Diskriminierung von wohnungssuchenden ALG-II-BezieherInnen im Landkreis Norteim (1 Betrachter)

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Frank71

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Hartz IV: Diskriminierung von wohnungssuchenden ALG-II-BezieherInnen im Landkreis Norteim


In der neuesten Ausgabe von "hallo mittwoch", einem Anzeigenblatt, das hier im Landkreis Northeim erscheint (und ansonsten gar nicht mal so unsolide ist), konnte man gestern auf Seite 11 unter der Rubrik "Vermietungen Wohnungen" in der linken Spalte ganz unten die folgende
Anzeige lesen:

"NOM: 2 Zi., KĂŒ., Bad, Flur, 50qm, kl. Abst.raum, 1. OG, KĂŒ-Zelle vorh., Fußbd.-Hzg., alle RĂ€ume m. Lampen, Balkon, 300,- € + 100,- € NK, KT 600,- € VS, nicht an HartzIV EmpfĂ€nger, nur an seriöse Mieter m. festem Einkommen".


"Nicht an HartzIV EmpfĂ€nger, nur an seriöse Mieter"? - Ich meine, an diesem Inserat zeigt sich, wie weit die "Verrohung des BĂŒrgertums" in diesem Lande bereits fortgeschritten ist, um den Bielefelder Politikwissenschaftler und PĂ€dagogen Wilhelm Heitmeier zu zitieren.

Es handelt sich bei dieser Anzeige um einen Text, der meines Erachtens den Tatbestand der pauschalen Beleidigung einer ganzen Bevölkerungsgruppe erfĂŒllt oder, wie es der Albert Grosser, Politkwissenschaftler an der Pariser Sorbonne, anlĂ€ĂŸlich seiner Rede zum 9. November 2010 in der Frankfurter Paulskirche ausgedrĂŒckt hat, um "Sozialrassimus".



Ein mit mir befreundeter Jurist meinte sogar, daß der Straftatbestand der "Volksverhetzung" nicht von vornherein auszuschließen ist: denn die Gegenbedeutungen zu "seriös" umfassen zum Beispiel auch VorwĂŒrfe des "BetrĂŒgerischen" usw., was als Kennzeichnung einer ganzen Bevölkerungsgruppe durchaus als Volksverhetzung gewertet werden könnte.

Ich habe heute morgen diese Anzeige an einige MitstreiterInnen gegen Hartz IV hier vor Ort weitergeleitet, und es scheint, daß sich da in den nĂ€chsten Tagen auch etwas tun wird: zum Beispiel plant die hiesige LINKE, zu dieser Anzeige eine Pressemitteilung zu veröffentlichen. Andere gedenken, unter der genannten Telefonnummer anzurufen, mit der Frage, ob die betreffenden Vermieter sich nicht schĂ€men. Wichtig aus meiner Sicht:

Vor allem - nein: eigentlich ausnahmslos - sollten von Hartz IV Unbetroffene ĂŒberlegen, was sie selber in dieser Sache unternehmen können und wollen. Es muß endlich Schluß sein damit, daß wieder und wieder die Leidtragenden alleingelassen werden mit diesen Diffamierungen, endlich sollten viele, viele heraustreten aus ihrer passiven Zuschauerrolle und gerade die Unbetroffenen mit den ihnen geeignet erscheinenden friedlichen Mitteln einschreiten gegen derartige Entgleisungen.

https://frei-blog.blogspot.de/2012/09/diskriminierung-von-wohnungssuchenden.html
 

Holger01

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hartaber4

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"NOM: 2 Zi., KĂŒ., Bad, Flur, 50qm, kl. Abst.raum, 1. OG, KĂŒ-Zelle vorh., Fußbd.-Hzg., alle RĂ€ume m. Lampen, Balkon, 300,- € + 100,- € NK, KT 600,- € VS, nicht an HartzIV EmpfĂ€nger, nur an seriöse Mieter m. festem Einkommen".

Man wÀre auch

SeriöserGanztagsBedarfsberechtigter II

mit festem Einkommen (Quasi-StaatsbĂŒrgschaft).

In solchen FĂ€llen es intelligent umschiffen......
 
S

Spitzbart

Gast
Einerseits hat der Vermieter das Recht, sich sein Mietklientel auszusuchen. Andererseits kann diese Formulierung als diskriminierend gewertet werden.

Da ich die genauen HintergrĂŒnde fĂŒr die Formulierung nicht kenne, vermute ich, daß der Vermieter in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Beziehern von ALG2 gemacht hat. Und um so etwas in der Zukunft zu vermeiden, hat er diesen wenn auch diskussionswĂŒrdigen "Zusatz" gewĂ€hlt.

Man sollte also dieses Thema (genau wie jedes Andere) von allen Seiten grĂŒndlich beleuchten und sich sowohl in die Lage des Vermieters als auch potenziellen Mieters hinein versetzen. Ich persönlich möchte in der heutigen Zeit kein Vermieter sein. Da gibt es rechtlich so viele Dinge zu beachten und "FettnĂ€pfchen", in die man hineintreten kann. Die Immonbilienbranche ist mit Sicherheit keine "Schonkost".
 

ladydi12

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Hallo in die Runde,

dem

Einerseits hat der Vermieter das Recht, sich sein Mietklientel auszusuchen. Andererseits kann diese Formulierung als diskriminierend gewertet werden.

Da ich die genauen HintergrĂŒnde fĂŒr die Formulierung nicht kenne, vermute ich, daß der Vermieter in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Beziehern von ALG2 gemacht hat. Und um so etwas in der Zukunft zu vermeiden, hat er diesen wenn auch diskussionswĂŒrdigen "Zusatz" gewĂ€hlt.

Man sollte also dieses Thema (genau wie jedes Andere) von allen Seiten grĂŒndlich beleuchten und sich sowohl in die Lage des Vermieters als auch potenziellen Mieters hinein versetzen. Ich persönlich möchte in der heutigen Zeit kein Vermieter sein. Da gibt es rechtlich so viele Dinge zu beachten und "FettnĂ€pfchen", in die man hineintreten kann. Die Immonbilienbranche ist mit Sicherheit keine "Schonkost".
schließe ich mich voll und ganz an. Man sollte zunĂ€chst mal mit dem Inserenten darĂŒber reden, warum er das in dem Inserat so geschrieben bzw. was ihn dazu bewegt hat, danach kann man immer noch mit "scharfen" Waffen, wie Anzeige wegen Diskriminierung, Anwalt und Co "schießen".

meint ladydi12
 
G

gast_

Gast
Einerseits hat der Vermieter das Recht, sich sein Mietklientel auszusuchen. Andererseits kann diese Formulierung als diskriminierend gewertet werden.

So ist es, aber: Bei so einem vermieter möchte ich auch nicht wohnen! (Ver)mieten ist vertrauenssache, so seh ich das.

Da ich die genauen HintergrĂŒnde fĂŒr die Formulierung nicht kenne, vermute ich, daß der Vermieter in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Beziehern von ALG2 gemacht hat.

Anzunehmen, aber kein Grund fĂŒr Pauschalverurteilungen

Und um so etwas in der Zukunft zu vermeiden, hat er diesen wenn auch diskussionswĂŒrdigen "Zusatz" gewĂ€hlt.

Ohne daran zu denken, daß es viel wichtiger ist zu schauen, ob der potentielle Mieter in der Vergangenheit mietschulden hatte oder nicht.

Man sollte also dieses Thema (genau wie jedes Andere) von allen Seiten grĂŒndlich beleuchten und sich sowohl in die Lage des Vermieters als auch potenziellen Mieters hinein versetzen.

Ich kann mich in vieles reinversetzen - aber hier ist das sinnlos.

Es geht doch nur darum daß der vermieter richtig abschĂ€tzen können muß, ob er einen ordentlichen Mieter bekommt oder nicht - und das sieht man nicht am Einkommen.

Ich persönlich möchte in der heutigen Zeit kein Vermieter sein.

Ich auch nicht.

Da gibt es rechtlich so viele Dinge zu beachten und "FettnÀpfchen", in die man hineintreten kann. Die Immonbilienbranche ist mit Sicherheit keine "Schonkost".
Aber auch fĂŒr Mieter ist die Rechtslage oft undurchschaubar.
Zumal man sich ja nicht mal drauf verlassen kann, daß ein Anwalt des Mietervereins weiß, was er tut, und man fĂŒr dessen Falsches Verhalten zur Rechenschaft gezogen wird.
 
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