Die Minijob-Grenze von aktuell 450€ soll evtl- angehoben werden- wie findet ihr das?

Harzfünfer

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Es ist doch aktuell im Gespräch, v.a. vonseiten der CDU, die Grenze zu geringfügiger Beschäftigung auf 600€ zu erhöhen. Die SPD ist eher dagegen.
Was sagt ihr dazu oder wie findet ihr allgemein das Konzept Minijob?

Ich habe den Eindruck, das Minijobs nicht selten richtige Jobs vernichten. Sie sind ja kostengünstiger.
In Zeiten vor Mindestlohn oder als der Mindestlohn erst kam, da war ja eine dementsprechender Minijob fast eine halbe Stelle. Also der Ersatz für eine sozialversicherungspflichtige halbe Stelle, um es zu präzisieren.

Es soll irgendwie auch früher schon Minijobs gegeben haben, aber ich glaube, seit der Agenda 2010, haben sich solche Beschäftigungsverhältnisse definitiv ausgeweitet.

Für manche Menschen können sie eine Option sein, z.B. für "Hausfrauen", die nur ein bisschen arbeiten wollen/können, oder für Rentner, Studenten, Schüler etc.
Also für Leute, die schon anderweitig krankenversichert sind.
Trotzdem ist es nicht so gut für die Rente. Also man kann es zwar so anmelden, dass es auch für die Rente zählt, aber dies v.a. zeitmäßig, betragsmäßig springt da nicht viel bei raus.

Ich denke, die Anhebung auf 600€ wäre keine so gute Idee. Von Wirtschaftsverbänden wird dies leider schon lange gefordert, Es gibt nämlich, in dem Fall aber zum Glück, wie bei anderen Leistungen/Sachverhalten, keine automatisch ansteigende Grenze.
Also diese wurde auch schon gefordert glaube ich. Dass es eine automatische jährliche Anhebung der Verdienstgrenze geben soll, je nach Lohnentwicklung o.ä.
Was aber derzeit eigentlich heißen würde, dass die Verdienstgrenze sinkt.

Naja sie wurde auch schon lange nicht mehr angehoben. Früher war sie bei 400€, ich glaube das war sogar der Startbetrag, und dann stieg sie auf 450€.

Für Beschäftigungen, die wirklich geringfügig sind, kann es durchaus lohnenswert sein. Meine Mutter z.B. hat einen ganz kleinen Job, und in ihrem Fall werden da auch keine volle oder halbe Stellen zusammengelegt. Wenn sie hierfür reguläre SV-Beiträge zahlen müsste, bliebe wohl nicht viel übrig.

Was in ihrem Fall ärgerlich war und wo es auch schon ziemlich viele Gesetzesänderungen gab, ist die Sache mit der Rentenversicherung der Minijobs.
Sie wurde leider so angemeldet, dass es nicht richtig für die Rente zählt.

Aber wenn man z.B. mal nach Stellenanzeigen schaut, in Zeitungen etc., da sind so krass viele Minijobs dabei. Und dann fast immer in der Reinigungsbranche.

Das ist ja nochmal so eine Sache, nämlich, dass Minijobs v.a. in solchen Branchen zugegen sind, in denen man ohnehin wenig verdient und auch keine so guten Arbeitsbedingungen hat.
 

Elgaucho

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Das beste wäre ....wenn die Besteuerung von geringem Einkommen viel niedriger wäre und der Mindestlohn auf mindestens 13 Euro angehoben wird und prekäre Arbeit verboten wird. Also Arbeitsverträge nur zwischen 2 Parteien vereinbart werden dürfen. Arbeitsverträge mit 3 Parteien gehören umgehend verboten. Das würde Altersarmut in Deutschland drastisch sinken lassen und dann bräuchte man auch garnicht mehr soviele 450 Euro Jobs zum Aufstocken. Wenn alle Menschen in Ihrem ersten Arbeitsverhältnis genug verdienen würden ....dann würden sie nicht mit 450 Euro aufstocken. Kein Mensch macht 2 Arbeitsverhältnisse ...wenn eins finanziell vollkommen ausreicht. Für Studenten und andere die etwas dazuverdienen wollen ist jeder Euro denn sie weitestgehend steuerfrei verdienen können sicher lohnenswert. Grade in Euro-Zeiten ...denn der Euro ist eine Währung die im Gegensatz zur DM nicht grade viel Wert bzw. Kaufkraft hat.
 

abcabc

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Ich finde das ist ein zweischneidiges Schwert.
Für Studenten, Rentner und Nebenjobs sicher gut. Gerade für Rentner und Studenten lukrativ, da die Sozialabgaben bei denen keinen (nennenswerten) Nutzen haben. Aber wenn die Minijobs dann stärker "missbraucht" werden um Sozialabgaben zu vermeiden, ist das natürlich nicht wünschenswert.

Das Mindeste wäre es, dann auch den Mindestlohn entsprechend anzuheben von 9,35€ auf 12,50€ - so dass auch hier 48h pro Monat ohne Sozialabgaben möglich wären.
Aber so lange irgendwelche Vollidioten im Bundestag sitzen, die noch nie die Inschrift auf dem Gebäude gelesen haben "Dem Deutschen Volke", wird weiterhin irgendein Mist entschieden.
 

ZynHH

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Aber wenn die Minijobs dann stärker "missbraucht" werden um Sozialabgaben zu
Genau das passiert schon seit der Einführung der Minijobs. Den Wert jetzt noch so drastisch anzuheben ist eine Sauerei.
Grundsätzlich sollten Minijobs nur für Menschen zulässig sein, die bereits in einem Job oder über Rente volle Sozialleistungen zahlen.
Für alle anderen hat es wie früher Teilzeitverträge mit Zahlung von Sozialabgaben zu geben.
 

Kerstin_K

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Grundsätzlich sollten Minijobs nur für Menschen zulässig sein, die bereits in einem Job oder über Rente volle Sozialleistungen zahlen.
Für alle anderen hat es wie früher Teilzeitverträge mit Zahlung von Sozialabgaben zu geben.
Naja, meine Haushaltshilfe kommt 2 Stunden inder Woche und freut sich ueber den Zuverdienst zu ALG II. Sowas sollte weiter als Minijob möglich bleiben.
 

ZynHH

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Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) lehnt eine Anhebung der Verdienstgrenze bei Minijobs ab. Das machte ein Sprecher des Ministeriums kürzlich deutlich. Er reagierte damit auf Vorschläge der Union, die Anhebung der Grenze für sozialversicherungsfreie Mini-Jobs von 450 Euro auf 600 Euro pro Monat zu erhöhen.

Mit Blick auf eine koalitionsinterne Arbeitsgruppe unter anderem zum Bürokratieabbau sagte der Sprecher Heils, die Forderung nach einer Anhebung der Entgeltgrenze für geringfügig entlohnte Beschäftigung sei nicht neu. Das Arbeitsministerium lehne eine solche Anhebung jedoch weiter ab.
Kwelle: https://m.focus.de/finanzen/news/ba...minijobs-koennte-2021-kommen_id_12565303.html

Hoffentlich bleibt Heil hart.
 

Mona Lisa

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Ist nicht auch angedacht, die Hinzuverdienstgrenzen bei ALG II so zu verändern, daß der Freibetrag von 100 Euro abgeschafft wird und eine prozentuale Anrechnung ab einem bestimmten Verdienst erfolgt, z.B. 800 Euro, und vorher alles angerechnet wird?
 

Uhus

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Ich würde diese Minijobs komplett abschaffen, ergo Gleichbehandlung für alle Jobs. Jeder zahlt Sozialversicherungsbeiträge (wobei der Prozentsatz mit dem Einkommen ansteigen könnte). Dafür dürfte gern das steuerfreie Existenzminimum angehoben werden, parallel dazu selbstredend die Regelsätze beim SGB II und XII.
 

Harzfünfer

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hier noch mal ein Artikel:
positiv ist zumindest, dass es im Gegenzug eine allgemeine Rentenversicherung bei Minijobs geben soll.
 

ZynHH

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hier noch mal ein Artikel:
positiv ist zumindest, dass es im Gegenzug eine allgemeine Rentenversicherung bei Minijobs geben soll.
Das der dafür zuständige Minister schon Nein gesagt hat, hast du aber gelesen? Die cdu versucht seit Jahren auf diesem Weg mehr prekärer Arbeit den Weg zu ebnen....
 

grün_fink

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Wenn ich dran denke, wie die Grenze in den 90ern war, als ich in Westdeutschland meinen ersten Job hatte:
von 390 DM später auf 590/500 DM in den 90ern gestiegen.

Heute ist es der doppelte Betrag. Glaube kaum, dass die unteren Lohngruppen heutzutage das doppelte Netto einbringen wie damals.

Früher wurden solche Jobs gerne von Hausfrauen genommen, als Quelle für Taschengeld oder Aufbessern des Familieneinkommens.
Wie wirkten sich die geringfügigen Jobs eigentlich beim Ehegattensplitting aus?
 

Matt45

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Ich wäre sogar für eine Herabsetzung von 450,- auf 250,- im Monat(für alle Gruppen steuerfrei). >>> Aber auch für ALG2 Empfänger(nicht wie jetzt angerechnet)

Leider sind viele reguläre Vollzeitjobs in immer mehr Minijobs "verschoben" worden!

Man sollte lieber man den großen Niedriglohnsektor angehen und dort mindestens 14,- als Mindestlohn einführen und diese Lohngruppen ganz anders besteuern! Gleiche Vorgehensweise auch bei Teilzeit!

Man muss VZ/TZ wesentlich attraktiver machen als die Minijobs.

Eigentlich schwer zu erklären: Arbeite ich 45 Stunden bekomme ich 450,- im Monat(meistens liegt der Lohm bei 10,-), arbeite ich das vierfache bekomme ich gerade mal etwas mehr als das doppelte Netto ausbezahlt. Meistens müssen dann sogar Familien weiter vom Amt unterstützt werden.

Mit VZ muss man mindestens 500,- mehr haben im Monat als derzeit ohne VZ. Gibt Beispiele wo es fast ausgeglichen ist das Verhältnis und dies kann nicht richtig sein.
 

Woodruff

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positiv ist zumindest, dass es im Gegenzug eine allgemeine Rentenversicherung bei Minijobs geben soll.

Die gibt es schon!


Was gilt für Minijobs in der Gesetzlichen Rentenversicherung?
Minijobs unterliegen seit 2013 der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung. Arbeitgeber zahlen für ihre Minijobber einen Pauschalbeitrag. Die Minijobber selbst zahlen zusätzlich einen Eigenbeitrag. Dadurch kommen sie in den Genuss des vollen Schutzes der gesetzlichen Rentenversicherung. Auf Antrag können sich Minijobber von der Zahlung des Eigenbeitrags befreien lassen.

Quelle:
 

hansklein

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Wie hoch ist der Eigenbeitrag zur Rentenversicherung?

Minijobber zahlen zum pauschalen Rentenversicherungsbeitrag des Arbeitgebers von 15 Prozent in der Regel einen Eigenbeitrag von 3,6 Prozent. Bei einem monatlichen Verdienst von 450 Euro liegt der Eigenbeitrag damit bei 16,20 Euro im Monat. Liegt der Verdienst unter 175 Euro im Monat, ist für den tatsächlichen Verdienst ein Eigenbeitrag von 3,6 Prozent und für die Differenz vom tatsächlichen Verdienst bis 175 Euro der volle Rentenversicherungsbeitrag von 18,6 Prozent zu zahlen. Für geringfügig Beschäftigte in Privathaushalten gelten andere Beträge.
Quelle

Bei einem regulären Tz Job mit 900€ werden ca. fällig:
Für den AN:
Abgaben
- Rentenversicherung (18,60 %)83,70 €1.004,40 €
- Arbeitslosenversicherung (2,40 %)10,80 €129,60 €
- Pflegeversicherung (3,30 %)15,98 €191,76 €
- Krankenversicherung (15,50 %)69,75 €837,00 €
Summe Sozialabgaben180,23 €2.162,76

Für den AG:
Bruttogehalt 900,00 Rentenversicherung83,70 + Arbeitslosenversicherung10,80+ Pflegeversicherung13,73+ Krankenversicherung69,75 €Gesamt1.077,98
Die Ersparnis für den AG, und das was weniger in die jew. Kasse eingeht, wenn er aus einer VZ 2 Tz Stellen macht, kann sich jeder selbst ausrechnen.

Für AN ist der Vorteil, durch die Anrechnungszeit gegebenenfalls in den Genuß der Grundrente kommen zu können, ein Privileg, das unverschuldet kranke Menschen, die keinen Job mehr ausüben können und vor Erkrankung viele Beiträge gezahlt haben, stark benachteiligt. P.P. (Persönliches Pech). Mit dem Stand heute, wäre es für manchen gegebenenfalls nicht von Nachteil für die Rente, Minijobs statt Vz. zu machen. Bekomm ich damit 33 "Grundrentenjahre" zusammen, sind mir die Freibeträge in der Grundsicherung später sicher.

Bekomme ich mit Vollzeit ,unter 80% des Durschnittseinkommens, lediglich z.b. 30 Jahre zusammen, wird die spätere Grundsicherung nicht durch Freibeträge "erhöht", obwohl ich wesentlich mehr und in alle System eingezahlt habe und bin gef.....

Grundrentenzeiten sind doppelt wichtig: Wer mindestens 33, besser aber noch 35 Jahre nachweisen kann, hat gegebenenfalls Anspruch auf den geplanten Zuschuss zur Rente, der Grundrente genannt wird. Wer 33 Jahre nachweisen kann, hat bei der Grundsicherung im Alter Anspruch auf den Freibetrag von bis zu 220,– €. Letzteres gilt auch im – wahrscheinlich seltenen – Fall, dass jemand 33 Jahre mit einem rentenversicherungspflichtigen Minijob nachweisen kann.
Quelle
 
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Harzfünfer

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Was gilt für Minijobs in der Gesetzlichen Rentenversicherung?
Jein. Also es soll so geändert werden, dass wirklich jeder Minijobber regulär rentenversichert ist. Viele sind es nämlich immer noch nicht.
Beitrag wurde automatisch zusammengeführt:

Das der dafür zuständige Minister schon Nein gesagt hat, hast du aber gelesen? Die cdu versucht seit Jahren auf diesem Weg mehr prekärer Arbeit den Weg zu ebnen....
der alleine kann das nicht entscheiden. Der muss umsetzen, was das Kabinett beschließt bzw. auch der Bundestag.
 

hansklein

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Wieso? Dann haben sie eben doppelte Rentenbeiträge.
Wie kommst du darauf??? Siehe hier. (Eigenanteil 16.20€, AG zahlt 67.50€. Im Monat). Da zahlst gerade mal Pfennigs äh Centbeträge ein. Zudem gelten da andere Regelungen.

Quelle
Wichtig ist hierbei aber, dass eine Anrechnung von Rentenzeiten bei einem Minijob nur dann erfolgen darf, wenn nicht bereits andere Pflichtzeiten während der Zeit der geringfügigen Beschäftigung vorliegen. Wenn also der Minijobber seinen Minijob neben einer regulären Tätigkeit ausüben würde, bekäme er Wartezeiten für seine spätere Rente nur aus der regulären Tätigkeit gutgeschrieben und nicht aus seinem Minijob. Seine Zuschläge aus den Entgeltpunkten erhält er aber gutgeschrieben.
Quelle
Gleiches Beispiel wie oben, nur der Minijobber hat sich von der Rentenversicherungspflicht nicht befreien lassen und zahlt aus seinem Minijob noch zusätzliche Rentenversicherungsbeiträge in Höhe von 3,6 Prozent: 6300 € : 37.873,00 € = 0,1663

Der Minijobber erzielt somit für das Jahr 2018 0,1662 Entgeltpunkte. Dies ergibt für die Rente im Jahre 2019 ab 01.07.2019 einen Rentenbetrag von 5,49 € (0,1662 x 33,05 €).
Klasse Geschäft, wenn man lange regulär und mit Minijob arbeitet, "wer braucht schon Freizeit": Nach 30 Jahren Einzahlung bekommst fürstliche 164.7€. Was hat das gekostet? (16.20€+67.50€*12*30)=30.132€/164.70€=15.31 Jahre, bevor du die eingezahlte Summe wieder raushättest, nach der Fiktion. Verbunden mit eher wenig Freizeit und viel Ehre!
 

Harzfünfer

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Naja ich frage mich auch wer das sein soll, der Vollzeit arbeitet und nebenher noch einen Minijob macht. Wozu lebt man da überhaupt noch? Da existiert man ja nur noch zum arbeiten.
 
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