Einkommen aus Ferienjobs - Vorschriften Hinweise § 11

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Erolena

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Ich stelle mal die Vorschriften für die Ferienjobs ein, die 2010 erstmals gelten:

Hinweise § 11
Fassung von 08.06.2010:

1.2.4 Einkommen aus „Ferienjobs“
(1) Einnahmen von Schülerinnen und Schülern aus in den Schulfe-
rien ausgeübten Erwerbstätigkeiten sind nach § 1 Abs. 4 Alg II-V
besonders privilegiert. Damit soll die Motivation hilfebedürftiger
Schülerinnen und Schüler gefördert werden, sich Wünsche durch
eigene Arbeitsleistung zu erfüllen.

Schülerinnen und Schüler (11.19)
(2) Privilegiert sind nur Einnahmen von Schülerinnen und Schülern
allgemeinbildender oder berufsbildender Schulen (vgl. Rz. 24a.6 bis 24a.9).
Ausgeschlossen sind jedoch solche Schülerinnen und Schü-
ler, die eine Ausbildungsvergütung erhalten (vgl. Rz. 24a.10).

(3) Die Einnahmen sind privilegiert, wenn sie aus einer Beschäfti-
gung in den Schulferien resultieren. Nicht entscheidend in diesem
Zusammenhang ist, ob die Einnahmen wärend der Schulferien
zugeflossen sind oder nicht.

Schulferien (11.19a)
(4) Schulferien bezeichnen die Zeit zwischen zwei Schulabschnit-
ten. Die Privilegierung erstreckt sich demnach nicht auf Erwerbstä-
tigkeiten in den dem letzten Schuljahr folgenden Schulferien. Schul-
ferien liegen auch vor, wenn nach Abschluss einer allgemeinbilden-
den Schule eine berufsbildende Schule besucht wird.

Vierwochengrenze (11.19b)
(5) Die Beschäftigung ist nur bis zu einer Dauer von vier Wochen
je Kalenderjahr privilegiert. Mitgezählt werden nur solche Ferienbe-
schäftigungen, die wärend des Bezuges von Arbeitslosengeld II
oder Sozialgeld ausgeübt worden sind. Nicht mitgezählt werden
Erwerbstätigkeiten mit einem Einkommen, das monatlich unter dem
Grundfreibetrag von 100 Euro monatlich (§ 11 Abs. 2 Satz 2) liegt
(„Taschengeldjob“).

(6) Die Prüfung, ob die in den Schulferien ausgeübten Erwerbstätig-
keiten die Vierwochengrenze überschreiten, erfolgt in chronologi-
scher Reihenfolge.
Beispiel:
Ein Schüler übt seit 1. Februar eine laufende Erwerbstätigkeit
mit einem Bruttoentgelt von 200 Euro monatlich aus. In den
am 8. Juli beginnenden Sommerferien nimmt er zusätzlich eine
vierwöchige Ferienbeschäftigung auf. Die Einnahmen aus der
Beschäftigung wärend der Sommerferien sind nicht privilegiert,
weil der vierwöchige Zeitraum bereits durch die vierwöchige
Freistellung
der 200-Euro-Beschäftigung wärend der Winter-,
Oster- und
Pfingstferien verbraucht wurde.
Differenzberechnung (11.19c)
(7) Die Privilegierung führt dazu, dass die Bruttoeinnahme (§ 2 Abs. 1
Alg II-V) bis zu 1.200 Euro nicht als Einkommen berücksich-
tigt wird. Der übersteigende Anteil des Einkommens unterliegt
dann den üblichen Vorschriften zur Berücksichtigung von Einkommen
(siehe dazu Kap. 2). In diesem Fall sind die Abzugsbeträge nach
§ 11 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 und 2 (Steuern, SV-Beiträge), die auf den
privilegierten Betrag entfallen, durch eine fiktive Nettolohnberech-
nung (z. B. Internet) zu ermitteln. Das zu berücksichtigende Brutto-
entgelt ist sodann um die Differenz zwischen den tatsächlichen Ab-
zügen und den durch die fiktive Berechnung ermittelten Abzügen
zu bereinigen.

(8) Bleibt eine Ferienbeschäftigung insgesamt zwar unter 1.200 Euro
brutto, wird aber für länger als vier Wochen ausgeübt, ist zu
ermitteln, welcher Teil des Bruttoeinkommens auf die ersten
vier Wochen entfällt. Für den privilegierten Teil des Einkommens ist
ebenfalls eine fiktive Nettolohnberechnung durchzuführen.

Quelle: Hinweise zum § 11 SGB II, S. 6-7,
Randziffer 11.19 bis Rz. 11.19c

Link:
https://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/A01-Allgemein-Info/A015-Oeffentlichkeitsarbeit/Publikation/pdf/Gesetzestext-11-SGB-II-Zu-beruecks-Einkommen.pdf
 

susan

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Habe da auch mal eine Frage zu.
Meine Tochter hat nun die Hauptschule erfolgreich beendet und wird nun ab September also nach den Sommerferien direkt auf die 2jährige Realschule gehen. Die Aufnahme war schon am 26.07. aber alles schriftliche erhält sie dann im September am ersten Schultag. Sie hat aber eine vorläufige Aufnahmegenehmigung schon seit März wo eben drin steht wenn die Note bis 3,0 im Durchschnitt ist, ist sie aufgenommen. Habe dieses Schreiben auch schon bei ihrer Anmeldung an die Arge geschickt und werde jetzt noch ihr Abschlußzeugnis hinschicken.

Kann es da irgendwelche Schwierigkeiten geben wegen dem Ferienjob den sie am 5.8.10 beginnt? Was schreibe ich da am besten an die Arge wegen dem Ferienjob? Gibts hier irgendwo einen Vordruck für Ferienjob Meldungen?

Wäre schön wenn mir wer helfen könnte.
 

Martin Behrsing

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Einfach die Arbeit melden, sobald diese beginnt und schon mal den ungefähren Verdienst mitteilen. Direkt darauf hinweisen, dass es ein Ferienjob ist. Nach Auszahlung des Lohns weist Du diesen gegenüber der Arge nach. Fertig
 

susan

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Oki ich danke dir. Werd dann wohl noch die § in das Schreiben dazu schreiben.
 

Ffm09

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Hallo,

leider hat mein Sohn heute Post vom Jobcenter bekommen.
In der Zeit vom 15.7-15.8 hat er ein Praktikum gemacht und ca. 420€ verdient.
Das sind leider 4 1/2 Wochen.
Muss er eine Nachzahlung leisten?
Er sieht es (zurecht!) nicht ein sein Geld, wofür er 22 Tage, 8 Std. täglich gearbeitet hat wieder zurückzugeben...
Dieser Staat zockt einfach nur die ab, die es am nötigsten haben!
Wenn er Glück hat, kriegt er durch dieses Praktikum einen Ausbildungsplatz in dem Betrieb, und so schafft dieser Staat Motivation???
Er möchte jetzt mit einem Anwalt Kontakt aufnehmen...
Ist dies überhaupt nötig?
Wie ist das bei 4 1/2 Wochen?
Achso, das Gehalt wurde auf 2 Mal ausgezahlt...

Entschuldigung, wenn alles ein wenig wirr ist, aber ich bin der Meinung, das dieses Geld ihm und nicht dem Jobcenter gehört...

Gruss

Ffm09
 

Erolena

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Meiner Ansicht nach,
- ist das Geld von den 4 Wochen komplett frei.
- Der Verdienst der halben Woche wäre dann "normal" anzurechnen.
100 Euro Grundfreibetrag und vom Verdienst über 100 dann nochmal 20% frei.

Ich glaube also nicht, dass er einen Euro zurückzahlen muss.
 
E

ExitUser

Gast
Sehe ich wie Erolena,
die ersten 20 Tage werden nicht angerechnet (Ferienjobregelung). Für den 21. und 22. Tag wird zunächst sein Tageseinkommen (je 19.09 Euro) ermittelt. Also werden 38.18 Euro zugrunde gelegt. Damit ist er unter dem Freibetrag aus Erwerbseinkommen. Angerechnet wird also nix.
 

Sumutter

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Sorry, wenn ich diesen alten Thread wieder hervor gekramt habe(ich dachte, is besser als dass ich einen neuen aufmache)! :wink:

Ich hoffe, es kann mir trotzdem noch jemand eine hilfreiche Antwort geben!

Meiner Ansicht nach,
- ist das Geld von den 4 Wochen komplett frei.
- Der Verdienst der halben Woche wäre dann "normal" anzurechnen.
100 Euro Grundfreibetrag und vom Verdienst über 100 dann nochmal 20% frei.

Ich glaube also nicht, dass er einen Euro zurückzahlen muss.
Sehe ich das richtig, dass der Verdienst, der in den Ferien "erarbeitet" wurde, nicht angerechnet werden kann, auch wenn das Beschäftigungsverhältnis schon vorher bestand?

Also, mein Sohn hat am 01.03.2016 einen Minijob angenommen, bei dem er ca. 260€/Monat verdient (davon werden ja 128€ normal angerechnet).
Wenn er jetzt nur in den kommenden Osterferien mehr arbeitet, darf das Einkommen aus der Ferienzeit, wenn es unter 1200 € liegt, nicht angerechnet werden....?

Und wenn ja, wie wird ermittelt, wieviel vom Einkommen auf die Ferienzeit entfällt?
Muss er da einen Stundenzettel vom Arbeitgeber vorlegen?

Danke und LG
Su
 

Erolena

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Er darf insgesamt vier Wochen als Ferienarbeit leisten, ohne Anrechnung des Einkommens. Einkommensgrenze 1200 Euro.

Beispiel: in den Osterferien verbraucht zwei Wochen. Die restlichen zwei Wochen verbraucht er in den Pfingstferien bzw Sommerferien. Je nach Ferienlänge in den Bundesländern ist es unterschiedlich, wann die vier Wochen aufgebraucht sind.

Das gilt auch für ein laufendes Arbeitsverhältnis des Schülers. (im Link Randziffer 11.120)

Wie hoch ist das Teil-Einkommen aus den Osterferien?
Für den Rest des Monats (keine Ferien) wird ein fiktives Nettogehalt errechnet (im Link Randziffer 11.121). Dieses fiktive Nettogehalt für den Restmonat wird dann angerechnet wie üblich.

Also ich befürchte, der Weg mehr privilegiertes Einkommen zu erzeugen mit der Mehrarbeit nur in den Ferienwochen wird nicht klappen, weil er seine komplette Vergütung für den Gesamtmonat bekommt. Vielleicht wäre es anders, wenn er einen zusätzlichen zweiten Arbeitsvertrag nur für die Osterferien hätte, beim gleichen oder bei einem anderen Arbeitgeber.

Nachzulesen in den Fachlichen Weisungen zu § 11-11b , Seite 36/37
https://harald-thome.de/fa/harald-thome/files/sgb-ii-hinweise/FH-11---18.08.2016.pdf (Stand 18.8.2016)
 
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