlos mitschreibt, was gesagt wird. Sachbearbeiter (SB) erzählen gerne viel, woran sie sich später 'leider' nicht mehr erinnern ...
Und unterschreibe NIEMALS eine Eingliederungsvereinbarung (EGV) direkt vor Ort, sollte Dir eine solche vorgelegt werden! Sondern steck diese unmittelbar ein. Du hast das Recht, diese von Deinem "Rechtsbeistand" überprüfen zu lassen (Zeitfrist etwa. 14 Tage).
Sollte SB dann einen EGV_Verwaltungsakt erstellen (der identisch mit der vorgelegten EGV sein muss - daher die Empfehlung die EGV unmittelbar ein zu stecken), kannst Du wenn nötig dagegen vorgehen (dann hier im Forum melden). Denn gegen eine unterschriebene EGV kannst Du so gut wie gar nicht vor gehen.

Ich denke das reicht erst mal für die erste 'Aufklärung und Gegenwehr ...
Lies Dich hier bitte gründlich zu Deinem eigenen Schutz in den verschiedensten Themen hier ein!!!
 

Sonnenkind90

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Habt vielen, vielen Dank für die ausführlichen Antworten. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass Ihr euch die Zeit genommen habt, mir zu helfen. Ich werde mich nun weiter einlesen & bin gespannt, was mich dann beim persönlichen Gespräch erwartet.
 

apfelkuchen

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Mach das. Und denk dran, falls irgend möglich, dir einen Beistand zum Gespräch mitzunehmen und wenn du hier hinterher Rückmeldung gibst, ist das für andere bestimmt auch hilfreich.

Alles Gute und viel Erfolg!
 

götzb

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Und bei jeder Vorladung die Fahrkostenerstattung beantragen.
Das könnte auch dazu führen, das man dich nicht jede Woche sehen möchte.
 
Zuletzt bearbeitet:

Cha

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Das ist eine sehr gewagte Behauptung...

Nun ja, meine "gewagte Behauptung" hat durchaus einen rechtlichen Hintergrund:
Die Grundlage für die Entscheidung über eine Ortsabwesenheit ist § 3 der Erreichbarkeitsanordnung (EAO).
Dieser führt u.a. aus:

§ 3 Aufenthalt außerhalb des zeit- und ortsnahen Bereiches
(1) … In den ersten drei Monaten der Arbeitslosigkeit soll das Arbeitsamt die Zustimmung nur in begründeten Ausnahmefällen erteilen.


Viele Grüße
Cha
 

Sonnenkind90

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Ich habe das Schreiben mittlerweile übrigens auch in Papierform erhalten. Zum ersten Gespräch soll ich mitbringen:
- ausgedruckte Bewerbungsunterlagen
- ausgedruckte Lebenslauf
- Kopie der letzten Zeugnisse.

Ich werde mich hier noch weiter einlesen, frage mich allerdings gerade, ob ich diese Unterlagen beim Jobcenter lassen soll oder schön wieder alles mitnehme?! Zu den Bewerbungsunterlagen stellt sich mir natürlich auch die Frage: reicht hier eine Kopie der Mail (in der meine Bewerbungen ja dann als PDF angehängt werden) oder will das JC in der Regel meine komplette Bewerbung lesen?

Meine wichtigste Frage bezieht sich allerdings auf etwas anderes. Ich habe dazu nichts gefunden - könnte mir aber vorstellen, dass dies nicht gestattet sei. Dennoch frage ich mal nach: Ich würde mit meinen Qualifikationen sehr gerne im Ausland arbeiten (außerhalb der EU). Ich wüsste auch schon, wo ich mich bewerben möchte und habe auch schon 1-2 Kontaktpersonen diesbezüglich. Akzeptiert das Jobcenter auch internationale Bewerbungen und die Absicht, dass ich das Land verlassen würde oder gilt das nicht als Bewerbung, um zunächst weiterhin Hartz4 zu bekommen?

Ich danke euch allen für die umfangreiche Unterstützung. Das freut mich wirklich sehr.
 

erwerbsuchend

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Wenn es nur darum gehen sollte, dass dein SB sehen möchte, wie du Bewerbungen verfasst, reicht es aus, wenn du einfach nur eine Musterbewerbung vorzeigst. Diese Unterlagen solltest du dann natürlich wieder mit nach Hause nehmen. Du solltest bei der Verhandlung über die EGV aber auch sicherstellen, dass du nicht verpflichtet bist, deine verschickten Bewerbungen auch als Nachweis dem SB vorlegen zu müssen. Als Bewerbungsnachweis reicht auch eine einfache Liste aus.
 
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