Erstantrag ALG2, Ü25, wohne mit Elternteil zusammen, sind wir eine HG? Außerdem Fragen bezüglich Perso, GDB und Riester.

Haemoglobin

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Hallo,

ich bin 28 und werde im Laufe des Monats einen ALG2 Antrag stellen müssen sofern ich nicht vorher einen Job finde, da meine Ersparnisse dann aufgebraucht sind. Da ich beim Ausfüllen keine Fehler machen möchte habe ich mich hier im Forum die letzten Tage eingelesen, bin mir aber vor allem bei dem hier schon oft angefragten Punkt ob HG oder WG anzukreuzen ist unsicher, da ich schon verschiedenste Dinge bei Personen in vergleichbarer Situation gelesen habe:

- Du bist eine aus nur einer Person bestehenden BG, bloß nicht HG ausfüllen
- Nimm die HG und kreuz dort an das Du nicht unterstützt wirst
- Ihr seid eine WG, keine HG

Zur Situation:
  • wie oben geschrieben Ü25
  • abgeschlossene Ausbildung
  • danach an Krebs erkrankt
  • erfolgreiche Chemo
  • Umschulung genehmigt
  • diese nach 2 Jahren erfolgreich mit IHK Abschluss abgeschlossen
  • während Jobsuche Rezidiv
  • erneut Chemo
  • aktuell in Remission
  • ein GDB von 60 liegt vor
  • wohne noch bei meiner Mutter (Mieterin, also kein Eigentum vorhanden)
Seit meiner Umschulung bezahle ich meine Krankenkasse und Essen selbst, da ich nicht ALG2 berechtigt war da ich mit dem Bargeld + Konto + Riester über dem Schonvermögen lag. Mietkosten hatte ich bisher keine, aber aufgrund von Corona kann meine Mutter es sich nicht mehr leisten und möchte verständlicherweise das ich mich beteilige.

Fragen:
  • Am naheliegendsten erscheint mir die Variante auf dem vereinfachtem Antrag unter 3.) "wohne zusammen mit meinen Eltern" anzukreuzen, und dann in der Anlage HG unter 4.) "zahlt keine Leistungen an die Bedarfsgemeinschaft". Anschließend Abschluss einer Kostenbeteiligungsvereinbarung mit Pauschalmiete beginnend ab nächstem Monat (oder besser Ende dieses Monats?) Danach unter 5.) "Die Bedarfsgemeinschaft beteiligt sich in folgender Höhe an den Kosten der Unterkunft" ankreuzen und die Pauschalmiete eintragen. Wäre dies die richtige vorgehensweise? Oder heißt es sofort wir wirtschaften aus einem Topf da ich ja bisher keine Miete zahlen musste und nur Krankenkasse und Essen etc. selber bezahlt habe? Bin ich vielleicht allgemein zu naiv und die Anträge sind genau so formuliert um einen in diese Richtung zu führen (HG ausfüllen)?
  • Meine Mutter möchte als Pauschalmiete: nur von mir genutzte Quadratmeter * typischen Quadratmeterpreis dieser Gegend. Oder ist es besser die Hälfte der örtlichen Angemessenheitsgrenze für einen 1 Personen Haushalt zu nehmen (da ich die Hälfte der für 1 Person erlaubten Quadratmeter bewohne), was 20 Euro mehr wären?
  • Macht es Sinn/hat es Vorteile den Feststellungsbescheid des 60er GDB mitzuschicken? Es scheint ja Standorte speziell für Schwerbehinderte Menschen zu geben.
  • Eine Kopie des Perso scheint oft (immer?) verlangt zu werden. Diesen möchte ich ungerne kopieren. Kann ich bis auf Name, Adresse und Geburtsdatum alles andere (inklusive Foto da biometrisch) schwärzen?
  • Ich habe kein unerhebliches Vermögen, mein Konto und Barvermögen ist auch fast aufgebraucht. Der aktuelle Rückkaufwert meiner Riesterrente (knapp 4800 Euro) liegt unter meinem Schonvermögen (4950 Euro = 28 * 150 + 750), richtig? Wenn ja, macht es Sinn zur beschleunigten Bearbeitung den aktuellen Rückkaufwert gleich mit zu schicken?
Über eine Antwort würde ich mich freuen.
 
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abcabc

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Hallo und willkommen im Forum.

Ich bin 28 und werde im Laufe des Monats einen ALG2 Antrag stellen müssen sofern ich nicht vorher einen Job finde, da meine Ersparnisse dann aufgebraucht sind.
Schade, dass du dich jetzt erst hier meldest. Du hättest schon im März den vereinfachten Antrag stellen können und noch max. 60.000€ Vermögen haben können. So hast du leider auf viel Geld verzichtet....

Seit meiner Umschulung bezahle ich meine Krankenkasse und Essen selbst
Und damit bist du eindeutig in einer WG mit deiner Mutter und kannst es durch die Kontoauszüge sogar beweisen - falls das JC dir Probleme machen will wegen HG.

Am naheliegendsten erscheint mir die Variante auf dem vereinfachtem Antrag unter 3.) "wohne zusammen mit meinen Eltern" anzukreuzen, und dann in der Anlage HG unter 4.) "zahlt keine Leistungen an die Bedarfsgemeinschaft". Anschließend Abschluss einer Kostenbeteiligungsvereinbarung mit Pauschalmiete beginnend ab nächstem Monat (oder besser Ende dieses Monats?) Danach unter 5.) "Die Bedarfsgemeinschaft beteiligt sich in folgender Höhe an den Kosten der Unterkunft" ankreuzen und die Pauschalmiete eintragen. Wäre dies die richtige vorgehensweise? Oder heißt es sofort wir wirtschaften aus einem Topf da ich ja bisher keine Miete zahlen musste und nur Krankenkasse und Essen etc. selber bezahlt habe? Bin ich vielleicht allgemein zu naiv und die Anträge sind genau so formuliert um einen in diese Richtung zu führen (HG ausfüllen)?
Ich würde ankreuzen "Ich wohne zusammen mit" und dann unter "sonstigen Personen (zum Beispiel andere Personen in einer Wohngemeinschaft)" eine 1 eintragen. Das ist die einzige Option, die zutrifft, wenn man sich oben die einleitende Erklärung und die Ausfüllhinweise genauer anschaut. Da steht schließlich, dass man dort für die genannten Personen direkt mit beantragen würde.
Dann gibts auch keinen Grund die Anlage HG auszufüllen, zumal bei der Anlage HG dick und fett als erstes draufsteht "bei vorliegen einer HG" ---> Schon ist die ganze Anlage falsch für eine WG.

Meine Mutter möchte als Pauschalmiete: nur von mir genutzte Quadratmeter * typischen Quadratmeterpreis dieser Gegend. Oder ist es besser die Hälfte der örtlichen Angemessenheitsgrenze für einen 1 Personen Haushalt zu nehmen (da ich die Hälfte der für 1 Person erlaubten Quadratmeter bewohne), was 20 Euro mehr wären?
Ihr könnt einfach einen Mietvertrag mit einer festen Pauschale aufsetzen. Wenn dort klipp und klar drinsteht, dass es eine pauschale Miete ist, können auch keine Abrechnungen verlangt werden. Im Rahmen 150-300€ sollte das durchgehen.

Macht es Sinn/hat es Vorteile den Feststellungsbescheid des 60er GDB mitzuschicken? Es scheint ja Standorte speziell für Schwerbehinderte Menschen zu geben.
Würde ich nicht beim Antrag mitschicken. Wird ja auch nirgendwo gefragt. Ein findiger SB könnte sonst auf die Idee kommen erstmal abzulehnen und zu versuchen dich ans Sozialamt zu verweisen. Später kannst du den Ausweis immer noch vorzeigen.

Eine Kopie des Perso scheint oft (immer?) verlangt zu werden. Diesen möchte ich ungerne kopieren. Kann ich bis auf Name, Adresse und Geburtsdatum alles andere (inklusive Foto da biometrisch) schwärzen?
Erstmal abwarten, ob überhaupt was verlangt wird. Falls was verlangt wird, kannst du natürlich die Sachen schwärzen (Adresse aber nicht) und ausprobieren, ob es akzeptiert wird. Falls nicht, kannst du immer noch eine Version mit weniger Schwärzungen einreichen.

Ich habe kein unerhebliches Vermögen, mein Konto und Barvermögen ist auch fast aufgebraucht. Der aktuelle Rückkaufwert meiner Riesterrente (knapp 4800 Euro) liegt unter meinem Schonvermögen (4950 Euro = 28 * 150 + 750), richtig? Wenn ja, macht es Sinn zur beschleunigten Bearbeitung den aktuellen Rückkaufwert gleich mit zu schicken?
Nein, einfach nur "Nein" ankreuzen bei der Frage, ob du erhebliches Vermögen (mehr als 60.000€) hast. Ich gehe mal davon aus, dass du den vereinfachten Antrag nimmst....
 

Haemoglobin

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Hallo abcabc,

danke für die schnelle und ausführliche Antwort.

Schade, dass du dich jetzt erst hier meldest. Du hättest schon im März den vereinfachten Antrag stellen können und noch max. 60.000€ Vermögen haben können. So hast du leider auf viel Geld verzichtet....

Ja, das stimmt wohl, ich rede es mir damit schön nicht in Sinnlos-Maßnahmen gesteckt worden zu sein von denen ich hier schon öfter gelesen habe und weniger Stress gehabt zu haben.

Und damit bist du eindeutig in einer WG mit deiner Mutter und kannst es durch die Kontoauszüge sogar beweisen - falls das JC dir Probleme machen will wegen HG.

Ich würde ankreuzen "Ich wohne zusammen mit" und dann unter "sonstigen Personen (zum Beispiel andere Personen in einer Wohngemeinschaft)" eine 1 eintragen. Das ist die einzige Option, die zutrifft, wenn man sich oben die einleitende Erklärung und die Ausfüllhinweise genauer anschaut. Da steht schließlich, dass man dort für die genannten Personen direkt mit beantragen würde.
Dann gibts auch keinen Grund die Anlage HG auszufüllen, zumal bei der Anlage HG dick und fett als erstes draufsteht "bei vorliegen einer HG" ---> Schon ist die ganze Anlage falsch für eine WG.

Danke, das klingt einleuchtend für mich. Da hab ich wohl den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen.

Ihr könnt einfach einen Mietvertrag mit einer festen Pauschale aufsetzen. Wenn dort klipp und klar drinsteht, dass es eine pauschale Miete ist, können auch keine Abrechnungen verlangt werden. Im Rahmen 150-300€ sollte das durchgehen.

Gut, das hatten wir so vor nachdem ich gestern erst hier im Forum einen Hinweis in der Richtung zur Pauschalmiete gefunden hatte: https://sozialberatung-kiel.de/tag/hartz-iv-pauschalmiete/ Die Höhe die sich meine Mutter vorgestellt hatte passt dann ja auch.

Würde ich nicht beim Antrag mitschicken. Wird ja auch nirgendwo gefragt. Ein findiger SB könnte sonst auf die Idee kommen erstmal abzulehnen und zu versuchen dich ans Sozialamt zu verweisen. Später kannst du den Ausweis immer noch vorzeigen.

Oh, daran hatte ich noch gar nicht gedacht. Dann werde ich lieber auf Nummer sicher gehen und es mir sparen.

@Kerstin_K - danke für die Antwort und keine Sorge, hatte mir überlegt den Bescheid so zu falten dass keine Diagnosen zu sehen sind. Auf dem Ausweis ist ja auch wieder mein Foto drauf (wenn auch nicht bometrisch). Werde diesen aber nun lieber erstmal gar nicht mitschicken.

Erstmal abwarten, ob überhaupt was verlangt wird. Falls was verlangt wird, kannst du natürlich die Sachen schwärzen (Adresse aber nicht) und ausprobieren, ob es akzeptiert wird. Falls nicht, kannst du immer noch eine Version mit weniger Schwärzungen einreichen.

Danke, werde ich erstmal so handhaben.

Nein, einfach nur "Nein" ankreuzen bei der Frage, ob du erhebliches Vermögen (mehr als 60.000€) hast. Ich gehe mal davon aus, dass du den vereinfachten Antrag nimmst....

Genau, der scheint ja nun auch über den 30.09 hinaus bis Ende des Jahres gültig zu sein. Danke nochmal für die Antwort - erleichtert mir die Antragsstellung schonmal sehr. :)
 

Claus.

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werde im Laufe des Monats einen ALG2 Antrag stellen müssen sofern ich nicht vorher einen Job finde
Dran denken: der Antrag gilt nicht erst ab dem Antragsstellungsdatum, sondern er wirkt auf den ersten des Monats zurück. Beispiel: Antragstellung am 20.10. -> dann zählst du bereits ab (seit) dem 01.10. zu den AlgII-Empfängern.

Die Kostenbeteiligungsvereinbarung sollte "eigentlich" bereits zu Vor-AlgII-Zeiten getroffen worden sein. Denn ansonsten riecht das so arg nach "das Amt zahlt schon" - das "Amt" will aber nicht wenn es sich irgendwie umgehen lässt ...

Und sollte mehr oder weniger zufällig eines Tages die Frage gestellt werden wie denn die Pauschalmiete zustande gekommen ist, dann dürftest du mit einer in Richtung "ortsübliche qm-Höhe" oder auch "typischer qm-Preis dieser Gegend" abzielenden Erklärung einen üblen Bauchklatscher hinlegen. Denn, ich bin mir da nicht 100%-tig sicher - gebe ich zu, aber meiner Meinung nach hat ein AlgII-"Kunde" keinen Anspruch auf "ortsüblich" o.ä. . Sondern die ganzen Blödsinnsberechnungen ala "KDU-Richtlinie für den Kreis XYZ" basieren regelmäßig auf imaginären Kosten für eine Wohnung im unteren Segment. Das dürfte wohl schon noch ein paar Millimeter unter "ortsüblich" liegen.
Da käme m.M.n. dann eher sogar noch ein "wurde ausgewürfelt unter Einbeziehung der Miete und der Nebenkosten, Strom, Wasser, Abwasser, sonstige Nebenkosten, Mülltonnenleerung, usw." besser.

Desweiteren solltest du ggf. gleich auch noch eine "Idee" zu entwickeln versuchen, was du mit deinem Riester-Vertrag kurzfristig /mittelfristig /langfristig machen wolltest. Denn Schonvermögen (deine 4950€) und "geldwerte Ansprüche, die der Altersvorsorge dienen" (§ 12 Abs. 2 Nr. 3 SGB II) (= 21000€) sind -eigentlich- zwei verschiedene Paar Stiefel.
Da stellt sich mir sowieso die Frage ob eine "richtige" Riesterrente überhaupt jederzeit verwertbar ist?. Ansonsten wäre/ist die Vereinbarung eines Verwertungsausschlußes (m.E.n. aktuell bis zum sechzigsten LJ) nur noch so lange zulässig, solange du noch Privatier bist bzw. als solcher gelten kannst (... und wieder § 37 Abs. 2 Satz 2 SGB II).
 
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