Ein Elternteil ist gestorben, was ist mit dem Ersparnis und welche Auswirkungen hat es auf die allein lebende Tochter? (3 Betrachter)

Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 2)

Harald

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folgende Fall:

Familie aus zwei Personen, beide Rentner.

Nun ist der Ehemann gestorben und hat Ersparnis in vierstelligen Bereich auf (mit seiner Frau gemeinsamen Konto) hinterlassen.

Zählt es als Erbe und vorallem welche Auswirkungen kann es für erwachsene alleinlebende Tochter (Harz IV) haben? Kann das Jobcenter dieses Ersparnis auf die Frau und die Tochter verteilen und bei der Tochter es als Einkommen rechnen?

P.s. ein schriftliches Testament gibt es nicht.
 

chris1975

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Es kommt drauf an ob für das Konto irgendwelche Vereinbarungen getroffen wurden oder nicht.

Als Laie würde ich sagen: Bei gemeinsamem Konto gehört die Hälfte dem Mann und die Hälfte der Frau.
Stirbt der Mann wird dessen Hälfte vererbt. Die Frau bekommt die Hälfte und die Tochter auch.
Das Endergebnis ist dann dass nach dem Erben der Frau 3/4 des Geldes gehört und der Tochter 1/4.

Oder um es mal in Zahlen darzustellen
Fiktiver Kontostand: 8000 €
Der Frau gehört: 4000 €
Dem Mann gehört: 4000 €
Der Tochter gehört: 0 €
Mann stirbt, die 4000 € vom Mann werden aufgeteilt auf Frau und Tochter, also beide bekommen jeweils 2000 €.
Neuer Kontostand Frau: 4000 + 2000 €
Neuer Kontostand Tochter: 0 + 2000 €

Bin aber kein Experte und vermute nur dass es so ist. Wie genau es sich verhält, das können nur Experten fürs Erbrecht sagen, d.h. Anwälte.

Wobei die Tochter das Erbe ja auch ausschlagen kann, dann gehört der Frau alles.
 

Harald

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Vielen Dank erstmal für die anschauliche Erklärung! Nein, es wurden keine Vereinbarung getroffen, keine Vollmacht, kein Testament.

Die Hauptfrage besteht darin, ob es eventuell Schwierigkeiten für die Tochter geben wird (da Harz IV)... kann Jobcenter überhaupt davon erfahren?

Es wird doch sofort als Einkommen gezählt! Kann die Tochter eigentlich die Erbe ablehnen und dass der Mutter alles überlassen?
 

avrschmitz

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Wobei die Tochter das Erbe ja auch ausschlagen
Kann sie nicht, sofern sie ALGII bezieht und keine Schulden vererbt werden. Aber von dem Erbe werden erst alle Kosten abgezogen wie z.B. Beerdigung. Der Rest ist Erbe. Genaueres kann aber @TazD sagen, er ist Spezialist in dem Bereich und wird hier bestimmt noch etwas schreiben.
 

Harald

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Aber kann die Tochter eventuell die Erbe ablehnen dass die Mutter alles bekommt? und du musst es schriftlich alles erfolgen?
 

Mona Lisa

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Die Hauptfrage besteht darin, ob es eventuell Schwierigkeiten für die Tochter geben wird (da Harz IV)... kann Jobcenter überhaupt davon erfahren?
Die Hauptantwort lautet: wenn die Tochter etwas verschweigt, ist das Betrug. Und wenn Du mit Schwierigkeiten Anrechnung meinst: Ja, aber das betrifft jedes Einkommen bei Hartz IV, nicht nur ein Erbe.
 

avrschmitz

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Aber kann die Tochter eventuell die Erbe ablehnen
Ablehnen oder Ausschlagen ist doch dasselbe. Bei Bezug von ALG2 geht es nicht. Kommt das JC dahinter, wird es als Einkommen angerechnet. Dazu käme evtl. noch ein Bußgeld und/oder Strafverfahren. Man kann das Erbe aber minimieren, in dem erst die Kosten damit verrechnet werden. Was dann noch bleibt wird durch Mutter und Tochter geteilt, sofern noch etwas bleibt.
 

Harald

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Okay vielen Dank. das habe ich verstanden. Aber gibt es irgendwo festgelegte Regelungen wo beschrieben wird wie man die Erbe aufteilt?
 

Harald

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genau! Wo halt beschrieben wird welche Personen gehören zu Erbe und wie prozentuell wird es aufgeteilt.
 

ela1953

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Erbt sie denn eigentlich automatisch, wenn die Mutter noch lebt?
Ich kenn es nur so, dass nur Kinder ihr Erbe fordern, die ein schlechtes Verhältnis zu den Eltern haben.
Dann muss z.B. die Mutter das Häuschen verkaufen.
Ansonsten bleibt erst mal alles bei der Mutter.
 

Mona Lisa

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Erbt sie denn eigentlich automatisch, wenn die Mutter noch lebt?
Ich kenn es nur so, dass nur Kinder ihr Erbe fordern, die ein schlechtes Verhältnis zu den Eltern haben.
Dann muss z.B. die Mutter das Häuschen verkaufen.
Ansonsten bleibt erst mal alles bei der Mutter.
Das ist nur beim sog. Berliner Testament so. Da erben die Kinder erst etwas, wenn beide Elternteile verstorben sind. Aber wenn kein Testament vorliegt, bleibt es bei der gesetzlichen Erbfolge.

Hier geht es im Übrigen um Bargeld und nicht um ein Häuschen. Da wird es wohl kaum Probleme bei der Verteilung geben.
 

Harald

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...aber WIE die Erbe genau verteilt werden soll...steht es irgendwo im Gesetz?
 

Mona Lisa

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Gut, dann geht es m.E. nach §§ 1924, 1931, 1371 BGB und Mutter und Tochter erben je zur Hälfte.
 

TazD

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Genaueres kann aber @TazD sagen, er ist Spezialist in dem Bereich und wird hier bestimmt noch etwas schreiben.
Na klar. Ich freue mich doch immer wenn ich erbrechtlich ein wenig weiterhelfen kann. Und das meine ich ernst. :)

Aaaaaalso:
P.s. ein schriftliches Testament gibt es nicht.
Nun ist der Ehemann gestorben
Dann tritt die gesetzliche Erbfolge gemäß §§ 1922 ff BGB ein.

Vorliegend haben wir mit der Tochter einen Erben der ersten Ordnung ( § 1924 BGB) und die Ehefrau als Erbin gemäß § 1931 BGB. Nach § 1931 BGB erhält die Ehefrau, wenn Kinder vorhanden sind, ein Viertel und beim gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft, von dem ich mal ausgehe, ein weiteres Viertel des Nachlasses ( § 1371 BGB).
Gemäß gesetzlicher Erbfolge wird die Ehgefrau also erbin mit einem Anteil von 1/2 und da nur ein Kind vorhanden ist, erhält dieses ebenfalls einen Anteil von 1/2.

und hat Ersparnis in vierstelligen Bereich auf (mit seiner Frau gemeinsamen Konto) hinterlassen.
Wie @chris1975 schon richtig geschrieben hat, fällt bei einem gemeinsamen Konto nur die Hälfte des vorhanden Kontoguthabens in den Nachlass.


Kann das Jobcenter dieses Ersparnis auf die Frau und die Tochter verteilen
Nein, das JC kann hier gar nichts verteilen. Die Aufteilung des Nachlasses richtet sich rein nach dem BGB.

und bei der Tochter es als Einkommen rechnen?
Ja, der Erbteil der Tochter ist Einkommen, sofern der Erbfall während des Leistungsbezugs war, wovon ich ebenfalls ausgehe.

Kann die Tochter eigentlich die Erbe ablehnen und dass der Mutter alles überlassen?
Rein theoretisch kann die Tochter das Erbe auch ausschlagen. Allerdings kann es dann passieren, dass das JC die Leistungen einstellt, weil die Hilfebdürftigkeit mutwillig herbeigeführt wurde.
Als SGB-II-Bezieher hat die Tochter alles zumutbare dafür zu tun, um ihre Hilfebedürftigkeit zu verringern und dazu gehört auch die Annahme eines werthaltigen Nachlasses, auch wenn sie der Mutter lieber alles überlassen würde.

Zählt es als Erbe und vorallem welche Auswirkungen kann es für erwachsene alleinlebende Tochter (Harz IV) haben?
Die Tochter ist mit ihrem hälftigen Anteil Erbin geworden und je nach Höhe dieses Anteils wird sie nur noch anteilig Leistungen vom JC erhalten oder sogar ganz aus dem Leistungsbezug fallen.
 
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Harald

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Erstmal bedanke ich mich ganz herzlich bei jedem einzelnen der mitgeholfen hat! Ihr seid einfach riesen Hilfe für mich und unglaublich starke Community!

Ich entschuldige mich im Vorfeld für meine Formulierungen die vielleicht komisch klingen))

Nun habe ich weitere Frage. Kann sich die Summe des Nachlasses eventuell verringert werden, z.B wenn man davon die Bestattungskosten usw. abzieht?

Und was kann man noch alles von diesem Betrag "absetzen"?
 

TazD

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Bestattungskosten, Arztrechnungen, Heimkosten, Medikamentenzahlungen ..... das sind ein paar der üblichen Nachlassverbindlichkeiten, die vom Nachlasswert abgezogen werden können.
 

Harald

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habe ich das richtig verstanden? Vom Nachlasswert!...und nicht von gesamten Kontostand?
 

TazD

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Ja, vom Nachlasswert. Die eine Hälfte des Kontoguthabens gehört schließlich der Ehefrau und kann somit nicht vererbt werden.
 

Harald

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Aber die Kosten für die Beantragung des Erbscheins gehören nicht dazu oder?
 
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