Die Verantwortungslüge

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wolliohne

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Mit Blick auf die von Staat und eingebetteten Medien lancierten Kampagnen kann man feststellen: Eigenverantwortung wird immer dann angemahnt, wenn uns jemand dazu zwingen will, Verschlechterungen unserer Lebenssituation hinzunehmen. Jeder Widerstand wäre ja dann gleichbedeutend mit der Regression auf ein unreifes Entwicklungsstadium. Eigenverantwortung wird von denen angemahnt, die sich aus der Verantwortung zurückziehen wollen, obwohl sie gut dafür bezahlt werden, diese zu tragen. Ein Beispiel: Bei der «Bankenrettung» 2008 wurde klar, dass Banken zwar ungeniert mit Milliardensummen zockten, aber nicht einsahen, warum sie die Verluste selbst tragen sollten. Dafür hat man ja den Steuerzahler. «Eigenverantwortung» ist heute vor allem der Kampfbegriff der Unverantwortlichen. (…)
Der US-amerikanische Bürgerrechtler Noam Chomsky schreibt: «Die Menschheit soll denken, sie sei wegen zu wenig Intelligenz, Kompetenz oder Bemühungen die einzig Schuldige ihres Nicht-Erfolgs. Das ‚System’ wirkt also einer Rebellion der Bevölkerung entgegen, indem dem Bürger suggeriert wird, dass er an allem Übel schuld sei und mindert damit sein Selbstwertgefühl.» (…)
Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum es so beliebt ist, zu sagen: «Ich fange lieber mit kleinen Veränderungen bei mir selbst an»? Es ist einfach bequemer, Fairtrade-Rosen für 3 Euro zu kaufen, als auf die Straße zu gehen und sich mit der Macht anzulegen. Das erstere verschafft ein wohliges Gefühl, auf der richtigen Seite zu stehen. Das letztere verursacht Angst, ist riskant. Es ist oft mit Selbstzweifeln verbunden oder bedeutet zähes Ringen mit Mitstreitern um den richtigen Weg. Gerade dies wäre aber wirkliche Eigenverantwortung ohne falsche Schuldgefühle und Größenfantasien. Ja, die Veränderung muss bei jedem Einzelnen anfangen. Aber sie darf nicht dort aufhören. Wir haben Verantwortung, aber sie besteht zunächst darin, zu erkennen, wofür wir nicht verantwortlich sind.
Quelle: z-b-saar
 

flandry

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Mehr Eigenverantwortung der Bürger bedeutet weniger Verantwortung und damit weniger Macht des Staates. Ich bezweifle ob der Staat Macht abgeben will.
Dann müsste nämlich Steuerzahlers Gedenktag nicht im Juli sondern im Januar oder Februar sein. Was unter anderem auch bedeutet, dass es weniger Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst gibt.
 

AnonNemo

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Hallo Flandry,
Mehr Eigenverantwortung der Bürger bedeutet weniger Verantwortung und damit weniger Macht des Staates. Ich bezweifle ob der Staat Macht abgeben will.
...

Dass würde stimmen, wenn der Staat das Verhältnis von "Eigenverantwortung" und "Staatsmacht" (proportional) anpassen würde.

Der Staat wird, mit ziemlicher Sicherheit, die Eigenverantwortung der Bürger (und natürlich nur zum alleinigen Wohl der Bürger) erhöhen aber sich selber die Möglichkeit schaffen nichts von der eigenen Macht abzugeben.

Wie? Unsere Politiker und Lobbyisten sind erfinderisch, die werden schon einen Weg finden. :icon_cry:

AnonNemo
 

jockel

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Mehr Eigenverantwortung der Bürger bedeutet weniger Verantwortung und damit weniger Macht des Staates. Ich bezweifle ob der Staat Macht abgeben will.
Dann müsste nämlich Steuerzahlers Gedenktag nicht im Juli sondern im Januar oder Februar sein. Was unter anderem auch bedeutet, dass es weniger Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst gibt.

Falsch - nicht mehr Macht des Staates, sondern mehr Macht für die, die sich die Macht unter den Nagel gerissen haben und die verfügbaren staatlichen Machtinstrumente zu ihrem Eigennutz einsetzen - eben die Vertreter der kapitalistischen Privatwirtschaft.
 

Nimschö

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Verantwortung kann man sinnvoll nur für etwas tragen, worauf man auch Einfluß hat. Wie soll ich denn z.B. als ALG-II-Empfänger verantwortung für meine Zukunft tragen, wenn mir mein Handeln zum gestalten dieser Zukunft fremddiktiert wird?

Im Grunde geht das dann nur, indem man entgegen der Anweisungen derer handelt, die Eigenverantwortung von einem fordern. Eine absurde Situation...
 
E

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Gast
Verantwortung kann man sinnvoll nur für etwas tragen, worauf man auch Einfluß hat. Wie soll ich denn z.B. als ALG-II-Empfänger verantwortung für meine Zukunft tragen, wenn mir mein Handeln zum gestalten dieser Zukunft fremddiktiert wird?

Im Grunde geht das dann nur, indem man entgegen der Anweisungen derer handelt, die Eigenverantwortung von einem fordern. Eine absurde Situation...

So isses!

Diese ominöse "Eigenverantwortung" tauchte doch erst seit Hartz IV auf und wird seitdem gebetsmühlenartig im Zusammenhang mit Erwerbslosen medial verbreitet.

Man sollte als Betroffener stetig eine Muster-EGV und Auszüge aus dem SGB-II n der Hosentasche haben und jedem der mal wieder von Eigenverantwortung quatscht sofort unter die Nase halten und fragen wie das funktionieren soll...!?

Was man als "Kunde" eigenverantwortlich machen kann, ist höchstens seinen SB zu fragen ob man seinen Wohnort verlassen darf, wenn mal was anliegt oder sonstwas braucht oder benötigt...:icon_neutral:

...ist das nun Comedy oder einfach nur paradox und grobe verar***ung?
 

mertenshom

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klar ist das möglich. setzt allerdings voraus, dass die staatlich abhängigen arbeiten gingen. wollen das wirklich alle?
 

Nimschö

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Wie wär's damit, über ein Ende der Abhängigkeit von staatlicher Hilfe nachzudenken? Völlig unmöglich?

VÖLLIG unmöglich nicht. Aber so unwahrscheinlich, dass man nicht groß drüber nachdenken braucht.

Natürlich tut mans( wenn man gesundheitlich noch nicht ganz am Ende ist) trotzdem, bewirbt sich, tut und macht, versucht trotz aller Widernisse diese "Verantwortung dem heiligen Staate nicht mehr "auf der Tasche zu liegen"" zu erfüllen...
...und meist ändert sich trotzdem an der Situation nichts.
 
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VÖLLIG unmöglich nicht. Aber so unwahrscheinlich, dass man nicht groß drüber nachdenken braucht..

Dann auf, auf nach Freising:
Vollbeschäftigung in Freising: Was macht eigentlich eine Arbeitsagentur ohne Arbeitslose? - Arbeitswelt - FAZ

Der Bezirk Freising hat mit 2,4 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote in Deutschland. Was macht eigentlich eine Arbeitsagentur, wenn die Arbeitslosen ausgehen? Ein Gespräch mit Michael Schmidt, Mitglied der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Freising.
 
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Gast
Wie wär's damit, über ein Ende der Abhängigkeit von staatlicher Hilfe nachzudenken? Völlig unmöglich?

ne, völlig unmöglich nicht, aber diese abgelutschten Versuche von den Neoliberalen mit rhetorischen Kapriolen die Tatsachen immer so zu verdrehen, dass die Ewersblosen eh stets selbst Schuld an ihrer Situation seien, sind einfach nur noch lächerlich..

Mit dämlichen Kalenderweisheiten und Floskeln wie: "Frage nicht was dein Land für dich tun kann, sondern frage dich was Du für dein Land tun kannst" findet man als Betroffener auch keinen Arbeitsplatz ausserhalb des Niedriglohnsektors oder der Leiharbeit...

...vor Hartz IV in den 80gern z.B. habe ich auch mal Hilfsarbeiterjobs angenommen, die ich mir selbst freiwillig gesucht habe und man konnte noch relativ gut verdienen und wenn mir das zu blöde war, habe ich mir was anderes gesucht und konnte auch mal arbeitslos sein ohne mich ständig genötigt zu fühlen arbeiten gehen zu "müssen"...

...die Motivation mir wieder Arbeit zu suchen kam von ganz alleine ohne das das Amt mich dazu nötigen musste oder gar indirekt zwingen..

..und wenn ich heute noch gesundheilich so könnte wie ich wollte und ich Erwerbsarbeit ausserhalb von Leiharbeit und Niedriglohnsektor finden würde, dann bräuchte ich bestimmt keinen SB oder Leute mit Kalenderweisheiten zur Hilfe, um mir seltbstbestimmt eine zum Leben ausskommende Erwerbsarbeit zu suchen..

Dieses Eigenverantwortlichkeitsgedusel dienen doch wie andere neoliberale Floskeln auch nur dazu, um die Leiharbeit und den Niedriglohnsektor in der Öffentlichkeit moralisch zu rechtfertigen...
 
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...vor Hartz IV in den 80gern z.B. habe ich auch mal Hilfsarbeiterjobs angenommen, die ich mir selbst freiwillig gesucht habe und man konnte noch relativ gut verdienen und wenn mir das zu blöde war, habe ich mir was anderes gesucht und konnte auch mal arbeitslos sein ohne mich ständig genötigt zu fühlen arbeiten gehen zu "müssen"...

So kann man sich seine Erwerbsbiographie natürlich auch nachhaltig versauen.

Aber das muß nun wirklich jeder selbst wissen.
 

Nimschö

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OK, ich spar mir jeden weiteren Kommentar und warte, bis die FDP in einen anderen Thread abgewandert ist...
 
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So kann man sich seine Erwerbsbiographie natürlich auch nachhaltig versauen.

Aber das muß nun wirklich jeder selbst wissen.

Jau, das ist ja auch vermutlich das Krönungsziel der humanen Evolution und höchste Pflicht eines deutschen Bürgers "Hauptsache Arbeit, koste es was es wolle" ...

.. und es haben ja auch alle Personen seit Geburt die gleichen Bedingungen und Voraussetzungen in ihrem sozialen Umfeld und natürlich ganz besonders die gleichen "CHANCEN" im Konntext mit dem Bildungskanon, um eine ordentliche und tadelose Vita mit anerkanntem Status, selbstverständlich eigenverantwortlich, in der Sozialstruktur würdevoll erreichen zu können, ....ja nee, is klar..:rolleyes:
 
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Jau, das ist ja auch vermutlich das Krönungsziel der humanen Evolution und höchste Pflicht eines deutschen Bürgers "Hauptsache Arbeit, koste es was es wolle" ...

Du kannst doch offenbar mehrere Sätze mit akzeptabler Rechtschreibung und Grammatik aneinanderfügen. Und trotzdem nur Hilfsarbeiterjobs? Oder schreibt da jemand aus der linken Parteizentrale?
 

Ollunddoll

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klar, Du beschaffst die Wohnung, zahlst den Umzug und besorgst VORHER noch den Arbeitsplatz, der natürlich soviel hergibt, daß man nicht noch aufstocken muss, für Behinderte und Ältere Mitbürger kennst Du auch die entsprechenden Arbeitgeber, dann frag ich mich, warum Du sowas nicht mal hier offen legst, anstatt nur Unfug nachzuplappern, den die U.v.L. wieder abgesondert hat:icon_kotz::icon_kotz::icon_kotz:
 
E

ExitUser0090

Gast
Volkswirtschaftlich betrachtet ist eine Quote von unter zwei Prozent als Vollbeschäftigung zu werten. Zumindest habe ich es damals so gelernt und die Definition ist immer noch gültig. Freising liegt offiziell bei 2,4 Prozent. Wenn man die üblichen Taschenspielertricks berücksichtigt mit der die Quote frisiert wird, sieht es wohl noch etwas "schlechter" aus, auch in Freising.

Aber ganz offensichtlich ist die Vollbeschäftigungskampagne der FAZ immer noch nicht vorbei. Da können die schreiben was die wollen, die Realität passt sich einfach nicht der Ideologie an. So was aber auch.
 
E

ExitUser

Gast
Du kannst doch offenbar mehrere Sätze mit akzeptabler Rechtschreibung und Grammatik aneinanderfügen. Und trotzdem nur Hilfsarbeiterjobs? Oder schreibt da jemand aus der linken Parteizentrale?

Nein nicht "nur"! Ich habe auch schon mal in meinen erlernten Berufen gearbeitet, da schaust Du, nä. Bitte erkläre mir warum Du nur schreibst, wie Du darauf schließt und was Du damit andeuten möchtest.

Du kannst dir vermutlich nicht mal ansatzweise vorstellen, dass es Familienkonstellationen und soziale Millieus geben kann, die einem jede Möglichkeit der Förderung verhindern oder kaputt machen können und der weitere Lebensweg davon kausal beeinflußt wird, in welcher Form auch immer...

Zudem halte ich es schon für sehr überheblich und arrogant, wenn Du versuchst Hilfsarbeiterjobs als herabwertendes Attribut für eine Person zu suggerieren...

..das hättest Du dir mal in Anwesenheit meiner Kollegen in der Gießerei oder beim Gerüstbau erlauben sollen...:rolleyes:

Zudem erwartest Du ja auch, das man jede Arbeit annehmen soll, die einem aus der "Abhängikeit" führen soll, also auch Hilfstätigkeiten, die mit z.B. meinen zwei erlernten Berufen nix zu tun haben..

...was sind dann Betroffene mit Berufsabschluß für dich, falls sie solche Jobs annehmen sollten?

Etwa zu blöd, einen von den noch wenigen Jobs in ihrem Beruf ausserhalb von Leiharbeit und Niedriglohn, zu finden, aber gleichzeitig auch nicht doof genug für unwürdige Hilfsarbeitertätigkeiten, die sie aber wiederum im Sinne der "Zumutbarkeit und Eigenverantwortlichkeit" annehmen sollen, um aus ihrer "Hilfsbedürftikeit/Abhängigkeit" raus zu kommen...oder wie jetzt? :confused:
 

roterhusar

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Der Unternehmer wittert erneut linksradikale Unterwanderer.

Den Begriff der "Verantwortung" kannst Du bei den Atomkraftbetreibern studieren. 68 Jahre lang haben sie sich einen Kehrricht um Verantwortung gekümmert. Sie werden diesen Erdball 200Mal zerstören, wenn wir versuchen, die Verantwortung in die eigenen Hände zu nehmen, wozu sie technisch in der Lage sind.
 

Ollunddoll

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Bleib' einfach weiter vom Staat abhängig. Ist besser so für Dich. Ganz bestimmt.

Ich bin nicht vom Staat abhängig, nicht mehr, aber da ich es leider mal war und hier Hilfe bekam, bin ich noch immer hier.
Und was besser für mich ist, kannst DU nicht beurteilen, das kann sicher jeder Kanalarbeiter besser als ausgerechnet DU
 
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