Erfahrungsberichte zu Arbeitsmöglichkeiten, beruflicher Situation psychisch und anderweitig beeinträchtigter Menschen- was gibt es für Perspektiven?

Besucher und registrierte Nutzer in diesem Thema...

Harzfünfer

Priv. Nutzer*in
Startbeitrag
Mitglied seit
2 März 2020
Beiträge
547
Bewertungen
329
Da mich dieses Thema mal wieder schmerzlich beschäftigt, würde mich mal interessieren, was andere da so für Erfahrungen persönlich oder in ihrem Umfeld gemacht haben.
Ich persönlich habe eigentlich schon aufgegeben, also erwarte diesbezüglich kaum noch etwas, aber wollte hier auch mal ein paar Dinge schildern, was ich so für einen Eindruck von der Situation, auf meinem gescheiterten, vereitelten beruflichen Orientierungsweg, gewonnen habe.
Bei mir besteht die Problematik, dass ich offenbar für kein Berufsfeld wirklich geeignet bin, aus diversen Gründen. Ich habe ein sehr unregelmäßiges Begabungsprofil, was bei meiner mutmaßlichen Grunderkrankung nichts ungewöhnliches ist.
Habe sowohl psychisch als auch körperliche Probleme.
Für technische Berufe fehlen mir die mathematischen und physikalischen Kenntnisse, für soziale Berufe fehlt mir die Sozialkompetenz, für Büroberufe fehlt mir die Kommunikationsfähigkeit, für Handwerksberufe die körperliche Fitness, Schwindelfreiheit usw.
Außerdem bin ich sehr geräusch-, geruchs- und lichtempfindlich, sowie überhaupt nicht stressresistent, belastungsfähig usw.

Ich kann auch nicht mehrere Sachen gleichzeitig machen, ich kann mich nur auf eine Sache konzentrieren. Meine Konzentrationsfähigkeit ist ohnehin in den letzten zwei Jahren depressionsbedingt größtenteils verlorengegangen.

Ich hatte nach der zehnten Klasse keine Lehrstelle gefunden, war, gerade als Gymnasiast auch so gut wie nicht vorbereitet darauf mir selbst eine Stelle zu suchen, und damit hoffnunglos überfordert.

Ich hatte dann ein Jahr später auf Initiative meiner Mutter eine nichtbetriebliche Ausbildung angefangen, die man privat bezahlen musste (war aber nicht allzuviel, ich bekam Schüler-BaföG).

Diese hatte ich zwar pro forma erfolgreich abgeschlossen, aber sie erwies sich gerade im Nachhinein als völlig betriebsfremd und ich erwies mich ohnehin wieder als völlig überfordert mit den heutigen Bewerbungsprozessen.

Ich wollte nämlich im Anschluss eine kaufmännische Ausbildung machen, also in einem Betrieb natürlich. Damit hätte ich ein Stück weit an meine vorige Ausbildung anknüpfen können. Naja, dachte ich eigentlich, aber wurde dann nichts draus.

Man wird auch irgendwo nirgends richtig dazu beraten, was für ein Beruf für einen geeignet sein könnte. Zumindest wurde ich das nicht- nie.

Die Arbeitsagentur hat auch noch nicht viel für mich gemacht. Die schickten mir halt irgendwelche Stellenangebote, auf die ich fast nur Absagen bekam, oder mal einen „Eignungstest“, der offenbar vernichtend ausfiel jedes Mal. Ich hatte mal ein Einzelcoaching zu Bewerbungen, was mich aber noch mehr verwirrt hat und wo ich selbst mit dem Tipps aus dem Internet noch mehr Erfolg hatte als mit deren kruden Vorschlägen.

Ich habe eine Zeit lang auch über ganz andere Berufe nachgedacht, z.B. solche, die sehr unbeliebt sind, aber das hat dann oft auch Gründe.

Mittlerweile sind meine psychischen Leiden ohnehin so schwer geworden, dass ich mich als nicht mehr erwerbsfähig betrachte.

Überhaupt hatte ich mich schon vorher gefragt bzw. stark bezweifelt, es bis zur Altersrente zu schaffen. Das geht ja heute vielen Menschen so, auch welchen die relativ gesund sind oder mal waren.

Also die Berufe, über die ich mich etwas informiert hatte, z.B. Metzger, Bäcker, Altenpflege, haben in den meisten Fällen Arbeitsbedingungen, wie ich sie nicht für möglich gehalten hätte, heute ,in unserem Staat.

Ich könnte mich bei vielen Berufen daher auch fragen, wie man das noch längerfristig aushält, ohne zusammenzubrechen.

Ich halte diese Berufe daher ohnehin ungeeignet für psychisch Kranke.

Diese ganze Situation, ob nun erwerbslos oder aber für wenig Geld ausgebeutet, macht einem nicht gerade gesünder

Ich bräuchte einen leidensgerechten Arbeitsplatz, den es auf dem regulären Arbeitsmarkt nicht zu geben scheint.

Ich bin auch inzwischen so weit, dass ich Menschen kaum noch ertrage, mir nur noch schwer vorstellen kann, mit ihnen irgendwann wieder einen großen Teil meines Tages zu verbringen bzw. unfreiwillig verbringen zu müssen. Ich will eigentlich nur noch meine Ruhe, nichts mehr hören oder sehen.

Ich halte es noch für eine Option, eine WfBM auszuprobieren. Vielleicht komme ich ja dort besser zurecht. Ich denke, vielen anderen jungen Menschen mit psychischen Erkrankungen bleibt real gesehen auch kaum was anderes möglich. Gerade im Autismusbereich scheint dies recht häufig vorzukommen.

Es gibt zwar viele die zunächst studieren oder denen mal eine geschützte Ausbildung in einem BfW/BBW schmackhaft macht, doch das bringt alles kaum etwas für die tatsächliche Stellensuche.

Dann bliebe noch Hartz IV, sofern ein Anspruch bestünde, mit den bekannten Problematiken.

Oft wird es dann eh so laufen, dass man früher oder später in die Grundsicherung abgeschoben wird nach SGB XII. Aber das ist vielleicht nicht mal so schlecht, man muss nicht mehr in Maßnahmen oder Eurojobs, sich nicht mehr bewerben usw., wird im Grunde in Ruhe gelassen.

Mir wäre das inzwischen lieber, als sich jahrelang irgendwo verheizen zu lassen, wenn es einem eh schon nicht gut geht. Vielleicht auch noch von „Kollegen“ psychisch oder auch körperlich drangsaliert zu werden. Das kann ich nicht mehr gebrauchen und halte ich nicht mehr aus, sowas kenne ich aus meiner Schulzeit schon zur Genüge.

Ich habe den Eindruck, man hat heutzutage ohnehin kaum noch eine Perspektive, auch ohne Krankheiten sieht es nicht rosig aus, viele junge Leute stecken lange Zeit in irgendwelchen Berufsfindungsmaßnahmen, Beruferprobungsjahren, Eqs oder machen ein FSJ um die Zeit zu überbrücken. Anstatt dass man mal eine richtige Stelle bekäme, mit einem richtigen Verdienst. Das ist auf Dauer auch alles keine Lösung.

Viele werden wohl auch erst durch diesen katastrophalen Arbeitsmarkt, nicht enden wollende, erfolglose Jobsuche, psychisch krank i.S. Von z.B. Depressionen, Angststörungen, Zwängen usw.

Bei anderen wie bei mir, kommen noch „Grundproblematiken“ wie ADHS, Autismus, ADS etc. hinzu, welche sich oft um o.g. Komorbiditäten erweitern.

Mir sind meine Problematiken zwar schon in der Schule durchaus bewusst gewesen in einem gewissen Ausmaß, auch wenn ich damals keine psychische Diagnose hatte.

Ich dachte immer, in der Berufswelt würde es leichter für mich werden, weil man es mit vernünftigen Erwachsenen zu tun hat anstatt mit schwer pubertierenden Gleichaltrigen.

Dass da so eine Perspektivlosigkeit auf mich wartet hätte ich nicht für möglich gehalten.

Hinzu kommt, dass meine Bewerbungsversuche noch in einer Zeit stattfanden, in denen ich nichts von meinen psychischen Problemen offenlegte, die teils auch noch gar nicht aktenkundig waren.

Hätte ich so etwas angegeben in Bewerbungen, wäre ich wahrscheinlich überhaupt nirgends eingeladen worden.

Ich hatte auch während der Vorstellungsgespräche, also nur solche Vorabgespräche zusammen mit einem Einstellungstest, recht krasse Sachen erlebt, was da für fragen gestellt wurden, eben gleich in Bezug auf Krankheiten, auf das Elternhaus und andere sehr private Dinge.

Ich weiß nicht, wie andere damit umgehen und damit zurechtkommen.

Ich könnte mich eigentlich auch bei „normalen“ Menschen fragen, wie die heute noch an eine gescheite Arbeit oder Lehrstelle kommen. Vielleicht lassen die oft ihre Beziehungen spielen.

Ich kenne aber leider keine Unternehmer oder hochrangige Funktionäre, die mich einstellen könnten.

Ich finde es nichtsdestotrotz skandalös, dass von einem Fachkäftemangel oder Lehrlingsmangel geklagt wird, während viele junge Menschen heute von Anfang an keine Chance bekommen, vielleicht noch irgendwas arbeitsmarktfremdes erst mal angedreht bekommen um aus der Statisik zu sein, oder selbst irgendwas versuchen zu machen, aber letztendlich doch oft nur auf dem Abstellgleis landen.

Mir selbst ist das inzwischen weitgehend egal, ich würde den heutigen Arbeitsmarkt sowieso nicht lange aushalten. Das würde auf erneute Arbeitslosigkeit oder auf eine mickrige und befristete EM-Rente hinauslaufen. Also warum sich nicht gleich auf dem +/- Sozialhilfeniveau einrichten, wenn man dort eh über kurz oder lang landet.

Aber irgendwie finde ich es auch zutiefst deprimierend, so ist man für immer stigmatisiert von der Gesellschaft, ist raus, ist abgeschrieben.

Wobei ich mich schon lange vor diesem Arbeitslosen- und Krankenschicksal, angewidert aus der Gesellschaft zurückgezogen habe- u.a- auch aufgrunddessen, wie hier mit Kranken und Arbeitslosen umgegangen wird und was für eine Denkweise oft bei Leuten besteht, die sowas (noch) nicht aus eigener Erfahrung kennen.

Es fällt mir schwer, die Gesellschaft überhaupt noch zu ertragen.

Aber ich glaube das geht letztlich immer mehr Menschen so, die Gesellschaft ist sehr destruktiv geworden, und viele, die mal mittendrin in dem Treiben waren oder es heute noch sind, werden eines Tages noch ganz am Rande stehen, was sie eigentlich nicht für möglich gehalten hätten in ihrer Selbstüberschätzung.
 

Liane17

Elo-User*in
Mitglied seit
19 August 2020
Beiträge
157
Bewertungen
86
Kannst du nicht FH Reife oder Abi nachholen und dann studieren? Studium ist ganz anders als Arbeit. Danach kannst du dann noch mal versuchen dich zu bewerben.
Lass dir nicht einreden, dass was mit dir nicht stimmt, nur weil du krank bist. Viele Leute mit Krankheiten studieren oder arbeiten. Versuch es einfach weiter mit Bewerbungen. Vielleicht musst du auch umziehen, um leichter was zu finden, also auch weiter weg bewerben, nicht nur in wirtschaftsschwachen Regionen. Nach einem Studium/ einer weiteren Ausbildung wird es dann leichter etwas zu finden. Und selbst wenn nicht kannst du ja was studieren, was dich interessiert wie Sprachen. Dann ist es keine verschwendete Zeit. Ich würde dir auch empfehlen Lichttherapie zu versuchen oder in eine sonnigere Gegend zu ziehen.
 

Harzfünfer

Priv. Nutzer*in
Startbeitrag
Mitglied seit
2 März 2020
Beiträge
547
Bewertungen
329
Kannst du nicht FH Reife oder Abi nachholen und dann studieren? Studium ist ganz anders als Arbeit. Danach kannst du dann noch mal versuchen dich zu bewerben.
Was soll mir das bringen, wenn ich sowieso nicht arbeiten kann, nie eine Stelle finde?
Außerdem muss ich mal von irgendwas leben...
Ich sehe derzeit nur noch die Option WfBM für Psychisch Behinderte oder halt anderweitig versuchen, als erwerbsunfähig eingestuft zu werden- z.B. wenn man es selbst in der WfBM nicht mehr aushält.

BGE wäre natürlich eine Erlösung, aber solange kann ich nicht warten, bis es soweit ist, muss ich eine Alternative verfolgen...
Das mit der WfBM würde ich auch eher wegen der Rente machen, die man nach 20 Jahren bekäme. Dann hätte man endlich seine Ruhe, mehr will ich ja gar nicht mehr...

Aber wenn wir schon beim Thema Studium sind, habe ich dazu auch noch etwas zu sagen:
Ich bin auch schockiert darüber, wie heute ein Studium abzulaufen scheint, und was das anscheinend für Autisten (u.a.) für massive Schwierigkeiten mit sich bringt, sodass viele schon im Vorfeld scheitern.

Nur noch Gruppenarbeit, Projektarbeit, alles vernetzt, referate, vorträge etc.- das hat mich schon auf der allgemeinen schule an meine grenzen gebracht.

Für unsereins bräuchte es einen Job bzw. auch Bedingungen, wo man in Ruhe seine Arbeit macht, irgendetwas mit möglichst wenig Kontakt zu KUnden und Kollegen.
Sowas scheint es immer seltener zu geben.

Und ich habe definitiv den Eindruck, dass vieles schlechter geworden ist, dass für Menschen, die von der Norm abweichen, besonders sind, z.B. auch nicht so kommunikativ sind, eben Einzelgänger tendenziell, es keinen Platz mehr gibt in der Gesellschaft, also irgendwo ganz unten im Sozialsystem.
 
Zuletzt bearbeitet:

Liane17

Elo-User*in
Mitglied seit
19 August 2020
Beiträge
157
Bewertungen
86

Unter dem Link findest du Berufe, die gut zu Autisten passen, z.B. Programmierer, Jurist, Sprachberufe. Programmierer kann man sich zu Hause selber beibringen und man hat nicht viel persönlichen Kontakt mit Leuten. Man muss dafür auch nicht gut in Mathe sein. Und man verdient ganz gut.
Informatiker kann man auch als bezahlte Ausbildung machen.
Natürlich kannst du auch in die Werkstatt für die Rente, aber das kannst du ja immer noch in ein paar Jahren.
Im Studium bekommt man mit Schwerbehindertenausweis Nachteilsausgleiche. Man kann es also schaffen.
 

Harzfünfer

Priv. Nutzer*in
Startbeitrag
Mitglied seit
2 März 2020
Beiträge
547
Bewertungen
329
Natürlich kannst du auch in die Werkstatt für die Rente, aber das kannst du ja immer noch in ein paar Jahren.
Ich habe noch eine Erbschaft vor Jobcenter und Sozialamt zu retten. Je früher ich anfange bzw. die 20 Jahre herumbekommen (so nicht das BGE als [Er]lösung vorher schon kommt), desto wahrscheinlicher gelingt mir das.
Auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, sehe ich heute keine Perspektive für mich. Leider. Ich kann nicht ständig die Jobs wechseln, dazwischen Phasen der Arbeitslosigkeit bis hin zu Hartz IV. So ein unstetes Leben kann ich nicht führen, in der WfBM weiß man wenigstens wo man dran ist.

Die von dir benannten Berufe entsprechen nicht meinem Begabungs- und Interessenprofil, da kann ich mich nicht reinarbeiten, zumal die Konkurrenz groß ist.

Es wird zwar immer wieder der IT-Bereich als vermeintliche Lösung für alle/viele Autisten in stereotyper Art präsentiert, aber die Wahrheit ist auch, dass bei weitem nicht jeder Betroffene dafür geeignet ist. Und dann sieht es richtig mau aus, wie gesagt.
Abgeschrieben, von der brutalen neoliberalen Gesellschaft.:(
 
Zuletzt bearbeitet:

Liane17

Elo-User*in
Mitglied seit
19 August 2020
Beiträge
157
Bewertungen
86
Ja, das mit der relativ hohen Rente nach 20 Jahren ist schon praktisch. Mach das, wenn du nix anderes findest. Aus der normalen Rentenversicherung kriegt man weniger und nach mehr Jahren erst.
Alternative wäre 3 Jahre arbeiten und volle Erwerbsminderungsrente, aber wenn du eh nix findest...
 

Harzfünfer

Priv. Nutzer*in
Startbeitrag
Mitglied seit
2 März 2020
Beiträge
547
Bewertungen
329
Alternative wäre 3 Jahre arbeiten und volle Erwerbsminderungsrente, aber wenn du eh nix findest...
Gerade damit habe ich ein riesen Problem, selbst etwas zu finden. Ich denke inzwischen, dass ich es sowieso in keinem normalen Betrieb lange aushalten würde. Man würde mich vielleicht schon in der Probezeit kündigen. Dann eine Rente zu bekommen, dürfte sich schwierig gestalten, würde vielleicht erst nach etlichen Jahren Arbeitslosigkeit klappen, wo sie dann auch anders, um nicht zu sagen deutlich geringer, berechnet wird (glaube ich).

Bis zu einem Grundrentenanspruch, würde ich es sicher nicht schaffen...

Bei der WfBM ist das praktisch, dass man automatisch als erwerbsgemindert gilt, wenn man dort drin ist. Seit einiger Zeit sogar von Beginn an. Dementsprechend bekommt man diese Rente bei Erfüllung der Wartezeit auch ohne größere Umstände. Erwerbsunfähigkeit ist durch den Werkstattaufenthalt ausreichend belegt.

Also im Grunde ist es noch eine relativ sozialverträgliche Lösung, die man da gefunden hat hinsichtlich der Werkstattbeschäftigung.
Etliches ist in diesem Bereich auch besser geworden die letzten Jahre: Man kriegt nun auch in der Grundsicherung als Alleinstehender ohne eigenen Haushalt den vollen Regelsatz, und seit kurzem hat man auch von Beginn der Werkstattbeschäftigung an, den Anspruch auf Grundsicherung statt nur auf Hilfe zum Lebensunterhalt.
Ich glaube auch an den Freibeträge hinsichtlich des Werkstatt-Taschengelds, hat sich was gebessert(?).

Nichtsdestotrotz, wenn man mehr darüber nachdenkt, ist es doch recht deprimierend.:cry: Ich hätte mir ehrlich gesagt mal mehr vom Leben erwartet als so etwas. Das ist nur eine Notlösung, eine Minimalversion von Leben. Letztendlich lebt man dann das ganze Leben nur knapp über dem Sozialhilfeniveau.
Ist im Grund noch mehr ausgestoßen , gesellschaftlich, als schon ein ALG II-Bezieher leider oft ist.

Naja, meine Hoffnung ist immer noch das BGE von dem ich denke, dass es irgendwann kommen und ich zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich noch leben werde. Wobei ich da auch eine eher bescheidene Höhe erwarte...

Ich erwarte wirklich nicht mehr viel vom Leben...ich brauch auch nicht viel Geld, mir ist es wichtiger möglichst wenig Stress und Druck zu haben.
Aber deprimierend ist es schon...
 

Liane17

Elo-User*in
Mitglied seit
19 August 2020
Beiträge
157
Bewertungen
86
Mit Schwerbehindertenausweis könntest du vllt bevorzugt eine bezahlte Ausbildung im mittleren öffentlichen Dienst bekommen, z.B. Verwaltungsfachangestellte. Du kannst dich ja jetzt oder in ein paar Jahren noch mal gezielt auf Ausbildungsstellen bewerben, die 3 Jahre gehen und bezahlt sind, egal was. Vllt bekommst du damit schon einen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente voll. Wenn man nach der Ausbildung gar nicht erst arbeiten konnte, gelten auch günstigere Regeln. Du kannst dich ja bei der DRV beraten lassen. Vielleicht kannst du nach der Ausbildung auch nur halbtags arbeiten für den EWM Anspruch. Halbzeitstellen sind leichter zu bekommen. Sozialversicherungsfachangestellte wäre vielleicht auch noch was oder Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte. Da ist man auch nur im Büro.
Selbst wenn sie einen in der Probezeit kündigen, dann sucht man sich eben was neues. Darüber kann man nachdenken, wenn es so weit ist. Es merkt auch nicht jeder immer was. Das denkt man nur meistens selber. Vielleicht wäre eine Reha auch gut, um den Gesundheitszustand zu verbessern. Die bezahlt nachher auch die DRV, wenn man zB durch eine Ausbildung eingezahlt hat. Sonst könnte deine KK auch eine Kur bezahlen.
Als Jobbörse für den öD kommt interamt in Frage und für Stellen in der freien Wirtschaft stepstone. Bewirb dich einfach mal überall. Oft geht es einem auch psychisch besser, wenn man arbeitet oder eine Ausbildung macht.

Es gibt auch noch die Möglichkeit des Eingliederungszuschuss bei Schwerbehinderung oder Langzeitarbeitslosen. Dann bezahlt das Arbeitsamt bis zu 70 % deines Gehalts, wenn einer dich sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Dadurch könnte es leichter sein, nachher einen Job zu finden und du könntest Beitragsjahre für die EWM Rente sammeln.

 

bondul

Priv. Nutzer*in
Mitglied seit
25 Mai 2019
Beiträge
993
Bewertungen
2.541
Ich halte es noch für eine Option, eine WfBM auszuprobieren.

Was hast du denn in dieser Hinsicht bereits unternommen (?), dazu hatte ich dir ja einmal einiges geschrieben, z. B. hier:​
Du zäumst das Pferd von hinten auf ...

Und was ist hieraus geworden?​
Ich habe nun endlich einen Termin zur Diagnostik eines Asperger-Syndroms bzw. einer Autismus-Spektrums-Störung.
Wurde mittlerweile ein Grad der Behinderung (GdB) ermittelt bzw. hast du nach den Untersuchungen endlich einen Antrag auf Feststellung gestellt?
 

Harzfünfer

Priv. Nutzer*in
Startbeitrag
Mitglied seit
2 März 2020
Beiträge
547
Bewertungen
329
Wurde mittlerweile ein Grad der Behinderung (GdB) ermittelt bzw. hast du nach den Untersuchungen endlich einen Antrag auf Feststellung gestellt?
Ich habe immer noch kein Ergebnis mitgeteilt bekommen, allerdings wurde schon im Herbst letzten Jahres, ein Gutachten an die BA geschickt, was so nicht ganz mit mir abgesprochen war und was ich nicht wusste, dass es da bereits hingesendet wurde so rasch. Was meine SB auch nicht wusste, nur durch Nachfrage beim ÄD erfuhr- bei denen weiß der eine nicht was der andere treibt...

Das bekam ich erst vor kurzem mitgeteilt. Ich habe nicht ganz verstanden, was denn nun aus dem Gutachten zu schließen ist, aber es hörte sich so an, dass ich damit fast über das Ziel hinausgeschossen bin bzw. mir damit noch mehr Steine in den Weg gelegt habe.
Ich hatte ja quasi das Gutachten durch die Ärztin gewollt, eben mit der Intention WfBM usw.- Überstellung Reha-Abteilung für das weitere Procedere etc.
Ich sagte, dass wahrscheinlich noch Unterlagen an den ÄD folgen.

Ich habe jetzt noch einen (vorerst?) letzten Termin bei der diagnostizierenden Ärztin.

Also das Gutachten, irgendwas mit "für 6 Monate nicht ausbildungsfähig" oder so. Hört sich nicht gut an. Vielleicht wollen die mich jetzt ganz aus der Vermittlung werfen? Nicht mehr zuständig? An wen soll ich mich dann noch wenden? An die Lebenshilfe, den VdK?
Keine Ahnung, was da noch auf einen zukommt...

Ich werde noch weiter berichten, in einer Woche werde ich mehr dazu wissen.

Das mit GdB usw. ist dementsprechend auch alles noch nicht in die Wege geleitet, und ich weiß nicht ob es sich ergibt.

Allerdings habe ich gehört, dass man nicht zwingend einen GdB braucht, um in die Werkstatt zu kommen.

Hier wurden noch mal normale Ausbildungen etc. angesprochen.
Ich sehe mich leider nicht mehr in der Lage, noch mal eine reguläre Ausbildung, gar auf dem ersten Arbeitsmarkt durchzustehen.
Habe nicht zuletzt, offenbar depressionsbedingt, starke Konzentrationsstörungen und mir fällt es schwer, sich noch Sachen reproduzierbar und unter Druck zu merken wie für Tests, Klassenarbeiten etc. Musste deswegen auch die Fahrschule unterbrechen/pausieren. Gut möglich dass ich auch nie fahren werden könne, was die Erwerbs- und Vermittlungsfähigkeit ja nicht gerade steigert...

Zumal mein Lebenslauf ohnehin schon so verunstaltet ist, dass sich die Unternehmen wahrlich nicht drum reißen. Das haben sie auch früher schon nicht. Nun ja, meine mittlere Reife war eher mittelmäßig, und vieles weiß ich auch gar nicht mehr, da es zu lange her ist. Was man für Einstellungstests wissen muss- ich bräuchte Jahre, um mich da wieder einzuarbeiten.

Ich habe ja auch in Einstellungstests etc. wenngleich das nicht viele waren, krasse Dinge erlebt, die, von meiner Perspektive früher, kaum zu fassen sind. Das ist nur ein Bruchteil der Dinge, wieso ich mittlerweile der Auffassung bin, dass es besser ist, sich auf den heutigen katastrophalen Arbeitsmarkt erst gar nicht zu begeben.

Sondern stattdessen andere Wege zu versuchen, eben wie mit der WfBM, oder falls das nicht klappt oder man selbst dort nicht mehr klarkommt, versucht, in die Grundsicherung zu kommen und dort für den Rest des Lebens oder bis zur Einführung eines BGE. zu verbleiben.
Scheint bei AS-Betroffenen nichts ungewöhnliches zu sein, dass man über kurz oder lang als erwerbsunfähig eingestuft wird, und dann in die Grundsicherung zum Sozialamt wechselt.
Wenigstens eine gute Sache an dieser Krankheit, so sie denn erkannt und korrekt diagnostiziert wird, was oft erst im fortgeschrittenen Alter passiert.

Mir ist nur noch nicht ganz klar, ob man, wenn man die Werkstatt nicht packt, man beim Sozialamt bleiben kann. Man ist ja dann eh schon beim Sozialamt, und wenn man selbst die Werkstatt nicht schafft, wird man ja wohl kaum gesünder geworden sein.
Denn es heißt ja, dass viele Autisten gar nicht für WfbMs geeignet sind- ich weiß auch noch nicht, ob das was für mich ist.
Sollte sich das herausstellen, dann sähe ich wirklich nur noch die Grundsicherung oder Hilfe zum Lebensunterhalt als Möglichkeit. Da hat man wenigstens seine Ruhe, auch vor Menschen.

Noch mal was anderes: Was mich persönlich anbetrifft sowie meine aktuelle Situation, hätte ich das auch in meinem ursprünglichen Thread weiterführen können.

Es mag etwas untergegangen sein, aber mich hätte auch mal interessiert, wie ihr allgemein so die Lage einschätzt, eben für eingeschränkte Menschen oder auch eigenartigen, stark introvertierte Menschen, also auch wenn die noch keine Diagnose von irgendwas haben, eine reguläre Arbeit/Lehrstelle zu finden.
Mein Eindruck ist, dass es hier kaum Chancen gibt. Für manche vielleicht schon aber für viele nicht. Auch die offizielle Arbeitslosigkeit ist unter Schwerbehinderten ja deutlich erhöht.

Also auch auf junge Menschen wartet hier meist nur Perspektivlosigkeit. In späteren Lebensphasen, haben dann oft auch Menschen erhebliche Krankheiten, die im jungen Alter noch gesund waren. Es scheint ja ein großer Teil der ALGII-Bezieher, gesundheitliche Beeinträchtigung zu haben, ist eigentlich kaum noch vermittlungsfähig.

Wie seht ihr diese Situation, und was erwartet ihr für die Zukunft, wie sich das weiter entwickeln wird?
 
Zuletzt bearbeitet:

Fox29

Priv. Nutzer*in
Mitglied seit
13 Februar 2020
Beiträge
811
Bewertungen
1.243
Was meine SB auch nicht wusste, nur durch Nachfrage beim ÄD erfuhr- bei denen weiß der eine nicht was der andere treibt...
Der ÄD ist der SB nicht zur Auskunft verpflichtet, meist dürfen sie sogar aus Datenschutz nichts sagen. Wenn entsprechende Schweigepflichtsentbindungen unterschrieben wurden und die Gutachten des ÄD angefordert werden, hat die SB da nix mit am Hut.
Das mit GdB usw. ist dementsprechend auch alles noch nicht in die Wege geleitet, und ich weiß nicht ob es sich ergibt.
Von alleine ergibt sich da sicherlich nichts. Den Prozess musst du selbst anstoßen.
Allerdings habe ich gehört, dass man nicht zwingend einen GdB braucht, um in die Werkstatt zu kommen.
Das ist wahr. Für die Teilnahme an der WfbM benötigt man eine festgestellte Behinderungen und den Reha-Status des SGB IX. Ein GdB ist nicht zwingend, geht aber oft mit den Behinderungen einher.
Zudem muss festgestellt werden, dass keine Leistungsfähigkeit für den ersten Arbeitsmarkt vorhanden ist (unter 3 Stunden leistungsfähig, für länger als 6 Monate oder auf Dauer). Darüber muss die WfbM vom Fachdienst empfohlen werden und auch die persönliche Eignung vorliegen dort teilzunehmen (Gemeinschaftsfähigkeit etc).
Scheint bei AS-Betroffenen nichts ungewöhnliches zu sein, dass man über kurz oder lang als erwerbsunfähig eingestuft wird, und dann in die Grundsicherung zum Sozialamt wechselt.
Es heißt nicht umsonst Autismus - SPEKTRUMS-Störung. Die Ausprägungen, Symptome und damit einhergehende Einschränkungen sind extrem individuell, es gibt zwar grobe Kategorien was so vorkommt, aber wie sich das äußert variiert. Und genauso könnte man sagen, dass es viele ASS-Betroffene gibt, die auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig sind. Es kommt halt immer auf die Art und Schwere der Störung an. Allgemeingültige Aussagen kann man dort kaum treffen.
Ich habe jetzt noch einen (vorerst?) letzten Termin bei der diagnostizierenden Ärztin.
Wenn die Diagnostik noch nichtmal abgeschlossen ist, gehe ich mal davon aus, dass auch keine adäquate therapeutische Behandlung erfolgt ist. Das wird nach der Diagnose vermutlich der nächste Schritt sein, evtl mit medikamentöser Unterstützung. Wer weiß wie es dann aussieht.

Was du aber aus deinen Gedanken bekommen musst, ist die Geschichte mit dem BGE. Keiner weiß, ob es sowas jemals geben wird und wie genau es sich gestaltet. Darauf darf man aktuell nicht zählen.

Ich habe es zwar auch im letzten Thread schon gesagt, wiederhole es aber nochmal: es gibt keine Garantie, dass die Reha-Abteilung dir eine Teilnahme an der WfbM fördert. Da die WfbM die niederschwelligste Maßnahme ist, wird davor versucht entweder in Richtung einer leidensgerechten Ausbildung oder Arbeit zu gehen. Es gibt BBWs, die sich auf ASS und psychische Behinderungen spezialisiert haben.

Davon wird nur abgesehen, wenn seitens des Fachdienstes von vorn herein nur eine Werkstatt als Möglichkeit gesehen wird oder genug fachärztliche Unterlagen vorliegen, aus denen auch ein Laie die Notwendigkeit der Werkstatt sieht (das ist bei geistigen Behinderungen oft so).
Gibt dein ÄD-Gutachten keine Werkstatt her, sondern sieht zunächst nur eine befristete Leistungsunfähigkeit oder bestehende Leistungsfähigkeit, kann keine Werkstatt gefördert werden. Evtl kann nach einem halben Jahr bis Jahr eine erneute Begutachtung stattfinden, aber wenn es keine Änderungen z. B. in Form von Verschlechterungen, neuem fachärztlichen Unterlagen oder der Teilnahme an anderen med. Maßnahmen gibt, wird kaum ein anderes Ergebnis rauskommen.
 
Zuletzt bearbeitet:

Liane17

Elo-User*in
Mitglied seit
19 August 2020
Beiträge
157
Bewertungen
86
Vielleicht bist du in einem halben oder einem Jahr bzw. in ein paar Jahren ja wieder in der Lage was zu machen. Es gibt viele Menschen mit psychischen Erkrankungen, die ausbildungsfähig sind. Es wäre dafür aber wichtig, dass du die Depression behandeln lässt, um an deinem Antrieb was zu ändern. Im Winter kann vielleicht eine Tageslichtlampe helfen oder ein einstündiger Spaziergang im Hellen pro Tag. Sport kann auch helfen (Fitness DVDs wie Yoga und Qi Gong) und nach Corona ein Urlaub in der Sonne.
Sozialhilfe soll etwas weniger sein als Hartz4.
Gerade Qi Gong soll gegen Depressionen helfen.
 

Gollum1964

Priv. Nutzer*in
Mitglied seit
12 März 2015
Beiträge
1.526
Bewertungen
3.011
Sozialhilfe soll etwas weniger sein als Hartz4.
nein,

vom Betrag her ist es dasselbe.
Der einzige Nachteil ggü. ALG2 ist das geringere Schonvermögen (5000 EUR), was aber auch nur für ältere Semester unter den Erwerbslosen von Interesse sein dürfte.
Der andere Nachteil, dass keine "Vermittlungstätigkeit" mehr erfolgt ... naja, da gibt es auch viele andere Ausschlusskriterien neben körperlichen und psychischen Gründen (z.B. Alter, Migrationshintergrund). Ich mit knapp 57 erwarte mittlerweile auch nichts mehr hinsichtlich dem 1. Arbeitsmarkt und einer "Vermittlung" durch die Arbeitsbehörden. Daher wäre mir SGB12 lieber als eine "Förderung" durch SGB2 wegen mehr "Ruhe".
 

Liane17

Elo-User*in
Mitglied seit
19 August 2020
Beiträge
157
Bewertungen
86
Ich würde dir raten, dass du dich vielleicht in 1-2 Jahren, wenn es dir dann besser geht, bei der Abendschule anmeldest, um FHR oder Abi nachzuholen und dann noch irgendwas studierst, wo man ruhig älter sein kann und nicht viele Präsenzpflichten hat, also z.B. Geschichte, Politik, Jura, Sprachen, BWL, Kulturstudien, irgendwas.
Mit einem Studienabschluss hast du auf dem Arbeitsmarkt ganz andere Chancen und willst dann vllt doch noch arbeiten. Bei mir war es so. Ich hatte Anfang 20 auch Sozialhilfe wegen einer Diagnose und habe danach noch Abi nachgeholt und studiert. Also nur weil es einem in den 20ern nicht so gut geht, ist es noch nicht das Ende der Karriere.
 

Harzfünfer

Priv. Nutzer*in
Startbeitrag
Mitglied seit
2 März 2020
Beiträge
547
Bewertungen
329
Wenn die Diagnostik noch nichtmal abgeschlossen ist,
Doch sie ist abgeschlossen, aber ich hatte noch keinen Termin. Ich musste daran erinnern, erst dann bekam ich einen.
Von alleine ergibt sich da sicherlich nichts. Den Prozess musst du selbst anstoßen.
Ist mir klar, aber ich hatte wie gesagt noch nicht die Möglichkeit dazu.
Es gibt BBWs, die sich auf ASS und psychische Behinderungen spezialisiert haben.
Und ich habe schon gesagt, dass dies für mich aus diversen Gründen nicht geeignet ist, nicht infrage kommt, auch nicht leidensgerecht ist.
Das habe ich der Ärztin insofern klar gemacht, als dass sie es in ihrem Gutachten berücksichtigt hat.

Ich würde dir raten, dass du dich vielleicht in 1-2 Jahren, wenn es dir dann besser geht, bei der Abendschule anmeldest, um FHR oder Abi nachzuholen und dann noch irgendwas studierst, wo man ruhig älter sein kann und nicht viele Präsenzpflichten hat, also z.B. Geschichte, Politik, Jura, Sprachen, BWL, Kulturstudien, irgendwas.
Mit einem Studienabschluss hast du auf dem Arbeitsmarkt ganz andere Chancen und willst dann vllt doch noch arbeiten. Bei mir war es so. Ich hatte Anfang 20 auch Sozialhilfe wegen einer Diagnose und habe danach noch Abi nachgeholt und studiert. Also nur weil es einem in den 20ern nicht so gut geht, ist es noch nicht das Ende der Karriere.
Auf dieser Welt, in diesem Leben, werde ich bestimmt nicht mehr gesünder. Oder gar in der Lage zu o.g. Dingen.
Wie gesagt, ich bin nicht mehr in der Lage, irgendeine Ausbildung zu absolvieren oder ähnliche Dinge.

Und, ich wiederhole mich: Es befremdet, dass man immer wieder von Leuten angetragen bekommt, jahrelang dies und das zu machen, um irgendwie Zeit zu schinden, irgendwas zu brücken, keine Ahnung. Von was soll ich denn aber leben währenddessen?
Für Menschen, bei denen sich abzeichnet, dass sie nicht arbeiten können, ist es m.E. generell besser, sowas wie eine WfBM zu versuchen, das ist eine bessere finanzielle Absicherung als bis 40 irgendwas rumzustudieren, v.a. eine brotlose Kunst am Ende noch, was einem alles nichts bringt.
Ich bin vielseitig kulturell und geisteswissenschaftlich interessiert, aber diesen Interessen kann ich auch ohne ein Studium nachgehen, und zwar wesentlich druckfreier.
Ich habe es zwar auch im letzten Thread schon gesagt, wiederhole es aber nochmal: es gibt keine Garantie, dass die Reha-Abteilung dir eine Teilnahme an der WfbM fördert. Da die WfbM die niederschwelligste Maßnahme ist, wird davor versucht entweder in Richtung einer leidensgerechten Ausbildung oder Arbeit zu gehen.
Nichts wird für einen getan, in diesem Land. An wen soll ich mich denn noch wenden, wer kann mir noch helfen, in eine WfBM zu kommen?

gehe ich mal davon aus, dass auch keine adäquate therapeutische Behandlung erfolgt ist. Das wird nach der Diagnose vermutlich der nächste Schritt sein, evtl mit medikamentöser Unterstützung. Wer weiß wie es dann aussieht.
AS lässt sich nicht therapieren i.S. von Heilen. Ich sehe da bei mir auch nicht viel, was man noch zu therapieren versuchen könnte. Dazu sind die Probleme zu grundlegend.
 

Fox29

Priv. Nutzer*in
Mitglied seit
13 Februar 2020
Beiträge
811
Bewertungen
1.243
Für Menschen, bei denen sich abzeichnet, dass sie nicht arbeiten können, ist es m.E. generell besser, sowas wie eine WfBM zu versuchen, das ist eine bessere finanzielle Absicherung als bis 40 irgendwas rumzustudieren, v.a. eine brotlose Kunst am Ende noch, was einem alles nichts bringt.
Was aber zumindest mal auszutesten wäre. Soweit ich mich erinnere hast du noch keinen Tag auf dem ersten Arbeitsmarkt gearbeitet, sondern gibst bereits bei dem Bewerbungsprozess auf. Die Werkstatt ist aus deiner Sicht der einfachste Weg, das muss dein Reha-Träger nicht genauso sehen.
Nichts wird für einen getan, in diesem Land. An wen soll ich mich denn noch wenden, wer kann mir noch helfen, in eine WfBM zu kommen?
Die endgültige Entscheidung trifft der Reha-Träger. Hast du denn überhaupt schonmal ein Gespräch mit einem Reha Berater geführt und die verschiedenen Alternativen ausgelotet? Freunde dich schon mal mit der Idee an, dass die Werkstatt das letzte Mittel ist und du erst bei anderen Projekten mitmachen musst, um zu testen ob wirklich nur eine Werkstatt geht. Dabei wird dann aber auch ersichtlich, wenn es nur an der Motivation für diese Maßnahmen scheitert oder nicht. Das beeinflusst natürlich das weitere Vorgehen. Wenn die Voraussetzungen für die Werkstatt nicht vorliegen, wird sie auch nicht gefördert. Dann kannst du erstmal versuchen per Widerspruch und nachher Klage da rein zu kommen.

Es gibt zudem genug Beratungsstellen, auch spezialisiert auf ASS oder psychische Behinderungen, die bei solchen Prozessen unterstützen. Man muss sich aber selbst darum kümmern mit denen Kontakt aufzunehmen.

AS lässt sich nicht therapieren i.S. von Heilen. Ich sehe da bei mir auch nicht viel, was man noch zu therapieren versuchen könnte. Dazu sind die Probleme zu grundlegend.
Ich habe nie von Heilen gesprochen. Es gibt durchaus Therapien, die Betroffenen bei der Bewältigung des Alltags helfen. Auch hier müsste man aber erstmal einen oder mehrere Versuche starten um überhaupt eine Aussage in deinem Fall treffen zu können. Aber auch das ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen Ergebnisse zeigt und auch dort wird es Rückschläge geben

Meiner Meinung nach bist du leider viel zu festgefahren in deiner Denkweise, sodass Möglichkeiten nicht erkannt, von vorn herein abgelehnt und/oder nicht genutzt werden. Auch hier wäre professionelle Hilfe sicherlich gut
 

Harzfünfer

Priv. Nutzer*in
Startbeitrag
Mitglied seit
2 März 2020
Beiträge
547
Bewertungen
329
Die endgültige Entscheidung trifft der Reha-Träger. Hast du denn überhaupt schonmal ein Gespräch mit einem Reha Berater geführt und die verschiedenen Alternativen ausgelotet?
Ist das sowas wie die Lebenshilfe?
Meiner Meinung nach bist du leider viel zu festgefahren in deiner Denkweise, sodass Möglichkeiten nicht erkannt, von vorn herein abgelehnt und/oder nicht genutzt werden. Auch hier wäre professionelle Hilfe sicherlich gut
Ich habe vieles versucht, aber ich kann kein normales Leben führen.
 

Fox29

Priv. Nutzer*in
Mitglied seit
13 Februar 2020
Beiträge
811
Bewertungen
1.243
Ist das sowas wie die Lebenshilfe?
Reha-Berater sind die Berater/Sachbearbeiter die bei der DRV und der Agentur dafür zuständig sind mit den Rehabilitanden die passenden Maßnahmen zu finden. Voraussetzungen mithilfe vom Fachdiensten und Diagnostik-Projekten zu evaluieren und dann die Förderentscheidung für weitere Reha-Maßnahmen zu treffen, wie z.B. Umschulungen, Weiterbildungen unterstütze Beschäftigungen, BFW /BBW oder auch Werkstatt.
An denen kommt man nicht vorbei. Ist denn überhaupt schon ein Antrag auf berufliche Reha gestellt worden?
 
E

ExUser 2606

Gast
Ist mir klar, aber ich hatte wie gesagt noch nicht die Möglichkeit dazu.
Du musst einfach nr einen Antrag stellen. Auf was wartest du?
Und ich habe schon gesagt, dass dies für mich aus diversen Gründen nicht geeignet ist, nicht infrage kommt, auch nicht leidensgerecht ist.
Das habe ich der Ärztin insofern klar gemacht, als dass sie es in ihrem Gutachten berücksichtigt hat.
Ih finde, du machst es dir da sehr einfach. Bevor du das nicht versucht hast, weisst du doch gar nicht, ob eien Ausbildung in einem entsprechend ausgerichteten BBW nicht doch geht.
Auf dieser Welt, in diesem Leben, werde ich bestimmt nicht mehr gesünder. Oder gar in der Lage zu o.g. Dingen.
Wie gesagt, ich bin nicht mehr in der Lage, irgendeine Ausbildung zu absolvieren oder ähnliche Dinge.
Schon erschütternd, wenn sich jemand in so jungen Jahren schon aufgegeben hat.
 

Liane17

Elo-User*in
Mitglied seit
19 August 2020
Beiträge
157
Bewertungen
86
Was hast du denn eigentlich für eine Ausbildung? Vielleicht kann man darauf aufbauen irgendwann durch eine Zusatzausbildung/ Umschulung im BBW. Das geht auch in Teilzeit.
Das muss aber nicht sofort sein.
Nur weil es dir jetzt nicht so gut geht, heisst das aber nicht, dass das jahrelang gleich bleibt. Man kann mit Therapien, Kur, Reha einiges verbessern, z.B. die Depression. Man kann auch trotz Krankheit einiges machen. Nicht alle Arbeiter oder Auszubildende sind gesund und arbeiten dann eben mit der Krankheit und gehen irgendwie damit um (Medikamente, gesunde Ernährung, Lichttherapie, Schlafhygiene, Psychotherapie, Sport (Yoga, Qi Gong, Ausdauertraining), Entspannungstraining wie Progressive Muskelrelaxation oder Autogenes Training).
 

Tralilala

Elo-User*in
Mitglied seit
13 September 2014
Beiträge
106
Bewertungen
46
Hallo Hartzfünr,

ich glaube auch, dass du die Sache zu Negativ siehst. Du hast Gymnasium und eine Ausbildung abgeschlossen. Und wirst sogar zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Das sind super Voraussetzungen! Es gibt Schüler die gehen mit deutlich schlechteren Voraussetzungen in das Arbeitsleben.

Du bist Krank, aber lass dich davon nicht entmutigen. Bisher hast du so vieles geschafft. Und mit Erkrankungen kann man lernen umzugehen, man kann sie therapieren usw. Die Krankenkasse oder Rentenversicherung kann dich da umfassend beraten, evtl. gibt es in deiner Gegend noch andere Sozialberatungsstellen die sich auskennen. Oder auch der Hausarzt könnte dich weitervermitteln.

Arbeitslosigkeit, Jobsuche u.ä. ist viel härter als wenn man dann im Berufsleben ist. Das meiste was man in der Schule und Ausbildung gelernt hat, braucht man auch nicht mehr. Deswegen brauchst du da auch keine große Angst haben, dass jemand irgendwelche physikalische Formeln von dir Wissen will. Wenn du nicht gerade Außendienstmitarbeiter werden willst, brauchst du nichtmal große Kommunikationsfähigkeit. Und man wird dich nicht gleich als Kranführer bestellen.
Und was auch kommen mag, man kann einzelnes ja immer noch nachlernen bzw. kommt dann einfach so wieder im Alltag.
Es gibt genügend Berufe und Jobs die auch für dich passen können. Lass dich nicht so schnell abschrecken.

Ich denke, in einer WfB zu arbeiten, ist nicht so schön wie du es dir vorstellst (und dort bekommt man m.W. am wenigsten Geld). Vergleichbares und zu besseren Bedingungen gibt es auch auf dem Arbeitsmarkt. Und du bist ja grundsätzlich Fit. Die Arbeitssuche zermürbt jeden. Da darf man nicht aufgeben.
Ich fände es besser, lieber das psychische Leiden ein paar Jahre in den Griff bekommen und dann der normale Arbeitsmarkt ist die beste Option. Ich kenne einige, die ähnliche Leiden wie du haben und glücklich berufstätig sind.

Kopf Hoch!
 

atasteofbunny

Priv. Nutzer*in
Mitglied seit
7 März 2014
Beiträge
526
Bewertungen
498
Es mag etwas untergegangen sein, aber mich hätte auch mal interessiert, wie ihr allgemein so die Lage einschätzt, eben für eingeschränkte Menschen oder auch eigenartigen, stark introvertierte Menschen, also auch wenn die noch keine Diagnose von irgendwas haben, eine reguläre Arbeit/Lehrstelle zu finden.
Ich schätze die Lage für gehandicapte Menschen schlecht ein, da gibt es auch nichts schönzureden. Ich habe meine Ausbildung in einem großen Unternehmen gemacht, dass bis in die 1990er Jahre hinein viele Schwerbehinderte beschäftigte. Diese Stellen wurden in den 2000er Jahren zum allergrößten Teil abgebaut.

Aber auch wenn die Lage schlecht ist, gibt es Möglichkeiten. Vielleicht wäre (nach Corona) eine ehrenamtliche Tätigkeit etwas für dich, da könntest du dich einfach mal ausprobieren, ganz ohne Leistungsdruck, und auch mal Erfolgserlebnisse haben.

Ansonsten versuch wirklich, so viel wie möglich für deine Genesung zu tun (ich kenne mich mit deiner Einschränkung überhaupt nicht aus, aber du hast ja schon viele gute Tipps bekommen), mit dem Ziel, dass es dir bald so gut geht, dass du noch eine Ausbildung machen kannst.

Sorry für den Doppelbeitrag, irgendwie gabs anscheinend ein technisches Problem ...
 

Harzfünfer

Priv. Nutzer*in
Startbeitrag
Mitglied seit
2 März 2020
Beiträge
547
Bewertungen
329
An
denen kommt man nicht vorbei. Ist denn überhaupt schon ein Antrag auf berufliche Reha gestellt worden?
Ja, eigentlich schon. Also letztes Jahr. Er wurde damals aber noch nicht endgültig beschieden, weil anscheinend die Depressionen alleine noch nicht ausgereicht haben.
Schon erschütternd, wenn sich jemand in so jungen Jahren schon aufgegeben hat.
Zur falschen Ort am falschen Ort.
Ich hätte das früher auch nicht gedacht, habe es aber schon länger bereits befürchtet.
Du musst einfach nr einen Antrag stellen. Auf was wartest du?
Ich weiß nicht, ob ich den jetzt schon stellen kann. Das muss ich mit meiner Ärztin besprechen beim nächsten Termin, die müsste mir auch noch Unterlagen geben. Ist aber nicht mehr lange bis ich wieder einen Termin dort habe.
Arbeitslosigkeit, Jobsuche u.ä. ist viel härter als wenn man dann im Berufsleben ist. Das meiste was man in der Schule und Ausbildung gelernt hat, braucht man auch nicht mehr.
Wäre schön wenn das heute noch so wäre, aber das scheint nur noch selten der Fall zu sein, leider.
Viele leute wechseln spätestens alle paar Jahre den Job, entweder weil sie irgendwie gekündigt wurden oder dort nicht mehr zurechtkommen, keine Ahnung. Früher hat man oft Jahrzehnte lang im selben Betrieb gearbeitet, hatte dementsprechend auch einen besseren Kündigungsschutz usw.
Wenn es eine Firme/Behörde o.ä. gäbe, bei der ich wüsste, dort könnte ich mit Sicherheit bis zur Rente bleiben, dann könnte man noch mal alle Hebel in Bewegung setzen, sich da reinzuschaffen. Aber sowas scheint es nicht zu geben bzw. nicht für mich erreichbar zu sein.
Zumal gerade bei mir auch der Punkt, dass man irgendwann wegen der Menschen gehen müsste, je nachdem was sich da für eine Gemengelage ergibt.
Außerdem habe ich auch sowas wie ein chronisches Burnout, was sich schon am Gymnasium abzeichnete. Meine Belastbarkeit ist äußerst gering. Ich würde wohl selbst am besten Arbeitsplatz nicht mal in Teilzeit bis zur Altersrente durchhalten.
Altersrente- ich weiß nicht mal, ob es sowas für meine Generation geben wird oder wie das sein wird. Bis 70 kann ich bestimmt nicht arbeiten, noch länger schon gar nicht.

Also, gerade wenn das mit der Werkstatt nicht klappt, oder man selbst dort sieht, nicht zurechtzukommen mit den Leuten oder mit den Rahmenbedingungen, bleibt eigentlich nur, zu versuchen, halt mithilfe von Fachärzten usw. auf Erwerbsminderung zu pochen.

Also noch mal meine Perspektive kurz beschrieben: Entweder das mit der WfbM durchbekommen und zwar möglichst zeitnah, oder anderweitig direkt oder fast direkt in die Grundsicherung kommen. Andernfalls irgendwie noch ein paar Jahre ergebnislos bei Arbeitsagentur rumhängen, und dann versuchen, mit 25 Hartz IV zu bekommen...bis dahin ist es noch lange. Bald zahlt man mir/meinen Eltern vielleicht auch das Kindergeld nicht mehr, und ich müsste auch noch die Krankenversicherung zwei Jahre lang selbst zahlen, bis ich Hartz IV bekommen könnte (wenn sich nichts anderes vorab ergibt, wie eben Grundsicherung für Erwerbsgeminderte).
 
Oben Unten