Die Klinik hat mich rehaunfähig entlassen. Welche Folgen habe ich nun zu befürchten?

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Hedera21

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Guten Abend,

ich versuche das ganze so verständlich wie möglich zu beschreiben, sollten dazu Fragen sein stellt diese gerne :)
Habe auch schon viel hier im Forum gelesen aber da ja doch jeder Fall individuell ist dachte ich, dass ich einen eigenen Beitrag dazu mache.

Seit Frühjahr 2020 bin ich durchgehend au wegen Depressionen, Ängsten und Persönlichkeitsstörungen. Ein Jahr später hat mich die Krankenkasse aufgefordert einen Rehaantrag bei der DRV zu stellen, den ich auch fristgerecht gestellt habe. Mir wurde eine psychosomatische Reha für 5 Wochen genehmigt. Auch mein Wunsch diese Reha ambulant zu machen wurde berücksichtigt. In der Zwischenzeit wurde ich ausgesteuert und habe ALG1 nach §145 beantragt was mir auch vorläufig genehmigt wurde. Mein Arbeitsverhältnis ruht.
Der Bescheid der Klinik kam und ich bin zum Aufnahmetermin erschien. Durch starke soziale Ängste fiel es mir sehr schwer, was man mir auch ziemlich bei der Anreise angemerkt hat. Bereits im ersten Gespräch mit der Ärztin dort hat diese in Frage gestellt, ob ich überhaupt rehafähig bin.
Es hat sich relativ schnell nach wenigen Tagen herausgestellt, dass keine Rehafähigkeit gegeben ist, was sie mir auch im vorläufigen Entlassungsbericht attestiert hat. Im endgültigen Entlassungsbericht, der mir noch nicht vorliegt, soll folgendes stehen: Diagnosen, Grund der Rehaunfähigkeit (starke Angstzustände bei Gruppentherapien und generell in der ganzen Klinik usw.) und Entlassung laut ärztlicher Sicht und eine Empfehlung auf einer Behandlung in einer psychiatrischen Tagesklinik (stehe da eh schon auf der Warteliste).

Hier noch ein paar kurze Eckdaten:
- Ich bin seit 10 Jahren angestellt und habe durchgehend meine Beiträge bezahlt
- 8 Wochen psychiatrische Klinik habe ich bereits hinter mir
- Psychotherapie läuft inkl. medikamentöser Behandlung
- Ich bin bei meinem Hausarzt und bei einem Psychiater in Behandlung


Jetzt zu meinen Fragen:
Hat die Rehaunfähigkeit (negative) Folgen für mich?

Wird mein ursprünglicher Rehaantrag jetzt automatisch umgedeutet in einen Rentenantrag?

Die Rehaklinik konnte meine Erwerbsfähigkeit ja nicht einschätzen. Muss ich jetzt zu einem Gutachter oder reichen ärztliche Befunde?

Kommen jetzt wieder Anträge auf mich zu oder bleibt es bei meinem Rehaantrag?



Diese Ungewissheit zieht mich echt runter, zumal sich das jetzt sicher alles in die Länge zieht bis das alles von der DRV bearbeitet wurde.
Ich danke euch schon mal fürs Lesen und fürs eventuelle Beantworten.


Viele Grüße,
Hedera
 

grün_fink

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Hallo Hedera und :welcome:

Ob du jetzt von der DRV eine Rente bekommst oder nicht, kann dir niemand beantworten, denn wir wissen es alle nicht.
Wahrscheinlich wurde von der Klinik eine Aussage zu deiner Arbeitsfähigkeit gemacht. Danach wird sich dann wahrscheinlich das weitere Vorgehen richten.

Da du ja schon ausgesteuert bist, wirst du wenn du dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehst, wahrscheinlich kein ALG 1 bekommen. Bei Bedürftigkeit kommt dann eventuell ALG 2 in Frage.

Ich würde erstmal abwarten, wie der Klinikbericht ausschaut. Der wird ja an deinen Facharzt, Therapeuten oder Hausarzt geschickt. Mit derjenigen oder demjenigen kannst du das dann durchsprechen.
Bis dahin lässt du dich weiter krank schreiben, schickst aber der AfA erstmal keine Krankmeldungen, sonst wird man dir wahrscheinlich das ALG streichen.

Wie es weiter geht, wirst du erst mit dem Klinikbericht oder einem Rentenbescheid wissen können.
Falls du eine Rente bekommen solltest, wird die AfA eh mit der DRV die Zahlungen verrechnen.

LG und schönen Sonntag.
 

HermineL

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Hat die Rehaunfähigkeit (negative) Folgen für mich?
Nein.

Wird mein ursprünglicher Rehaantrag jetzt automatisch umgedeutet in einen Rentenantrag?
Nein.
Abgesehen davon, dass die DRV in der Regel selber keine Reha-Anträge in EMR-Anträge umdeutet, liegt bei dir dafür überhaupt kein Grund vor.

Deine derzeitige Reha-Unfähigkeit hat nichts mit deiner Erwerbsfähigkeit zu tun, sondern spiegelt nur deinen gegenwärtigen Gesundheitszustand wider. Da von der Reha-Klinik eine Tagesklinik als ein Weg zum Heilerfolg angesehen wird und du dort schon auf der Warteliste stehst, gibt es weitere Heilbehandlungen, deren Verlauf zu einer Genesung führen könnte.

Der normale Weg wäre, dass du erst, wenn du nach der Tagesklinik immer noch nicht fit bist, du einen erneuten Antrag bei der DRV stellen kannst. Erst auf diesen Antrag hin wird die DRV wieder tätig und wird deine Erwerbsfähigkeit mittels Reha oder Gutachter überprüfen.

In der Zwischenzeit wurde ich ausgesteuert und habe ALG1 nach §145 beantragt was mir auch vorläufig genehmigt wurde.
Der AFA musst du umgehend mitteilen das du nicht mehr in der Reha bist damit diese weiter deine Leistungen zahlt die während der Reha ruhen. Evtl. hat die AFA hierzu dann noch Fragen ab das muss man erst einmal abwarten.
 

Fabiola

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Da du ja schon ausgesteuert bist, wirst du wenn du dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehst, wahrscheinlich kein ALG 1 bekommen.
Es sei denn @Hedera21steht mit ihrem Restleistungsvermögen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung.
und habe ALG1 nach §145 beantragt was mir auch vorläufig genehmigt wurde.
Da @Hedera21bereits Alg1 nach Nahtlosigkeit bezieht, wird ihr Restleistungsvermögen noch vom arztlichen Dienst (äD) überprüft werden, wenn nicht schon geschehen.
 

Hedera21

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Hallo und schon mal vielen Dank für eure Antworten :)

Kann ich denn jetzt von mir aus eine Erwerbsminderungsrente beantragen? Ursprünglich war die Reha genau dafür gedacht, laut damaligen Schreiben der Krankenkasse. Sie sahen meine Erwerbsfähigkeit als gefährdet an und laut eigener Recherchen würde die Krankenkasse im Falle einer genehmigten EU-Rente die Krankengelder erstattet bekommen.
Ihr meintet der Antrag wird nicht automatisch umgedeutet. Hängt das an meiner Rehaunfähigkeit?

Mein Restleistungsvermögen wurde vom Arbeitsamt bisher nicht geprüft. Der Antrag liegt dort seit Anfang August vor und die letzte Krankmeldung, die noch bis November geht, liegt denen ebenfalls vor. Bekommt man dieses ALG1 nach 145 nicht so lange, bis über die Rente entschieden wurde?
Die persönliche Einschätzung meines Arztes ist, dass ich weiterhin langfristig arbeitsunfähig bin. Ich habe vor dem ÄD des Arbeitsamtes auch Angst, da dieser nur anhand Aktenlage entscheiden wird und bisher keinerlei Berichte bei meinen Ärzten beantragt wurden. Ich selber hatte zum Zeitpunkt des Antrags leider keine Berichte zuhause aber alle von der Schweigepflicht entbunden.


Viele Grüße
 

HermineL

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Kann ich denn jetzt von mir aus eine Erwerbsminderungsrente beantragen?
Können schon aber die DRV wird mit Sicherheit ablehnen. Weil.....
Ursprünglich war die Reha genau dafür gedacht, laut damaligen Schreiben der Krankenkasse. Sie sahen meine Erwerbsfähigkeit als gefährdet an
...die Krankenkasse deine Erwerbsfähigkeit nur als gefährdet ansieht und dich nicht als erwerbsgemindert ansieht. In dem Fall ist aber eine med. Reha das zutreffende Mittel um deine Erwerbsfähigkeit zu sichern. Genau das hat die DRV auch bewilligt.
Eine EMR Antrag hingegen ist zielführend wenn die Erwerbsfähigkeit wohl nicht wieder hergestellt werden kann. Aber dafür bleibt abzuwarten was zumindest das Ergebnis der Behandlung in der Tagesklinik ist.

Hängt das an meiner Rehaunfähigkeit?
Rehaunfähig beudeutet nicht gleich Erwerbsgemindert sondern nur das du derzeit zu krank bist. Es gibt daher gar keine Grundlage für die DRV den Antrag umzudeuten weil deine derzeitige Rehaunfähigkeit nur temporär ist und nichts über deine Erwerbsfähigkeit aussagt.
 

HermineL

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Mein Restleistungsvermögen wurde vom Arbeitsamt bisher nicht geprüft. Der Antrag liegt dort seit Anfang August vor
Solange du deine Leistungen bekommst muss dich das nicht weiter stören wenngleich es sehr ungewöhnlich ist.

und die letzte Krankmeldung, die noch bis November geht, liegt denen ebenfalls vor.
Wenn man ALG I Nahtlosigkeit bewilligt bekommen hat, haben die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen nichts bei der AFA verloren. Diese gibst du nur an die Krankenkasse und an den AG, insofern es da noch einen gibt, aber nicht an die AFA.

Bekommt man dieses ALG1 nach 145 nicht so lange, bis über die Rente entschieden wurde?
Man bekommt ALG I solange wie man einen generellen Anspruch darauf hat oder bis das der Rentenversicherungsträger entschieden hat. Hast du z.B. eine ALG I Anspruch von 12 Monaten dann ist auch nach 12 Monaten Schluss selbst wenn bis dahin keine Entscheidung der DRV vorliegt. In dem Fall kannst du ALG II beantragen.

Die persönliche Einschätzung meines Arztes ist, dass ich weiterhin langfristig arbeitsunfähig bin.
Das mag ja sein aber Arbeitsunfähig und Erwerbsunfähig sind zwei grundlegend verschiedene Dinge die man auch nicht miteinander verwechseln sollte.

Ich habe vor dem ÄD des Arbeitsamtes auch Angst, da dieser nur anhand Aktenlage entscheiden wird und bisher keinerlei Berichte bei meinen Ärzten beantragt wurden. Ich selber hatte zum Zeitpunkt des Antrags leider keine Berichte zuhause aber alle von der Schweigepflicht entbunden.
Davor musst du keine Angst haben, denn eine Spontanheilung nur weil man ausgesteuert wird ist unwahrscheinlich. Solltest du mittlerweile Befundberichte haben kannst du diese beim ÄD nachreichen.
 

Hedera21

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Ich habe mittlerweile einen Befund von meiner Therapeutin. Danke für deinen Tipp, dann werde ich den auf jeden Fall nachreichen.
Dass bisher von dort kein Urteil kam wundert mich, aber vielleicht wollten die einfach erstmal den Rehabericht abwarten.

Laut Ärztin wird im Abschlussbericht keinerlei Einschätzung zur Erwerbsfähigkeit oder zur Arbeitsfähigkeit stehen, da sie mich laut eigener Aussage nicht innerhalb eines Tages beurteilen konnte. Sie meinte es läuft sich auf einen sehr kurzen Brief hinaus mit der Empfehlung einer Akutklinik (in meinem Fall Tagesklinik) und begründen den Abbruch darin, dass ich dort besser aufgehoben sei.

Ich danke dir vielmals für deine ausführlichen Antworten! Es erleichtert mich irgendwie, dass ich nicht mehr allzu unwissend bin.
 

HermineL

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Ich habe mittlerweile einen Befund von meiner Therapeutin. Danke für deinen Tipp, dann werde ich den auf jeden Fall nachreichen.
Dass bisher von dort kein Urteil kam wundert mich, aber vielleicht wollten die einfach erstmal den Rehabericht abwarten.
Achte aber darauf, dass du den Bericht nur dem ÄD direkt übersendest und nicht deinem Sachbearbeiter, denn den gehen schon mangels Qualifikation und fehlender medizinischer Schweigepflicht deine medizinischen Befunde überhaupt nichts an.
 

Hedera21

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Hallo Hermine und alle anderen,

Hab heute Post vom Arbeitsamt dass mein Leistungsvermögen unter 15h liegt und somit das ALG1 nach 145 bewilligt wurde. Ich soll Eu-Rente beantragen.

Wisst ihr ob und was ich meinem Arbeitgeber jetzt mitteilen soll? Oder reichen da weiterhin Krankmeldungen? Mein Arbeitgeber ist momentan über die Reha informiert, muss ich dem mitteilen dass diese abgebrochen wurde und ich wieder in der Krankmeldung bin statt auf Reha?

Vielen Dank und liebe Grüße
 

HermineL

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Wisst ihr ob und was ich meinem Arbeitgeber jetzt mitteilen soll?
Eigentlich ,usst du ihm nichts dazu mitteilen.

Oder reichen da weiterhin Krankmeldungen?
Ja weiterhin AU an den AG und das lückenlos.

Mein Arbeitgeber ist momentan über die Reha informiert, muss ich dem mitteilen dass diese abgebrochen wurde und ich wieder in der Krankmeldung bin statt auf Reha?
Nein musst du nicht denn das sieht es schon wenn er wieder eine AU erhält.

Stelle den Antrag bei der DRV formlos und lasse der AFA einen Nachweis darüber zukommen.
 
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