Eingliederungsvereinbarung erhalten - Mag jemand einmal drüber schauen und mich unterstützen?

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XY707

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Hallo zusammen,

meine Mutter, 59 Jahre alt, war bis Mai 2018 unbefristet in Vollzeit beschäftigt. Nach Kündigung und gerichtlichem Vergleich hat sie zunächst für 72 Wochen Krankengeld bezogen. Nach Ablauf des Krankengeldanspruchs hat sie ALG I bezogen. Da ihr damaliger Verdienst niedrig war, musste sie ab diesem Zeitpunkt gleichzeitig auch schon aufstockend ALG II beziehen.

Nunmehr ist Mitte Januar dieses Jahres auch der Anspruch auf ALG I weggefallen, sodass sie seit Mitte Januar vollständig Leistungen nach dem SGB II vom Jobcenter (keine Optionskommune) bezieht.

Wegen der anhaltenden Pandemielage ist sie von ihrem SB nicht zu einem persönlichen Gespräch eingeladen worden, sondern es fand vor einer Woche ein telefonisches Gespräch statt. Zu den Einzelheiten, was im Gespräch besprochen wurde, kann ich nichts sagen. Jedenfalls wurde wohl kurz ihre jetzige Situation besprochen und das alle bisherigen Jobbemühungen scheiterten. Das Jobcenter wolle meiner Mutter zukünftig immer wieder Stellenangebote zusenden, eine Unterstützung beim Bewerbungen schreiben gibt es wegen der Pandemielage aber nicht.

Ein paar Tage nach diesem Telefonat ging meiner Mutter eine Eingliederungsvereinbarung zu, die sie ohne Weiteres unterzeichnen wollte. Ich wurde sofort aufmerksam und habe ihr die Vereinbarung aus den Händen gerissen mit dem Kommentar, dass ich das Ganze erst einmal prüfen werde, bevor sie da irgendetwas unterzeichnet. Zum Hintergrund: Meine Mutter hat keine abgeschlossene Berufsausbildung, ist Legasthenikerin und hat in ihrem Leben Beschäftigungsverhältnisse mit sehr geringem Anforderungsniveau (Spülhilfe) ausgeübt. In der Zeit nach Beendigung des Anspruchs auf Krankengeld hat sie sich immer wieder auf freie Stellen als Spülhilfe beworben, hat jedoch nur Absagen erhalten. Ohne das böse zu meinen, aber meine Mutter ist praktisch nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt vermittelbar, weil es ihr an Qualifikation fehlt und kaum ein Arbeitgeber eine fast 60 jährige Dame ohne Ausbildung beschäftigen möchte.

Folgende EGV ist meiner Mutter vom JC zugegangen:

"Eingliederungsvereinbarung

zwischen xxx

und Jobcenter xx

gültig vom: xx.03.2021

gültig bis: auf weiteres

1. Einleitung

Mit dieser Eingliederungsvereinbarung nach § 15 SGB II wird die gemeinsam zwischen Ihnen und Ihrem Jobcenter erarbeitete Strategie zu Ihrer Eingliederung in Arbeit geregelt. Dazu werden die im Einzelfall notwendigen Leistungen zur Eingliederung in Arbeit des Jobcenters sowie Ihre Bemühungen sowie Ihre Pflichten einschließlich der damit einhergehenden Rechtsfolgen verbindlich vereinbart.

Diese Eingliederungsvereinbarung stellt einen öffentliche-rechtlichen Vertrag dar. Die Eingliederungsvereinbarung ist daher schriftlich zu schließen und gilt für beide Vertragsparteien verbindlich.

Im nachfolgenden Vertragstext werden die Vertragsparteien mit „Ich“ für die oben genannte Person und „Jobcenter“ für das oben konkret bezeichnete Jobcenter benannt.


2. Gültigkeit

Diese EGV ist gültig, solange alle Anspruchsvoraussetzungen für den Bezug von ALG II vorliegen oder eine Betreuung durch das JC vereinbart wurde die über das Ende der Hilfebedürftigkeit hinaus geht.
Wurde keine Gültigkeit über das Ende der Hilfebedürftigkeit hinaus vereinbart, sind beide Parteien mit dem Wegfall der Hilfebedürftigkeit nicht mehr an den Inhalt gebunden. Eine gesonderte Kündigung ist in diesem Fall nicht erforderlich.
Soweit eine Anpassung durch Fortschreibung erforderlich ist, ersetzt die neue EGV diese Eingliederungsvereinbarung.


3. Ziele

Aufnahme einer Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt: Tätigkeit als Helfer/in - Küche am lokalen Arbeitsmarkt (im Tagespendelbereich)


4. Unterstützung durch das Jobcenter

Angebote von Leistungen zur Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Rahmen der Förderung aus dem Vermittlungsbudget. Nach vorherigem gesonderten Antrag werden Ihnen nach Maßgabe des § 16 SGB II i. V. m. § 44 SGB III folgende Leistungen angeboten:

- Kosten für Bewerbungen
Das JC für den Landkreis XX kann Kosten für Bewerbungen pauschal in Höhe von 5,00 Euro pro geschriebene Bewerbung (Ausnahme E-Mail: Erstattung 0,50 Euro pro Bewerbung), max. 300,00 Euro pro Jahr, erstatten.

- Reisekosten zu Vorstellungsgesprächen
Reisekosten zu Vorstellungsgesprächen können erstattet werden, wenn der Arbeitgeber Sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen hat und die Fahrtkosten nicht übernimmt. Bei Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel ist ggf. die Ausstellung einer Fahrkarte, bei Nutzung eines priv. PKW oder eines anderen motorgetriebenen Fahrzeuges eine Entschädigung von 0,20 Euro pro gefahrenem Km möglich.

- Pendelfahrten
für die Fahrtkosten in den ersten drei Beschäftigungsmonaten, Höchstfördersumme max. 300,00 Euro pro Monat

- ggf. Trennungskostenbeihilfe für max. 6 Monate (Höchstfördersumme max. 300,00 pro Monat)

- ggf. Umzugskostenbeihilfe (nur außerhalb des Tagespendelbereiches). Es werden nur die reinen Transportkosten übernommen. Maximale Förderhöchstsumme 1.500,00 Euro)

- Ausrüstungsbeihilfe (keine Sicherheitsausrüstung)

- Eingliederungszuschuss (Lohnkostenzuschuss für Arbeitgeber)
Lohnkostenzuschuss an den Arbeitgeber bei Aufnahme einer beitragspflichtigen Beschäftigung. Höhe und Dauer werden individuell vereinbart.

- Praktika
bei einem Arbeitgeber im Rahmen des § 16 i. V. m. dem § 45 Abs. 1 Satz 2 SGB III. Teilnahme an betrieblichen Praktika von bis zu 2 Wochen und Übernahme notwendiger Fahrkosten (im Einzelfall kann eine Verlängerung bis zu 6 Wochen in Frage kommen)

Alle angebotenen Eingliederungshilfen bzw. -maßnahmen sind vor Eintritt des Anlasses rechtzeitig bei dem zuständigen persönlichen Ansprechpartner zu beantragen. Ein Rechtsanspruch auf eine Bewilligung besteht nicht.


5. Zur Integration in Arbeit

Ich tätige beginnend mit dem Datum der Unterzeichnung dieser Vereinbarung jeden Monat mindestens 2 - schriftliche, online getätigte, telefonische oder persönliche Bewerbungsbemühungen um sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse - auch bei Zeitarbeitsfirmen. Diese Eigenbemühungen weise ich unaufgefordert in jedem persönlichen Termin in der Arbeitsvermittlung nach (Vorlage der Liste meiner Eigenbemühungen).

Vermittlungsvorschläge durch das JC oder die Bundesagentur zählen nicht zu den Bewerbungsbemühungen.

Nach Erhalt von Vermittlungsvorschlägen werde ich mich innerhalb von 3 Tagen auf das Stellenangebot bewerben. Eine Rückmeldung an das JC, ob und wie ich mich beworben habe, bzw. ob ich eingestellt wurde, wird innerhalb von 14 Tagen erfolgen. Mir ist bekannt, dass jede angebotene zumutbare Arbeit angenommen und fortgeführt werden muss um eine Verringerung der Hilfebedürftigkeit herbeizuführen. Hinsichtlich dieser Verpflichtung wird auf § 2 SGB II verwiesen. Hinsichtlich der Zumutbarkeit wird auf § 10 SGB II verwiesen.

6. Arbeitsunfähigkeit

Arbeitsunfähigkeit ist abzugeben.

Ich lege eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung/Bescheinigung über stationären Aufenthalt (Reha, Kur, Krankenhaus etc.) / Bescheinigung über Absolvierung Tagesklinik innerhalb von 3 Tagen nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit vor.


7. Fortschreibung dieser Eingliederungsvereinbarung

Die EGV wird regelmäßig, spätestens jedoch nach Ablauf von 6 Monaten, gemeinsam überprüft und bei Bedarf fortgeschrieben. Sollte aufgrund von wesentlichen Änderungen in Ihren persönlichen Verhältnissen eine Anpassung der vereinbarten Maßnahmen, Leistungen des JC und Ihrer Pflichten erforderlich sein, sind sich beide Vertragsparteien darüber einig, dass eine Fortschreibung dieser EGV erfolgen soll. Das gleiche gilt, wenn das Ziel der Integration in den Arbeitsmarkt nur aufgrund von Anpassungen und Änderungen dieser Vereinbarung erreicht bzw. beschleunigt werden kann.


8. Kündigung dieser Eingliederungsvereinbarung

Haben sich die Verhältnisse, die für die Festsetzung des Vertragsinhalts maßgebend gewesen sind, seit Abschluss des Vertrages so wesentlich geändert, dass einer Vertragspartei das Festhalten an der ursprünglichen vertraglichen Regelung nicht zuzumuten ist, so kann diese Vertragspartei eine Anpassung des Vertragsinhalts an die geänderten Verhältnisse verlangen oder, sofern eine Anpassung nicht möglich oder einer Vertragspartei nicht zuzumuten ist, den Vertrag kündigen (§ 59 Abs. 1 SGB X). Die Kündigung bedarf der Schriftform und soll begründet werden (§ 59 Abs. 2 SGB X).


9. Schlussformel

Die in dieser EGV festgelegten Pflichten und Leistungen zur Eingliederung in Arbeit wurden von den Vertragspartnern gemeinsam erarbeitet. Mit ihrer Unterschrift erklären beide Vertragsparteien, dass sie die gemeinsam festgelegten Pflichten erfüllt werden. Sie erklären sich bereit, aktiv an allen genannten Maßnahmen zur Eingliederung in Arbeit mitzuwirken. Erklärungsbedürftige Punkte und die möglichen Rechtsfolgen bei Verletzungen der festgelegten Pflichten wurden ergänzend mündlich erläutert. Beide Seiten erhalten ein unterschriebenes Exemplar dieser EGV.


10. Rechtsfolgenbelehrung zu den Bemühungen des Kunden zur Integration in Arbeit

Die §§ 31 bis 31b Zweites Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) sehen bei Verstößen gegen die in der EGV festgelegten Pflichten Leistungsminderungen vor. Das ALG II kann danach - auch mehrfach nacheinander - gemindert werden.

Wenn Sie gegen die mit Ihnen vereinbarten, vorgenannten Pflichten oder Eingliederungsbemühungen verstoßen, wird das Ihnen zustehende ALG II um einen Betrag in Höhe von 30 Prozent des für Sie maßgebenden Regelbedarfs zur Sicherung des Lebensunterhalts nach § 20 SGB II gemindert.

Die Minderung dauert grundsätzlich drei Monate (Sanktionszeitraum) und beginnt mit dem Kalendermonat nach Zugang des Sanktionsbescheides.

Während dieser Zeit besteht kein Anspruch auf ergänzende Hilfen nach dem Zwölften Buch Sozialgesetzbuch (Sozialhilfe).

Eine Pflichtverletzung liegt nicht vor, wenn Sie für Ihr Verhalten einen wichtigen Grund darlegen und nachweisen. Folglich tritt keine Leistungsminderung ein. Ein nach Ihrer Auffassung wichtiger Grund, der jedoch nach objektiven Maßstäben nicht als solcher anerkannt werden kann, verhindert nicht den Eintritt der Leistungsminderung.

Wichtige Hinweise:
Sanktionszeiträume aufgrund der Verletzung von Meldepflichten und Verstößen gegen vereinbarte Eingliederungsbemühungen können sich überschneiden. Die Minderung ist jedoch auch in den Überschneidungsmonaten der Höhe nach auf insgesamt 30 Prozent des maßgeblichen Regelbedarfs beschränkt.

Führen die Leistungsminderungen dazu, dass kein ALG II mehr gezahlt wird, werden auch keine Beträge zur Kranken- und Pflegeversicherung abgeführt. Der Versicherungsschutz bleibt dennoch erhalten, anfallende Beiträge müssen Sie jedoch selbst zahlen, sofern nicht ein anderweitiger Versicherungsschutz, z. B. durch ein versicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis, besteht. Sind Sie hierzu nicht in der Lage, entstehen Beitragsrückstände, die jedoch für die Dauer der Hilfebedürftigkeit keine negativen Auswirkungen hinsichtlich der Leistungen durch die gesetzliche Kranken-/Pflegeversicherung haben.

Den vereinbarten Eingliederungsbemühungen müssen Sie auch während eines Sanktionszeitraumes nachkommen.

Auch die Verpflichtung, sich bei der im Briefkopf genannten Stelle persönlich zu melden oder auf Aufforderung zu einer ärztlichen oder psychologischen Untersuchung zu erscheinen, bleibt während des Sanktionszeitraumes bestehen.


Einverständniserklärung

Die EGV wurde mit mir besprochen. Ich bin mit den vereinbarten Aktivitäten einverstanden und verpflichte mich, diese einzuhalten. Ich habe ein Exemplar dieser EGV erhalten."


Diese EGV mit einer Frist, diese bis spätestens zum 24.03.2021 unterschrieben zurückzusenden, ist meiner Mutter zugegangen. Meine Mutter ist bestrebt darin, sich weiterhin eigenständig bzw. mit meiner Hilfe auf geeignete Stellen zu bewerben. Es geht ihr nicht darum, sich auf ALG II auszuruhen.

Trotzdem sehe ich das Unterzeichnen dieser EGV kritisch, es liest sich eher wie eine einseitige Verpflichtungserklärung. Vielleicht schaut jemand von Euch einmal drüber und kann mir Näheres dazu sagen. Was würdet ihr hinsichtlich des weiteren Vorgehens vorschlagen (auf EGV-VA warten oder einen eigenen Vorschlag zur EGV dem JC übersenden)?

Ich danke vielmals für Eure Unterstützung!
 

abcabc

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Hallo und willkommen im Forum.

- ggf. Trennungskostenbeihilfe für max. 6 Monate (Höchstfördersumme max. 300,00 pro Monat)

- ggf. Umzugskostenbeihilfe (nur außerhalb des Tagespendelbereiches). Es werden nur die reinen Transportkosten übernommen. Maximale Förderhöchstsumme 1.500,00 Euro)
Wäre sie denn bereit umzuziehen oder ist es sogar ihr Wunsch?


Ich tätige beginnend mit dem Datum der Unterzeichnung dieser Vereinbarung jeden Monat mindestens 2 - schriftliche, online getätigte, telefonische oder persönliche Bewerbungsbemühungen um sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse - auch bei Zeitarbeitsfirmen. Diese Eigenbemühungen weise ich unaufgefordert in jedem persönlichen Termin in der Arbeitsvermittlung nach (Vorlage der Liste meiner Eigenbemühungen).
Sehr human! Monatlich 2 Bewerbungsbemühungen sollte sie problemlos schaffen und dass sie die nur bei persönlichen Terminen vorlegen muss in Tabellenform, ist perfekt.

Vermittlungsvorschläge durch das JC oder die Bundesagentur zählen nicht zu den Bewerbungsbemühungen.
Eigentlich müssen die zu den Bewerbungsbemühungen/Eigenbemühungen zählen, sobald eine Bewerbung erfolgt....

Nach Erhalt von Vermittlungsvorschlägen werde ich mich innerhalb von 3 Tagen auf das Stellenangebot bewerben. Eine Rückmeldung an das JC, ob und wie ich mich beworben habe, bzw. ob ich eingestellt wurde, wird innerhalb von 14 Tagen erfolgen. Mir ist bekannt, dass jede angebotene zumutbare Arbeit angenommen und fortgeführt werden muss um eine Verringerung der Hilfebedürftigkeit herbeizuführen. Hinsichtlich dieser Verpflichtung wird auf § 2 SGB II verwiesen. Hinsichtlich der Zumutbarkeit wird auf § 10 SGB II verwiesen.
Hier muss sie beachten, dass sie die Rückmeldungen binnen 14 Tagen nachweisbar einreicht. Am Besten sofort an dem Tag, an dem sie die Bewerbung rausschickt. So kann sie immer angeben "noch keine Rückmeldung erhalten" und vergisst es nicht. Sonst drohen sofort 30% Sanktionen für 3 Monate.


Insgesamt so ein paar Kleinigkeiten, die nicht optimal sind. Aber trotzdem unterm Strich eine sehr unproblematische EGV - im Vergleich zu dem, was hier sonst so gepostet wird - meiner Meinung nach.....
 

Ruhrpottmensch

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Hallo & willkommen hier...

Ich machs etwas kürzer, muss nebenbei noch selbst an meinen Eigenbemühungen arbeiten... ;)

Wegen der anhaltenden Pandemielage ist sie von ihrem SB nicht zu einem persönlichen Gespräch eingeladen worden, sondern es fand vor einer Woche ein telefonisches Gespräch statt. Zu den Einzelheiten, was im Gespräch besprochen wurde, kann ich nichts sagen. Jedenfalls wurde wohl kurz ihre jetzige Situation besprochen und das alle bisherigen Jobbemühungen scheiterten. Das Jobcenter wolle meiner Mutter zukünftig immer wieder Stellenangebote zusenden, eine Unterstützung beim Bewerbungen schreiben gibt es wegen der Pandemielage aber nicht.
Alles so weit "in Ordnung" aufgrund der momentanen Situation...
Das etwaige "Bewerbercenter" o.ä. nicht geöffnet haben versteht sich von selbst.
Daran sollte es aber auch nicht scheitern oder?! ;)
Zum Hintergrund: Meine Mutter hat keine abgeschlossene Berufsausbildung, ist Legasthenikerin und hat in ihrem Leben Beschäftigungsverhältnisse mit sehr geringem Anforderungsniveau (Spülhilfe) ausgeübt. In der Zeit nach Beendigung des Anspruchs auf Krankengeld hat sie sich immer wieder auf freie Stellen als Spülhilfe beworben, hat jedoch nur Absagen erhalten. Ohne das böse zu meinen, aber meine Mutter ist praktisch nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt vermittelbar, weil es ihr an Qualifikation fehlt und kaum ein Arbeitgeber eine fast 60 jährige Dame ohne Ausbildung beschäftigen möchte.
Dieser Absatz hat mich ein bisschen "aufhorchen" lassen...
Folgendes bitte nur als unverbindlichen Ratschlag sehen:
Ist hinlänglich der "Einschränkung" schon mal dran gedacht worden, eventuell gemeinsam mit der Familie, da was "zu tun"/"es anzugehen"?
Ist ja durchaus auch mit "große Lebenserfahrung" noch möglich gewisse "Förderung" in Anspruch zu nehmen...

Wenn Deine Mutter sich auch weiterhin "Helferstellen" vorstellen kann... Warum nicht zumindest versuchen?
Folgende EGV ist meiner Mutter vom JC zugegangen:
Wie schon von @abcabc erwähnt...
Relativ "harmlos" im Vergleich zu anderen "Brechern" die man hier so zu lesen bekommt...
Ist vielleicht auch der momentanen Situation auf dem Arbeitsmarkt geschuldet, aber mit so wenigen "Pflichtbewerbungen" pro Monat ist Deine Mutter recht gut weggekommen. Auch die explizite Erwähnung von Unterstützung in Form von Bewerbungskosten, aber auch "Eingliederungshilfen" in einen neuen Job ist durchaus als "positiv" anzusehen...
Trotzdem sehe ich das Unterzeichnen dieser EGV kritisch, es liest sich eher wie eine einseitige Verpflichtungserklärung. Vielleicht schaut jemand von Euch einmal drüber und kann mir Näheres dazu sagen. Was würdet ihr hinsichtlich des weiteren Vorgehens vorschlagen (auf EGV-VA warten oder einen eigenen Vorschlag zur EGV dem JC übersenden)?
Wie gesagt, ist m.E.n. relativ "unkritisch". Man könnte an den genannten drei, vier Punkten noch versuchen zu "verhandeln", bloß weiß man natürlich nie wie ein SB beim JC darauf reagiert. Den Gedanken zu einem EGV-VA würde ich besonders groß "weiterdenken". Das sollte man meiner Meinung nach Deiner Mutter nicht "zumuten"...
Meine Mutter ist bestrebt darin, sich weiterhin eigenständig bzw. mit meiner Hilfe auf geeignete Stellen zu bewerben. Es geht ihr nicht darum, sich auf ALG II auszuruhen.
Das wird hier auch niemand glauben... Im Gegenteil! Für mich zeugt Deine Nachfrage hier, nur von Sorge um Deine Mutter.
Das ist mit dem "Background" auch verständlich und -glaube ich mal- auch sehr wichtig für Deine Mutter. Daumen hoch auf jeden Fall dafür... (y)

Selbigen Daumen drücke ich auch für Deine Mutter, die Jobsuche und auch für Dich. :)
Bei Fragen... Hier im Forum findet sich immer ein netter Hilfesteller... (y)
 

XY707

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Hallo abcabc,

das ging ja sehr schnell, vielen Dank für die Rückmeldung.

Wäre sie denn bereit umzuziehen oder ist es sogar ihr Wunsch?
Das kann ich gar nicht so genau sagen. Ich weiß nicht, was meine Mutter am Telefon diesbezüglich gesagt hat. Meine Mutter hatte ab und zu gegenüber mir geäußert, dass sie doch gerne wieder in die Heimat möchte zu ihren Geschwistern. Bisher hatte sie aber nie konkret etwas dazu gesagt oder gar umgesetzt. Wie darf ich das denn verstehen: Nur wenn meine Mutter in ihrer Heimat ein Jobangebot bekommt, würde ihr die Umzugskostenpauschale zustehen, oder steht ihr diese auch ohne ein Jobangebot zu?

Eigentlich müssen die zu den Bewerbungsbemühungen/Eigenbemühungen zählen, sobald eine Bewerbung erfolgt....

Das ist auch das, was mich stört. Was, wenn das Jobcenter meiner Mutter bspw. 50 Vermittlungsvorschläge im Monat zusendet? Dann wären es 52 Bewerbungsbemühungen insgesamt.

Könnte man dem JC diesbezüglich mitteilen, dass man mit dieser Passage nicht einverstanden ist?
Beitrag wurde automatisch zusammengeführt:

Hallo Ruhrpottmensch,

danke auch dir für deine Unterstützung. Ich bin sehr bestrebt darin, dass es meiner Mutter gut geht und sie zumindest bis zum Eintritt in die Rente einen Job erhält. In ihrer Kindheit ist sehr viel falsch gelaufen, man sucht sich seine Familie leider nicht aus... Umso glücklicher bin ich, dass ich ihr in solchen Angelegenheiten helfen kann und doch etwas mehr um die Ecke denken kann als sie selbst. Nun ja, das dazu.

Ich versuche mal zu den von Euch aufgeführten Dingen etwas zu schreiben und dem Jobcenter ein "Gegenangebot" zu übersenden, bin natürlich über weitere Anmerkungen sehr dankbar.
 
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Ruhrpottmensch

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Wie darf ich das denn verstehen: Nur wenn meine Mutter in ihrer Heimat ein Jobangebot bekommt, würde ihr die Umzugskostenpauschale zustehen, oder steht ihr diese auch ohne ein Jobangebot zu?
Grundsätzlich ist man auch im ALGII Bezug "frei in seinen Entscheidungen".
Heißt: Natürlich darf Deine Mutter auch ohne konkretes Jobangebote umziehen. Mit einem Jobangebot wäre es aber durchaus "leichter" an "Unterstützung" vom JC zu kommen.
Das ist auch das, was mich stört. Was, wenn das Jobcenter meiner Mutter bspw. 50 Vermittlungsvorschläge im Monat zusendet? Dann wären es 52 Bewerbungsbemühungen insgesamt.
Könnte man dem JC diesbezüglich mitteilen, dass man mit dieser Passage nicht einverstanden ist?
Ja natürlich könnte man das anmerken (Dass eben VV auch zur Eigenbemühung zählen)...
Aber ich glaube im hier vorliegenden Fall nicht, dass Deine Mutter jetzt von VV "erschlagen" wird...
Einfach aufgrund der "Ausgangslage" (Ungelernt) und der Branche die momentan selbst fast im Abgrund liegt...
Hallo Ruhrpottmensch,

danke auch dir für deine Unterstützung. Ich bin sehr bestrebt darin, dass es meiner Mutter gut geht und sie zumindest bis zum Eintritt in die Rente einen Job erhält.
Gern...
Ich versuche mal zu den von Euch aufgeführten Dingen etwas zu schreiben und dem Jobcenter ein "Gegenangebot" zu übersenden.
Kannst Dann ruhig einen "ersten" Entwurf hier einstellen...
Hier sind viele "Praktiker" unterwegs, die noch gute Tipps zu Schreiben "ans Amt" geben können... ;)
 

abcabc

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Umzugskosten, Kaution für die neue Wohnung, etc. werden nur übernommen, wenn sie einen wichtigen Grund hat - z.B. eine feste Jobzusage. Ansonsten kann sie es zwar versuchen, aber es ist eher unwahrscheinlich, dass man ihr das genehmigt.
Sie kann natürlich auch ohne Genehmigung umziehen, dann muss sie Umzugskosten, Kaution und ggf. anfallende "Erstausstattung (eher unwahrscheinlich) selbst finanzieren. Die angemessenen Kosten der Unterkunft (die jeweils für die Adresse der Mietwohnung individuell sind) muss sie beachten, da sonst Miete und Nebenkosten nur anteilig übernommen werden. das neue JC kann sie nicht als Kundin ablehnen.

Das ist auch das, was mich stört. Was, wenn das Jobcenter meiner Mutter bspw. 50 Vermittlungsvorschläge im Monat zusendet? Dann wären es 52 Bewerbungsbemühungen insgesamt.
Das wären unangemessen viele. Aber selbst wenn drinstehen würde, dass VVs als Eigenbemühungen zählen, darf das JC trotzdem mehr als 2 VVs pro Monat verschicken. Und ob es jetzt 8 oder 10 VVs pro Monat sind, ist unterm Strich egal.
Wären es hingegen 10 Eigenbemühungen pro Monat, wäre es wichtig, dass VVs als Eigenbemühungen gezählt werden.


Ich würde die EGV an ihrer Stelle wahrscheinlich so unterschreiben. Am Tag der Bewerbung ist ein Online-Fax mit der "Rückmeldung" schnell geschickt (reicht ein Satz: "hiermit teile ich Ihnen mit, dass ich mich heute auf ihren VV vom xx.xx.xxxx bei der Firma XY beworben habe. Ich habe noch keine Rückmeldung erhalten.") Und schon kann da nichts mehr passieren.
 

XY707

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Danke!!! Nein, aufgrund der aktuellen Lage gehe ich auch nicht davon aus, dass sie mit entsprechenden Angeboten überrannt wird. Wie ist denn das rechtlich zu werten, wenn das Jobcenter als Ziel "Küchenhilfe" setzt. Bedeutet das, dass nur solche Jobangebote übermittelt werden dürfen oder auch ähnliche z. B. Produktionshelfer - Lebensmittelherstellung etc.?
 

abcabc

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Sie kann sich FREI bewerben auf alle Stellen die ihr gefallen - vorausgesetzt sie hat halbwegs realistische Chancen den Job zu bekommen. Als Gärtner sollte man sich z.B. nicht für Stellen als Raketeningenieur bewerben.
Und das JC kann ihr relativ "willkürlich" VVs schicken. Schau mal ins SGB II §10 bzgl. der Zumutbarkeit:
 

XY707

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Okay, dann wäre es wohl aufgrund des § 10 SGB II eher nicht sehr sinnvoll eine entsprechende Regelung dem JC vorzuschlagen, dass nur Jobangebote - Küchenhilfe - übersendet werden dürfen.
 

Ruhrpottmensch

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Bedeutet das, dass nur solche Jobangebote übermittelt werden dürfen oder auch ähnliche z. B. Produktionshelfer - Lebensmittelherstellung etc.?
Wenn das in der (dann unterschriebenen) EGV vereinbart ist, sollte man in der "Arbeitsvermittlung" schon drauf gucken, was man da an Deine Mutter raus schickt. Im Grunde musst dass das JC aber gesetzlich eben nicht. Deswegen würde eine "Forderung" nach bestimmten Berufsfelder im Grunde auch nichts bringen. Das könnte man eventuell -gemeinsam mit Dir als Beistand- mal bei einem Gespräch mit der zuständigen SB erwähnen...

Aber VV können prinzipiell aus allen Bereichen kommen. Da würde ich an Deiner Stelle eventuell auch ein wenig mit drauf schauen...
Ich sags mal so (Ohne das jetzt wertend zu meinen): Aber mit der Einschränkung Deiner Mutter, kann niemand verlangen, dass sie sich jetzt auf einmal mit Computer und endlosen "Schriftkram" auseinander setzen muss/soll...
 
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XY707

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So sehe ich das auch. Sie hatte noch nie in ihrem Leben eine Computermaus in der Hand, von daher werden solche Jobangebote auch nichts bringen. Gegen die gesetzliche Regelung möchte ich mich aber auch gar nicht auflehnen.
 
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