Die Tätigkeitsbeschreibung für den Ein-Euro-Job bei der Caritas weicht stark von der tatsächlichen Arbeit ab.

nierenquetsche

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Um kurz auszuholen. Bin seit ca. Mitte 2016 arbeitslos. In Folge gesundheitlicher Probleme absolvierte ich 2 Jahre eine Arbeitstherapie in einer Therapeutischen Werkstatt. Während dieser Phase lief mein ALG-II-Bezug weiter. Als diese Arbeitstherapie beendet wurde, sollte es mit Hilfe des JC wieder in Richtung Wiedereingliederung in den 1. Arbeitsmarkt gehen. Mir wurden mögliche Maßnahmen vorgeschlagen, die ich mittels Vermittlungsgutschein in Anspruch nehmen könnte. Ich sollte es mir überlegen und würde zeitnah wieder eingeladen werden.

Durch Corona geschah dann lange Zeit nichts. Ich erhielt im September einen Anruf meiner Sachbearbeiterin die mir zum Vermitteln eines 1-Euro-Jobs eine Einladung der zuständigen Stelle im JC zukommen lassen wird. Der Termin kam auch postwendend. Dort war die Dame etwas überrascht warum denn bei mir keine anderen Möglichkeiten ausgelotet wurden, statt mir gleich einem 1-Euro-Job "anzubieten" . Jedenfalls suchte sie nach 1-Euro-Jobs im Büro-Bereich, da ich gelernter Bürokaufmann bin und ich auch in diesem Bereich arbeiten möchte.
Die einzige Stelle, die dem nahe kam, war eine als Empfangskraft in einem Caritas Seniorenheim. Laut Stellenbeschreibung leichte Bürotätigkeiten z.B. zuarbeiten der Verwaltung; Ordnen von Unterlagen zur besseren Übersicht, was sonst nicht erledigt werden würde. Mir wurde auch versichert das es immer wieder Stellen im Büro oder der Verwaltung gibt und ein Wechsel möglich ist. Auch das diese 1-Euro-Jobs öfter in reguläre Arbeitsverhältnisse münden würden. Da der Träger der Maßnahme der Stelle im Caritas-Seniorenheim das Berufsförderungswerk ist, hatte ich dort zuerst einen Vorstellungstermin, danach im Seniorenheim (welcher recht kurz und chaotisch war). Ich müsste nur noch einen Corona-Test machen und es könnte losgehen. Von Seiten des Berufsförderungswerks wurde mir auch noch einmal versichert, das man versuche mich möglichst effektiv von den Bewohnern zu trennen.

Heute hatte ich meinen ersten Tag. Nachdem die Heimleitung anmerkte, das die Pforte für zwei Personen und Corona-Abstand zu klein sein könnte, sollte ich erstmal eine Pflegekraft etwas begleiten um das Personal und die Gegebenheiten kennenzulernen. Ich durfte Getränke ausschenken, Tische decken und Bewohner in den Essenssaal bringen.
Aufgrund der Stellenbeschreibung hatte ich mich natürlich auf etwas anderes eingestellt und bin durchaus verärgert. Mal sehen ob das nur ein Tag war oder ob es morgen so weiter geht.

Solche Probleme bekannt bzw. was könnte ich tun?
 
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Hallo und willkommen im Forum.

zunächst einmal solltest du für dich entscheiden, was DU möchtest. Wenn dir die rechtswidrigen Umstände egal sind und es dir gut tut, könntest du erstmal beide Augen zudrücken und hinterher für jede geleistete Stunde beim MT den Mindestlohn einklagen. Die Chancen dürften hier recht gut sein, dass du die Wertersatzklage gewinnst.
Wenn du dich hingegen entscheidest, dass du dich nicht zu diesem Job zwingen lassen willst, gibt es mehr als genug Ansatzpunkte um ganz schnell diese AGH loszuwerden.

Die wesentlichen Angriffspunkte:
- Eine AGH (1€ Job) darf nur das allerletzte Mittel sein, wenn ausgeschlossen ist, dass du auf dem 1. Arbeitsmarkt vermittelt werden kannst. (Hierfür hätte vorher eine...

abcabc

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Hallo und willkommen im Forum.

zunächst einmal solltest du für dich entscheiden, was DU möchtest. Wenn dir die rechtswidrigen Umstände egal sind und es dir gut tut, könntest du erstmal beide Augen zudrücken und hinterher für jede geleistete Stunde beim MT den Mindestlohn einklagen. Die Chancen dürften hier recht gut sein, dass du die Wertersatzklage gewinnst.
Wenn du dich hingegen entscheidest, dass du dich nicht zu diesem Job zwingen lassen willst, gibt es mehr als genug Ansatzpunkte um ganz schnell diese AGH loszuwerden.

Die wesentlichen Angriffspunkte:
- Eine AGH (1€ Job) darf nur das allerletzte Mittel sein, wenn ausgeschlossen ist, dass du auf dem 1. Arbeitsmarkt vermittelt werden kannst. (Hierfür hätte vorher eine Potenzialanalyse durchgeführt werden müssen. Außerdem darf es keinerlei Bewerbungspflichten mehr geben und auch keine VVs mehr kommen. Die geplante Integration vor Corona beweist hier sogar aufm Papier das Gegenteil).
- Bei 1€ Jobs erfolgt eine Zuweisung durch das JC. Diese Zuweisung ist zu 100% verbindlich für den MT. Es darf 0 Abweichungen von der Zuweisung geben - bei dir wird sie sogar komplett missachtet.
- Deine Tätigkeiten sind weder zusätzlich noch aufschiebbar und damit nicht arbeitsmarktneutral. Ganz klar Schwarzarbeit, wenn du bei der Pflege hilfst und dann sogar noch lebenswichtige Aufgaben wie Getränke ausschenken, in den Speisesaal führen, etc. ausübst.

Es kommt drauf an, ob du das ganze ruhig über die Bühne bringen willst oder lieber für viel Lärm und Krach sorgen möchtest, dass MT und JC sich höllisch die Pfoten an dieser AGH verbrennen?

Selbst der Job an der Pforte dürfte als AGH unzulässig sein. Damit ein Job die Mindestanforderungen einer AGH erfüllt, dürfte NIEMAND an der Pforte sitzen, wenn keine AGH Kraft vor Ort ist. Ansonsten wäre es auch hier Schwarzarbeit, wenn dann eine normal bezahlte Arbeitskraft die Pforte übernehmen würde. Mal ganz davon abgesehen, dass mehr als fraglich ist, wie Tätigkeiten an der Pforte zusätzlich und aufschiebbar sein können. Mit Aufschiebbar meint der Gesetzgeber Monate und nicht Minuten.
 
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nierenquetsche

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Danke für die ausführliche Antwort!

Ich will auf keinen Fall Senioren betreuen; Die eigentliche Arbeit an der Pforte würde ich akzeptieren, allerdings realisiert das Altenheim das nicht. Darüber hinaus habe ich den Eindruck, das die Heimleitung die Grenzen des 1-Euro-Jobs nicht kennt. Sollte ich mich diesbezüglich an den Maßnahmenträger (Bfw) oder direkt das Jobcenter wenden?
 

abcabc

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Wie erfolgte denn die "Zuweisung" zu dieser Maßnahme?
Hast du freiwillig eine EGV unterschrieben oder ähnliches oder per Post eine Zuweisung zur AGH bekommen?
Falls die per Post kam: Stand dort eine Widerspruchsfrist von einem Monat drin? Falls ja, ist der Monat schon vorbei?
 

akaKnut

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Vielleicht noch ergänzend:

Du solltest dir ein Stundenprotokoll führen, aus dem Zeit und jeweils ausgeführte Tätigkeit möglichst konkret hervorgeht. Das könnte später bei der Bewertung, ob der Euro-Job rechtswidrig war, sehr helfen. Auch für das evtl Einklagen des regulären Lohns ist so ein Tätigkeitsnachweis hilfreich.
 

Draisine

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Danke für die ausführliche Antwort!
. Darüber hinaus habe ich den Eindruck, das die Heimleitung die Grenzen des 1-Euro-Jobs nicht kennt. Sollte ich mich diesbezüglich an den Maßnahmenträger (Bfw) oder direkt das Jobcenter wenden?
Du hast hier bereits als Service kraft agiert. Hast Du einen Gesundheitspass? Wenn nicht, dann halte ich das für skandalös. Melde das dem Gewerbeaufsichtsamt. Dann bist Du gleich raus, vermute ich mal.
 

nierenquetsche

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Wie erfolgte denn die "Zuweisung" zu dieser Maßnahme?
Hast du freiwillig eine EGV unterschrieben oder ähnliches oder per Post eine Zuweisung zur AGH bekommen?
Falls die per Post kam: Stand dort eine Widerspruchsfrist von einem Monat drin? Falls ja, ist der Monat schon vorbei?
Die Zuweisung zur AGH bekam ich persönlich bei meinem Termin im Jobcenter. Der Monat ist schon vorbei.
Du hast hier bereits als Service kraft agiert. Hast Du einen Gesundheitspass? Wenn nicht, dann halte ich das für skandalös. Melde das dem Gewerbeaufsichtsamt. Dann bist Du gleich raus, vermute ich mal.
Einen Gesundheitspass habe ich nicht. Musste lediglich vorab einen Corona-Test machen und ein Führungszeugnis beantragen.

Ich bin nun momentan krankgeschrieben. Der Lehrgangsleiter des Maßnahmenträgers (Berufsförderungswerk) hatte sich gestern bei mir telefonisch erkundigt und gefragt ob es denn ein Problem gäbe. Ich teilte ihm kurz den Sachverhalt mit und das ich es auch rechtlich für problematisch halte. Er wirkte darauf etwas konsterniert und meinte, er würde sich darum kümmern und sich wieder bei mir melden. Bislang noch keine Reaktion.

Vermute mal er möchte nun vermeiden, dass das Jobcenter involviert wird.
 

abcabc

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Vermute mal er möchte nun vermeiden, dass das Jobcenter involviert wird.
Das JC ist für die das kleinste Problem. Da drohen viel größere Probleme, wenn du beim Zoll wegen der Schwarzarbeit nachhakst, dich beim Gesundheitsamt/Gewerbeaufsicht/... wegen dem fehlendem Gesundheitszeugnis/Hygienebelehrung/... meldest und mitteilst, dass du trotzdem Getränke verteilst, hinterher für jede Stunde per Wertersatzklage ein "normales" Gehalt einklagst, etc. pp.
1€ Jobber, die unzulässig eingesetzt werden, unzufrieden sind und sich informieren, sind sehr "gefährlich" und unberechenbar. ;)

DU musst jetzt entscheiden, was du willst. Mit möglichst wenig Aufwand aus der AGH rauskommen oder politisch motiviert handeln, dass dieses Altenheim sich die Finger höllisch verbrennt und so schnell keinen 1€ Jobber mehr ausbeutet,.....
 
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nierenquetsche

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Der Lehrgangsleiter des Maßnahmenträgers hat sich heute bei mir telefonisch gemeldet. Er meinte, die Aufgaben an meinem 1. Tag waren nur um Abläufe kennerzulernen etc. Die eigentliche Tätigkeit wäre die an der Pforte. Ich bin diese Woche noch krankgeschrieben. Nächste Woche müsste ich wieder dort weitermachen.

Irgendwelche Tipps? Danke im Vorraus.
 

abcabc

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Du schreibst, dass du 2 Jahre lang eine "Arbeitstherapie" gemacht hast. Hast du so massive gesundheitliche Einschränkungen, dass eine Integration auf dem 1. Arbeitsmarkt problematisch ist oder haben nur irgendwelche SBs/Ärzte o.ä. dir erzählt, dass du das bräuchtest?

Als diese Arbeitstherapie beendet wurde, sollte es mit Hilfe des JC wieder in Richtung Wiedereingliederung in den 1. Arbeitsmarkt gehen. Mir wurden mögliche Maßnahmen vorgeschlagen, die ich mittels Vermittlungsgutschein in Anspruch nehmen könnte.
Hast du irgendwas schriftliches dazu, dass du wieder auf dem 1. Arbeitsmarkt "integriert" werden solltest (EGV, Maßnahmenangebot,...)?
Hintergrund: Eine AGH darf NUR vergeben werden wenn eine Integration auf dem 1. Arbeitsmarkt in absehbarer Zeit unmöglich ist.
Siehe: https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbii/2.html

Was genau steht in deiner Zuweisung zur AGH? Steht dort die Tätigkeit an der Pforte drin?

Das an der Pforte müsste man jetzt gründlicher prüfen bzw. du müsstest die Augen aufhalten, was du dort so für Tätigkeiten ausführst.
1. Werden alle Corona Bestimmungen an der Pforte eingehalten? Du hattest geschrieben, dass du nicht dort arbeiten solltest, weil es für zwei Mitarbeiter zu eng wäre.
2. Was machst du an der Pforte für Tätigkeiten? Sind das wirklich zusätzliche Tätigkeiten, die sich um viele Wochen bis Monate aufschieben lassen usw. usf? Mal hier nachschauen, ob die AGH alle Anforderungen erfüllt: https://www.arbeitsagentur.de/datei/dok_ba014267.pdf
 

nierenquetsche

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Die Arbeitstherapie habe ich freiwillig gemacht. Wurde mir damals als Möglichkeit von meinem Arzt genannt.

Schriftliches zur Wiedereingliederung habe ich nicht.

In der EGV wird die Arbeitsstelle als "Empfangskraft" bezeichnet.

Die Heimleitung hatte an meinem 1. Tag erwähnt, das sie nicht sicher ist ob der Platz an der Pforte ausreichend ist (Pforte ist direkt mit einem Büro verbunden, Türe dazwischen).
 

Allimente

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In der EGV wird die Arbeitsstelle als "Empfangskraft" bezeichnet.
Bitte denk immer daran, dass Du keinen Job machen mußt, der eigentlich ein Vollzeitjob wäre. Jede Deiner Arbeiten muß zusätzlich sein. Das heißt, dass Deine geleistete Arbeit duchaus auch erst in 6 Monaten erledigt werden könnte. Ich bezweifel, dass das als Empfangskraft gegeben ist. Aber das haben Dir hier auch schon Andere geschrieben. Mach das Beste draus.
 
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