Die leistungskranke Gesellschaft – Warum Armut krank macht (1 Betrachter)

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wolliohne

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Denn die Tendenz zu permanenter Mobilisierung und Befristung der Arbeitsverhältnisse belastet vor allem die ohnehin Belasteten. Da man seit dem 2001 eingeführten Teilzeit- und Befristungsgesetz eine Arbeitsstelle grundsätzlich zunächst befristet besetzen und ein befristetes Beschäftigungsverhältnis ohne Angabe von Gründen einfach auslaufen lassen kann, ist das Instrument „Befristung“ für viele Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber eine Möglichkeit, psychisch kranke Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder los zu werden. Die Problematik verschärft sich dadurch, dass die meisten befristet Beschäftigten unter einem existenziellen Druck stehen – schließlich verdienen sie häufig wenig und wissen meist nicht, wie es nach der Befristung weitergeht. Bei psychisch labilen Menschen verschlimmert sich durch diesen Druck häufig ihre seelische Not, was wiederum die Wahrscheinlichkeit längerer Arbeitsunfähigkeit erhöht. Und befristet Beschäftigte, die länger krank sind, werden bekanntermaßen nach Ende der Befristung oft nicht weiterbeschäftigt – ein Teufelskreis mit verheerenden Folgen.
Auch wer aufgrund einer psychischen Erkrankung dauerhaft nicht mehr arbeiten kann, ist heute über die gesetzliche Rentenversicherung wesentlich schlechter abgesichert als noch in den 90er Jahren. Zum Jahrtausendwechsel löste die „Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit“ das bis dahin geltende zweistufige Modell der Berufsunfähigkeits- und der Erwerbsunfähigkeitsrente ab. Seitdem ist nicht nur die Rente wegen Berufsunfähigkeit weggefallen,[14] sondern auch die Erwerbsunfähigkeitsrenten wurden stark abgesenkt. Betrug im Jahr 2000 die durchschnittliche Höhe der Neurenten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit noch 706 Euro pro Monat – was nun auch nicht gerade zu einem Leben in Saus und Braus reichte, aber deutlich über dem damaligen Sozialhilfebetrag lag –, sank dieser Betrag von Jahr zu Jahr bis auf 599 Euro im Jahr 2008 ab. In den Jahren 2009 und 2010 lag die durchschnittliche Neurente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit bei jeweils 600 Euro und damit deutlich unter dem durchschnittlichen Hartz-IV-Satz.[15]
Parallel zur Absenkung der Rentenhöhe ist die Zahl der Renten infolge „psychischer Störungen“ massiv gestiegen. Jedem dritten Mann, der 2010 erstmals eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit erhielt, wurde eine „psychische Störung“ attestiert. Bei den Frauen wurden 2010 sogar 45,6 Prozent der Neurenten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit mit einer psychischen Erkrankung begründet. Damit liegen die psychischen Störungen mit Abstand auf Platz eins der Gründe für eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit, weit vor den Erkrankungen von Skelett, Muskeln und Bindegewebe sowie den Herz-Kreislauferkrankungen.
Quelle: Blätter für deutsche und internationale Politik
 
E

ExitUser

Gast
Schön mürbe machen, jegliche Sebstachtung zerstören, und wenn man dann psychisch völlig am Boden ist, kommt die Rettung in Form einer ZAF, bei der man in bälde wohl noch Geld mitbringen muss... hauptsache man "arbeitet, und liegt der Gesellschaft nicht auf der Tasche."
Und schon klappt das auch statistisch mim wirtschaftlichen Aufschwung.

Ein Schelm, wer böses dabei denkt.
 
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