Eingliederungsvereinbarung, Pflege Angehöriger, Job-Speed-Dating, Probleme Sachbearbeiterin

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Marjan77

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Guten Morgen. Ich wende mich als Neuling heute an euch und hoffe, dass ihr mir helfen könnt. Leider habe ich gleich mehrere Probleme mit dem Jobcenter.

Zunächst ein paar allgemeine Informationen zu mir und meiner Situation: ich bin 42 Jahre alt, habe einen GdB von 60 % und beziehe seit etwa 5 Jahren ALG 2. Ich wohne zur Miete alleine in einer Wohnung. Zusätzlich bin ich seit 2010 die Pflegeperson meiner Schwester. Diese hat, da sie auf ständige Hilfe anderer angewiesen ist, einen GdB von 100 % und den Pflegegrad 5 mit Bestandsschutz. Meine Schwester "arbeitet", wenn es ihr möglich ist, in den Werkstätten für Behinderte. Sie wohnt bei unserer Mutter. Mit dieser habe ich mir vor Jahren noch die Pflege geteilt, doch leider ist ihr die Pflege meiner Schwester schon lange nicht mehr möglich, vielmehr bahnt sich von dieser Seite aus leider auch die Pflege an. Einen Pflegegrad hat unsere Mutter (noch) nicht.

Eine Pflege durch z. B. einen Pflegedienst ist aus verschiedenen Gründen nicht möglich. Für die Pflegetätigkeit erhalte ich nachweislich nichts, möchte es auch nicht, da ich die Pflegetätigkeit als selbstverständlich empfinde.

Die Situation ist dem Jobcenter bekannt, ich habe diesem auch schon mehrfach Pflegebescheinigungen seitens der Krankenkasse einreichen müssen. Sogar schon so häufig, dass die Krankenkasse bereits gefragt hat, was das soll, da sich am Gesundheitszustand meiner Schwester (leider) nichts mehr ändern wird.

Vor 2 Wochen bekam ich eine relativ kurzfristige Einladung seitens meiner Sachbearbeiterin zwecks Besprechung meiner aktuellen beruflichen Situation. Leider sind diese Einladungen immer sehr kurzfristig, sodass ich schon mehrfach z. B. wichtige Arzttermine absagen musste, oder im Bekanntenkreis darum "betteln" musste, dass jemand sich in dieser Zeit um meine Schwester kümmert.

Da ich mittlerweile immer einen Beistand zu den Terminen mitnehme, gestaltet sich eine kurzfristige Organisation eines Beistands ebenfalls schwierig.

Der Besprechungstermin bei meiner Sachbearbeiterin (im Beisein ihrer Teamleitung, "Sie kommen ja auch immer mit einem Beistand") war letzte Woche. Mein Beistand war dabei und kann den Inhalt des Gespräches bestätigen. Mir wurde, als ich darum bat, die Eingliederungsvereinbarung mitzunehmen, unter dem "freundlichen Hinweis auf den Erlass eines Verwaltungsaktes" "extremst nahegelegt" die Eingliederungsvereinbarung (nebst Rechtsfolgenbelehrung) zu unterschreiben, was ich letztlich auch tat, da ich mich sehr unter Druck gesetzt gefühlt habe.

Meine Pflichten laut Eingliederungsvereinbarung sind folgende:

"Laut Urteil des LSG NRW 18. 05. 2011 L 19 AS 576/11 muss der Leistungsbezieher folgende Nachweise erbringen:
- Art und Dauer (Zeitaufwand) der Pflege bei dem pflegenden Angehörigen
- Wegstrecke und Dauer der Anreise zu der pflegenden Person
- wer kann weiterhin die Pflege der zu Pflegenden übernehmen
- Einnahmen und sämtliches Vermögen aus der Pflegetätigkeit

Abgabe der Unterlagen bis zum 23. 07. 2019"

Der Tenor meiner Sachbearbeiterin ist, dass ich, wenn meine Schwester in der WfB ist, eine Arbeitstätigkeit aufnehmen könne. Dass meine Schwester unregelmäßig in die WfB geht, z. B. durch Krankheit, Urlaub, Therapien, Arztbesuche o. ä., und auch sonst mit der Pflege viele Aufgaben verbunden sind, interessiert meine Sachbearbeiterin nicht.

Daher meine erste Frage an euch: wie schaut es mit dieser Eingliederungsvereinbarung aus? Wie soll ich mich verhalten? Meine Schwester ist ebenfalls der Ansicht, dass das Jobcenter, zumal sie keine Leistungen von ihm erhält, nichts über Art und Dauer der Pflege bei ihr anzugehen hat.

Meine zweite Frage bezieht sich auf die Einladung zum Job-Speed-Dating am 30. 07. 2019 (nebst Rechtsfolgenbelehrung), die ich zwischenzeitig ebenfalls erhalten habe. Dies wurde schon beim Gespräch mit meiner Sachbearbeiterin kurz angerissen, und ich sagte ihr bereits, dass ich nicht weiß, ob ich an dem Tag und für die Dauer aufgrund meiner pflegerischen Tätigkeit daran teilnehmen könne.

Bei diesem Job-Speed-Dating hätte ich "die Möglichkeit, mehrere kurze Vorstellungsgespräche mit Arbeitgebern zu führen". "Worin besteht der Vorteil für Sie? Durch die kompakten Vorstellungsgespräche vergrößern Sie so Ihre Chancen, Arbeit zu finden. Bringen Sie bitte zu diesem Termin den ausgedruckten Lebenslauf in vierfacher Ausführung mit."

Hier ist die Frage, ob ich daran teilnehmen muss, denn eine Arbeitsaufnahme ist in meiner Situation leider nicht möglich. Vorstellungsgespräche sehen für mich auch anders als " Speed-Dating" aus.

Meine letzte Frage bezieht sich auf meine Sachbearbeiterin. Diese war bereits vor einigen Jahren für mich zuständig. Meine verschiedenen Beistände, die sie kennen lernen "durften" formulierten es jedes Mal so: "Was hat die eigentlich gegen dich?". Ihre Art, ihr Vorgehen, und nicht zuletzt meine häufig nicht angekommenen Unterlagen (trotz dass ich sie sowohl faxte, als auch von jemanden in den Briefkasten einwerfen ließ) führten damals dazu, dass ich eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen meine damalige Sachbearbeiterin führen musste. Das Ergebnis war, dass im Beisein der damaligen Teamleitung und meines Beistandes (mündlich) vereinbart wurde, dass sie nicht und nie mehr meine Sachbearbeiterin sein wird.

Dennoch habe ich diese Sachbearbeiterin seit einiger Zeit wieder. Seitdem kommen Unterlagen wieder nicht an oder werden nicht bearbeitet und die Sachbearbeiterin setzt mich mit allen Mitteln unter Druck. Alle meine Hinweise auf die Vereinbarung, sowohl im Gespräch, als auch schriftlich, bringen nichts. Im letzten Gespräch sagte die neue Teamleitung prinzipiell, ich müsse mich damit abfinden, da meine Sachbearbeiterin als einzige in der Lage sei, sich um Belange von Schwerbehinderten zu kümmern.

Hierzu sei erwähnt, dass auch die neue Teamleitung die gleiche Kerbe wie meine Sachbearbeiterin einschlägt: Unterlagen kommen auch bei ihr nicht an oder werden nicht bearbeitet. Als ich sie bei einer (vorher schriftlich) mitgeteilten Lüge ertappte, wurde dies nach einigem Hin und Her als Versehen "entschuldigt".

Ich hoffe, ihr könnt mir helfen, gerade im Hinblick auf die Eingliederungsvereinbarung, da ich diese Anfang nächster Woche "erfüllt" haben muss. Falls ihr noch Rückfragen habt, könnt ihr sie gerne stellen. Ich weiß allerdings nicht, wie lange ich zum Antworten brauche, selbst für diese Ausführungen habe ich mehrere Tage benötigt.

Vielen Dank.
 

Marjan77

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Anbei die EGV, und, falls benötigt, die Einladung zum Job-Speed-Dating.
 

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Seepferdchen 2010

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Hallo Marjan77 und :welcome:

wie @TazD geschrieben hat und dazu ergänzend, beachte folgende Angaben die du entfernst:

Ortsbezeichnunge, Straße
Namen (Deinen wie auch der der Sachbearbeiter)
Bedarfsgemeinschaft-Nummer
Telefonnummer
Emailadresse

"Laut Urteil des LSG NRW 18. 05. 2011 L 19 AS 576/11 muss der Leistungsbezieher folgende Nachweise erbringen:
- Art und Dauer (Zeitaufwand) der Pflege bei dem pflegenden Angehörigen
- Wegstrecke und Dauer der Anreise zu der pflegenden Person
- wer kann weiterhin die Pflege der zu Pflegenden übernehmen
- Einnahmen und sämtliches Vermögen aus der Pflegetätigkeit

Hier bezieht sich wohl das JC auf das oben genannte Ureil:

2.5 - Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen Beschluss vom 18.05.2011, - L 19 AS 576/11 B ER -

Nach § 10 Abs. 1 Nr. 4 SGB II ist dem erwerbsfähigen Hilfebedürftigen jede Arbeit zumutbar, es sei denn, dass die Ausübung der Arbeit mit der Pflege eines Angehörigen nicht vereinbar wäre und die Pflege nicht auf andere Weise sichergestellt werden kann.

Danach kann zwar der erwerbsfähige Hilfebedürftige selbst den Einwand erheben, er brauche den Arbeitsvermittlungsbemühungen des Leistungsträgers im Einzelfall keine Folge zu leisten, daraus folgt aber nicht die Berechtigung des Angehörigen, der gepflegt werden muss, die Freistellung des Leistungsempfängers im eigenen Namen beanspruchen zu können.

sozialgerichtsbarkeit.de

Quelle:
also hier warte bitte mal ab, schon alleine über diese Forderung bin ich gestolpert:

- Einnahmen und sämtliches Vermögen aus der Pflegetätigkeit
 

HermineL

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Aus dem Link von Alimente:

Pflege.jpg
 

Seepferdchen 2010

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- Einnahmen und sämtliches Vermögen aus der Pflegetätigkeit

Du hast zwar geschrieben:

Für die Pflegetätigkeit erhalte ich nachweislich nichts, möchte es auch nicht, da ich die Pflegetätigkeit als selbstverständlich empfinde.

dennoch dieser Hinweis für dich:

bitte lies hier in den fachlichen Hinweis § 11a SGB II es erfolgt keine Anrechnung.

5.10.1
Nicht zu berücksichtigende Einnahmen nach § 1 Absatz 1 Alg II-V

Nicht steuerpflichtige Einnahmen einer Pflegeperson für Leistungen der Grundpflege und der hauswirtschaftlichen Versor
gung:

auf Seite 35 der PDF Datei Rz.:11.109 bis 11.110

https://harald-thome.de/fa/harald-thome/files/sgb-ii-hinweise/FH-11---18.08.2016.pdf
 

Marjan77

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Hallo Seepferdchen 2010,

vielen Dank für die Antwort. Das Urteil habe ich mir durchgelesen. Da ging es allerdings um die zu pflegende Ehefrau mit Pflegegrad 1.

Hallo Allimente und HermineL,

auch danke für eure Antwort. Die PDF hätte mir beim letzten Gespräch vielleicht helfen können. Leider wurde ich so unter Druck gesetzt, dass ich die EGV unterschrieben habe.
 

Marjan77

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Hallo Seepferdchen 2010,

ich weiß, dass das Pflegegeld meiner Schwester nicht angerechnet werden darf, selbst wenn ich es bekäme. Es ist schließlich meine Schwester, und da kann und will ich nichts erhalten. Es ist einfach selbstverständlich, dass man sich um die Familie kümmert.
 

gila

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Nun - in der EGV sehe ich grad "nix" weiter, als dass die ihre Neugier befriedigen wollen mit Nachweisen, die du erbringen sollst.
Weiter ist nur ein "Ziel" angegeben (Integration in den Arbeitsmarkt) aber nicht wirklich, wie du dahin kommen sollst und wie du
da genau unterstützt werden sollst - noch irgendwelche Bewerbungsbemühungen etc.

Also im Grunde: EGV für die Katz und trotz Unterschrift dürften die sich schwer tun, hier was Nachteiliges draus zu stricken - ich denke, ein Sozialgericht würde das abschmettern.

Ich kann nun nur vorschlagen, wie ich persönlich vorgehen würde - unter Würdigung der hier schon super und ausreichenden Grundlagen:

Ein Brieflein an die SB, Kopie Teamleitung UND Geschäftsführung und die Situation so schildern, wie sie IST.

Dass du am ..... bei einem Termin mit Beistand deine Situation, die dem JC jedoch hinreichend bekannt ist, erneut schildern musstest und TROTZ dieser Schilderungen zum Abschluß einer EGV "genötigt" wurdest.
Diese EGV sei weitgehend "inhaltslos" und daher dürfte diese auch einer näheren Prüfung NICHT standhalten.

Die einzigen Pflichten sind wie folgt benannt:

"Laut Urteil des LSG NRW 18. 05. 2011 L 19 AS 576/11 muss der Leistungsbezieher folgende Nachweise erbringen:
- Art und Dauer (Zeitaufwand) der Pflege bei dem pflegenden Angehörigen
- Wegstrecke und Dauer der Anreise zu der pflegenden Person
- wer kann weiterhin die Pflege der zu Pflegenden übernehmen
- Einnahmen und sämtliches Vermögen aus der Pflegetätigkeit

Abgabe der Unterlagen bis zum 23. 07. 2019"

Diesem Urteil sind jedoch die geforderten Auskünfte NICHT zu entnehmen.

MEHRFACHE Nachweise hast du bereits erbracht - du pflegst eine Angehörige mit der Pflegestufe 5, Einkünfte hieraus hast du keine - der Sachbearbeitung dürfte nach einem Blick in die Fachlichen Hinweise zu § 10 SGB II sowie Studium des § 11 a SGB II auch geläufig sein, dass auch keine Anrechnung solcher Einkünfte in diesem Falle hier zu erfolgen hat.

Da nun KLAR sein dürfte, dass du bei einer zu pflegenden Person mit der Pflegestufe 5 keiner Beschäftigung nachgehen kannst, dürfte sich die EGV sowie auch die Einladung zu einem "Speed-Datin" als erledigt erweisen, ebenso sei hier auf die völlige SINNFREIHEIT dieser Vorgehensweise aufmerksam zu machen.
Des Weiteren forderst du eine andere Sachbearbeiterin - denn die Konflikte mit dieser wären bekannt.
Eine ZUSAGE hierfür hättest du bereits in der Vergangenheit erhalten.


Und erstmal ENDE GELÄNDE!
 

Allimente

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Es ist einfach selbstverständlich, dass man sich um die Familie kümmert.

Das sehe ich ganz anders. Natürlich kümmert man sich, ich pflege meine Frau auch schon eine Weile und bin froh, dass ich durch das zusätzliche Geld einiges für meine Frau und mich ermöglichen kann, was sonst schlicht nicht machbar wäre. Du solltest bei aller Loyalität deiner Schwester gegenüber nicht vergessen, dass Du auch ein Recht auf Leben hast. Wenn Du dich da komplett aufreibst, hat am Ende keiner etwas davon. Nutz das Geld und mach dir mal einige schöne Tage ohne Pflege und Sorgen.
 
Zuletzt bearbeitet:

ZynHH

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unter dem "freundlichen Hinweis auf den Erlass eines Verwaltungsaktes" "extremst nahegelegt

Hier sei der Hinweis gestattet, das es für dich einfacher gewesen wäre, einen VA anzugreifen, als etwas das du freiwillig unterzeichnet hast, zumal im VA nichts anderes stehen darf, als im dir ausgehändigten Exemplar der EGV, die man sang und klanglis ohne sie zu lesen einsteckt,mit dem Hinweis sie prüfen zu lassen. Ein va ist also in der Regel die bessere Alternative als eine EGV zu unterschreiben, zumal wenn die Zusammenarbeit mit dem sb sowieso schon schwer beschädigt ist.
 

Marjan77

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Hallo gila,

vielen Dank für die Antwort.

"Diesem Urteil sind jedoch die geforderten Auskünfte NICHT zu entnehmen."

Verstehe ich es richtig, dass das Jobcenter die Nachweise laut dem Urteil nicht fordern darf, da es nicht nur eine andere Situation gewesen ist (z. B. dort Pflegegrad 1, in meinem Fall Pflegegrad 5), sondern das Urteil nicht "gegen mich" gesprochen wurde?

Hallo Allimente,

Du hast durchaus Recht und ich werde ja auch nicht jünger... Das Pflegegeld wird z. B. für Hilsmittel und Therapien für meine Schwester verwendet, welche die Krankenkasse nicht zahlt.
Beitrag wurde automatisch zusammengeführt:

Hallo ZynHH,

vielen Dank für den Hinweis. Leider ist es in solch einer Situation für mich dann schwierig, zumal ich nicht weiteren Ärger haben möchte.
 
Zuletzt bearbeitet:

gila

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Verstehe ich es richtig, dass das Jobcenter die Nachweise laut dem Urteil nicht fordern darf, da es nicht nur eine andere Situation gewesen ist (z. B. dort Pflegegrad 1, in meinem Fall Pflegegrad 5), sondern das Urteil nicht "gegen mich" gesprochen wurde?

Das JC zitiert etwas was angeblich einem Urteil SO zu entnehmen ist - um "Eindruck" zu schinden.
In den meisten Fällen steht das, was die da so rein interpretieren gar nicht so drin - daher ist es immer gut, alle §§ und Urteile auch
zu LESEN, um sich nicht ins Bockshorn jagen zu lassen.

In der Urteilsbegründung steht z.B.:

Nach § 10 Abs. 1 Nr. 4 SGB II ist dem erwerbsfähigen Hilfebedürftigen jede Arbeit zumutbar, es sei denn, dass die Ausübung der Arbeit mit der Pflege eines Angehörigen nicht vereinbar wäre und die Pflege nicht auf andere Weise sichergestellt werden kann. Danach kann zwar der erwerbsfähige Hilfebedürftige selbst den Einwand erheben, er brauche den Arbeitsvermittlungsbemühungen des Leistungsträgers im Einzelfall keine Folge zu leisten, daraus folgt aber nicht die Berechtigung des Angehörigen, der gepflegt werden muss, die Freistellung des Leistungsempfängers im eigenen Namen beanspruchen zu können.

Heißt: steht alles im § 10 SGB II und den sollten die Figuren da auf deinem JC KENNEN. Kleines 1 x 1 des SGB II.

Und ihre "Forderungen" haben sie "fantasiert" aus folgendem Passus:

Soweit er geltend macht, er sei infolge der Pflege und Betreuung der Antragstellerin zu 1) nicht in der Lage, den ihm auferlegten Vermittlungsbemühungen nachzukommen, ist es ihm zumutbar, dies im Einzelfall auf Anforderung des Antragsgegners nachzuweisen. Da die Antragstellerin zu 1) insbesondere wegen der Unregelmäßigkeit ihrer epileptischen Anfälle auf die dauernde Anwesenheit einer Pflegeperson angewiesen ist, ist es diesbezüglich ausreichend, dass der Antragsteller zu 2) belegt, ob für den jeweiligen Zeitraum eine solche Pflegeperson zur Verfügung steht.
Es ist weder ausgeschlossen, dass eine entsprechende Versorgung der Antragstellerin zu 1) durch Dritte möglich ist noch ist es dem Antragsteller zu 2) unzumutbar, die jeweilige Pflege- und Betreuungssituation dem Antragsgegner zu belegen. Unter diesen Umständen ist es unter Abwägung der Interessen der Beteiligten nicht geboten, den Antragsteller zu 2) von Arbeitsvermittlungsbemühungen generell auszunehmen.



Heißt: die haben sich das zurecht gezimmert ... und außerdem geht es hier um einen Pflegegrad 1.

Schick denen mal das Schreiben so - dann müsste eigentlich Ruhe sein!
 

Kerstin_K

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sodass ich schon mehrfach z. B. wichtige Arzttermine absagen musste, oder im Bekanntenkreis darum "betteln" musste, dass jemand sich in dieser Zeit um meine Schwester kümmert.
Und das solltest Du an sofort auch nicht mehr tun. Wenn ein Arzttermin ansteht, der sich nicht so einfach folgenlos verschieben lässt, zum Beispeil ein Facharzttermin, auf den man waretn musste, dann hat der Vorarang. Dann sagtman den Termin ab, lässt sic vom Arzt die Terminwahrnehmung bestätigen und aus die Maus.
 

Marjan77

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Das Schreiben habe ich nunmehr erstellt und hoffe, dass es so in Ordnung ist:

"Sehr geehrte Frau...,


Beim Termin vom 09. 07. 2019 im Beisein meines Beistandes musste ich meine Situation, die dem Jobcenter hinlänglich bekannt ist, erneut schildern. Trotz dieser Schilderungen wurde ich zum Abschluss einer neuen Eingliederungsvereinbarung genötigt. Die Bitte der Prüfung der Eingliederungsvereinbarung wurde mir mit dem Hinweis auf den Erlass eines Verwaltungsaktes verwehrt.

Die einzelnen Pflichten sind wie folgt benannt:

"Laut Urteil des LSG NRW 18. 05. 2011 L 19 AS 576/11 muss der Leistungsbezieher folgende Nachweise erbringen:

- Art und Dauer (Zeitaufwand) der Pflege bei dem pflegenden Angehörigen (Schwester und Mutter)

- Wegstrecke und Dauer der Anreise zu der pflegenden Person (Schwester und Mutter)

- wer kann weiterhin die Pflege der zu Pflegenden (Schwester und Mutter) übernehmen

- Einnahmen und sämtliches Vermögen (Leistungsbescheide, Kontoauszüge, Quittungen) aus der Pflegetätigkeit

Abgabe der Unterlagen bis zum 23. 07. 2019"

Nach Prüfung der Eingliederungsvereinbarung ergibt sich unter anderem folgendes:

Das LSG hat mit seinem Urteil nicht mich dazu verpflichtet, die geforderten Nachweise zu erbringen. Auch sind diesem Urteil die von Ihnen geforderten Nachweise nicht zu entnehmen. Das Urteil bezieht sich auf einen Dritten unter einem anderen Sachverhalt, der nicht meinem entspricht. Daher ist die Eingliederungsvereinbarung weitgehend inhaltslos und hält einer Prüfung nicht Stand.

In der Vergangenheit habe ich bereits bei mehreren Sachbearbeiter/innen sowohl mündlich, als auch schriftlich, mehrfach die geforderten Nachweise erbracht. Ich pflege meine Zwillingsschwester, welche die Pflegestufe 5 mit Bestandsschutz hat:

Über die Art bin ich unter Berücksichtigung des Wunsches meiner Zwillingsschwester, die keine Leistungen vom Jobcenter bezieht, und geltenden Datenschutzbestimmungen nicht befugt, Ihnen Auskünfte zu erteilen. Die Dauer bzw. der Zeitaufwand variiert täglich von mehreren Stunden bis ganztags und kann sich jederzeit zum längeren hin ändern. Die Wegstrecke beträgt ca. 2 km und dauert etwa 30 Minuten, kann aber aus verschiedenen Gründen ebenfalls (länger) variieren. Die Pflege ist durch andere nicht möglich. Einnahmen aus der Pflegetätigkeit erhalte ich nicht.

Unsere Mutter hat (noch) keinen Pflegegrad.

Am 17. Juli 2019 habe ich von einem/r im diesem Schreiben nicht genannten Sachbearbeiter/in eine Einladung zum Job-Speed-Dating am 30. Juli 2019 erhalten. Aus o. g. wichtigen Gründen kann ich dieser Einladung nicht Folge leisten.

Da Ihnen die fachlichen Anweisungen gemäß § 10 SGB II nicht bekannt zu sein scheinen, füge ich einen Auszug dieser meinem Schreiben bei.

Des Weiteren fordere ich eine/n andere/n Sachbearbeiter/in, da die Konflikte mit Ihnen hinlänglich bekannt sind. Eine Zusage hierfür habe ich bereits in der Vergangenheit erhalten.

Eine Kopie meines Schreibens erhalten Ihre Teamleitung und die Geschäftsführung.

Zur Wahrung meiner Interessen wird Ihnen dieses Schreiben sowohl per Fax zugesandt, als auch per Boten in den Hausbriefkasten eingeworfen.

Mit freundlichen Grüßen
 

Marjan77

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Und das solltest Du an sofort auch nicht mehr tun. Wenn ein Arzttermin ansteht, der sich nicht so einfach folgenlos verschieben lässt, zum Beispeil ein Facharzttermin, auf den man waretn musste, dann hat der Vorarang. Dann sagtman den Termin ab, lässt sic vom Arzt die Terminwahrnehmung bestätigen und aus die Maus.

Da selbst bei "normalen" Arztterminen eine Behindertenfahrdienst bestellt werden muss (meine Schwester sitzt im Rollstuhl) muss ich ja auch den Fahrdienst abbestellen und für einen neuen Termin neuorganisieren.

Nutzt du wenigstens die Verhinderungspflege und bekommst die Rentenpunkte?

Die Verhinderungspflege wird gelegentlich genutzt. Ich weiß nicht, ob ich Rentenpunkte bekomme. Hat man darauf Anspruch?
 
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Marjan77

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