Die Reform der Minijobs: Denn sie wissen, was die wollen (1 Betrachter)

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wolliohne

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Mit der Reform der Minijobs stützt die Bundesregierung den Niedriglohnsektor. So heißt es in einer Studie des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), die von der Bertelsmann-Stiftung in Auftrag gegeben wurde: »Es zeigt sich, dass vor allem in der Zeit direkt nach der Minijob-Reform die Zunahme von 400-Euro-Arbeitsverhältnissen mit einem Rückgang von sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung einhergegangen ist.« Dass es sich dabei nicht um ein Randphänomen handelt, verdeutlicht die Bundesagentur für Arbeit (BA): Die gut 7,3 Millionen Minijobs stellen inzwischen mehr als 20 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse. Gewerkschaftsangaben zufolge sind 672 000 Arbeitnehmer zusätzlich auf Hartz IV angewiesen. Die »Leute wollen nebenher arbeiten, diese Freiheit müssen und wollen wir ihnen lassen«, sagte Johannes Vogel (FDP) vorige Woche im Bundestag. Die Rede ist von jenen 2,5 Millionen Arbeitnehmern, die neben ihrer regulären Tätigkeit noch einen Minijob ausüben. Ihre Anzahl hat sich seit 2003 verdoppelt, mittlerweile haben 8,8 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen Zweitjob. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren: Während einerseits von Arbeitsfreude und Konsumbedürfnissen die Rede ist, vermuten Gewerkschaften und Linke unzureichende Löhne hinter dem Trend zum Zweitjob. Bekannt ist etwa das Phänomen der working poor in den USA, die sich nur mit mehreren Jobs über Wasser halten können.
Hilmar Schneider, Bereichsdirektor im IZA, sagte im Deutschlandfunk: »Man weiß nicht wirklich etwas darüber, wer diese Zweitjobber sind«. Er glaube nicht, dass Armut »die treibende Kraft« für einen Mininebenjob sei, sondern schlicht, »dass die Bedingungen für Zweitjobs so günstig sind.« Der Forscher beschreibt Minijobs auch als Sparmodell, wenn Überstunden anstehen – unechte Nebenjobs also. So berichtet Schneider von Fällen, in denen Firmen eigens eine Tochtergesellschaft gründeten, »damit ihre eigenen Mitarbeiter die Möglichkeit haben, Überstunden in Form von Minijobs abzuwickeln«. Das Unternehmen spare dabei die Zuschläge, und die Beschäftigten erhielten durch entfallende Sozialabgaben mehr als ihren regulären Nettolohn. Das klingt nach einer verdeckten Subventionierung durch Sozialversicherung und Fiskus. Während die Koalitionsparteien unbeirrt darauf verweisen, Minijobs seien »notwendig zur Flexibilisierung« und »zum Abarbeiten von Arbeitsspitzen«, forderte der DGB, die Ausnahmeregelungen für »Kleinstarbeitsverhältnisse« abzuschaffen. Denn in einigen Branchen sei der Anteil von Minijobs extrem hoch, in der Gastronomie liege er bei 50 Prozent und im Einzelhandel bei rund 33 Prozent. Es bestehe also eine Konkurrenz zu normalen Arbeitsverhältnissen, selbst wenn dies nicht der Intention der gesetzlichen Regelung entspreche. Für Unternehmen liege die Abgabenlast bei Minijobs mit 30 Prozent relativ höher als normal, betont Max Straubinger (CSU). Demgegenüber stünden, so Diana Golze von der Linkspartei, jedoch die »geringen Standards, die sich eingeschliffen haben«. Es werden oft nicht nur geringere Löhne gezahlt, auch gesetzliche Rechte, wie die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, werden nicht gewährt.
Quelle: Jungle World
 

Anna B.

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Hallo


bei uns im Umkreis gibt es einen privaten Supermarktbetreiber, ca. 45 Märkte, der voll und ganz auf 400 Euro-Kräfte setzt...
er hat 2 Vollzeit-Kräfte im jeweiligen Markt...Chef und Vertretung...dazu 1 bis 2 Auszubildende und der Rest der Mannschaft besteht zu 99 % aus Frauen, auf 400 Euro-Basis...
der fing vor 20 Jahren mit einem kleinen Laden an und hat sich auf Kosten der Mini-jobber "hochgearbeitet"....

zahlt keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, während urlaub erfolgt auch keine Weiterzahlung des Gehaltes...
wenn man die Mitarbeiter darauf hinweist, dann haben alle Angst, etwas zu unternehmen...denn "der schmeißt mich raus und sagt.da stehen 10 andere, die deinen Job machen wollen"...

dieser Ladenbesitzer hält sich an fast keine gesetzl. vorgegebene Regel...
von einem Fall weiß ich, dass eine Fleischfachverkäuferin gar keine Fleischfachverkäuferin ist, sondern eine Hausfrau auf 400 Euro - Basis,...
eine Gesundheitsuntersuchung hat nie stattgefunden..

..ich sehe die Gefahr in der Ausweitung dieser Nebenjob-Regelungen, dass es bald überall so zu geht, wie in dem genannten Beispiel..reguläre Arbeitsplätze werden dadurch vernichtet, genau so ,wie durch 1.Euro-Jobber...
 

redfly

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In der heutigen Zeit fällt in vielen Branchen die Arbeit gebündelt zu einer bestimmten Zeit an. Dafür sind Vollzeitstellen einfach nicht mehr geeignet. Ist leider so.
 

arbeitslos in holland

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in den NL kann man-bis heute-noch keinem weissmachen, wieso denn eine einkommen von 400/450€ steuerfrei sein soll :confused:

was würde denn passieren, wenn die 400/450€ regelungen morgen nicht mehr bestehen würde ?

untergang des abendlandes, oder was :icon_kinn:

das man mit solchen absurden&willkürlichen regelungen, den sozialstaat komplett vor die wand fährt, das hat man irgendwie noch nicht begriffen :icon_party:

bin schon gespannt, wann die FR endlich ihre 400€-job regelung verpasst kriegen.

ist aber leider mit einem flächendeckenden mindestlohn vollkommen unvereinbar :icon_neutral:
 
G

gast_

Gast
dieser Ladenbesitzer hält sich an fast keine gesetzl. vorgegebene Regel...
von einem Fall weiß ich, dass eine Fleischfachverkäuferin gar keine Fleischfachverkäuferin ist, sondern eine Hausfrau auf 400 Euro - Basis,...
eine Gesundheitsuntersuchung hat nie stattgefunden..
Da wäre ein Anruf beim Gesundheitsamt erforderlich...wobei: Heute wird nur noch belehrt - nicht mehr untersucht.
 

Heidschnucke

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Da wäre ein Anruf beim Gesundheitsamt erforderlich...wobei: Heute wird nur noch belehrt - nicht mehr untersucht.
Von der Sache her richtig kannst beim Gesundheitsamt anrufen, aber zuständig ist das Vet.-Amt. das Gesundheitsamt macht nur die Belehrung, für die Kontrolle ist das Vet.-Amt zuständig, und in der Regel machen die das auch min einmal im Jahr oder wenn die bei eine Routinekontrolle ein "neues Gesicht" sehen.
 

Anna B.

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Hallo,

die neuen Gesicherter verschwinden dann von der Fleischtheke..

ich kauf dort jedenfalls nicht...
 
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