»Die Leute werden ruckzuck nach unten durchgereicht«

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Gast
Es ist nur dummes Gerede, wenn gesagt wird, die Krise verringere die Kluft zwischen arm und reich. Gespräch mit Ralf Herrmann


Ralf Herrmann ist Hartz-IV-Empfänger und Oberbürgermeisterkandidat für die Partei Die Linke in Gelsenkirchen. Er ist auch in der Hartz-IV-Beratung tätig

Konservative Ökonomen behaupten neuerdings, durch die Krise verringere sich die Kluft zwischen Armen und Reichen. Von »einem Kriseneffekt der Gleichmacherei« ist sogar die Rede …

Das ist für mich ein absoluter Witz, im Gegenteil: Die Schere geht weiter auseinander. Wir sehen das täglich in unserer Hartz-IV-Beratung in Gelsenkirchen: Immer mehr Leute kommen –Rentner, die früher damit gar nichts zu tun hatten; Arbeiter, die plötzlich ihre Existenz verlieren. Der Andrang bei den Tafeln nimmt zu. Diese Menschen werden ruckzuck nach ganz unten durchgereicht. Der Reiche hat vielleicht von zehn Millionen eine verzockt, besitzt jetzt noch neun. Wenn diese Leute sich jetzt beschweren, kommen mir keine Tränen.

Im Internet tobte nach Veröffentlichungen dieser Ökonomen am Sonntag eine wütende Debatte. Motto: »Mein Chef wässert seinen Rasen jetzt nicht mehr mit Champagner, sondern nur noch mit Sekt«. Könnte eine solche Empörung nicht ein Hinweis sein, daß sich massiver Widerstand zusammenbraut?

Die Anekdote mit Champagner und Sekt – das ist die passende Antwort. So spielt sich das auf dem Aktienmarkt ab. Jahrzehntelang haben die Spekulanten ihr Vermögen vermehrt. Sie verlieren zwar, werden aber mit ihren verbleibenden Millionen wieder Gewinne machen. Unruhen sind trotz dieser Ungerechtigkeiten nicht in Sicht, die Menschen debattieren zu Hause im Familienkreis. In Gelsenkirchen gibt es im Gegensatz zu vielen anderen Städten noch Montagsdemonstrationen, aber mit der anfänglichen Massenbewegung hat das nichts zu tun. Mag sein, daß sich das nach der Bundestagswahl im September ändert, wenn die Spendierhosen ausgezogen sind und die etablierten Parteien so*ziale Grausamkeiten umsetzen werden. Zum größten Teil werden die sozial Schwachen die Zeche zahlen müssen, beispielsweise mit der zur Zeit in der CDU diskutierten Erhöhung der »kleinen Mehrwertsteuer« von sieben auf 9,5 Prozent.
30.06.2009: »Die Leute werden ruckzuck nach unten durchgereicht« (Tageszeitung junge Welt)

Ist mal ein gutes und ehrliches Interview.
 
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