Die „Agenda 2060“: Bertelsmann Stiftung verbreitet absurde Bevölkerungsprognose

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wolliohne

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In der dem BIAJ inzwischen vorliegenden Pressemitteilung der Bertelsmann Stiftung vom 11. März 2013, mit dem Titel „Der Renteneintritt der Babyboom er setzt die Rentenversicherung schon bald unter Druck“, heißt es: „Der zusätzliche Druck auf das Rentensystems ergibt sich nach den Berechnungen aus dem anhaltenden demographischen Wandel in der deutschen Bevölkerung. Während heute der Anteil der über 65-Jährigen bei 30 Prozent liegt, sieht die Prognose für 2030 einen Anteil von 49 Prozent und für 2060 von 63 Prozent.“
Schon die Behauptung, heute seien 30 Prozent der Bevölkerung 65 Jahre und älter ist absolut falsch. Ende 2011 war 20,6 Prozent der Bevölkerung 65 Jahre und älter. Und auch wenn es selbstverständlich keine sicheren Bevölkerungsprognosen für das Jahr 2060 gibt, es gibt die 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung der statistischen Ämter der Länder und des Bundes. Und in der Variante „Obergrenze der ‚mittleren Bevölkerung’ ist für 2060 tatsächlich die Zahl 63,1 zu finden. Nur sagt diese nicht aus, dass 63,1 oder kurz 63 Prozent der Bevölkerung im Jahr 2060 65 Jahre und älter sein werden.
Sondern: „Auf 100 20 bis unter 65-Jährige kommen 63,1 Prozent 65-Jährige und Ältere“. Das ist aber eine vollkommen andere Aussage als die nicht nur in den Bertelsmann-Medien ungeprüft und unkritisch verbreitete „Schreckensmeldung“ („Agenda 2060“).
Quelle: Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe e.V. (BIAJ) [PDF - 104 KB]
 

hartaber4

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Die Bertelsmann-Stiftung schlägt daher vor, Selbstständige und Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen und die Erwerbstätigkeit der Frauen zu erhöhen.

Quelle:

Studie zur Rente: Fluch der Babyboomer - Geld - Süddeutsche.de


Ist diese Äußerung jetzt etwa unrichtig, nur weil die Bertelsmann-Stiftung sie geäußert hat ?

Wenn eine Spaß-Gesellschaft altert ist das eben nicht immer lustig....

Übrigens:

Ein Gesellschaft die älter wird ist an sich keine Bedrohung..... eher die Art und Weise wie ein Sozialstaat sich finaziert kann zu einer Bedrohung werden (im Fall Deutschland "down-sizen").
 

MacWombel1957

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Die Bertelsmann-Stiftung schlägt daher vor, Selbstständige und Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen und die Erwerbstätigkeit der Frauen zu erhöhen.

Quelle:

Studie zur Rente: Fluch der Babyboomer - Geld - Süddeutsche.de


Ist diese Äußerung jetzt etwa unrichtig, nur weil die Bertelsmann-Stiftung sie geäußert hat ?

Wenn eine Spaß-Gesellschaft altert ist das eben nicht immer lustig....

Übrigens:

Ein Gesellschaft die älter wird ist an sich keine Bedrohung..... eher die Art und Weise wie ein Sozialstaat sich finaziert kann zu einer Bedrohung werden (im Fall Deutschland "down-sizen").


Es vermag sein dass dieser Bericht "stimmen" mag, ich stimme der Aussage voll zu, ALLE (Beamte etc) sollen in die GRV einzahlen ...

Aber ...

Eines könnte ich nicht unterschreiben ...


Die Erwerbstätigkeit der Frauen soll erhöht werden?

Wo doch Frauen, die in 450 € -Jobs "gefangen" sind (siehe anderen Thread ) kaum eine Chance haben, ihre Lebenssituation zu verändern und einen gutbezahlten, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Arbeitsplatz zu finden,
eher gleich Null geht ...

Wo sind die Lösungskonzepte? Papier ist geduldig ...:icon_laber:

Meine Güte, alleinerziehende Frauen sind mit der Lebenssituation
schon genug belastet, Job, Kind(er) unter einen Hut zu bringen
 

hartaber4

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Wo sind die Lösungskonzepte? Papier ist geduldig ...:icon_laber:

Man traue sich einen Blick in die skandinavischen Länder zu riskieren..... dort setzt man eher den Schwerpunkt auf familiengerechte (inkl. Alleinerziehende) Lösungen und nicht auf das Lebensmodell "3x 450,00 € Job-Marathon"

Ob die Mehrheit der Deutschen eine Änderung will...zeigt sich im September 2013 (wohl eher nicht).
 

MacWombel1957

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Und alleinerziehende Männer leiden unter Langeweile.... ??

Der war wirklich gut ...

Hab das selbst hinter mir, Beruf und Kind (mittlerweile über 20) ...

Na und?

Das ging auch, auch Männer können gute Mütter sein, auch alleinerziehend ...

Die Zeiten haben sich geändert, meinen damaligen Beruf könnte und wollte ich heute nicht mehr tun wollen.
 

HajoDF

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Ist diese Äußerung jetzt etwa unrichtig, nur weil die Bertelsmann-Stiftung sie geäußert hat ?

Wenn eine Spaß-Gesellschaft altert ist das eben nicht immer lustig....

Übrigens:

Ein Gesellschaft die älter wird ist an sich keine Bedrohung..... eher die Art und Weise wie ein Sozialstaat sich finaziert kann zu einer Bedrohung werden (im Fall Deutschland "down-sizen").

Sachlich kann ich feststellen: diese Prognose (Äußerung) der Bertelsmannstiftung ist vollkommen falsch, da sie von falschen Fakten ausgeht und diese auch noch zu einem unveränderlichen Rentensystem (Stand "vorgestern!") in Beziehung setzt.
Fakt 1 ist: ab 2030 ist der Rentenbeginn für die gesetzliche Rente bereits 67 und nicht mehr 65 Jahre. D.h. die Zahl der über 65-Jährigen ist gar nicht mehr für Rentenprognosen relevant, sondern nur die Zahl der über 67-Jährigen (67-Jährige und Ältere).
Fakt 2 ist: die Gefährdung der Rentenversicherungsleistung hängt nicht nur von der Anzahl der Rentenbezieher ab, sondern von der Höhe der Leistungen (Renten), die zu dem entsprechenden Zeitpunkt gezahlt wird. Hierzu muss festgestellt werden, dass die Leistung im Rentenfall bereits zur Zeit erheblich gesenkt wird und mindestens bis zum Jahr 2024 wird diese Senkung der Rente kontinuierlich fortgesetzt.
Fakt 3 ist: die Entwicklung der Renten hängt auch wesentlich von der Rentenbezugsdauer ab. Diese wird in Zukunft aber nur für einen previligierten Bevölkerungsteil steigen, denn bei einem stark steigenden Anteil (Prekariat) von Rentenbeziehern wird die Lebenserwartung erheblich fallen und die Dauer des Rentenbezuges damit fallen. (das zu der Zahl 67-Jährige und Ältere)
Fakt 4 ist: die zukünftige Lohnentwicklung findet bei der Bertelsmannprognose nicht statt (das wollen sie auch nicht gern, besonders wenn die Löhne steigen). Eine ernstgemeinte Prognose sollte von richtigen Zahlen ausgehen und mögliche dynamische Entwicklungen berücksichtigen.
Fakt 5 ist: aus dieser falschen Prognose lassen sich die von Bertelsmann geforderten Maßnahmen überhaupt nicht ableiten. Doch die Hauptforderung "Rente mit 69" entspricht ja dem augenblicklichen politischen Trend und da will man ja wissenschaftlic-publizistisch hilfreich sein.

Man merkt die Absicht und man ist verstimmt.

"Wenn eine Spaß-Gesellschaft(?) altert", sollte man sich die Frage stellen, wo die Ursachen liegen!
 

hemmi

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Derweil vergisst man eines Rentner sind auch Wähler und wenn die bösen Rentner sich mitte des Jahrhunderts einig sind und sich ohne sie in der Politik kein Rädchen mehr dreht was willste dagegen tun?
Entmündigen?
Ausserdem wenn ich die Basis der Beitragszahler verbreitere wird auch die Zahl der Rentner größer.
Ich würde zur Gelassenheit raten.:icon_pause:
 
E

ExitUser

Gast
In der dem BIAJ inzwischen vorliegenden Pressemitteilung der Bertelsmann Stiftung vom 11. März 2013, mit dem Titel „Der Renteneintritt der Babyboom er setzt die Rentenversicherung schon bald unter Druck“, heißt es: „Der zusätzliche Druck auf das Rentensystems ergibt sich nach den Berechnungen aus dem anhaltenden demographischen Wandel in der deutschen Bevölkerung. Während heute der Anteil der über 65-Jährigen bei 30 Prozent liegt, sieht die Prognose für 2030 einen Anteil von 49 Prozent und für 2060 von 63 Prozent.“
Schon die Behauptung, heute seien 30 Prozent der Bevölkerung 65 Jahre und älter ist absolut falsch. Ende 2011 war 20,6 Prozent der Bevölkerung 65 Jahre und älter. Und auch wenn es selbstverständlich keine sicheren Bevölkerungsprognosen für das Jahr 2060 gibt, es gibt die 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung der statistischen Ämter der Länder und des Bundes. Und in der Variante „Obergrenze der ‚mittleren Bevölkerung’ ist für 2060 tatsächlich die Zahl 63,1 zu finden. Nur sagt diese nicht aus, dass 63,1 oder kurz 63 Prozent der Bevölkerung im Jahr 2060 65 Jahre und älter sein werden.
Sondern: „Auf 100 20 bis unter 65-Jährige kommen 63,1 Prozent 65-Jährige und Ältere“. Das ist aber eine vollkommen andere Aussage als die nicht nur in den Bertelsmann-Medien ungeprüft und unkritisch verbreitete „Schreckensmeldung“ („Agenda 2060“).
Quelle: Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe e.V. (BIAJ) [PDF - 104 KB]

Auch wenn BIAJ den Eindruck erwecken will, dier Studie stamme von der Bertelsmann Stiftung. Tatsächlich stammt sie von der Ruhr-Universität Bochum. Die Bertelsmann Stiftung war lediglich der Auftraggeber.

In der Studie wird auch nicht behauptet: "Heute seien 30 Prozent der Bevölkerung 65 Jahre und älter".
Es wird vom Altenquotienten gesprochen. Das ist das Verhältnis der 15 bis 64-Jährigen zu den 65-Jährigen und Älteren.

Wer sachlich mitdiskutieren möchte bitteschön:

https://www.nnz-online.de/_daten/mm_objekte/2013/03/192926_0311_70497108.pdf


Sind nur 68 Seiten... :biggrin:
 

HajoDF

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Autor ist Prof. Dr. Martin Werding, Ruhr-Universität Bochum, allerdings im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

Erstellt wurden die Projektionen mit dem Simulationsmodell „SIM.11“ (Social Insurance Modell, Version 2011), das der Verfasser im Auftrag der Bertelsmann Stiftung entwickelt hat.
Die Studie trägt dabei auch den in vielerlei Hinsicht bestehenden Unsicherheiten Rechnung.
Ziel ist es, Handlungsoptionen und Maßnahmen zu identifizieren, die die absehbare Anspannung im Rentensystem wirksam mildern und dazu beitragen können, die Auswirkungen des demographischen Wandels zu bewältigen.

Es handelt sich also keineswegs um eine eigenständige wissenschaftliche Erarbeitung der Universität, sondern um eine Bezahl-Studie nach Vorgaben der Bertelsmann Stiftung.

Inhaltlich ist nur interessant, dass alle sonstigen beeinflussenden Faktoren pauschal als gering eingestuft werden (obwohl nicht stichhaltig belegt), sondern nur die Heraufsetzung der Lebensarbeitszeit (Rente mit 69) als wirksames Mittel zur Stabilisierung der Rente in der Zukunft ausgemacht wird.
Das ist eine ergebnisorientierte Gefälligkeitsstudie.... wie wir sie von Bertelsmann Stiftung gewohnt sind.
 

Roter Bock

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Diese Studie muss man selbst nicht ernst nehmen, gefährlich ist nur das Politiker die Bezahlstudien ernst nehmen.

Das die Lebenserwartung weiter steigt nach dem Motto "in 2013 haben wir 2 % der Bevölkerung über hundert Jahre, also sind es in 2060 etwa 15 %" ist z. B. ebenfalls eine idiotische Annahme.

In den 47 Jahren zwischen den Eckpunkten passen locker 3 Generationen.

Wenn, sagen wir mal ab 2020 die Leute wieder Kinder ohne Ende machen, die aber arbeitslos oder unterbezahlt oder beides bleiben, sieht die Rechnung noch bescheidener aus.

Die Verteilung von Arbeit zu einem gerechten Lohn klappt ja schon heute nicht mehr.

Vielleicht sollte auch mal die Frage stellen in welcher Währung die Rente später bezahlt wird. Der "Euro" ist es wahrscheinlich nicht. So und nun?

Roter Bock
 

hartaber4

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Fakt 1 ist: ab 2030 ist der Rentenbeginn für die gesetzliche Rente bereits 67 und nicht mehr 65 Jahre. D.h. die Zahl der über 65-Jährigen ist gar nicht mehr für Rentenprognosen relevant, sondern nur die Zahl der über 67-Jährigen (67-Jährige und Ältere).

Fakt dürfte aber auch sein, dass nicht jede(r) mit den angeführten Altergrenzen in den Ruhestand geht...... das Bild lässt sich in die eine oder andere Richtung verzerren.....ich hoffe ich kann mir den "Spaß" dann aus dem Ausland angucken....

Ich stelle mal die Behauptung auf:

Wer meint OHNE entsprechende Vorsorge (die man sich erstmal leisten können muss) als Durchschnittsarbeitnehmer bei steigenden Energie-und Rohstoffpreisen 2030 oder gar 2060 in den gesetzlichen Rentenbezug gehen zu können, ohne beim Sozialamt "klingeln" zu müssen ist reichlich naiv.....
 

hartaber4

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Diese Studie muss man selbst nicht ernst nehmen, gefährlich ist nur das Politiker die Bezahlstudien ernst nehmen.

Da bist du aber nicht ganz auf dem aktuellsten Stand..... Politiker bekommen aus Gründen der Bequemlichkeit oft den Gesetzesentwurf von der Lobby vorgelegt.... "Arm heben" und gut ist ...
 

hartaber4

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"Wenn eine Spaß-Gesellschaft(?) altert", sollte man sich die Frage stellen, wo die Ursachen liegen!


Also.... demographische Beulen lassen sich mal eben nicht zeitnah wegvögeln....... das mal zu den Ursachen.

Viele andere westliche Industriestaaten haben sehr ähnliche Entwicklungen in der Bevölkerung...... der Witz:

Die Lösung des Problems liegt in der Art und Weise der Finanzierung eines Sozialsystems (siehe Schweiz oder skandinavische Länder).

Und nur weil Europa bevölkerungstechnisch schrumpft, bedeutet das ja nicht gleich, dass das dazu führt jedem ungelernten Hilfsarbeiter nun das Geld bei den Löhnen nachzuwerfen..... wenn findet das Anwendung auf (akademische) Fachkräfte... denn dieses deutsche System hält ja nur, wenn auch entsprechend Beiträge aus Löhnen entrichtet werden.
 
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