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Die Weltwirtschaftskrise und politische Perspektiven für Europa

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Paolo_Pinkel

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#1
Diese Erklärung des Komitees für eine Arbeiterinternationale (Committee for a Workers" International, CWI) wurde auf einem Treffen des Europäischen Büros des CWI diskutiert, das vom 30. März bis 1. April in London stattfand. Seit 30 Jahren, aber besonders seit 1989 und dem Zusammenbruch des Stalinismus, hielt der neoliberale Kapitalismus – zusammengefasst in dem so genannten ‚Washingtoner Konsens’ – den ganzen Weltkapitalismus im Griff. In der Tat schwenkten die Kapitalisten und ihre Ideologen und auch die Mehrheit der Gewerkschafts- und sozialdemokratischen Führer auf die Idee ein, dass der deregulierte Kapitalismus das beste, das effizienteste mögliche System für die Verteilung von Waren und Dienstleistungen an die Völker der Welt sei. Aber die gegenwärtige verheerende Wirtschaftskrise hat das scheinbar mächtige ideologische Gebäude zu Boden stürzen lassen. Kapitalistische Ökonomen und Politiker stehen Schlange, um zu erklären, dass ihr System entweder schon in einer „Depression“ oder wenigstens einer „großen Rezession” (Strauss-Kahn, Chef des Internationalen Währungsfonds) ist oder eine solche unmittelbar bevorsteht.
Tempo und Tiefe der Krise

Diese Krise ist noch längst nicht ausgestanden, hat aber schon zu einer beispiellosen Zerstörung von Reichtum und Ressourcen auf der ganzen Welt geführt. Ein kapitalistischer Kommentator in Britannien, Hamish McRae, Wirtschaftschef der Zeitung „The Independent” in London, hat geschrieben, dass ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Welt durch die Krise zerstört wurde. Er sagt auch, dass es 10 Jahre dauern werde, um die bereits erfolgte Zerstörung von Reichtum wieder wettzumachen. Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) ging weiter: „Der weltweite Wertverlust der Finanztitel könnte mehr als 50 Billionen Dollar erreicht haben, was der Weltproduktion eines Jahres entspricht.“ Dies ist wahrscheinlich eine Unterschätzung des durch diese Krise verursachten Schadens, weil es die Auswirkungen des Crashs auf die „Realwirtschaft“ nicht zu berücksichtigen scheint. Die Weltbank hat auch erklärt, dass „Entwicklungsländer vor einer Finanzierungslücke von 270 – 700 Milliarden Dollar im Jahr standen, weil Kapitalströme austrockneten. Nur ein Viertel der verwundbaren Länder konnten den Schlag des Wirtschaftsabschwungs abfedern.” Die ADB schätzt die Kapitalverluste letztes Jahr für Asien ohne Japan auf 9,625 Billionen Dollar oder 109 Prozent des BIP, im Vergleich zum weltweiten Durchschnitt von 80-85 Prozent des BIP. Für Lateinamerika betragen die geschätzten Verluste für 2008 2,119 Billionen Dollar oder 57 Prozent des BIP des Kontinents. Schumpeter, der bekannte kapitalistische Wirtschaftsguru, charakterisierte den Kapitalismus einmal als einen Prozess „kreativer Zerstörung”. Diese Zahlen zeigen, dass viel „Zerstörung“ und sehr wenig „Kreativität” für die Arbeiterklasse und die Armen auf dem ganzen Planeten zu sehen sind. Obendrein schätzt die Internationale Arbeitsorganisation, dass die Zahl der ArbeiterInnen, die im nächsten Jahr arbeitslos werden oder in den grauen Strudel der „Unterbeschäftigung“ gezogen werden, irgendwo zwischen 30 und 50 Million liegen wird. Zusätzlich wird geschätzt, dass die Zahl der Armen als Ergebnis dieser Krise um 90 Million zunehmen wird. Es ist wenig überraschend, dass Martin Wolf in der „Financial Times” geschrieben hat, dass die Kosten der Krise bisher denen eines „Krieges” entsprechen.
Diese Zahlen zeigen den epischen Charakter dieser Krise an, die die Bourgeoisie und ihre SprecherInnen in panisches Trudeln gebracht hat. Ihre Stimmung hat einen Anflug von Demoralisierung. Dies wurde in einer Artikelserie in der „Financial Times“ zusammengefasst, die zunehmend den Charakter eines „internen Bulletins“ für den Welt- ,und nicht nur für den britischen, Kapitalismus angenommen hat. Diese skizzierte soweit möglich die Perspektiven für die Weltbourgeoisie in der nächsten Periode. Ihre Folgerungen? „Nicht nur leidet das Finanzsystem unter Verlusten in einem Ausmaß, das niemand vorhersah, auch die Säulen des Vertrauens, auf denen dieser neue Finanzkapitalismus aufgebaut war, sind praktisch zusammengebrochen. So mangelt es allen, vom Finanzminister über den Zentralbanker zum Kleininvestor oder Besitzer einer privaten Rentenversicherung, an einem geistigen Kompass, sie sind benommen und verwirrt.” Der Chef der Moskauer Abteilung von Merrill Lynch ging weiter: „Unsere Welt ist zerbrochen – und ich weiß ehrlich nicht, was sie ersetzen wird. Der Kompass, nach dem wir als Amerikaner gesegelt sind, ist weg … Das letzte Mal, dass ich ein ähnliches Gefühl von Desorientierung und Verlust sah, war bei meinen Freunden [in Russland] als die Sowjetunion zerbrach.” Der Zusammenbruch in Russland, die soziale Konterrevolution nach 1989 war das größte Schrumpfen der Produktivkräfte in der Geschichte in einem Land und übertraf selbst die der USA zwischen 1929 und 1933...

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Paolo
 
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