Dummheit wird bestraft!

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muckelbär

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Ich Idi habe mir selbst so einen bescheuerten unterbezahlten Minijob gesucht.Jetzt soll dieser Ausbeuterjob versicherungspflichtig auf 40 Stunden ausgedehnt werden, wobei Netto auch nicht viel mehr als der Sozialsatz herumkommt. Und das bekommt der AG auch noch zu 30 - 50 % von der ARGE gesponsert. Und dies wohlgemerkt nicht für einen Putz- sondern für einen qualifizierten Sachbearbeiterjob. Dieses Superangebot, was selbst einem hartgesottenen Chinesen die Tränen in die Augen treiben würde, habe ich abgelehnt. Darauf hin hatte der AG nichts besseres zu tun als zur ARGE zu rennen und mich anzuschwärzen. Das Ergebnis ist Strafkürzung meiner ohnehin spärlichen Lebensgrundlage.

Was kann denn jetzt überhaupt gekürzt werden ( 400 € Minijob, 300 €ARGE) =
700 € Gesamt. Muss ich jetzt verhungern??? Was kann ich machen?? Wenn ich das alles vorher gewusst hätte, hätte ich diesen Scheissjob nie angenommen. Arbeit lohnt sich eben nicht und Dummheit wird immer bestraft!

Gruß
muckelbär
 

Faustus

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Ich hätte erst den mund gehalten, und wenn mir dieser AG einen entsprechenden Vertrag angebotern hätte, dann hätte ich eigenhändig
unter der Summe geschrieben + den von der ARGE bezahlenten Betrage = Summe xxx. oder gar nichts von dem und den ARGEn-Betrag von RA einklagen lassen. Ein Qualifizierter Fulltime-job muß mehr bringen als nur Sozialhilfe oder H4. Selber habe ich schon einen AG verorfeigt der die Frechheit hatte mit seinem Angebot so weit runter zu gehen.
 

gelibeh

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ersteinmal können die Dir nur das Kürzen, was Du von der ARGE bekommst. Also vom Regelsatz.
Dann versuch doch mal, ob Du rausbekommst was für so einen Job ortsüblicherweise bezahlt wird. Liegt das Geld 30% darunter, wäre das Lohnwucher und sollte keine Sanktionen nach sich führen, wenn Du ablehnst.
 

gerda52

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Ausbeuterjob

muckelbär meinte:
Ich Idi habe mir selbst so einen bescheuerten unterbezahlten Minijob gesucht.Jetzt soll dieser Ausbeuterjob versicherungspflichtig auf 40 Stunden ausgedehnt werden, wobei Netto auch nicht viel mehr als der Sozialsatz herumkommt. Und das bekommt der AG auch noch zu 30 - 50 % von der ARGE gesponsert.
Welchen Betrag meinst Du mit Sozialsatz, 345 Euro etwa? Und wieviel ist nicht viel mehr?
Du könntest noch prüfen, ob es für die in Frage kommende Branche einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag gibt. Weitere Infos zum Lohn- + Gehaltsminimum findest Du hier.

Gut finde ich, dass Du mithilfst, das Lohnniveau nicht noch weiter absacken zu lassen. :icon_wink:
 
E

ExitUser

Gast
So wie es aussieht, schwillt nicht nur uns der Hals, wenn solch unverschämte Ausbeuterangebote gemacht werden. Ich finde es gut, dass Du Dich wehrst. Recht hast DU!!!

Hier ein Urteil vom SG Berlin:

Nach Absatz 2 der Vorschrift ist eine Beschäftigung einem Arbeitslosen aus allgemeinen Gründen insbesondere nicht zumutbar, wenn die Beschäftigung gegen gesetzliche, tarifliche oder in Betriebsvereinbarungen festgelegte Bestimmungen über Arbeitsbedingungen oder gegen Bestimmungen des Arbeitsschutzes verstößt[/QUOTE]

Die Würde des Einzelnen würde verletzt, könnte dieser aus einer durchschnittlichen vollschichtigen Arbeitsleistung gerade sein physisches Überleben sichern, oder selbst das nicht. Er würde in seinem Wert unzulässig auf ein pures Marktobjekt reduziert, weil ausschließlich die bloße Erhaltung seiner Arbeitskraft oder noch weniger: der bloße durch geringe Nachfrage und übergroßes Angebot bestimmte Preis, nicht aber sein Wert entscheidendes Entgeltkriterium wäre. Sein Menschsein, sein Subjektsein, würde völlig bedeutungslos. Daher kann die von der bundesdeutschen Verfassungs- und Rechtsordnung vorgegebene unterste Grenze für die Entlohnung, die auch die Tarifparteien bindet, nicht die Grenze zum "Hungerlohn" sein. Insoweit vermag die Kammer dem Urteil des BAG vom 24. März 2004 (Az. 5 AZR 303/03) nicht zu folgen. Der "Hungerlohn" gewährleistet schon nicht mehr die physische Existenz, sichert nicht mehr das pure Überleben. Selbst ein Arbeitsentgelt, das gerade noch die physische Existenz, die ganz elementaren materiellen Bedürfnisse (Essen, Trinken, Wohnen, Kleidung) auf essentiellem Niveau sichert, muss unter den dargestellten verfassungsrechtlichen Vorgaben als unzureichend gelten. Das Bundesarbeitsgericht relativiert den von ihm verwendeten Begriff des "Hungerlohns" dadurch, dass es für eine entsprechende Bewertung die "Berücksichtigung aller Umstände des räumlichen, fachlichen und persönlichen Geltungsbereichs des Tarifvertrags sowie der im Geltungsbereich des Tarifvertrags zu verrichtenden Tätigkeiten" verlangt. Der Begriff verliert dadurch nicht nur jede Klarheit. Das BAG verkennt dabei, soweit es für die Feststellung eines auffälligen Missverhältnisses in seiner Entscheidung maßgeblich darauf abstellen will, dass es auf den Wert der Arbeitsleistung ankomme, die grundgesetzliche Grenzziehung. Diese geht gerade davon aus, dass die Arbeitsleistung für den Einzelnen einen durch unsere Rechtsordnung vorgegebenen Mindestwert hat. Dieser entspricht bei vollschichtiger Tätigkeit einer sozialstaatlich-menschenwürdigen Existenzsicherung. An dieser Grenze hört nach den Vorgaben des Grundgesetzes die marktgesteuerte Preisbildung auf. Mit diesem Gedanken beschäftigt sich das BAG nicht ansatzweise.
Die 77. Kammer hat nun entschieden, dass ein Lohn unzulässig sei, der die Höhe der Sozialhilfe für einen alleinstehenden Hilfebedürftigen nicht erreicht. Die Arbeitsagenturen dürften derartige Stellenangebote nicht unterbreiten. Bei Ablehnung durch den Arbeitslosen dürften deshalb Sanktionen nicht verhängt werden.
Die Richter begründen ihre Entscheidung damit, dass ein solches Arbeitsentgelt gegen die Grundrechte der Menschenwürde und der freien Entfaltung der Persönlichkeit sowie gegen das Sozialstaatsgebot und die Vorgaben der Europäischen Sozialcharta verstoße. Inwieweit der Markt und die Produktivität eines Betriebes oder Wirtschaftsbereiches im Vergleich zum übrigen Markt, etwa angesichts einer extremen strukturellen Massenarbeitslosigkeit eine ungünstigere Entgeltgestaltung zulassen oder gebieten würden, sei angesichts der Wertentscheidung des Grundgesetzes für den Sozialstaat rechtlich irrelevant. Mit der Sozialhilfe und dem Arbeitslosengeld II habe der Gesetzgeber die Grenze für das maßgebliche Existenzminimum gezogen. Da ein hieran orientierter Lohn nur dem Existenzminimum des Arbeitnehmers selbst, nicht auch seiner unterhaltsberechtigten Angehörigen, entspreche, stelle dies die Untergrenze des Lohns für vollschichtige Arbeit dar. Nach Auffassung der Kammer müsse diese Grenze, solange der Gesetzgeber nichts anderes ausdrücklich zulasse, auch von den Tarifparteien eingehalten werden.
Die Richter der 77. Kammer stützen ihr noch nicht rechtskräftiges Urteil auf gleichartige Entscheidungen des Arbeitsgerichts Bremen und des Sozialgerichts Fulda. Sie weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass sie mit ihrer Entscheidung von einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 24. März 2004 abweichen, das als Grenze für die Wirksamkeit einer Entgeltvereinbarung den „Hungerlohn“ angesehen hat. Auch die übrigen für die Arbeitsförderung zuständigen Kammern des Sozialgerichts Berlin haben bislang Tariflöhne unter der Höhe der Sozialhilfe nicht als unzumutbar eingestuft.
https://www.widerspruch-und-klage.de/thread.php?threadid=2853&sid=

Das gesamte Urteil zu lesen, ist für alle von uns MEHR als interessant.
 
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